Kategorie-Archiv: E-Newspaper

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Für digitale Rosinenpicker: Pocketstory bietet Lektüre artikel- & kapitelweise an

pocketstory-digitale-rosinenpickerWenn iTunes Musik Track für Track verkaufen kann, sollte man dann nicht auch News oder Literatur artikelweise bzw. kapitelweise vermarkten können? Ja, finden Heiko Hofer, Michael Leitl und Thorsten Höge, die Gründer von „Pocketstory“. „Die Lesegewohnheiten haben sich verändert, es bleibt immer weniger Zeit, ein ganzes Magazin zu lesen. Darauf reagieren wir und picken die Rosinen aus Heften und Büchern“, so Pocketstory-Geschäftsführer Höge. Besonderer Vorteil: „Der Leser bezahlt nur für das, was ihn wirklich interessiert“.

Kuratiert plus Data-Mining

Auf der neuen Plattform erhält man Lektürehappen vom Shortie für 39 Cent bis zur längeren Story für 1,99 Euro. Laut Mission-Statement dreht sich alles um „Geschichten von Menschen, die etwas Besonderes erlebt haben, oder mitten in ihren Abenteuern stecken“. Zum Start findet man zum Beispiel Artikel aus FAZ oder Berliner Zeitung, SPIEGEL oder ZEIT, Mare oder Galore, aber auch aus Büchern des Campus-Verlages. Bei der Auswahl setzt Pocketstory auf eine Mischung aus kuratierten Inhalten und Data-Mining, um auf die Interessen der Leser reagieren zu können. Was registrierte Nutzer auf dem Portal als Auswahl zu sehen bekommen, lässt sich aber auch von ihnen selbst durch entsprechende Filtereinstellungen regulieren.

Rosinenpickerei leider sehr teuer

Um die Auswahl zu erleichtern, wird zudem die durchschnittliche Lesesdauer eines Textes angezeigt. Auf diese Weise wollen die Macher von Pocket-Story Lektüre liefern, die „genau in die Lücke zwischen zwei Bahnhöfe oder das Warten auf den Anschlussflug am Flughafen passt“. Das neue Angebot finanziert sich ausschließlich über Paid-Content und ist werbefrei. Allerdings ist die digitale Rosinenpickerei auch recht teuer: schon nach wenigen Artikeln hat man mehr Geld ausgegeben als für eine komplette Zeitung oder ein Wochenmagazin. Ein preisgünstiges Abo oder eine Flatrate wird derzeit von Pocketstory leider nicht angeboten.

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Im Bett mit Facebook: SPOL & BILD publizieren „Instant Articles“

facebook-instant-articles„Zahnarztsohn wird zum Mega-Verleger“, „Frisst Facebook das restliche Internet?“, „Clever oder Selbstmord?“ – die Twitter-Kommentare nach dem neuesten Content-Coup von Facebook-Chef Mark Zuckerberg klingen doch sehr nach Galgenhumor. Dass große Anbieter wie die New York Times, Guardian, BBC News oder Spiegel Online und Bild nach all den Diskussionen über Google-Snippets nun dem Social-Media-Riesen freiwillig ihre Artikel zum Einbetten zur Verfügung stellen, überrrascht auf den ersten Blick aber tatsächlich.

Facebook selbst wirbt für die „Instant Articles“ vor allem mit einem Argument: mehr Komfort. Die Zeitungs- und Magazinartikel würden nun „zehn mal schneller“ geladen werden. Schneller als was? „To date, however, these stories take an average of eight seconds to load, by far the slowest single content type on Facebook“, erklärt Michael Reckhow, Product Manager bei Facebook.

Außerdem gäbe es da eine Menge interaktiven Mehrwert: Photo-Zoom durch das Bewegen des Mobilgerätes, Auto-Play-Videos, die beim Scrollen durch den Text gestartet werden (Igitt!), interaktive Karten oder das Liken einzelner Textpassagen.

