Kategorie-Archiv: E-Newspaper

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Premium-Angebot „Spiegel Plus“: Zahlende Leser sollen Werbeeinnahmen maximieren

spiegel-plusNa dann Prost: Wer den brandneuen Premium-Content von Spiegel Online („Spiegel Plus“) lesen möchte, kann auf einem „digitalen Bierdeckel“ anschreiben lassen. Erst wenn der Inhalt von dreizehn Artikeln à 39 Cent (d.h. insgesamt für knapp 5 Euro) den Sehnerv herabgeperlt ist, wird man via „LaterPay“ zur Kasse gebeten – vorher reicht die einfache Registrierung. Gezahlt werden kann dann via Kreditkarte, Sofortüberweisung oder Bankeinzug. Spiegel Plus enthält sowohl Texte aus dem aktuellen Wochenmagazin wie auch exklusive Online-Only-Artikel, Tag für Tag kommen jeweils zwei aus beiden Sektoren hinzu. Einen Überblick zum derzeitigen Premium-Angebot gibts via spiegel.de/spiegelplus.

„Bezahlinhalte salonfähig machen“

Der Vorteil dieses Micropayment-Verfahrens liegt auf der Hand: es rasselt keine undurchdringliche Paywall herab, die Leser können das neue Angebot erst einmal testen — die ersten 1.000 Wörter jedes Artikels sind zudem ohne Registierung bei Laterpay lesbar. Auch Portale wie Golem, Geo oder Schöner Wohnen setzen bereits auf das niedrigschwellige Konzept des Münchner Paid-Content-Dienstleisters LaterPay, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, „Bezahlinhalte im Internet salonfähig zu machen“.

Eine Folge der Print-Krise

Die bisherige Angebots-Trennung — SPOL als kostenloses Massenangebot im Netz, das Wochenmagazin DER SPIEGEL als kostenpflichtiges Komplettangebot in Papierform oder als E-Paper — ist damit endgültig passé. Wohl aus gutem Grund, zum einen sinkt die Druckauflage immer weiter, zum anderen bringt die Online-Werbung und der E-Paper-Verkauf nicht genug, um den Schwund bei Print aufzufangen.

Metered Model im Trend

Mit der neuen Paid Content-Strategie geht SPOL einen ähnlichen Weg wie viele deutsche (Tages-)Zeitungsverlage, die überwiegend auf eine Kombination von Freemium und Premium bzw. das „Metered-Model“ setzen.Laut BdZV bitten insgesamt bereits 120 der ingesamt 344 Tageszeitungsverlage hierzulande ihre Digital-Leser zur Kasse. Jedes zweite Blatt unterstützt zudem auch auf die Vermarktung durch externe Häppchen-Anbieter à la Blendle oder Pocketstory.

„Hochwertiges Werbeumfeld“

Die dort feilgebotenen Lese-Häppchen (inklusive Spiegel-Content) sind mit Preisen zwischen 75 Cent und knapp 2 Euro zwar deutlich teurer als bei Spiegel Plus, dafür aber auch komplett werbefrei — auf die beim Publikum unbeliebten Reklame-Banner wollen die Spiegel-Macher dagegen auch beim Premium-Content nicht verzichten. Ganz im Gegenteil: „Wir gehen davon aus, das wir in Umfeldern von Beiträgen, für die die Leser bezahlt haben, höhere Werbepreise erzielen können“, so Verlagsgeschäftsführer Hass gegenüber Horizont.net.

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Zeitungskrise, nächste Folge: Britischer „Independent“ schafft Print-Ausgabe ab

indie-und-sindie-geben-aufIndie, Sindie & der Guardian, so übersichtlich sah bisher die britische Presselandschaft links von der Mitte aus. Ab 26. März 2016 wird sie noch ein bisschen übersichtlicher: dann gibt’s gedruckt am Kiosk nämlich auch den „Independent“ bzw. „Independent on Sunday“ nicht mehr. Denn der letzte Besitzer Alexander Jewgenjewitsch Lebedew wirft das Handtuch, zumindest in Sachen Papier: nachdem der russische Oligarch seit 2010 viele Millionen Pfund in das Projekt gesteckt hatte, will er nun nur noch eine Online-Ausgabe finanzieren.

