Kategorie-Archiv: E-Book-Reader

BatteryFreePhone-UW

Energie liegt in der Luft: Vom akku-losen Handy zum akku-losen E-Reader?

BatteryFreePhone-UWWie „mobil“ unsere „mobilen“ Geräte à la Smartphone oder Tablet sind, entscheidet letzlich Stromverbrauch und Akku-Kapazität – was in der Praxis meist heißt: immer die nächste Steckdose im Blick behalten, und das Ladekabel nicht vergessen. Was Forscher an der Uni Washington gerade getestet haben, klingt dagegen wie der heilige Gral der Mobilität: ein radikal abgespecktes Skype-Handy, dass nicht nur wenig Energie verbraucht (im Milliwatt-Bereich), sondern diese auch noch quasi „aus der Luft“ gewinnen kann — indem es elektromagnetische Wellen von Mobilfunkmasten bzw. W-LAN-Routern nutzt. Oder mit einer nur reiskorngroßen Solarzelle Licht in Strom verwandelt. “Wir haben wohl das erste funktionierende Mobiltelefon konstruiert, das tatsächlich fast keine Energie verbraucht“, berichten die Forscher an der Paul G. Allen School of Computer Science & Engineering.

Da muss man ja aus E-Reading-Perspektive direkt an das Kindle denken – das ja vom Prinzip her immer schon ein E-Ink-Display mit Anbindung ans Mobilfunknetz darstellt. Konzepte rund um solarbetriebenes E-Reading gab’s ja in der Vergangenheit schon des öfteren, die stromsparende E-Ink-Technologie legt so etwas ja ohnehin nahe. Das Problem dabei blieb bisher immer der zusätzliche Energiebedarf, um via W-LAN bzw. Mobilfunknetz die Verbindung in Richtung E-Book-Store bzw. Cloud-Bibliothek herzustellen. Mit der dem Verfahren der „modulierten Rückstreuung“ — das auch bei RFID-Transpondern angewendet wird — könnte man diese Lücke in Zukunft schließen.

Den Forschern der Uni Washington zufolge müsste man dafür allerdings auch die Sendemasten des Mobilfunknetzes bzw. WLAN-Router entsprechend nachrüsten — dann jedoch wäre „akkulose Handy-Netzabdeckung überall möglich“.

(via HuffPoUK)

flexibler-reader-von-eink

E-Books bald aus dem Knick? E-Ink Corp. zeigt 10-Zoll-Reader mit flexiblem Display

flexibler-reader-von-einkAufklappen, zuklappen – ein Buch wird auch deswegen als Buch wahrgenommen, weil man es öffnen und schließen kann, und bei der Lektüre jeweils auf eine Doppelseite blickt. Für starre E-Ink-Displays verlief hier bisher die absolute Grenze der Buchähnlichkeit – der E-Reader war bisher schlicht ein Tablet, Vorbild: Schiefertafel. Ein neuer E-Ink-Prototyp weist dagegen in die flexible Zukunft — das jetzt auf der SID Display Week in Los Angeles präsentierte Modell lässt sich fast komplett zusammenfalten.

Ein Reader mit Buch-Rücken

Fast — die Wölbung hat noch einen Durchmesser von 7,5 Millimetern, was aber durch einen buchähnlichen Rücken sowie buchähnliche Deckelung kaum noch auffällt. Bei der Nutzung kann man diesen Reader sowohl komplett aufschlagen, oder wie ein Buch beide Seiten leicht abgewinkelt halten.

E-Ink Mobius als Grundlage

Grundlage ist ein 10,2 Zoll Mobius E-Ink Display mit einer Pixeldichte von 220ppi, was ungefähr der Auflösung beim vorletzten Kindle Paperwhite entspricht, mittlerweile geht der Branchenstandard ja in Richtung 300 ppi.

Aber immerhin – das Konzept wirkt auf den ersten Blick doch ziemlich überzeugend. Fehlt eigentlich nur noch ein E-Reader-Hersteller oder großer E-Book-Anbieter, der den Flexi-Reader unter die Leute bringt. E-Ink zufolge ist die Hardware jedenfalls reif für die Serienfertigung.