Am Ende geht’s aber natürlich vor allem um Geld. Denn die Verlage dürfen die eingebetten Werbeplätze selbst vermarkten, und erhalten auch die Nutzerdaten. Vergessen darf man natürlich ebensowenig: wo Facebook ist, sind die Leser. Und genau dort wollen die Publisher hin. „BILD muss immer da sein, wo unsere Leser und User sind. Das ist auf Papier so und das ist auch digital so“, begründet etwa Julian Reichelt, Chefredakteur BILD.de die neue Offensive.

Doch es geht interessanterweise gar nicht nur um Werbung. Man wolle zugleich ein „Bezahlmodell für journalistische Inhalte auf Facebook vorantreiben, bei dem BILD und andere Marken eigene Abonnements generieren können“, so Reichelt weiter. Nun also gemeinsam mit Facebook gegen die „Kostenloskultur“?

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taz macht mobil: 20.000 freiwillige Digi-Abos bis Ende 2015 angestrebt

taz-bin-ichAbo-Kampagnen sind die taz-Leser seit Jahrzehnten gewohnt. Doch so aufwändig umworben hat man sie wohl selten: Fast die komplette Titelseite der Montags-taz wurde jetzt von der neuen „taz.bin ich“-Aktion gekapert. Dazu gibt’s eine vierseitige taz.bin ich-Werbebeilage. Das ambitionierte Ziel: bis Ende des Jahres soll die Zahl der freiwilligen Digital-Abos der kostenlos zugänglichen Online-Ausgabe von derzeit unter 2.000 auf 20.000 gesteigert werden.

Spenden reichen derzeit nicht mal für taz.de

Die sogenannten „Freizahler“ geben bisher durchschnittlich 60 Euro pro Jahr, per Direktüberweisung, per Einzugsermächtigung, manche auch via Flattr oder in Bitcoins – was Jahr für Jahr mehr als 100.000 Euro in die Kasse spült. Das reicht allerdings nicht mal, um taz.de zu produzieren, von Druck und Vertrieb der Print-Version mal ganz zu schweigen. Alleine die Online-Ausgabe schlägt nämlich mit mehr als 600.000 Euro pro Jahr zu Buch.

Zahl der Print-Abos sinkt weiter

Das Potential für die neue Kampagne ist groß: immerhin hat die taz mehr als 1,5 Millionen reglmäßige Online-Leser, und 150.000 Facebook-Freunde. Die Zahl der klassischen Papier-Abonnenten sinkt dagegen – gerade mal 34.000 Abos werden werktags noch ausgeliefert, immer mehr LeserInnen beziehen nur noch die gedruckte Wochenend-Ausgabe oder kombinieren sie mit einem E-Paper-Abo.

Kostenlose taz für 5 Euro pro Monat?

Vorteil des freiwilligen Abos ist natürlich: es kostet nur 5 Euro pro Monat, alle anderen Abo-Varianten sind teurer. Ob das Crowdfunding-basierte taz-Modell auf Dauer funktioniert? Ein Gegenargument liefert die taz-bin ich-Beilage frei Haus. Unter „14 Gründen für eine Paywall im Netz“ heißt es bei Punkt Neun: „Es ist scheinheilig, für Printausgaben und E-Paper Geld zu verlangen, die Inhalte aber dann online umsonst anzubieten.“

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Zeitungskrise passé? Print schrumpft bis 2018 langsamer, Digital wächst stärker (lt. BDZV)

bzdv-studie-print-schrumpft-langsamer-digital-waechst-staerkerSilberstreif am Horizont oder schon echte Trendumkehr? Die deutschen Zeitungsverlage melden nicht nur langsamer schwindende Printauflagen, sondern auch zunehmendes Wachstum bei digitalen Produkten: einer repräsentativen BDZV-Studie zufolge wird es bis 2018 nicht nur ein jährliches Plus von 5 Prozent bei E-Paper und Paid Content geben, sondern auch bei den Einnahmen mit digitaler Werbung. Die ganz großen Player (Top 15 Prozent) erwarten sogar mehr als 20 Prozent Wachstum.