“Die Zeitungsindustrie ändert sich, und diese Veränderung wird von den Lesern vorangetrieben“, wird Lebedew vom Guardian zitiert. „Sie machen uns deutlich dass die Zukunft im digitalen liegt. Diese Entscheidung erhält die Marke Independent und ermöglicht es uns, weiter in die hochwertigen redaktionellen Inhalte zu investieren, die immer mehr Leser auf unsere Online-Plattformen lenken“.

Wieviele der bisher 150 Vollzeit-Redakteure am Ende noch übrig bleiben werden, ist noch ungewiss — mehr als zwei, drei Dutzend werden es aber wohl nicht sein. Viele Branchenbeobachter hatten den großen Kladderadatsch beim Independent schon erwartet, denn längst war das 1986 gegründete Blatt mit einer Auflage von nur noch knapp über 40.000 Exemplaren in der Todeszone angekommen.

Deutlich besser lief das 2010 gelaunchte Schwesterblatt „i“ (die Auflage liegt derzeit immerhin noch mehr als 250.000 Exemplaren) — wie zeitgleich bekannt wurde, hat Lebedew die Kompaktausgabe aber an einen anderen großen Verlag verkauft, sie wird weiterhin erscheinen.

Der Oligarch selbst herrscht zukünftig also nur noch über den Online-Rumpf des klassischen Independent, der mit monatlich 58 Millionen Besuchern angeblich bereits Profite abwirft. Der digitalen Konkurrenz von Guardian, Daily Mail, Telegraph und Mirror hinkt independent.co.uk aber doch deutlich hinterher.

Was eine Guardian-Kolumnistin dem Indie gerade auf den Weg in die potentielle Online-Gruft hinterherrruft, klingt insofern auch nicht gerade optimistisch: „In the end it was the internet which killed the Independent newspaper and not Rupert Murdoch“. Das Blatt habe schlicht viel zu spät auf die Online-Herausforderung reagiert. Nun muss ausgerechnet Online die Rettung bringen.

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Papierlose Zeitung spart Kerosin: Lufthansa stellt um auf digitale Bordexemplare

lufthansa-papierloses-bordexemplarMit „Bordexemplaren“ von Magazinen und Gazetten hübschten die Zeitungsverlage bisher ihre Printauflage kräftig auf, ein für die Fluggäste wie auch die Airlines (zumeist) kostenloser Service. Doch die Zeiten der Win-Win-Situation auf Totholz-Basis sind offenbar vorbei. Mit der Lufthansa erteilt eine der weltgrößten Fluggesellschaften der gedruckten Lektüre zukünftig Startverbot, als Ersatz gibt’s E-Paper zum Download auf Smartphone, Tablet oder Laptop.

„Großteil der Passagiere nutzt Mobilgeräte“

Die Passagiere dürfen sich freuen: man werde auf diesem Weg „eine deutlich erweiterte Auswahl von deutschsprachigen und internationalen Magazinen und Zeitungen anbieten“ können, so die Lufthansa-Pressemitteilung. Ohnehin führe ja ein „Großteil der Fluggäste mindestens ein mobiles Endgerät auf Reisen mit sich“. Die „Reduzierung der Printauflage“ bedeute zugleich auch „weniger Gewicht an Bord und somit einen geringeren Kerosinverbrauch“. Laut Wirtschaftswoche soll es um einen „Millionenbetrag“ gehen.