(via The Digital Reader)

nolim-by-carrefour-and-bookeen

Bookeen & Carrefour präsentieren den neuen Nolim – buchähnlicher dank integriertem Smart Cover?

nolim-by-carrefour-and-bookeenEins haben die E-Reader-Hersteller in den letzten zehn, zwölf Jahre versäumt, so Bookeen-Chef Michaël Dahan – das Lesegerät spendet nicht genügend Intimität, es löst technische Probleme, erzeugt aber keine Gefühle. Mit dem allerneuesten Launch des französischen E-Reading-Pioniers soll sich das nun ändern: der neue Nolim kommt designmäßig ein bisschen libroider daher, vor allem aufgrund der festen Verbindung von Reader und Buchumschlag-ähnlichem Smartcase. Vermarktet wird das Ding – das innen aussieht wie ein Oyo auf Drogen – allerdings eher lieblos als Whitelabel-Produkt über die Supermarktkette Carrefour.

nolim-reader-bookeen-carrefour-2

Der Preis ist nicht wirklich heiß

Einen echten Mehrwert in technischer Hinsicht bekommen die Käufer bei 1024×758 Pixeln Glimmerlicht-Touchscreen und 8 GB Speicher zum Preis von 129 Euro auch nicht wirklich – da bietet Amazon oder Kobo (in Frankreich u.a. vermarktet via Fnac) dann doch mehr. Wenn Bookeen und Carrefour in der Launch-PR schreiben: „Der Nolim-Reader ist kein technisches Objekt, es ist eine neue Art von Buch“, dann darf man das wohl, wie Nate Hoffelder schreibt, als „a load of marketing nonsense“ interpretieren. Wobei aber auch stimmt: „to be fair: what else could they do to set their device apart?“.

E-Reading in Frankreich bleibt abgehängt

„Nolim“ ist übrigens schon seit 2013 auch die E-Kultur-Marke von Carrefour, unter der Adresse nolim.fr können die Kunden der Supermarktkette neben E-Books auch Filme und TV-Serien erwerben. E-Books im Sinne klassischer Verlagsware allerdings sind in Frankreich immer noch sehr teuer, zudem halten die dortigen Maisons d’édition sich sehr bedeckt bei der Digitalisierung der Backlist. Wie am Wochenende in Le Monde zu lesen war, dümpelt der (Publikums-)Marktanteil auch aus diesen Gründen noch bei mageren 3,5 Prozent.

PocketBook-Aqua2-wasserdichter-Reader

Azurblau & wasserdicht: PocketBook präsentiert den Strand-Reader Aqua 2

PocketBook-Aqua2-wasserdichter-ReaderMehr Speicher (nämlich 8 GB), bessere Auflösung, Glimmerlicht-Feature: Pocketbook verpasst der Aqua-Modellreihe mit dem aktuellen Geräte-Launch eine deutliche Frischzellenkur. Eins hat sich aber auch beim neuen Aqua 2 nicht geändert — das Gerät eignet sich dank wasser- und staubdichtem Gehäuse gut für die Lektüre am Strand, ähnlich wie Kobos Aura H20. Gemäß IP57-Zertifizierung kann der Reader kurzzeitig bis zu ein Meter tief ins Wasser eingetaucht werden, ohne Schaden zu nehmen.

Audio-Funktionen inklusive

Display-Wunder darf man allerdings nicht erwarten, denn mit einer Auflösung von 758 von 1.024 Pixeln (entspricht 212 ppi) – liegt der Aqua 2 nicht ganz auf Augenhöhe mit PocketBooks Flaggschiff namens Touch HD. Dafür unterstützt der Aqua 2 aber wie der Touch HD das Abspielen von Musik oder Hörbüchern und bietet Text-to-Speech – sofern man den zum Lieferumfang gehörenden Mikro-USB-zu-Audio-Adapter nutzt und einen Kopfhörer einstöpselt.

