Journalismus schlägt Facebook & Google in punkto Reichweite (beim Werbeumsatz ist es umgekehrt…)

editorial-media-haben-bei-reichweite-die-nase-vornHehehe, was für ein passendes Thema für einen Blog namens „Editorial Media“: Editorial Media (ehemals „Journalismus“) hat zwar in den USA die größte digitale Reichweite, in punkto Umsatz liegen aber Functional Media (Suchmaschinen, Shoppingportale, Bezahldienste etc.) und Social Media vorne, berichtet, wie gesagt, Editorial Media, ein Blogprojekt des BDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger). Was natürlich auch daran liegt, dass die Werbeeinnahmen immer stärker von Google (wichtigstes Functional Media) und Facebook (wichtigstes Social Media) eingeheimst werden. Zwei Drittel des digitalen Werbekuchens werden von Brin, Page und Zuckerberg verspiesen.

50 Prozent-Marke von Editorial Media verteidigt

Schwacher Trost für die wackeren Content-Produzenten: sie haben via Desktop und mobil ebenso deutlich die Nase vorn in Sachen Bruttoreichweite, laut Comscore liegen sie 50 Prozent noch ungeschlagen vorn. Dagegen erreichen Social Media nur 16 Prozent, Functional Media 31 Prozent.

So gesehen wohl kein Wunder, dass die Verlage mit einer Doppelstrategie gegen das übermächtige Advertising-Duopol von Google und Facebook anrennen: zum einen machen sie mit ihnen gezwungenermaßen gemeinsame Sache, zum anderen versuchen sie mehr Digitalabos zu verkaufen – was großen Blättern wie der NYT oder WaPo nicht zuletzt dank „Trump Bump“ auch recht gut gelingt.

Digitaler Werbekuchen sehr ungleich verteilt

Vom nach wie vor starken, zweistelligen Wachstum im digitalen Anzeigengeschäft werden die Verlage aber wohl kaum etwas abbekommen – fast der gesamte Zugewinn im letzten Jahr wurde von Google und Facebook verschluckt. Vielleicht sollte man gesamtgesellschaftlich gesehen ja auch mal von Asocial und Dysfunctional Media sprechen…!?

Abb.: Anthony Quintano (cc-by-2.0)

Bad Ads per Gesetz? Zeitungsverleger fordern Verbot von Werbeblockern

adblock-plus-beispielEs gibt Alpha-Blogger, und es gibt Alpha-Blocker. Zu letzteren gehört Ad Block Plus von Eye/o – das Kölner Unternehmen ist Marktführer auf dem Gebiet der Werbe-Blocker für den Browser. Als Mission hat sich das Startup auf die Fahnen geschrieben, das Internet besser zu machen – und fängt bei den nervigen Bannern an („We want to make the internet better for everyone – purging bad ads is a good start“). Nur „akzeptable Anzeigen“ („acceptable ads“) lässt der Filter durch – um auf die Whitelist zu kommen, müssen Publisher bestimmte Bedingungen erfüllen: angemessene Platzierung und Größe sowie die Kennzeichnung als Werbung.

Klamme Medienhäuser klagen

Viele Nutzer finden das prima, das Browser-Add On Adblock Plus wurde schon auf mehr als 100 Millionen Geräten installiert. Vor allem den finanziell klammen Medienhäusern gefällt diese Erfolgsstory aber naturgemäß gar nicht – derzeit sind ein halbes Dutzend Klagen gegen Eye/o anhängig. Zugleich wächst der Druck auf den Gesetzgeber. Der Zeitungsverlegerverband NRW fordert jetzt ein Vertriebsverbot für Werbeblocker, und hat auch bereits einen Formulierungsvorschlag in petto.