Zeitungskrise erzeugt Abkehr vom Kerngeschäft

Allerdings haben die Verlage auch strukturell aus der Zeitungskrise gelernt und stellen sich immer breiter auf – neben das Kerngeschäft treten vermehrt neue Geschäftsmodelle wie Reiseveranstaltungen, Messen, Web-Dienstleistungen, Gutschein-Deals etc. Die große Mehrheit der Verlage plant, bis 2018 sogar 25 Prozent oder mehr ihrer Erlöse außerhalb des Kerngeschäfts zu erzielen, einige der großen Verlage planen sogar mit 50 Prozent und mehr.

Große Verlage in Start-Up-Einkaufslaune

Neben Digital-Abos und weiteren Online-Angeboten gehen auch immer mehr Zeitungsverlage auf Einkaufstour oder beteiligen sich an anderen Unternehmen bzw. Start-Ups. Die Geldströme landen immer öfter außerhalb klassischer Formate: Im Jahr 2013 wurden im Durchschnitt bereits 40 Prozent der Investitionen im Digital- und E-Commerce-Bereich getätigt. Der Hauptgrund dafür ist wohl klar: auf Print hofft niemand mehr so richtig, die Auflagen und Erlöse sinken weiter. Einzige Hoffnung: 2015 dürften sich die Verluste im Vergleich zu den Vorjahren reduzieren.

Abb.: Nick Page/Flickr (cc-by-2.0)

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Print, Web & App versöhnt: ePaper-Lösung von 1000°DIGITAL macht Inhalte mobil [Sponsored Post]

1000grad-epaper-appPrint oder Web? Egal ob’s um Bücher, Magazine oder Zeitungen geht: für viele deutsche Verlage ist das gar nicht die Gretchenfrage. Es geht vielmehr darum, wie Print UND Web zukünftig nebeneinander existieren können. Das Leipziger Unternehmen 1000°DIGITAL setzt genau an dieser Stelle an – durch die einfache Erstellung von interaktiven, blätterbaren E-Paper sollen Publisher ihre Inhalte ohne großen Mehraufwand online und mobil verbreiten können, sowohl im Browser als auch als App. (Kostenlos ausprobieren kann man diesen Service unter www.1000grad-epaper.de)

Kostengünstige Print-to-Online-Strategie

Sinkende Print-Auflagen betreffen zwar schon seit einigen Jahren die gesamte Branche, doch die Auswirkungen sind durchaus verschieden: „Die großen Medienkonzerne konnten schnell auf neues Nutzerverhalten eingehen und digitale Angebote ausgiebig testen. Doch kleine und mittelständige Verlagshäuser bekamen dies deutlich und vor allem finanziell zu spüren“, so Claudia Krempler, Online Marketing Managerin bei 1000°DIGITAL. Angemessene Print-to-Online-Strategien helfen zwar, Geld zu sparen, doch zuvor muss natürlich Geld investiert werden: „Auch wenn ein E-Paper in der Herstellung deutlich günstiger ist als ein Printmagazin – ein Zusatzaufwand bleibt. So muss die entsprechende Software auch erst einmal implementiert werden“.

Das 1000°ePaper-Konzept hilft, solche Kosten zu vermeiden – denn die elektronische Ausgabe eines Magazins, Katalogs oder Geschäftsberichts lässt sich nach dem Upload der notwendigen Daten auf www.1000grad-epaper.de ganz einfach im Browser erstellen und dann auf dem eigenen Webserver ablegen, zusätzliche Software ist nicht nötig.