Print als Werbeträger leidet

Nicht ganz so freuen dürften sich die Verlage, denn alleine Welt, FAZ und Süddeutsche boosteten noch 2014 ihre offizielle Printauflage (ausgewiesen via IVW/Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) um mehr als 120.000 Exemplare. Nun können sie zwar ihre Digitalauflagen aufbessern, erhalten aber im Gegenzug für etwaige Printanzeigen weniger Geld. Auch hierbei dürfte es um Millionenbeträge gehen.

Zum Start zwei E-Paper pro Fluggast

Letzte Woche ging’s los: Fluggäste können bei der Airline mit dem Kranich nun bereits drei Tage vor dem Start unter Angabe von Buchungscode oder Ticketnummer online zwei eJournals ihrer Wahl herunterladen. Ab März 2016 will die Lufthansa das Angebot dann „je nach Reiseklasse und Vielfliegerstatus“ staffeln – mit anderen Worten: je VIPper, desto mehr E-Paper gibt’s pro Nase. Aber auch desto mehr Lese-Luxus: In den Lounges am Boden wie auch in der ersten Klasse an Bord wird nämlich vorerst auch weiterhin gedruckte Zeitungen finden.

(via publisher vor 9 & taz.de)

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Segeln zwischen Shit- & Candy-Storm: Social Media pusht mobile News-Angebote

social-media-treibt-news-portaleWer nach all dem Print-Geschwächel endlich mal wieder Media-Rankings mit überwiegend positiven Zahlen sehen möchte, muss wie Kafkas Maus lediglich die Perspektive wechseln: in den IVW- Zahlen für digitale „Nachrichtenangebote“ gibt’s regelmäßig eine Menge Dynamik nach oben zu entdecken, zumindest im Mobile-Bereich. Nicht nur bei reinen Netzaufsteigern wie der Huffington Post, sondern genauso an der traditionell besetzten Spitze, zu der inbesondere SPOL, Focus, WELT, Zeit online und faz.net gehören.

Bild, SPOL und Focus an der Spitze

Kein Wunder, denn auch hier gilt in punkto elektronisches (Zeitungs-)Lesen immer öfter: Smartphone über alles. Um in die mobile Top 20 zu kommen, reichten auf dem deutschen Markt im Oktober 3 Millionen Visits pro Monat aus, wer ganz vorne in den Top 3 stehen möchte, braucht aber mehr als 70 Millionen Visits, das schaffen nur Bild, SPOL und Focus Online. Wobei die Details Überraschungen bergen: Bild steht zwar mit 129 Mio. Visits derzeit noch an Platz eins, stagniert aber (plus 0,2 Prozent), bei Online & Mobile kombiniert gibt’s sogar ein Minus von fast einem Prozent. Zu den großen Gewinnern gehört dagegen die Welt auf Platz Fünf mit plus 19 Prozent.

Tendenz-Medien sammeln Social Media Likes

Die Verluste bei Bild wiederum hängen wohl nicht nur mit rigiden Anti-Adblocker-Aktionen zusammen, bei den Social-Media-Likes hat Springers Flaggschiff dem 10000 flies-Ranking zufolge nämlich zweistellige Verluste einfahren müssen und erreicht nur noch Platz Zwei, während die Welt zweistellige Zuwächse verzeichnet. Ohnehin müssen sich die klassischen Nachrichtenmedien dieses thematisch offene Ranking aber schon im Top 20-Bereich mit gänzlich anders gelagerten Seiten teilen, von heftig.co bis zum Postillon und leider ernst gemeinten Tendenz-Medien wie Epoch Times oder Kronen Zeitung, denen die Flüchtlings-Krise genauso wie Welt, Focus & Co. kräftig Aufwind beschert.

… und was macht eigentlich die taz?

