Terms & Conditions als Meisterwerk: Robert Sikoryaks großartige Comic-Version der iTunes-AGBs

terms-and-conditions-itunes-als-comicPreisfrage: welchem Kontrakt haben alle Menschen zugestimmt, ohne ihn jemals gelesen zu haben – nur um am Ende was auf die Ohren zu bekommen? Nein, nicht dem Gesellschaftsvertrag von Monsieur Rousseau, hehehe, viel schlimmer: dem iTunes Nutzungsvertrag von Mr. Steve Jobs, bzw. den „iTunes Terms and Conditions“.

„Please read the Agreement carefully“

Tja, so sieht’s aus: (fast) alle von uns haben wohl schon des öfteren per Mausklick oder Fingertipp auf Nachfrage des diensthabenden Systems bestätigt, die AGBs für Apples Multimedia-Universum gelesen zu haben. Haben wir das aber wirklich? Wahrscheinlich quälen sich in Gänze durch diese Buchstabenwüste nur Medienrechtler, Linguisten oder Performance-Künstler auf der Suche nach unverbrauchtem Material.

„To confirm your acceptance, click Agree.“

Apropos: Die beliebte Ausrede: „So etwas lese ich nicht, da sind ja gar keine Bilder drin“ fällt ab jetzt definitiv weg. Der US-Comic-Zeichner Robert Sikoryak hat die mehr als 20.000 Wörter der (englischsprachigen) iTunes-AGBs nämlich sukzessive erst via Tumblr in eine Web-Comic-Serie, und am Ende dann in ein Comic-Buch verwandelt. Eine Art Biblia Pauperum für Digital Natives.

„A surreal record of our modern digital age“

Das wirklich großartige an diesem leicht dadaistisch anmutenden Projekt: Jede der insgesamt 96 Seiten dieser exotischen „Graphic Novel“ ist im Stil klassischer Comic-Künstler gehalten, z.B. Calvin & Hobbes, Simpsons, Jack Kirby, Marjane Satrapi u.a. Nur eine Figur ist als eine Art schurkisch-schelmischer Conférencier durchgehend präsent: Steve Jobs, wenn auch manchmal in der Haut von Dritten, z.B. Homer Simpson.

„Halte dich an das, was ich dir auftrage“ (2. Mose 34)

Als „Gesprächspartner“ tauchen in den 96 Szenarien diverse Figuren auf – natürlich kommt aber kein Gespräch zu stande, denn die iTunes Geschäftsbedingungen sind ein endloser Monolog, ein Monolith der Verlautbarung, der dem sprachlosen Nutzer vor die Füße geworfen wird, wie weiland Moses die Steintafeln mit den zehn Geboten auf dem Berg Sinai.

(via t3n.de)

Nur keine Sentimentalitäten: New York Times wirft Comic-Bestsellerlisten raus

nyt-wirft-comic-bestseller-liste-rausMan denkt ja immer, Comics seien längst Kulturgut, voll akzeptiert und arriviert, erst recht überm großen Teich, egal ob als E-Comic oder gedruckt, egal ob „Graphic Novel“ oder populäre Serie. Bester Beweis — bisher, leider ab Februar nicht mehr — die New York Times. Im Jahr 2009 hatte das Blatt nämlich Comic-Bestseller-Listen eingeführt, parallel zum Kinostart von „Watchmen“, und mit dem Ritterschlag-Argument: „Comics have finally joined the mainstream“.

„Experiment fand keinen Anklang bei Lesern“

Neben mehr als einem Dutzend diverser Bestseller-Listen für Sachbücher und Belletristik gab es seitdem drei Comic-Rankings: Hardcover Graphic Novels, Softcover Graphic Novels, sowie Mangas. Ab Februar 2017 ist damit aber schon wieder Schluss — die Graue Lady baut ihre Ressorts und Bericht-Strukturen um, und dabei hat’s u.a. auch die Comics erwischt.