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E-Newspaper: Digi-Abos sind im Aufwind

Immer öfter ist das E-Paper auch ein E-Newspaper, also die elektronische Ausgabe einer Zeitung. Laut IVW stieg 2014 die E-Paper-Auflage deutscher Titel sogar um fast 50 Prozent. Diesem Trend folgt etwa „DER SONNTAG“ – die vom Evangelischen Medienhaus in Leipzig herausgegebene Wochenzeitung gab es zuvor nur als Print-Version. Seit letztem Jahr jedoch erhalten Abonnenten der gedruckten Version kostenlos das E-Paper dazu, daneben ist zum vergünstigten Preis ein reines Digi-Abo erhältlich. Die komplette Technik im Hintergrund – inklusive Bezahl-Schnittstelle – liefert 1000°DIGITAL, Grundlage bildet dabei die Standard-Software Lösung 1000°ePaper.

Die sächsischen Zeitungsmacher beim „SONNTAG“ haben sich ganz bewusst für diesen Weg entschieden: „Als Verlag wollen wir unserer anspruchsvollen Leserschaft bestmöglichen Service bieten. Und dazu gehört, dass sich die gewohnte Qualität auch im Web widerspiegelt“, so Sebastian Knöfel, Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses. Zugleich behalte man so aber auch die Generation der Digital Natives im Blick: „Auf der anderen Seite können wir mit den neuen Möglichkeiten ganz neue – jüngere – Leserschichten ansprechen“.

Multimedia, Social Media: interaktive E-Paper

Profitieren können von 1000°ePaper gerade auch Verlage, die auf ihrer Website bereits zusätzlichen Content wie Bewegtbild oder Fotogalerien anbieten und diverse Social Media-Kanäle bedienen: „Im ePaper-CMS können Kunden das ePaper mit multimedialen Inhalten anreichern, z. Bsp. Videos, Bildergalerien oder Links“, so Claudia Krempler (siehe auch die Demo-Version). Für den Bereich Mobile Publishing gibt es mit „1000°ePaper App“ zudem die Möglichkeit, ePaper für die Unterwegs-Lektüre aufzubereiten: „Inhalte werden auf Smartphones und Tablets bevorzugt über Apps konsumiert“, erklärt Krempler. „Verlagshäuser können ihren Lesern deshalb mit einer nativen App ihre ePaper-Ausgaben mobil optimal zur Verfügung stellen.“  

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Zeitschriftenabo gegen Krypto-Cash: Time Inc. akzeptiert jetzt Bitcoins

Großer Bahnhof für Bitcoins: ab sofort können Leser von populären Magazinen wie „Fortune“, „Health“ oder „Travel & Leisure“ ihr Abo auch mit Krypto-Geld bezahlen. Möglich macht das die gerade verkündete Kooperation von Time Inc. mit dem Bitcoin-Wallet-Dienstleister Coinbase. „Wir sind immer bestrebt, es unseren Kunden so leicht wie möglich zu machen, unsere Titel zu nutzen – und dieses Pilot-Programm erlaubt Bitcoin-Anwendern, Abonnements ohne großen Aufwand zu erstehen“, so Lynne Biggar, bei Time Inc. zuständig für den Bereich Consumer Marketing & Revenue.

In Zukunft solle die Zusammenarbeit mit dem Bitcoin-Dienstleister sogar noch ausgebaut werden – Außenwirkung erwünscht: “Wenn ein bedeutender Verlag wie Time Inc. auf Bitcoins setzt, ist das ein deutliches Signal nicht nur für die Leserschaft, sondern für die gesamte Medienbranche“, betont Brian Armstrong, CEO & Mitgründer von Coinbase. Auf dem US-Zeitschriftenmarkt hat Time Inc. derzeit einen Umsatzanteil von etwa 20 Prozent, ist aber nach der finanziell schmerzhaften Trennung vom Mutterkonzern Time Warner im Sommer 2014 auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, die Gewinne zu erhöhen und zu expandieren. Besonderer Vorteil bei Bitcoins: es fallen deutlich weniger Transaktionsgebühren an, da die dezentrale Peer-to-Peer-Währung jenseits des regulären Bankensystems funktioniert.