Send-to-PocketBook

Auch auf Pocketbook-Standards wie die vorinstallierten Abbyy-Lingvo-Wörterbücher und den Send-to-PocketBook-Service und muss man beim azurblauen Aqua 2 nicht verzichten. Bei der Send-to-Pocketbook-Funktion erhält der Reader eine eigene Mail-Adresse (vgl. Send-to-Kindle-Feature), so lassen sich E-Books oder Word-Dokumente einfach per Mail verschicken und gelangen via WLAN auf den Reader. Der neue Aqua 2 Reader von PocketBook kommt für 129 Euro in den Handel.

kobo-aura-h2o

Ab jetzt nur noch Tolino: Rakuten schiebt Marke Kobo in Deutschland aufs Abstellgleis

kobo-aura-h2o„Kommt der neue Kobo Aura H2O Edition 2 bei uns nur noch als Tolino H2O heraus?“ fragte allesebook.de letzte Woche – und machte auf ein interessantes Detail aus der Launch-PM für der Kobo-Mutter Rakuten aufmerksam: dort wurden zwar diverse europäische Länder in allen Himmelsrichtungen genannt, Deutschland jedoch nicht. Nun hat sich der Rückzug der Marke Kobo vom deutschen Markt bestätigt: der 2016 vorgestellte Kobo Aura One wird das letzte Gerät mit Kobo-Branding bleiben.

Parallel-Vermarktung macht keinen Sinn

Schon seit der Übernahme der Tolino-Plattform durch Rakuten-Kobo Ende letzten Jahres war darüber spekuliert worden, ob die Parallel-Vermarktung der hardwareseitig ohnehin baugleichen Reader überhaupt noch Sinn machen würde. Nun werden also nach und nach die letzten verbliebenen Kobo-Reader aus den Regalen verschwinden.

Auch Direktvertrieb wird wohl eingestellt

Große Vermarkungsanstrengungen hatte Kobo in Deutschland ohnehin nie so richtig betrieben, anfangs gab es die Kobo-Reader nur in Elektronikfachmärkten, erst seit 2015 konnte man die Lesegeräte auch auf der deutschen Kobo-Website bestellen. Dieser Dirketvertrieb dürfte nun wohl ebenfalls eingestellt werden – zur Zeit ist er aber noch aktiv, inklusive der bisherigen Version des Kobo Aura H20.

Kindle, Tolino & Pocketbook bleiben übrig

Deutsche E-Reader-Käufer verfügen in Zukunft also nur noch über drei prominente Alternativen: Kindle auf der einen Seite, Tolino und Pocketbook auf der anderen (d.h. epub-)Seite. Und was ist nun mit der blaulichtreduzierten Tolino-Variante des neuen Kobo-Flaggschiffs mit 7-Zoll-E-Ink-Display und 1430×1080 Pixeln (265 ppi Pixeldichte)? Sie wird wohl irgendwann in nächster Zeit bei den Tolino-Partnern erhältlich sein, wann genau, bleibt jedoch vorerst noch ungewiss…

logos-app-android

Volles Programm, volle Datensouveränität: die log.os-App für Android ist da

logos-app-androidKaum etwas trendet so wie hippe post-textuelle Storytelling-Formate auf dem Smartphone. Da fühlte es sich fast schon ein wenig Old School an, als nun nach viel Vorbereitungszeit pünktlich zur #lbm17 die logos-App an den Start ging: seit letzter Woche ist die Android-Version kostenlos via Google Play zu haben. Das Ausprobieren lohnt sich aber auf jeden Fall. Denn neu und bisher in der Branche unerrreicht ist das zugrundeliegende Konzept, E-Reader, E-Book-Shop und E-Reading-Community konzernunabhängig wie Datenschutz-sensibel in eine App zu packen.

Mobiles Betriebssystem für Literatur

Log.Os ist ja bekanntlich angetreten, so etwas wie ein „Betriebssystem“ für Literatur zu bieten – mit der App für Smartphone und Tablet kommt dies nun auf die mobilen Geräte, mit denen die Mehrheit elektronisch liest. Auch eine iOS-Version soll demnächst an den Start gehen, im Moment werden dafür noch Beta-Tester gesucht.