„Journalistische Standards in Gefahr“

Ziel: der „Schutz der Integrität von journalistisch-redaktionellen Telemedienangeboten“. Sprich: keine Blockade ohne Genehmigung. Dieser Schritt, so die Lobby-Gruppe, sei „alternativlos“, teilweise würden bis zu 50 Prozent der Werbeschaltungen von Ad-Blockern abgefangen. Dadurch würden „journalistische Standards“ gefährdet, zugleich auch der „Zugang zu Informationen für Alle“, egal ob sie Ad Blocker verwenden oder nicht. Auch das „Whitelisting“ schmeckt den Zeitungsverlagen gar nicht – denn die Werbetreibenden müssten an die Ad Blocker-Betreiber eine Provision von 30 Prozent zahlen, damit bestimmte Anzeigen wieder freigeschaltet werden. „Werbeblocker-Anbieter sind deshalb in Wahrheit Werbevermarkter“, so der Vorwurf des ZV NRW.

Schutz für „ausgediente Geschäftsmodelle“

Die Piraten-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag appelliert dagegen an die Landesregierung, auf eine Lex Anti-Adblock zu verzichten. Eine gesetztliche Regulierung oder ein Verbot würde „einseitig Interessen von Medienkonzernen und Werbeindustrie“ bedienen, es gehe nur darum, „ausgediente Geschäftsmodelle“ zu schützen. Auch offizielle Zahlen des Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) sprechen gegen die Notwendigkeit einer Geseztesinitiative: so ist der Anteil von blockierter Display-Werbung auf PCs im Jahr 2016 stark zurückgegangen, inzwischen liegt er im Durchschnitt nur noch bei 17 Prozent. Da immer mehr Webseiten ohnehin ungefiltert auf Smartphone und Tablet angeschaut werden, ist der Einfluss von Ad Blockern insgesamt ebenfalls im Sinkflug.

(via heise.de)

„Trump Bump“ treibt Digitalerlöse der NYT: 275.000 neue Digi-Abos in drei Monaten

nyt-profitiert-vom-trump-bumpErfolgreich sein heißt ja nicht, dass man schon das Optimum erreicht hätte: zehn Millionen Digital-Abonnenten hat sich die New York Times als Ziel gesetzt, um endgültig vom Print-Geschäft unabhängig zu werden. Klingt total unrealistisch? Nun ja: Die erste Million wurde bereits vor zwei Jahren erreicht. Und schwupps, jetzt sind es schon 1,6 Millionen Digital-Only-Subskribenten. Schuld ist vor allem der „Trump Bump“ seit dem Herbst 2016, also der heißen Phase des US-Wahlkampfs. Im vierten Quartal kamen dem aktuellen Geschäftsbericht zufolge 275.000 neue Digi-Leser hinzu. Im Jahr 2016 ingesamt mehr als 500.000 neue Abonnenten.

„Real journalism. Like nowhere else.“

Zahlen, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss, denn das sind mehr Digital-Leser, als viele andere große Tageszeitungen überhaupt bisher erreichen konnten. Im Zeitalter von „Fake News“ und „Alternative Facts“ — siehe „Bowling Green Massacre“ — hat seriöse Berichterstattung in den USA offenbar deutlich an Mehrwert gewonnen, und viele Leser vertrauen am Ende des Tages vor allem dem Traditionsblatt am East River. Die Onlineausgabe wirbt mittlerweile auch explizit mit ihrem Image: „Real journalism. Like nowhere else“ heißt es zum Beispiel derzeit auf der Titelseite der Online-Ausgabe.

Digital-Boom gleicht Printverluste zum Teil aus

Das Pringeschäft der NYT dagegen ist immer noch mächtig auf Talfahrt, im letzten Jahr gingen die Anzeigenerlöse mit der gedruckten Ausgabe dem Unternehmen zufolge um 16 Prozent zurück. Das konnte auch durch das starke Wachstum im Digital-Bereich nur zum Teil ausgeglichen werden — insgesamt knickten die Werbeeinnahmen im letzten Jahr um 9 Prozent ein. Ein internes Memo (der „2020 Report“) forderte jetzt schon Umstrukturierungen im Redaktionsbereich, insbesondere die noch stärkere Fokussierung auf die digitalen Ausgaben.