In letzter Zeit hatten bereits Digital-Konzerne wie Google oder Microsoft begonnen, ihren Kunden auch Bitcoins als Zahlungsoption anzubieten. Im Publishing-Bereich fristeten die virtuellen Münzen dagegen bisher eher ein Nischendasein, vor allem crowdfunding-affine Startups wie Unbound oder Humble Bundle experimentierten mit der Krypto-Währung. Zu den Vorreitern in Deutschland gehört die alternative Tageszeitung taz – im Rahmen des „Paywahl“-Prinzips werden Spenden für die Finanzierung der Online-Ausgabe auch in Bitcoins angenommen. Wie nun das Beispiel Time Inc. zeigt, spricht jedoch auch nichts gegen die Kombination von Krypto-Cash mit klassischen Abo-Modellen.

(via Venturebeat)

Abb.: Whitez/Flickr (cc-by-2.0)

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Open Access Light: Fachzeitschrift „Nature“ bietet Nicht-Abonnenten Read-only-Zugang

„Nature“ ist nicht nur die weltweit am meisten zitierte naturwissenschaftliche Zeitschrift, das wöchentlich erscheinende Journal wird online innerhalb der Scientific Community auch besonders häufig geteilt. Bisher allerdings nur sehr inoffiziell: viele Subskribenten schickten Kollegen ganz einfach PDF-Downloads interessanter Artikel, ohne sich um die rigiden Lizenzbestimmungen zu kümmern. Gerade auch die Autoren selbst brachten ihre Artikel so in Umlauf, denn das sogennante „Self Archiving“, also das online stellen des Artikel-Manuskripts, ist erst sechs Monate nach Veröffentlichtung in Nature erlaubt.

Publisher kann Nutzung besser auswerten

Zukünftig wird Nature nun aber einen Open Access-ähnlichen Ansatz verfolgen, man darf per E-Mail, Facebook oder Twitter auf eine Read-Only-Version von Artikeln verlinken, die sich im Webbrowser vermittelt durch das Content Management System „ReadCube“ darstellen lässt, aber keinen Download der Inhalte erlaubt. Vorteil für Macmillan Publishing, den Verlag hinter Nature: die Nutzung der Artikel lässt sich nun leichter statistisch auswerten. Auch wer verlinkt hat, ist feststellbar, denn die mit der Community geteilten Links enthalten automatisch generierte Verweise auf den jeweiligen Abonnenten.

Auch News-Portale & Blogs dürfen verlinken

Für ausgewählte Nachrichten-Portale und Wissenschafts-Blogs wird der Verweis auf Nature-Veröffentlichungen ebenfalls deutlich erleichtert: wenn Nicht-Abonnenten auf einen Artikel-Link klicken, stranden sie ab jetzt nicht mehr an einer Paywall, sondern werden ebenfalls auf eine Read-Only-Version weitergeleitet. Registrierte Nutzer von ReadCube können sich eine E-Bibliothek interessanter Artikel anlegen und zudem Anmerkungen machen. Die gemäßigte Open-Access-Strategie von Nature wird zunächst einmal für ein Jahr getestet. Bei Erfolg könnte sie dafür sorgen, dass auch andere große Zeitschriften – etwa Science – ihre Veröffentlichtungs-Politik reformieren.

(via Sciencemag.org)

Abb.: Screenshot nature.com

Washington Post als App auf dem Kindle Fire

„Bezoston Post“ als exklusive App für das Kindle Fire – neue Chance für alte Zeitung?