Große & kleine Verlage an Bord

Inhaltlich bietet log.os inzwischen das volle Programm – gerade wurden noch Holtzbrinck, Bonnier und Lübbe ins Boot geholt. „Damit decken wir nun das gesamte Spektrum angefangen bei der Spiegel-Bestsellerliste bis hin zu den feinen Programmen der Independent-Verlage ab“, so der aktuelle log.os-Newsletter.

Vor allem ist log.os – siehe auch die Web-Version logos.social – aber eben eine fortschrittliche literarische Community, die Leser, Autoren, Verlage und Buchhändler auf Basis einer gemeinnützigen, unabhängigen Plattform miteinander vernetzt.

Daten gehören den Nutzern

Social Reading ist hier zwar letztlich auch Mittel zum Zweck – interessante Bücher entdecken, Bücher kaufen, Bücher weiterempfehlen – doch zu den Grundprinzipien von log.os gehört volle Datensouveränität: „Der Nutzer hat jederzeit die volle Kontrolle und Wahlfreiheit – er allein entscheidet, wie und zu welchem Zweck seine Daten genutzt werden dürfen (oder auch nicht)“.

epubreader-addon-firefox-via-crowdfunding-erfolgreich-finanziert

Spesen für’s Weiterlesen: Firefox-Crowd sammelte 25.000 Euro für EPUBReader-Update

epubreader-addon-firefox-via-crowdfunding-erfolgreich-finanziertWie wollen wir online E-Books lesen? Die Firefox-Crowd hat diese Frage in den letzten Wochen bravourös beantwortet: im Browser mit EPUBReader, bitte! Damit das auch in Zukunft klappt, haben knapp 975 SpenderInnen aus aller Welt via Kickstarter mehr als 25.000 Euro gesammelt – das dringend notwendige Update des beliebten Firefox-Add-Ons ist damit finanziert. Herzlichen Glückwunsch! Und zwar uns allen… EPUBReader-Entwickler Michael Volz kann sich der Code-Auffrischung jetzt in Vollzeit widmen, das Ergebnis seiner Arbeit kommt der gesamten Web-Community zu Gute.

Add-On wird „fast komplett neu programmiert“

Hintergrund: ein bald erwartetes Firefox-Update erzwingt dem EPUB-Reader-Entwickler zufolge die Überarbeitung des E-Lese-Add-Ons: „Firefox hat sehr umfangreiche Änderungen der Add-on-Schnittstelle angekündigt. Das Ergebnis wird sein, daß EPUBReader in einigen Monaten nicht mehr funktionieren wird. Um dies zu vermeiden, ist es notwendig, EPUBReader fast komplett neu zu programmieren.“

Kleinspenden von 0,25 % der Nutzer haben ausgereicht

Dem geplanten Update-Release im Herbst 2017 steht nun nichts mehr im Wege – schon fünf Tage vor dem Ende der Kampagne steht das Kickstartometer bei 26.370 Euro. Knapp die Hälfte der 975 Unterstützer gaben Kleinspenden bis zu 10 Euro, übrigen waren meist mit Beträgen zwischen 10 bis 25 Euro dabei. Die Zahl der täglichen EPUBReader-Nutzer liegt Michael Volz zufolge bei knapp 400.000 Personen — somit haben Kleinspenden von 0,25 Prozent der Anwender zur Finanzierung des Updates ausgereicht.

Endspurt mit Hilfe von „Kickbooster“

Interessante Fussnote: Um das Spendenziel zu erreichen, hat Michael Volz wie viele andere Kickstarter in der zweiten Hälfte der Funding-Phase auf „Kickbooster“-Links gesetzt – wer diese Affiliatelinks für eine Kampagne via Social Media verbreitet, erhält von jeder auf diesem Weg eingesammelte Spende 10 Prozent Provision.