(via Meedia)

Vorherpay statt Laterpay: „Spiegel Daily“ startet bald, 100% Paid-Content

spiegel-daily-neues-paid-content-angebotNoch in diesem Frühjahr gibt’s mehr Spiegel denn je: neben SPOL bzw. SpiegelPlus und dem wöchentlichen Heft im Print/PDF tritt „Spiegel Daily“, eine Art digitale Tageszeitung, die montags bis freitags ab 16 Uhr verfügbar sein soll. Das Package sei „vorrangig für die mobile Nutzung konzipiert“ und werde „vor allem über Abonnements“ vertrieben, so die offizielle Pressemitteilung.

Zielgruppe sind „Daily Briefer“ (O-Ton SPOL-Geschäftsführer), also Menschen, die gerne einmal am Tag von den Journalisten ihres Vertrauens online „gebrieft“ werden. Dem Branchenmagazin Horizont.net zufolge erwartet die Leser in der Web-App „Spiegel Daily“ neben aktuellen News ein Bündel aus „Kommentaren, Kuratiertem und Service“.

Das Angebot ist 100 Prozent Paid Content, dafür aber recht günstig — die Abonnenten werden zum Einstieg mit sieben Euro pro Monat zur Kasse gebeten. Für ein paar Euros mehr gibt’s parallel auch Zugang zu den auch schon bisher hinter einer Paywall versteckten SpiegelPlus-Artikeln auf SPOL, und wer ganz tief in die Tasche greift, kann auch noch den eigentlichen SPIEGEL dazuerhalten.

Apropos Kasse: Anlässlich des neuen Premium-Angebotes Spiegel Daily wechselt der Verlag auch den Bezahl-Dienstleister, statt „Laterpay“ wird nun „Plenigo“ die digitale Penunze der Leser einsammeln. Was ja auch irgendwie passt, denn das neue Motto beim Spiegel heißt umsomehr: Vorherpay.

Abb.: (c) Stefanie Loos/DER SPIEGEL

Zeitungs-Flatrate mit Suchtfaktor: Blendle Premium startet in den Niederlanden

blendle-premiumNoch ne Flatrate? Diesmal für Journalismus? Alexander Klöpping meint, das geht: „Von jetzt ab habt ihr Spotify für Musik, Netflix für Video, und Blendle für Zeitungsartikel“, bloggte der Mitgründer des seit 2015 auch in Deutschland aktiven Häppchen-Portal kürzlich via „Medium.com“. Und so geht „Blendle Premium“: Statt Kleinbeträgen für einzelne Artikel sammelt Blendle zukünftig 10 Euro pro Monat ein, und bietet den (bis auf weiteres: niederländischen) Lesern dafür Tag für Tag 20 ausgewählte Artikel aus insgesamt knapp 120 Blättern bzw. Magazinen zur Lektüre. Der Clou dabei: Jeder Nutzer erhält einen eigens auf ihn zugeschnittenen Nachrichten-Mix — dafür sorgen zum einen clevere Algorithmen, zum anderen aber auch menschliche Kuratoren.

Kontra Filterbubble, Clickbait & Fake News

Denn Klöpping möchte zwei Probleme auf einmal lösen — die Leute lesen aus Zeitmangel keine Zeitung mehr, und landen anstelle dessen im undurchsichtigen Informations-Dschungel ihrer Social Media-Profile. „Wir lancieren Blendle Premium in einem für den Journalismus wichtigen Moment. Ich mache mir große Sorgen. In einer Zeit in der ein Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten werden kann, der Klimawandel sich beschleunigt und die Angst vor Terroranschlägen wächst, werden wir überflutet von Fake News, Filterblasen und Click-Bait. Und es gibt einen großen Schuldigen: Facebook.“

Blendle als Facebook-Korrektiv?