“Wir werden erfinderisch sein müssen und experimentieren“, verkündete Jeff Bezos im August 2013 den Beschäftigten der Washington Post. Das war kurz nachdem der Multimilliardär aus dem „anderen Washington“ (=Seattle) das traditionsreiche Blatt mit 250 Millionen Dollar aus der Privatschatulle mal eben so gekauft hatte. Schon damals schien klar: die „WaPo“ würde eines Tages im Kindle-Universum auftauchen – und nun ist es tatsächlich so weit. Ein drahtloses Update bringt die WaPo-App in diesen Tagen auf Millionen Kindle Fire-Tablets zwischen der amerikanischen Ost- und Westküste, zu den bei Amazon üblichen großzügigen Eröffnungs-Konditionen. Ein halbes Jahr lang können die Fire-Nutzer alle Inhalte der App kostenlos nutzen, danach wird sie für ein weiteres halbes Jahr zum Preis von einem Dollar pro Monat zu haben sein. Für den Rest der Android-Welt und die Apple-Fraktion wird es die „WaPo“-App erst 2015 geben. Die grafisch aufwändig gestaltete App wird zweimal pro Tag komplett aktualisiert, jeweils um fünf Uhr morgens und fünf Uhr nachmittags Washingtoner Zeit.

Bezos als „aktivster Beta-Tester“

Entwickelt wurde die App in enger Kooperation mit Bezos selbst: „Wir waren ununterbrochen im Gespräch“, berichtete Shailesh Prakash, Technologie-Chef der WaPo, gegenüber The Drum, und bezeichnete Bezos als „unseren aktivsten Beta-Tester“. Ähnlich euphorisch äußerten sich in der NYT auch andere Mitglieder des Managements und betonten, die App sei sichtbares Zeichen dafür, dass hier zwei Firmenkulturen miteinander verschmelzen würden. Zwei Firmenkulturen, die wohl kaum unterschiedlicher sein können – denn bisher war die WaPo mit einem stark lokalen Fokus und ansonsten eher planlos in das Internetzeitalter geschlittert. Die Mutation zur Bezoston Post birgt nun eine Menge neuer Möglichkeiten, u.a. vor allem die, auf nationaler und internationaler Ebene durch die relaunchte digitale Ausgabe wieder stärker wahrgenommen zu werden.

Nützlicher Synergieeffekt oder „Zwangsbeglückung“?

Die veränderte Einstellungspolitik zugunsten nationaler Berichterstattung scheint ebenfalls in diese Richtung zu weisen. Zudem sind 16 Redakteure ausschließlich damit beschäftigt, die journalistischen Inhalte speziell für die App aufzubereiten, also Texte und Überschriften knackiger für die breite Masse der Online-Leser zu machen. Angesichts der großen Reichweite des Kindle-Universums dürfte die App auf jeden Fall eine einmalige Chance darstellen, in kurzer Zeit hunderttausende neue Leser zu gewinnen – selbst wenn es sich bei diesen Synergieeffekten am Ende um eine Form der Zwangsbeglückung handelt. Um diesen Eindruck zumindest aus Kundensicht zu vermeiden, beeilte sich Amazon mitzuteilen, das automatische App-Update könne man auch ganz einfach wieder löschen.

(via The Drum & The Next Web)

Abb.: Screenshot Amazon.com

NYT hat’s geschafft: Zu 54% leserfinanziert dank Digi-Abos

Zeitungsabos? Kann man denn davon leben? Vor zehn Jahren hätte man da bei der New York Times noch den Kopf geschüttelt: No, sir! Damals trugen die Leser gerade mal 25 Prozent zum Umsatz bei. Das hat sich inzwischen radikal geändert, insbesondere nach Einführung der Paywall: die Zeitung ist erstmals in ihrer Geschichte leserfinanziert, wie die NYT diese Woche bekannt gab, tragen Abos der gedruckten Ausgabe wie auch digitale Abos mit 54 Prozent mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes.