Aus nicht ganz uneigennützigem Interesse schaue ich auch immer ganz genau hin, wo sich die taz befindet. Nun denn, im Oktober bei 10000 flies immerhin auf dem sportlichen Platz 34, direkt vor dem Berliner Boulevardblatt B.Z. und direkt nach ran, mit knapp über 300.000 Likes (plus 36 Prozent im Vergleich zum Vormonat) erreicht die alternative Tageszeitung zehn Prozent vom derzeitigen Herrn der Fliegen, nämlich Focus Online. Wird hier die klare Refugees-Welcome-Positionierung sichtbar? Gute Frage. Im kombinierten Online- und Mobile-Ranking von IVW reicht’s bei der taz nur für Nullwachstum auf Platz 32.

(via meedia & 10000flies)

Abb.: mkhmarketing (cc-by-2.0)

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Pappe for the People: NYT verteilt 1 Mio. VR-Brillen an Print-Abonnenten

nyt-verteilt-google-cardboard-brille-an-print-abonnentenWas hat virtuelle Realität mit Zellstoff zu tun? Eine ganze Menge: mehr als 1 Mio. Abonnenten der gedruckten New York Times (NYT) erhalten bald per Post eine Google-Brille mit Pappe-Fassung. Der als „Google Cardboard“ vermarktete VR-Adapter ergibt kombiniert mit iPhone oder Android-Phone eine Art Oculus Rift für Arme – dieser 360-Grad-Rundum-Blick ist notwendig, um die vom New York Times Magazin produzierte 3D-Reportage „The Displaced“ anschauen zu können, die Anfang November an den Start geht. Passend zur allgegenwärtigen Refugee-Krise wird darin das Schicksal von drei Flüchtlings-Kindern aus Syrien, Süd Sudan und der Ukraine dargestellt.

Rundumblick soll Empathie erzeugen

„Im Kontext internationaler Berichterstattung hat das großes Potential“, kommentiert NYT-Magazin-Herausgeber Jake Silverstein, „denn dabei geht es ja darum, unseren Lesern Nachrichten und Geschichten von fernen, unzugänglichen Orten nahezubringen“. Mit der immersiven Video-Technik könne man das Publikum nun mitten ins Geschehen stellen und auf neue Weise Empathie mit Themen und Personen erzeugen.

Um den in Zusammenarbeit mit dem VR-Startup Vrse produzierten 360-Grad-Streifen auch wirklich im Panorama-Modus anschauen zu können, müssen die bebrillten Leser auf ihrem Smartphone zuvor noch eine spezielle VR-App der NYT installieren, die parallel zum Filmstart online geht. Eine 2D-Version von „The Displaced“ wird aber ebenfalls via NYT-Homepage und Youtube veröffentlicht.

Vertriebsnetz der NYT als VR-Booster

Schon bisher kooperiert die altehrwürdige NYT nicht nur mit Google, sondern auch mit Facebook, Twitter & Co. – zumindest um Online-Inhalte auf optimale Weise zu den Lesern zu bringen. Doch so hybrid wie jetzt war bisher wohl kein Projekt: „Die große Ironie dabei ist: um mehr als einer Millionen Menschen die neueste Storytelling-Technologie zu liefern, werden hier eine 164 Jahre alte Print-Zeitung und ihr immer noch beeindruckendes Vertriebsnetz benutzt“, so NYT-Vizechefin Meredith Kopit Levien.

Da ist wohl auch was dran – aber wenn’s hilft, warum nicht. Das Wired-Magazin spricht wohl zu recht vom „big mainstream moment“ für das Thema Virtuelle Realität. Wenn dieser Durchbruch gelingt, dürften nicht nur Zeitungsverlage davon profitieren…

(via Teleread & ReadWrite)

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Erst Apple, jetzt Twitter: Handverlesene News ergänzt Algorithmen

twitter-kuratiert-die-newsKünstliche Intelligenz kann alles, möchte man manchmal meinen. Suchergebnisse sortieren, Personen erkennen, Musik empfehlen. Doch gerade wenn es um die effektive Vermarktung von komplexen Inhalten geht, scheint die helfende Hand von menschlichen „Kuratoren“ im Zweifelsfall noch immer unverzichtbar zu sein. Das gilt nicht nur im (Offline-)Buchhandel, sondern offenbar auch bei Online-Musik, oder etwa im digitalen Nachrichten-Sektor.