Nicht nur der Qualitätsjournalismus gehe dabei den Bach herunter, auch unsere Demokratie, die ein kritisches Medien-Korrektiv braucht. Die Strippenzieher bei Facebook würden ein Katzenvideo auf Buzzfeed wichtiger finden als einen Hintergrund-Artikel der New York Times über die von russischen Hackern beeinflussten US-Wahlen. „Das ist unglaublich. Und das macht mir Angst. Facebook nimmt seine wichtige Rolle für die Gesellschaft nicht ernst“, schreibt Klöpping.

Gute Flatrate-Apps machen süchtig

Doch können 75 Blendle-Redakteure und Web-Entwickler wirklich die Welt retten? Der niederländische Entrepreneur vertraut auf den Flatrate-Effekt: eine ganze Generation junger Menschen unter 35 könne mit einen Zeitungs-Abo nichts anfangen, bezahle aber ohne mit der Wimper zu zucken monatlich für Spotify und Netflix. „Herrliche Apps, mit prächtigem Interface. Und sie zeigen dir nur Dinge, die für dich von Bedeutung sind.“ Auf diesen „Sucht“-Faktor will nun auch Blendle setzen. Deutsche Leser müssen allerdings bis auf weiteres selbst Cherry-Picking betreiben, denn das neue Premium-Angebot gibt’s vorerst nur in den Niederlanden.

(via Financial Times & via „Medium.com“)

In Toronto geht’s auch ohne App: E-Mail-Tabloid „Twelve Thirty Six“ als Erfolgsmodell

1236-newsletterWarum viel Geld für eine Tablet-App ausgeben, wenn man die Leser auch viel einfacher erreichen kann, zum Beispiel per E-Mail? „Wenn du meinst, du hast eine gute Idee, dann darf man auch ruhig mal klein und ein bisschen schäbig anfangen“, so David Topping, Digital-Stratege für den kanadischen Presseverlag St. Joseph Communications. „Und genau das haben wir getan — als wir Twelve Thirty Six gestartet haben.“ Der Name ist Programm: jeden Mittag von Montag bis Freitag pünktlich um 12 Uhr 36 bekommen mehr als 7.000 Abonnenten das schlanke „E-Mail-Tabloid“ in ihren Posteingangskorb geliefert — und lesen los.

60 Prozent Öffnungsrate

Die Öffnungsrate liegt bei sensationellen 55 bis 60Prozent. Was eben daran liegt, dass es sich um ein Standalone-Produkt handelt, eine Miniatur-Lokalzeitung im E-Mail-Format, die informative Kurztexte enthält, nicht nur Teaser, die auf andere Plattformen wie „Toronto Life“ oder „Torontoist“ verweisen (siehe die Browser-Version der Ausgabe vom Freitag, den 13. Januar). Toronto Life-Herausgeber Ken Hunt beschreibt Twelve Thirty Six als „tägliches Lunchtime-Tabloid mit einem eklektischen Story-Mix, immer mit einem Fokus auf Toronto.“

Hohe Nachfrage bei Anzeigenkunden

Gestartet ist das Projekt im Sommer 2015, anfangs noch als anzeigenloses Digital-Experiment, doch das hat sich längst geändert. Inzwischen mutiert das Email-Tabloid zur veritablen Cash Cow des Verlags: Werbekunden zahlen bis zu 300 Dollar pro Tag, damit ihre Anzeigen in Twelve Thirty Six gefeaturet werden. „Man kann E-Mail Newsletter als die erfolgreichere, kostengünstigere Alternative zu Tablet Apps betrachten“, fasst Marc Weisblott, Nachrichtenchef beiSt. Joseph Communications, die bisherigen Erfahrungen zusammen.

„Die Leute verstehen das Produkt“

Auch Digital-Stratege Hunt spricht sieht eine Renaissance des E-Mail-Newsletters gekommen: “Die Leute haben das Produkt verstanden, sie schenken ihm Beachtung, sie schauen jeden Tag hinein — offensichtlich bietet es ihnen realen Mehrwert.“ Der Verlag plant nun, das Geschäftsmodell weiter auszubauen.