„The Atlantic“ hat dazu jetzt eine interessante Grafik veröffentlicht: ab Mitte der Nuller Jahren brechen die Anzeigenerlöse rasant ein, in sechs, sieben Jahren haben sie sich halbiert. Das Geld wanderte fast komplett zu Google & Co., während Zeitungen selbst online kaum Geld mit Advertising verdienen. Soviel zum Thema Zeitungskrise. Seit den Jahren 2010 (iPad-Launch) und 2011 (Einführung des Metered-Paywall-Prinzips bei der NYT) wächst die Umsatzkurve der Digi-Abos dann aber mindestens ebenso steil nach oben. Seit 2012 überrundet die Digi-Abo-Kurve schließlich die Anzeigenerlös-Kurve, und dürfte im nächsten Jahr dann wohl auch die Print-Abo-Kurve schneiden.

Damit ist der NYT-Gruppe also schon jetzt gelungen, wovon Zeitungsverlage in Deutschland von Springer bis taz bisher nur träumen dürfen: die graue Lady hat den Umbruch im Anzeigengeschäft mehr oder weniger kompensiert, und dabei ein ganzes Stück Unabhängigkeit gewonnen.

Ähem. Mal abgesehen davon, dass die Rettung im Jahr 2009, dem Höhepunkt der Krise, nur mit einem 250-Millionen-Dollar Kredit des mexikanischen Multimilliardärs Carlos Slim gelang. Der Einfluss des nach Bill Gates zweitreichsten Mannes der Welt wächst weiter, allerdings kontrolliert die Eigentümerfamilie Ochs-Sulzberger immer noch zwei Drittel der Aufsichtsratsposten…

Abb.: Flickr/Dom Dada (cc)

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Letzte Ausfahrt Paid Content? E-Paper im Aufwind, Zeitungskrise schwelt weiter

Immerhin, mindestens eine gute Nachricht hatte der BdZV auf seiner Jahrespresskonferenz 2014: deutsche Zeitungen werden immer besser beim Verkauf von E-Paper-Ausgaben. Im Vergleich zum ersten Quartal 2013 gab es einen Anstieg von satten 64 Prozent auf knapp über 500.000 solcher Digital-Abos. Die Gesamtauflage aller Blätter sank aber trotzdem um 700.000 Exemplare – jetzt liegt sie bei 21 Millionen.

Im Jahr 1993, also kurz vor dem Boom des World Wide Webs, lag die Gesamtauflage dagegen noch bei mehr als 30 Millionen. Besonders schmerzhaft für die Branche sind die Verluste im Anzeigengeschäft, hier gingen die Umsätze im letzten Jahr um zehn Prozent zurück. Doch auch die Gesamterlöse der Zeitungsverlage sind weiter im Sinkflug, wenn auch „nur“ um 4 Prozent

Bietet Paid Content einen Ausweg? 80 Zeitungen in Deutschland setzen bereits auf zumeist flexible Bezahlschranken (inklusive der freiwilligen „Paywahl“ der taz), bis Ende des Jahres sollen es mehr als 100 sein. Ganz vorne dran ist der Springer Verlag: dort erzeugten digitale Inhalte im letzten Jahr bereits 50 Prozent des Umsatzes. Alleine die Tageszeitung Die Welt will in nur sechs Monaten seit dem Start der Paywall fast 50.000 Digi-Abos verkauft haben, BILD brachte im selben Zeitraum sogar mehr als 150.000 Abos an den Mann.

Im Schnitt, so der BdZV, bezahlen die Leser für ein Digital-Abo acht Euro pro Monat. Daneben böten viele Verlage zusätzlich Tagespässe, die durchschnittlich 1,10 Euro kosten. Anzeigenerlöse im Web ermöglichen dagegen nach Ansicht des BdZV keinen Ausweg aus der Zeitungskrise: „Werbefinanzierung wird es nicht bringen“, glaubt BDZV-Multimedia-Fachmann Hans-Joachim Fuhrmann.

Abb.: Digital-Komplett-Angebot von Welt.de (Screenshot)