Laut NYT sei das ohnehin nur ein „Experiment“ gewesen, und die Comic-Rankings hätten „keine große Zahl von Lesern erreicht bzw. keinen großen Anklang gefunden“. Eine weitergehende Begründung blieb aus — es werden im Netz aber eine Menge Vermutungen herumgereicht. Darunter das Problem, überhaupt repräsentative Verkaufszahlen aus der oft noch sehr subkulturellen und versprengten Comic-Szene zu sammeln.

Repräsentative Zahlen für Comics Mangelware

„Es gibt keine öffentlich zugänglichen Zahlen, der Superstore comiXology ist intransparent, und der wichtigste Datensammler Comichron zählt nur die Lieferungen an Comic-Shops, nicht die Verkäufe“, fasst etwa Vulture zusammen.
Das wiederum dürfte es für Comics auch schwieriger machen, in die generellen Bestseller-Listen zu gelangen, in denen sie nach Auskunft der NYT prinzipiell durchaus auftauchen können, entsprechende Verkaufszahlen vorausgesetzt.

Fokus auf alternativen Mainstream

Davon mal ganz abgesehen wollen natürlich nicht alle Leser immer nur die üblichen Superhelden vorgesetzt bekommen — genau hier wirkte die Besten-Auslese der NYT als Korrektiv, so Vulture: „Branchenbeobachter haben schon seit längerem darauf hingewiesen, dass die Bestseller-Listen der Times typischerweise nicht von Superheroes, sondern von Young Adult-Titeln dominiert wurden, insbesondere mit weiblichen Protagonisten aus der Feder von „Ghosts“-Erfinderin Raina Telgemeier“. Die Perspektive auf den alternativen Mainstream im Comic-Sektor droht nun aus dem Fokus zu geraten…

(via Vulture.com & Comicsbeat.com)

Comixology Unlimited: Amazons Sprechblasen-Abteilung startet Flatrate-Abo

comixology-flatrateWer Comics gerne elektronisch auf Tablet oder Smartphone liest, kommt ab jetzt — zumindest in den USA — ungleich günstiger an die Lektüre: mit „Comixology Unlimited“ gibt’s nämlich eine neue Sprechblasen-Flatrate. Für nur 6 Dollar pro Monat liest man via Comixology-App ohne weitere Kosten u.a. die Starttitel populärer Serien wie „Walking Dead“, „Attack on Titan“ oder „Buffy the Vampire Slayer“.

Flatrate fördert Discoverability

Schon im letzten Sommer hatte es Gerüchte gegeben, Amazon würde eine solche Flatrate planen – da war dann offenbar doch was dran. Die Strategie der 2014 vom Online-Riesen aus Seattle übernommenen Comic-Plattform scheint auf jeden Fall klar zu sein: Comic-Fans sollen via Abo ermuntert werden, neue Serien bzw. neue Staffeln kennenzulernen, und später auch Fortsetzungen kaufen, die nicht Teil der Flatrate sind. Das dürfte auch im Interesse von Comic-Labels wie Image, Dark Horse Comics oder Fantagraphics sein, die dafür Content bereitstellen.

Marvels Superhelden nicht dabei

An Amazon kommt man auf dem amerikanischen Markt ohnehin nicht mehr so ganz vorbei, von den knapp 100 Millionen Dollar Umsatz, die Comics in den USA & Kanada jedes Jahr erzeugen, werden mehr als 90 Millionen via Amazon eingesammelt. Doch es gibt auch noch ein paar Player, die eigene Wege gehen. So fehlen bei „CU“ nicht zufällig Marvels Superhelden — denn der Hausverlag von Superman, Spiderman & Co. hat bereits eine eigene Flatrate gestartet. Trotzdem wird „CU“ wohl viele Freunde in der Comic-Gemeinde finden, zumal sich die Titel auch downloaden und offline lesen lassen.