„The best in breaking news“

Wenn aktuelle Stellenausschreibungen als Gradmesser taugen, gibt es nämlich gerade im Journalismus – angeblich ja von Roboterisierung bedroht – gerade eine Rückbesinnung auf handverlesene Informationen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Apple für den neuen Service Apple News einen Redakteur sucht, der aus dem Strom der Neuigkeiten „the best in breaking national, global, and local news“ herausfischen soll. (Bei „Apple Music“ wird übrigens auch noch eine menschliche Hand durch die Musikbox blättern…)

Von Apple News zu Twitter News

Nun möchte offenbar auch Twitter eine eigene Redaktion aufbauen, um News zu besonderen Gelegenheiten besser darstellen zu können. In einer aktuellen Stellenausschreibung heißt es: „We’re looking for a skilled editorial mind to lead a small team that will identify the best Tweets, photos, Vines and videos around the biggest real-world events and high profile opportunities“.

Die Hand am Stream regiert die News

Eine spannende Entwicklung, die tendenziell natürlich weiter die klassische Rollenverteilung untergräbt – schließlich gehört die Auswahl und Zusammenstellung von Nachrichten ja zur Kernkompetenz der Presse. Doch seitdem die Nachrichten atomisiert durch die sozialen Medien strömen, wuchs eben auch außerhalb klassischer Formate der Bedarf nach mehr Ordnung auf dem Bildschirm. Neben Empfehlungen der Community oder Auswahl-Algorithmen scheint da die Hand des Redakteurs immer noch die beste Wahl…

Abb.: Pete Simon (cc-by-2.0)

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Entbündelte Blätter: Blendle bietet Info-Happen mit Geld-zurück-Garantie

blendle-fuer-eine-handvoll-centsWenn nicht kostenlos, wie dann Nachrichten verkaufen? En gros oder en detail, per Flatrate oder scheibchenweise? Das niederländische Startup Blendle setzt seit 2014 auf die Entbündelung mittels Micropayment: Zeitungs- und Zeitschriftenartikel lassen sich mit der Blendle-App einzeln lesen und bezahlen. Im Schnitt für 25 Cent pro Artikel – und das sogar mit (wenn auch limitiertem) Umtauschrecht.

„Mischung aus Twitter, Google News & Paypal“

Blendle-Gründer Marten Blankesteijn beschreibt das Prinzip als eine Mischung aus „Twitter, Google News, Paypal und Leidenschaft für Qualitätsjournalismus“.
Auf dem Heimatmarkt Holland konnte der gelernte Journalist schon mehr als 300.000 Leser von diesem Konzept überzeugen, die meisten davon in der für Medienunternehmen besonders interessanten Altersgruppe U-35. Also jenen, die angeblich keine Zeitung mehr lesen bzw. kein Geld dafür ausgeben möchten.

Mehrheit der Presse-Verlage mit im Boot

Von Anfang an hatte Blankesteijn mit seinem Entbündelungs-Modell auch Deutschland im Blick, wollte aber warten, bis die Mehrheit der großen Presse-Verlage mit im Boot wäre. Dieser Zeitpunkt scheint nun gekommen zu sein: Anfang der Woche startete die Beta-Phase der deutschsprachigen Blendle-Version, und viele große Titel sind bereits dabei, von ZEIT oder Süddeutscher Zeitung bis zu Kicker, Neon oder Gala.

Joint-Venture mit Springer & NYT

Nicht zufällig sind sehr viele Springer-Produkte am neuen Micropayment-Kiosk erhältlich, zusammen mit dem New York Times-Verlag hält das deutsche Medienhaus nämlich einen 23 Prozent-Anteil am niederländischen Startup, drei Millionen Euro haben beide Kooperationspartner dafür locker gemacht. Ob’s dafür auch besser Konditionen gibt? In der Regel gehen bei Blendle 70 Prozent der Erlöse im Einzelverkauf an den Verlag, 30 Prozent erhält die Plattform.