Hinweis: E-Book-News ist Medienpartner von epubread.com

epubreader-epub-direkt-in-firefox-lesen

Update für EPUBReader in Sicht: Krautfunding-Kampagne soll beliebtes Firefox Add-on retten

epubreader-app-ebooks-direkt-im-browser-lesenDas kostenlose Add-On EPUBReader macht Firefox zum E-Lesegerät: E-Books zum Beispiel bei Project Gutenberg oder Google Books lassen sich damit direkt im Browser öffnen. Mehr 400.000 Firefox-Nutzer lesen Tag für Tag auf diese Weise komfortabel via Desktop oder mobil, ohne eine externe App starten zu müssen. Doch damit das auch so bleibt, muss die Crowd in den nächsten Wochen ein bisschen investieren — siehe die aktuelle Kickstarter-Kampagne zur dringend notwendigen Weiterentwicklung von EPUBReader.

Firefox ändert sich, das Add-On muss folgen

Hintergrund: ein bald erwartetes Firefox-Update erzwingt laut EPUB-Reader-Entwickler Michael Volz die Überarbeitung des E-Lese-Add-Ons. Auf Kickstarter schreibt er: „Firefox hat sehr umfangreiche Änderungen der Add-on-Schnittstelle angekündigt. Das Ergebnis wird sein, daß EPUBReader in einigen Monaten nicht mehr funktionieren wird. Um dies zu vermeiden, ist es notwendig, EPUBReader fast komplett neu zu programmieren.“

Crowd hat bereit 15.000 Euro gesammelt

Der Aufwand für ein so komplexes Add-On ist Volz zufolge hoch — damit der freiberufliche Software-Entwickler Vollzeit an der Programmierung arbeiten kann, seien 25.000 Euro notwendig. Die gute Nachricht: Die werden wohl via Kickstarter auch definitv zusammen kommen, derzeit haben bereits 660 Unterstützer mehr als 15.000 Euro zusammengetragen, die Crowdfunding-Kampagne läuft noch bis Anfang März.

Neue Version öffnet E-Books mit mehr als 250MB

Mitmachen lohnt sich für alle: EPUBReader wird auf diese Weise nicht nur der internationalen Firefox-Nutzergemeinde erhalten bleiben, es kommen auch ein paar Verbesserungen hinzu: so wird man zukünftig auch E-Books mit mehr als 250 MB öffnen können. Das Öffnen selbst wird schneller vonstatten gehen, da nur noch der Arbeitsspeicher verwendet wird, kein Diskspace mehr.

Als kleines Dankeschön werden die Unterstützer ab einem Betrag von 10 Euro in der offiziellen Sponsoren-Liste genannt, wer größere Beträge spendiert, wird mit Backlinks oder Bannern auf epubread.com bedacht. Wenn alles so klappt wie geplant, soll das neue EPUBReader-Add-on im Herbst 2017 der Firefox-Community zur Verfügung stehen.

[UPDATE 22.02.: Die Kampagne hat die Spenden-Schwelle von 25.000 Euro erreicht. Herzlichen Glückwunsch!]

Hinweis: E-Book-News ist Medienpartner von epubread.com

tolino-schwimmt-sich-frei

Kartellamt: Amazon ist „Marktführer bei E-Books“ – Rakuten/Kobo darf Tolino schlucken

tolino-schwimmt-sich-freiDarf der japanische Konzern Rakuten bzw. dessen Tochter Kobo die Tolino-Plattform schlucken? Das Bundekartellamt hatte einen Monat Zeit, diese für den deutschen E-Buchhandel nicht unwichtige Übernahme zu prüfen — und gab nun offiziell grünes Licht. Die geplante Fusion war erst zum Jahresende 2016 publik geworden, und steht im Zusammenhang mit dem Ausstieg des bisherigen Technik-Partners Telekom aus der Tolino-Allianz.