(via Amazon Watchblog & Business Insider)

Graphicatessen für den Schwarm: Carlsen-Verlag vermarket Comics via Crowdfunding

alisik-schuber-crowdpublishing-carlsenCrowdpublishing im Comic-Bereich ist hierzulande für viele Verlage noch komplettes Neuland – in den USA dagegen ist die Crowd schon zum wichtigsten Mäzen für bunte Bildergeschichten avanciert. Nun geht mit Carlsen erstmals ein großer deutscher Comic-Verlag einen Schritt in Richtung Schwarmfinanzierung: unter dem Label „Graphic/atessen“ vermarkten die Hamburger exklusive Sondereditionen via Startnext.de, Deutschlands größter Crowdfunding-Plattform.

„Liebhaberobjekte mit kleiner Leserschaft“

Man wolle Fans der grafischen Literatur und neuen Lesern „außergewöhnliche Produkte anbieten, für die es im klassischen Verlagsprogramm bisher keinen Platz gab“, so Projektleiterin Mareike Hermes. Mit Crowdfunding könne man „Liebhaberobjekte mit zum Teil sehr kleiner Leserschaft“ realisieren, findet auch Programmkoordinator Ralf Keiser.

E-Comic-Versionen ebenfalls erhältlich

Die ersten beiden Kampagnen starten ab 1. September: die Comic-Crowd kann dann mithelfen, eine Luxus-Ausgabe von „Alisiks wunderbarer Welt“ (Hubertus Rufledt/Helge Vogt) zu realisieren, genauso die „Comic-Koch-Box deluxe“ von Food-Blogger Guillaume Long. Als Goodies warten auf die Unterstützer z.B. Poster und Drucke von Einzelillustrationen der jeweiligen Titel, im Fall von Alisik auch E-Comic-Versionen.

Blake & Mortimer sowie Spirou ab November

Bis Anfang November folgen vier weitere Titel aus dem Comic- und Illustrationsbereich: der Abenteuercomic „Long John Silver“, das Skizzenbuch „Blake und Mortimer in 329 Zeichnungen“ von E.P. Jacobs, der Illustrationsband „Spirou und die Moderne“ sowie die Siebdruckmappe „Comickunst für die Wand“ von Künstlern wie Flix, Jens Harder, Reinhard Kleist und Uli Oesterle. Weitere Hintergrundinfos gibt’s auf dem Projekt-Blog Crowd & Rüben.

ComiXology räumt ab: Amazon beherrscht 90% des E-Comic-Markts (USA/Kanada)

amazon-kauft-comixology-appDer Comic-Markt in Nordamerika boomt wie nie zuvor, fast wurde 2014 schon die Milliarden-Dollar-Schwelle geknackt. Doch nicht nur das gute Comicheft bzw. Comicbuch legte kräftig zu (Wachstum bei Print: 7 Prozent). Gleiches gilt für E-Comics (Wachstum: 11 Prozent). Erstmals gaben US-Amerikaner und Kanadier im letzten Jahr mehr als 100 Millionen Dollar für elektronische Sprechblasen aus, berichtet das das Popkulturwirtschafts-Portal ICv2. Womit wir schon wieder mal bei Amazon wären. Denn von diesen 100 Millionen Dollar für E-Comics gingen wiederum 90 Millionen Dollar an … genau, Amazon.

ComiXology festigt Marktposition

Ächz. Keuch. Stöhn. Warum? Weil Amazon seit letztem Frühjahr ComiXology besitzt, die wichtigste E-Comic-Plattform im englischsprachigen Raum. Und zugleich kräftig dabei ist, die damit erreichte dominante Position weiter zu festigen: In-App-Käufe via iOS oder Android sind mit der ComiXology-App seit der Amazonisierung nicht mehr möglich, die Käufer haben sich inzwischen grummelnd daran gewöhnt, via Website einzukaufen und Amazon damit die 30%-Provision für Apple & Co. zu ersparen.