(via pubiz.de & niemanlab.org)

Dank Bezos & Trump: WaPo wieder rentabel, Zuwachs bei Digi-Abos & Online-Werbung

wapo-im-plusDie New York Times hat’s geschafft, das Wall Street Journal hat’s geschafft, nun scheint auch die Washington Post die digitale Kurve zu kriegen — in diesem Fall dank Multimilliardär & Amazon-Chef Jeff Bezos, der das Blatt vor drei Jahren kurzerhand aufkaufte, die Arbeitsweise der Hauptstadt-Postille kräftig umkrempelte & nicht zuletzt eine Menge Geld zuschoss (angeblich um die 50 Mio. Dollar). Im Dezember schrieb Herausgeber und CEO Fred Ryan in einem Memo an die Mitarbeiter: „The Washington Post will finish this year as a profitable and growing company.“ In Zahlen: 50 Prozent Traffic-Plus, 40 Prozent Plus bei Online-Anzeigen, 75 Prozent Plus bei Digita-Abos. Passend dazu wurden Dutzende Neueinstellungen angekündigt, Brancheninsidern zufolge sollen bis zu 60 neue Journalisten eingestellt werden, damit wird die Redaktion der viertgrößten US-Zeitung (nach NYT, WSJ & USA Today) knapp 750 Mitarbeiter zählen.

Interesse an seriösem Journalismus boomt

Beigetragen hat zur großen Wende die fundierte Berichterstattung über das brutalstmögliche Wahlkampf-Jahr, das die USA je erlebt hat. Je mehr Kandidat bzw. President Elect Donald Trump um sich twittert, desto größer scheint auch das Interesse der Bürger an seriösem Journalismus zu wachsen. Doch die publizistische Herausforderung war auch strukturell gut abgesichert – nicht nur durch die „Zwangsbeglückung“ aller Kindle Fire-Besitzer in den USA mit einer kostenlosen Testversion der WaPo-App.

Experimente mit neuen Formaten

Denn gleich als die WaPo zu Bezoston Post wurde, hatte Amazon-Chef angekündigt, man werde mit neuen Online-Formaten und Konzepten „experimentieren“. Zu den Experimentierfeldern zählten bisher etwa der Robo-Journalismus in der Sportberichterstattung („Heliograph“), Podcasts, der Aufbau einer Entwicklungsabteilung für Werbeformate und die Gründung einer eigenen Content-Marketing-Agentur („WP BrandStudio“). Dieser Kurs, gleichermaßen getragen von Journalisten wie neu eingestellten Technik-Experten, hat sich in recht kurzer Zeit ausgezahlt — und wird nun konsequent fortgesetzt.

Hyperdistribution führt zu mehr Abos

„Unser Newsroom wird nächstes Jahr noch größer, es wird ein neues Rapid-Response Investigativ-Team geben, das die bisherige Recherche-Einheit verstärkt“, schreibt Ryan. Video-Journalismus — schon bisher überaus erfolgreich — solle zu einer zentralen Storytelling-Plattform ausgebaut werden. Zuwachs werde es auch beim „Breaking-News-Team“ geben und bei den Alert- und Newsletter-Redaktionen. Das Feuern aus alle Kanälen — Stichwort „Hyperdistribution“ — scheint bei der Leser-Akquise besonders erfolgversprechend zu sein: seitdem die WaPo so viele Elemente einer Story wie möglich über so viele Wege wie möglich publik macht, konnten immer mehr normale Besucher der Website zu Abonnenten gemacht werden.