Dem wählerischen Leser auf der Spur

Die Logik hinter solchen Angeboten wie Blendle oder dem ebenfalls in diesen Wochen angetretenen deutschen Start-Up Pocketstory ist klar: Verlage können damit LeserInnen erreichen, die sich nicht mit regulärem Digi-Abo oder einer monatlichen Flatrate binden möchten. Außerdem winken anonymisierte Nutzerdaten, mit denen man die eigenen Angebote optimieren kann.

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NYT Now App: kuratierter Content, ab jetzt ohne Paywall

nyt-app-nowLetztes Jahr startete die New York Times mit „NYT Now“ eine preisgünstige iPhone-App für Einsteiger. Jetzt wurde das Experiment beendet, zumindest was die Bezahlschranke betrifft. NYT Now bietet eine mehrmals täglich aktualisierte Auswahl von Artikeln aus der Redaktion, garniert mit handverlesenem Content von Medienpartnern wie The Guardian oder Engadget. Bisher konnte man die App ohne monatliches Abo zum Preis von acht Dollar nur eingeschränkt nutzen, nach zehn Artikeln war Schluss.

„Metered Access“ als Königsweg

Die altehrwürdige „Graue Lady“ experimentiert schon seit längerem mit ihren Paywalls. Via „Metered Access“ lassen sich z.B. auch mit der regulären iPhone- und iPad-App der NYT zehn Texte pro Monat gratis konsumieren. Die Methode wirkt: Viele Leser geben zwischen 15 und 35 Dollar monatlich aus, um unbegrenzten Zugang zu Nachrichten, Blogs und zusätzlichem Premium-Content aus dem NYT-Universum zu erhalten.

Bald eine Million Digi-Abos

Das Interesse an der inhaltlich begrenzten „Schnupper-App“ NYT Now hielt sich dagegen sehr in Grenzen. Gerade mal geschätzte 20.000 Abonnenten konnte man in den letzten 12 Monaten gewinnen. Das war offenbar nicht genug, viele Leser haben wohl auch schlicht ihr bestehendes Abo „downgegradet“. Die Zahl der Digital-Only-Abonnenten insgesamt wird bei der NYT wohl noch in diesem Quartal die Millionenmarke erreichen.

NYT Now nicht für Android

Mit der neuen Strategie dürfte man auch mit „NYT Now“ deutlich mehr Leser erreichen, zumindest innerhalb der Apple-Gemeinde. Denn anders als die normalen NYT-Apps gibt’s „Now“ noch nicht für Android-Geräte. Einen kleinen Haken hat die Sache aber auch auf dem iPhone, die jetzt kostenlose App wird über die Einblendung von Anzeigen gegenfinanziert. Erhältlich ist sie auch im deutschen App Store.

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Für digitale Rosinenpicker: Pocketstory bietet Lektüre artikel- & kapitelweise an

pocketstory-digitale-rosinenpickerWenn iTunes Musik Track für Track verkaufen kann, sollte man dann nicht auch News oder Literatur artikelweise bzw. kapitelweise vermarkten können? Ja, finden Heiko Hofer, Michael Leitl und Thorsten Höge, die Gründer von „Pocketstory“. „Die Lesegewohnheiten haben sich verändert, es bleibt immer weniger Zeit, ein ganzes Magazin zu lesen. Darauf reagieren wir und picken die Rosinen aus Heften und Büchern“, so Pocketstory-Geschäftsführer Höge. Besonderer Vorteil: „Der Leser bezahlt nur für das, was ihn wirklich interessiert“.