Exklusiv-Deal mit Marvel

Ein wichtiger Grund, sich das als Kunde anzutun lautet Marvel – denn Amazon hat mit dem populären Superhelden-Publisher im Sommer 2014 einen Exklusivdeal abgeschlossen: Einzelausgaben der großen Serien gibt’s elektronisch jetzt nur noch via ComiXology. Da wuchs zusammen, was zusammen gehört, denn Marvel hat auf dem Single-Issue-Markt wiederum einen satten Anteil von 43 Prozent. Pech für den Rest: Ohne Marvel, das steht fest, kann eine konkurrierende Plattform kaum kompetitiv sein.

Amazon killt Whitelabel-Apps

Einiges zu schlucken haben aber auch viele kleinere Comicverlage, die auf den elektronischen Markt drängen: bisher konnten sie über das Whitelabel-Programm von ComiXology eigene „gebrandete“ Apps betreiben. Diesem Weg hat Amazon aber nun einen Riegel vorgeschoben, um noch mehr Traffic & provisionslosen Umsatz auf die ComiXology-Website zu lenken.

(via ICv2.com & Publishers Weekly)

Yars späte Rache: Dynamite Ink bringt Atari-Comics neu heraus

yars-spaete-racheGute Nachrichten für alle Retro-Fans: Ein Publishing-Deal zwischen Atari und Dynamite Ink soll die legendären Atari-Comics wiederbeleben. Geplant sind sowohl Reprints von Serien wie Atari Force, Swordquest oder Quotile Ultimatum (Yar’s Revenge), wie auch neue Folgen auf Grundlage von Spiele-Klassikern wie Missile Command, Crystal Castle oder Asteroids.

„Atari ist durch seine Verwurzelung in der Welt der Comic-Bücher und dem ikonischen Artwork bei Sammlern wie auch Videospiel-Enthusiasten äußerst beliebt. Die neue Kooperation bringt auf sehr unterhaltsame Weise die Marke Atari einer neuen Generation nahe, und dürfte zugleich gute Resonanz bei den älteren Fans erzeugen“, so Atari-Chef Fred Chesnais.

Doch warum überhaupt Comics? Was viele heute gar nicht mehr wissen: zu Zeiten klassischer Konsolen wie der VCS 2600 wurden vielen Atari-Cartridges in Kooperation mit DC Comics produzierte Bildergeschichten beigelegt (ein paar Digitalisate findet man übrigens bei Atari Age). Auf Grundlage der pixeligen Spiele, die über den TV-Bildschirm flimmerten, hatten sich talentierte Comic-Zeichner wie Gerry Conway, Mike Baron oder Jose Luis Garcia-Lopez passende Stories und Figuren ausgedacht.

Außerdem plant der Indie-Verlag einen Sampler, der eine Menge klassischer Games-Artwork, Fotos und Hintergrundinfos zu Spiele-Klassikern enthalten wird.
„Die Atari-Spiele und die VCS waren für viele von uns die erste Berührung mit Video-Games überhaupt“, so Rich Young, Director of Business Development bei Dynamite. „Ich erinnere mich gerne an die Spiele auf der 2600er-Konsole, die ich gemeinsam mit Freunden gespielt habe. Deswegen freue ich mich sehr über die Chance, mit Atari zusammenzuarbeiten“.

Die Atari Comics werden nicht nur gedruckt, sondern auch elektronisch auf den großen Plattformen von Comixology bis zu iVerse und Dark Horse erhältlich sein. Genaue Release-Daten gibt es bisher noch nicht.

„ComiXology Unlimited“ ante portas: Amazon soll E-Comic-Flatrate planen

amazon-kauft-comixology-appWas Kindle Unlimited für E-Books ist, könnte „ComiXology Unlimited“ bald für E-Comics sein: wie Brancheninsider Nate Hoffelder (Ink, Bits & Pixels) erfahren haben will, plant Amazon nach Kindle-Books nun auch Comics nach dem Flatrate-Prinzip gegen eine monatliche Grundgebühr unbegrenzt anzubieten. Die neue Flatrate könnte bereits nächste Woche anlässlich der San Diego Comic Con offiziell gestartet werden.