(via Politico.com)

Zeitungen darben, Facebook boomt: Werbe-Dollars wandern von Print in Richtung Mobile

mit paywall auf dem weg zur leserfinanzierten zeitungZwei Headlines, eher zufällig vom selben Tag, aber durchaus nicht ohne Zusammenhang: „Print Newspapers are dying faster than you think“ ,titelt heute Vox. Der Guardian wiederum schlagzeilt: „Facebook’s profits soar as it continues to swallow online advertising market“. Alte Regeln scheinen im Anzeigengeschäft längst nicht mehr zu gelten — das früher mal gewohnte Auf- und Ab entlang der Konjunkturzyklen hat sich seit den Nuller Jahren für viele Print-Blätter in ein ständiges Abwärts entwickelt. Trotz konjunktureller Erholung nach der Wirtschafts- und Finanzkrise: „Instead, over the past six years, the opposite has happended: Newspaper advertising revenues have continued to deteriorate even as the economy booms.“

Vox verweist auf eine interessante Statistik in Sachen Aufmerksamkeits-Ökonomie: nur noch vier Prozent der dem Medienkonsum gewidmeten Zeit verbringen die US-Amerikaner mit einer gedruckten Tageszeitung, 22 Prozent ihrer Zeit dagegen vor den mobilen Screens von Smartphone und Tablet. Allerdings hat Print immer noch einen Anteil von 16 Prozent an den Werbeausgaben, das mobile Internet dagegen nur 12 Prozent. Fazit: „This situation can’t last.“

Ein guter Indikator für die Umschichtung der Werbeetats ist Facebook: es strömt spürbar mehr Geld in Richtung Mobiles Web, und der Social Media Gigant sichert sich selbst einen immer größeren Anteil am Online-Werbekuchen. Besonderer Umsatztreiber war zuletzt der US-Wahlkampf: Alleine im dritten Quartal 2016 haben sich laut Guardian Facebooks Werbeeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, von zuvor 896 Millionen Dollar auf 2,38 Milliarden Dollar. 84 Prozent der Anzeigen wurden via Smartphone ausgeliefert, gegenüber 78 Prozent im Vorjahr.

Die darbenden Print-Blätter reagieren auf diese Entwicklung wie schon bisher: mit Sparrunden und Einschnitten beim Personal. In den letzten Wochen, so der Guardian, hätten die Verlagsgruppen von Daily Mail, NYT und WSJ weitere Entlassungen angekündigt — und der Guardian selbst auch.

Abb.: NS Newsflash/Flickr (cc-by-2.0)

Personalisiert, aber ohne „Ausblendle“-Effekt: Online-Kiosk Blendle will Filter-Bubble zum Platzen bringen

blendle-bringt-filter-bubble-zum-platzenGerade erst beklagte ZEIT Online-Chef Jochen Wegner: „Ein Platz 1 in den Blendle-Wochen-Charts bringt dreistellige Erlöse“. Doch für Blendle lohnt sich Blendle auf jeden Fall: kaum zwei Jahre nach dem Start habe man die Schwelle von einer Million Leser durchbrochen, hunderttausende davon seien auch aktive Nutzer, so Alexander Klöpping, der Mit-Gründer des journalistischen Häppchen-Portals, in einem Blog-Beitrag.

Kontra die „Klickdatur“ von Facebook & Co.

Klöpping klopfte sich dabei gleich auch mal branchenpolitisch kräftig auf die Schulter: Weil man den Lesern durch aufwändige Kuratierung des Artikel-Angebots helfe, die besten Stories zu finden, kämpfe man damit erfolgreich gegen die automatische „Klickdatur“ der großen Filterblase von Portalen wie Facebook, die auf immer stärkere Personalisierung setzen.

Die Blendle-Community sieht das ähnlich: „Viele unserer Leser fühlen sich unwohl, wenn’s um das Thema Personalisierung geht. Es gibt die Angst, nur noch Artikel präsentiert zu bekommen, denen man zustimmt, anstelle von Stories, die herausfordern“, schreibt Klöpping.

Neuer Premiums-Stream enthält „unerwartetes“

Einen Journalismus, der spaltet, statt zu informieren, das will man bei Blendle auf keine Fall. Mehr Personalsierung ist aber schon erwünscht. Deswegen hat man nun … einen Algorithmus entwickelt, der die „Filterblase zum Platzen“ bringen soll. Der neue „Blendle Premium Stream“ sei zwar extrem personalisiert, enthalte aber eben auch unerwartetes, so Klöpping.