Kuratiert plus Data-Mining

Auf der neuen Plattform erhält man Lektürehappen vom Shortie für 39 Cent bis zur längeren Story für 1,99 Euro. Laut Mission-Statement dreht sich alles um „Geschichten von Menschen, die etwas Besonderes erlebt haben, oder mitten in ihren Abenteuern stecken“. Zum Start findet man zum Beispiel Artikel aus FAZ oder Berliner Zeitung, SPIEGEL oder ZEIT, Mare oder Galore, aber auch aus Büchern des Campus-Verlages. Bei der Auswahl setzt Pocketstory auf eine Mischung aus kuratierten Inhalten und Data-Mining, um auf die Interessen der Leser reagieren zu können. Was registrierte Nutzer auf dem Portal als Auswahl zu sehen bekommen, lässt sich aber auch von ihnen selbst durch entsprechende Filtereinstellungen regulieren.

Rosinenpickerei leider sehr teuer

Um die Auswahl zu erleichtern, wird zudem die durchschnittliche Lesesdauer eines Textes angezeigt. Auf diese Weise wollen die Macher von Pocket-Story Lektüre liefern, die „genau in die Lücke zwischen zwei Bahnhöfe oder das Warten auf den Anschlussflug am Flughafen passt“. Das neue Angebot finanziert sich ausschließlich über Paid-Content und ist werbefrei. Allerdings ist die digitale Rosinenpickerei auch recht teuer: schon nach wenigen Artikeln hat man mehr Geld ausgegeben als für eine komplette Zeitung oder ein Wochenmagazin. Ein preisgünstiges Abo oder eine Flatrate wird derzeit von Pocketstory leider nicht angeboten.

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Im Bett mit Facebook: SPOL & BILD publizieren „Instant Articles“

facebook-instant-articles„Zahnarztsohn wird zum Mega-Verleger“, „Frisst Facebook das restliche Internet?“, „Clever oder Selbstmord?“ – die Twitter-Kommentare nach dem neuesten Content-Coup von Facebook-Chef Mark Zuckerberg klingen doch sehr nach Galgenhumor. Dass große Anbieter wie die New York Times, Guardian, BBC News oder Spiegel Online und Bild nach all den Diskussionen über Google-Snippets nun dem Social-Media-Riesen freiwillig ihre Artikel zum Einbetten zur Verfügung stellen, überrrascht auf den ersten Blick aber tatsächlich.

Facebook selbst wirbt für die „Instant Articles“ vor allem mit einem Argument: mehr Komfort. Die Zeitungs- und Magazinartikel würden nun „zehn mal schneller“ geladen werden. Schneller als was? „To date, however, these stories take an average of eight seconds to load, by far the slowest single content type on Facebook“, erklärt Michael Reckhow, Product Manager bei Facebook.

Außerdem gäbe es da eine Menge interaktiven Mehrwert: Photo-Zoom durch das Bewegen des Mobilgerätes, Auto-Play-Videos, die beim Scrollen durch den Text gestartet werden (Igitt!), interaktive Karten oder das Liken einzelner Textpassagen.

Am Ende geht’s aber natürlich vor allem um Geld. Denn die Verlage dürfen die eingebetten Werbeplätze selbst vermarkten, und erhalten auch die Nutzerdaten. Vergessen darf man natürlich ebensowenig: wo Facebook ist, sind die Leser. Und genau dort wollen die Publisher hin. „BILD muss immer da sein, wo unsere Leser und User sind. Das ist auf Papier so und das ist auch digital so“, begründet etwa Julian Reichelt, Chefredakteur BILD.de die neue Offensive.

Doch es geht interessanterweise gar nicht nur um Werbung. Man wolle zugleich ein „Bezahlmodell für journalistische Inhalte auf Facebook vorantreiben, bei dem BILD und andere Marken eigene Abonnements generieren können“, so Reichelt weiter. Nun also gemeinsam mit Facebook gegen die „Kostenloskultur“?