ComiXology gehört seit 2014 zu Amazon

Erst im April 2014 war ComiXology von Amazon aufgekauft worden. Mit über 50.000 E-Comics von mehr als 75 Verlagen gilt die gleichnamige App auf internationalem Parkett als führend. Ursprünglich ist ComiXology als Online-Community gestartet, mit der lokale Comic-Händler ihre Digitalpräsenz verbessern konnten, mit einer iPhone-App begann dann 2009 der Einstieg ins E-Comic-Business.

Marvels Superhelden plus Indie-Comics

„ComiXology Unlimited“ wäre nicht die erste E-Comic-Flatrate, aber bei weitem umfassender als bestehende Angebote – als einziger Anbieter hat ComiXology nicht nur große und kleine Indie-Verlage, sondern auch die Comics der zwei Major Labels Marvel und DC im Programm.

Wem gehören Photonen? E-Comic „Bound by Law“ erklärt Copyright & Public Domain

„Wem gehören Photonen? Wenn das Objektiv der Kamera sich öffnet und all die Lichtreflexe einsammelt, die von Gebäudeoberflächen, Gesichtern, T-Shirts, Gemälden, Skulpturen und Fotos ausgehen, ist man dann ein Gesetzesbrecher? Verstößt das Mikrofon gegen Gesetze, wenn es Luftbewegungen aufnimmt, die durch Stimmen, Gesang oder Hintergrundmusik entstehen?“ Eine gute Frage – gestellt vom kanadischen Digital Rights Aktivisten Cory Doctorow in seiner Einführung zu „Bound by Law“, einem Comic zum Thema US-Copyright versus Public Domain.

Dokumentarfilm ist kein Kavaliersdelikt

Die Antwort auf die Frage ist nicht ganz so trivial, das machen Comiczeichner & Jura-Prof Keith Aoki und seine Kollegen James Boyle und Jennifer Jenkins dem Leser am Beispiel einer (fiktiven) Dokumentarfilmerin schnell deutlich – denn deren Projekt, den New Yorker Alltag auf Zelluloid und Tonspur zu bannen, stößt auf viele juristische Hindernisse. Will man nicht viel Geld für Anwälte und aufwändige Prüfungen ausgeben, bleibt oft nur das Herausschneiden von ganzen Szenen oder die Ersetzung von Miles Davis aus dem Saxophon des Straßenmusikers durch Mozarts kleine Nachtmusik.

E-Comic wird via cc-Lizenz verbreitet

In den Worten von Cory Doctorow: „Copyright soll eigentlich Kreativität fördern, tatsächlich wurde es aber von ein paar Playern aus der Unterhaltungsindustrie als Geisel genommen und pervertiert“. Wie es besser gehen könnte, zeigt der Comic im zweiten Teil – dort geht es nämlich um die Vorteile von Creative Commons-Lizenzen. Die Vorteile von cc-Inhalten erfährt der Leser des im klassischen Stil von Will Eisner & Co. gezeichneten Comics aber auch ganz praktisch: die E-Comic-Version ist nämlich selbst cc-lizensiert und kann kostenlos heruntergeladen werden, z.B. im PDF-Format.

Bald auch deutsche Version?

Und vielleicht gibt’s „Bound by Law“ irgendwann auch mal auf Deutsch – denn die cc-Lizenz des erstmals 2006 veröffentlichten Comics erlaubt Übersetzungen, mittlerweile existieren bereits Versionen auf Portugiesisch, Französisch und Italienisch. Entstanden ist der Comic nicht ganz zufällig am „Center for the Study of the Public Domain“ der Duke University/North Carolina. „Merkwürdigerweise scheint unser Zielpublikum nicht sehr motiviert zu sein, akademische juristische Abhandlungen zu lesen“, stellen die Autoren in einem Nachwort fest – in Wort und Bild haben sie nun deutlich mehr Leser bekommen.