Also mit dem Filter gegen die Filter-Bubble? Man darf gespannt sein. Den Blick über den digitalen Tellerrand erhalten bisher nur ausgewählte Test-Leser, demnächst soll das Roll-Out für die gesamte Blendle-Leserschaft beginnen. Ironischerweise setzen die großen Social Media-Portale selbst ja inzwischen nicht mehr nur auf Algorithmen, sondern bauen Teams aus menschlichen Kuratoren auf, um die Content-Auswahl im Nachrichten-Strom besser abzustimmen. Gute Personalisierung scheint also beides zu brauchen, händische Kuratierung und Filter-Algorithmen.

Premium-Angebot „Spiegel Plus“: Zahlende Leser sollen Werbeeinnahmen maximieren

spiegel-plusNa dann Prost: Wer den brandneuen Premium-Content von Spiegel Online („Spiegel Plus“) lesen möchte, kann auf einem „digitalen Bierdeckel“ anschreiben lassen. Erst wenn der Inhalt von dreizehn Artikeln à 39 Cent (d.h. insgesamt für knapp 5 Euro) den Sehnerv herabgeperlt ist, wird man via „LaterPay“ zur Kasse gebeten – vorher reicht die einfache Registrierung. Gezahlt werden kann dann via Kreditkarte, Sofortüberweisung oder Bankeinzug. Spiegel Plus enthält sowohl Texte aus dem aktuellen Wochenmagazin wie auch exklusive Online-Only-Artikel, Tag für Tag kommen jeweils zwei aus beiden Sektoren hinzu. Einen Überblick zum derzeitigen Premium-Angebot gibts via spiegel.de/spiegelplus.

„Bezahlinhalte salonfähig machen“

Der Vorteil dieses Micropayment-Verfahrens liegt auf der Hand: es rasselt keine undurchdringliche Paywall herab, die Leser können das neue Angebot erst einmal testen — die ersten 1.000 Wörter jedes Artikels sind zudem ohne Registierung bei Laterpay lesbar. Auch Portale wie Golem, Geo oder Schöner Wohnen setzen bereits auf das niedrigschwellige Konzept des Münchner Paid-Content-Dienstleisters LaterPay, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, „Bezahlinhalte im Internet salonfähig zu machen“.

Eine Folge der Print-Krise

Die bisherige Angebots-Trennung — SPOL als kostenloses Massenangebot im Netz, das Wochenmagazin DER SPIEGEL als kostenpflichtiges Komplettangebot in Papierform oder als E-Paper — ist damit endgültig passé. Wohl aus gutem Grund, zum einen sinkt die Druckauflage immer weiter, zum anderen bringt die Online-Werbung und der E-Paper-Verkauf nicht genug, um den Schwund bei Print aufzufangen.

Metered Model im Trend

Mit der neuen Paid Content-Strategie geht SPOL einen ähnlichen Weg wie viele deutsche (Tages-)Zeitungsverlage, die überwiegend auf eine Kombination von Freemium und Premium bzw. das „Metered-Model“ setzen.Laut BdZV bitten insgesamt bereits 120 der ingesamt 344 Tageszeitungsverlage hierzulande ihre Digital-Leser zur Kasse. Jedes zweite Blatt unterstützt zudem auch auf die Vermarktung durch externe Häppchen-Anbieter à la Blendle oder Pocketstory.

„Hochwertiges Werbeumfeld“

Die dort feilgebotenen Lese-Häppchen (inklusive Spiegel-Content) sind mit Preisen zwischen 75 Cent und knapp 2 Euro zwar deutlich teurer als bei Spiegel Plus, dafür aber auch komplett werbefrei — auf die beim Publikum unbeliebten Reklame-Banner wollen die Spiegel-Macher dagegen auch beim Premium-Content nicht verzichten. Ganz im Gegenteil: „Wir gehen davon aus, das wir in Umfeldern von Beiträgen, für die die Leser bezahlt haben, höhere Werbepreise erzielen können“, so Verlagsgeschäftsführer Hass gegenüber Horizont.net.