Aoki/Boyle/Jenkins:
Bound by Law (Tales from the Public Domain)
E-Book (kostenlose cc-Version) PDF/HTML/Flash
Taschenbuch (via Amazon.de) 9,65 Euro

(via Open Culture)

Freiheit für die Sprechblasen: ComiXology erlaubt DRM-freie Downloads

Gute Neuigkeiten für E-Comic-Fans: Nutzer der besonders in den USA populären ComiXology-App können ab jetzt ihre Dateien exportieren und separat im PDF- oder CBZ-Format abspeichern. Entweder als reines Backup, oder um sie alternativ mit unabhängigen E-Reading-Apps oder im PDF-Viewer zu lesen. Das gab ComiXology-Chef David Steinberger letzte Woche anlässlich der Comic-Con in San Diego bekannt.

Die Backup-Option funktioniert auch auf der europäischen Comixology-Plattform (comixology.eu). Es gibt aber einen kleinen Haken: Auf das komfortable „Guided View“-Feature der App muss man natürlich verzichten. Diese Panel-weise Leseansicht hat mit zum Erfolg der Anwendung beigetragen. Voraussetzung für das Backup ist zudem, dass der jeweilige Verlag DRM-freie Versionen seiner E-Comics anbietet – was Marvel und DC, also die ganz Großen der Branche, bisher aber nicht tun.

Welche der bereits gekauften Titel sich exportieren lassen, verrät auf der ComiXology-Website ein neuer Reiter namens „My Backups“. Zu den Indie-Verlagen, die bereits jetzt auf DRM verzichten, gehören neben Image Comics auch Dynamite Entertainment, MonkeyBrain Comics oder Thrillbent. Image Comics ist auf dem US-Markt nach Marvel und DC die Nummer drei – und gab Mitte 2013 den Verzicht auf DRM bekannt.

Mit der Öffnung des App-Ökosystems für DRM-freie Comics folgt ComiXology also einem Branchentrend – wie gut sich kopierschutzfreie Bildergeschichten von Indie-Verlagen vermarkten lassen, hat nicht zuletzt auch die Crowdpublishing-Plattform Humble Bundle gezeigt, die komplette Bündel schnürt und zum Bezahl-was-du-willst-Preis bereits hunderttausendfach verkauft hat.

Mit über 50.000 E-Comics von mehr als 75 Verlagen gilt ComiXology auf internationalem Parkett als führender Anbieter, im Frühjahr 2014 wurde das Unternehmen von Amazon aufgekauft. Ursprünglich ist ComiXology als Online-Community gestartet, mit der lokale Comic-Händler ihre Digitalpräsenz verbessern konnten, mit einer iPhone-App begann dann 2009 der Einstieg ins E-Comic-Business.

Weitere Infos siehe DRM-free-FAQ auf Comixology.com

[e-comic-review] I STILL want to believe – Akte X Staffel 10

Mulder und Scully sind wieder da – Vorhang auf für die Staffel Nummer 10 der „X-Files“. Auf der Mattscheibe bekommt man „Akte X“ allerdings nicht zu sehen, dafür aber auf dem Tablet-Display: seit Mitte 2013 sind schon mehr als ein Dutzend neue Folgen als E-Comic erschienen. Die alternative Storyline, chronologisch ganz grob nach der Handlung des zweiten Kinofilms „Fight the Future“ angesetzt, wurde von Horror- & Mystery-Profi Joe Harris geschrieben, als Executive Producer stand Chris Carter Pate, also der Schöpfer des X-Akten-Universums höchstpersönlich. Das Mission Statement mehr als zehn Jahre nach dem Finale von Staffel Neun hat WIRED sehr schön zusammengefasst: „bring the mythology of the Alien Conspiracy back up to date in a more paranoid, post-terror, post-wikileaks society“.

Wie gut das gelungen ist, zeigt gleich der Beginn des Sequels: das FBI-Netzwerk wurde von unbekannten Mächten gehackt, sensible Informationen nicht nur über die X-Akten selbst, sondern auch alle, die mit ihnen jemals befasst waren, wurden dabei entwendet. Sind auch Mulder und Scully in Gefahr? Seit dem Ende ihrer FBI-Karriere leben sie under cover als Mr. and Mrs. Blake in suburbanen Spotsylvania County, Virginia. Nun erhalten sie unerwarteten Besuch von Deputy Director Skinner, der sie über die geleakten Daten informiert. Kurz darauf wird er Opfer eines Angriffs mysteriöser Kapuzenmänner mit übermenschlichen Fähigkeiten, als nächstes trifft es Scully. Schnell ist klar, hinter welchen Informationen die dunklen Kuttenträger her sind: es geht um Scullys Sohn William (vgl. dessen „Akte“ im X-Files-Wiki).

Was natürlich nichts anderes bedeutet als den Re-Entry des ganz großen Mythenbogens: schließlich ist der zu seiner eigenen Sicherheit zur Adoption freigegebene William ein Mensch-Alien-Hybrid, und spielt eine zentrale Rolle beim streng geheimen Plan der Neubesiedlung der Erde durch die Außerirdischen. Wie gewohnt gibt es aber nicht nur auf Seiten der Menschen Verschwörer, sondern auch auf Seiten der Aliens, diesmal besonders mystisch unter dem Namen „Akolythen“ unterwegs. Und eine Menge rätselhafter Vorgänge. Zu welchem Zweck etwa wurden mit Magnetit gefüllte Ölpipelines rund um den Yellowstone-Nationalpark gelegt? Mit wem arbeitet der „Cigarette Smoking Man“ diesmal zusammen? Wo ist eigentlich Agent Doggett? Gibt es eine Verschwörung hinter der Verschwörung?

Es dauert nicht lange, dann steht Scully hinter der Betonfassade des J. Edgar Hoover-Gebäudes wieder vor einem FBI-Untersuchungsausschuss. Und gibt ein wunderschön zeitgeistiges Statement ab, dass perfekt zur Post-Wikileaks und natürlich auch Post-Privacy-NSA Komplex passt:

„Es gibt Kräfte, die danach trachten, unsere Gesellschaft zu verändern, deren Ziele, wie geheim und verborgen sie auch sein mögen, unsere Existenz bedrohen. Und sie wissen ganz genau, wer wir sind. Wir müssen uns wappnen…“

Das FBI entscheidet nicht nur, die X-Akten erneut zu öffnen – Mulder & Scully werden wieder in den aktiven Dienst versetzt. Als erste Amtshandlung hängt Mulder sein altes Poster im Keller-Büro auf, mit einer kleinen Ergänzung: „I STILL want to believe“. Neben der großen Verschwörung erwarten den Leser somit viele neue Monster-of-the-Week-Episoden und auch das eine oder andere Flashback aus der Vergangenheit der Charaktere.

Apropos: wappnen — auch wenn’s nur gegen sommerliche Langeweile sein soll — können sich Akte X-Fans gleich mit zwei Sammelbänden, die Folge 1-5 und 6-10 der neuen Staffel enthalten. Entweder elektronisch, z.B. über die Maddog Comic App, oder analog mit der Papiervariante, die man z.B. direkt bei Dani Books bekommt, wo die deutschsprachige Fassung verlegt wird.

Akte X – Staffel 10
(Joe Harris, Chris Carter (Storyline), Michael Walsh, Jordie Bellaire (Artwork)
Bd. 1 („Believers“)
Bd. 2 („Chitters“)
Paperback & PDF-Bundle (Dani Books) 14,00 Euro (Bd. 2: 14,95 Euro)
E-Comic (Maddog App) 7,99 Euro