„Keine wettbewerblichen Probleme“

Die erwartbare Begründung der deutschen Kartellwächter: eine marktbeherrschende Stellung erreicht Kobo/Tolino auf diese Weise nicht. In den Worten von Kartellamt-Präsident Andreas Mundt klingt das so: „Die Plattform tolino hat im E-Book Markt in Deutschland neben dem Marktführer Amazon eine wichtige Marktposition. Der Erwerb durch Rakuten bringt aber keine wettbewerblichen Probleme mit sich.“

Der global agierende Online-Händler aus Japan sei zwar international gesehen ein wichtiger Player, Rakuten/Kobo dürfe hierzulande aber als ein „eher kleiner Wettbewerber“ gelten. Außerdem gehe es ja bei der Übernahme vor allem um die technische Ebene und den Vertrieb von Lesegeräten, weniger um den elektronischen Buchhandel selbst, der via Tolino-Plattform in Verantwortung der einzelnen Tolino-Partner passiert.

„Marktanteil von Tolino nur bei 30 – 40 Prozent“

Soweit, so unspektakulär. Interessant ist dann aber doch die Details der Marktanalyse, mit der die Entscheidung begründet wird – dort wird nämlich Amazon als uangefochtener Marktführer bezeichnet. „Für den Vertrieb von E-Books ist Amazon mit dem Kindle-Shop Marktführer und verkauft nahezu die Hälfte aller E-Books in Deutschland“, stellt das Kartellamt fest. Der Marktanteil der über Tolino abgewickelten Käufe liege dagegen bei ca. 30 bis 40 Prozent.

Mit anderen Worten: Selbst wenn aus Tolino jetzt Kobotolino wird, findet kein Kopf-an-Kopf-Rennen statt, sondern höchstens eine leicht verschärfte Aufholjagd zwischen Nummer Eins und Nummer Zwei auf dem deutschen Markt.

(via Buchreport)

inkbook-prime

Einer für alle, aber nicht für jeden: „offener“ Android-Reader inkBOOK Prime im Test

inkbook-primeDas „inkBOOK Prime“ von Arta Tech ist nicht irgendein weiterer E-Reader. Denn der polnische Hersteller macht große Versprechungen: raus aus dem „Walled Garden“ von Kindle- , Skoobe- oder Tolino-Universum. Rein ins flexible Lesevergnügen, und das alles auf einem klassischen E-Ink-Reader!? Möglich machen soll das ein „offenes“ Android 4.2.2-Betriebssystem, das sich mit beliebigen Apps erweitern lässt. Ansonsten bietet das 6-Zoll-Gerät eher technischen Durchschnitt: 212 ppi Display-Auflösung, kapazitives Touch-Screen, Glowlight, SD-Kartenslot. Einziger Hardware-Hingucker: Bluetooth. Lohnen sich 139 Euro für ein solches Gerät wirklich? E-Book-News hat das inkBook Prime getestet.

Erster Eindruck: liegt gut in der Hand

Vom Formfaktor hat mir das inkBOOK Prime sehr gut gefallen: es liegt mit 170 Gramm Gewicht und abgerundeten Ecken gut in der Hand, auch der Einschaltknopf rechts oben auf der Rückseite macht ergonomisch Sinn. Der Homebutton unter dem Display ist kein echter Knopf, sondern nur ein Touch-Sensor, rechts und links vom Display findet man je zwei Umblätter-Tasten für vor und zurück. Mikro-USB-Port und SD-Kartenslot sind wie üblich am unteren Gehäuserand angebracht.

Wie es sich für einen „offenen“ Android-Reader gehört, stellt das inkBOOK Prime zwei Homescreens zur Verfügung, auf dem ersten wird ein Ausschnitt der E-Bibliothek angezeigt („Aktuelle Lektüre“ sowie „Vor kurzem hinzugefügt/gelesen“), außerdem gibt’s neben den Systeminfos in der Kopfzeile auch eine Fußzeile mit Direktlinks u.a. zur gesamten Bibliothek, zum Cloudspeicher wie auch zum Browser und den Apps.

Apps installieren per Fingertipp

Genau, die Apps: auf dem zweiten Homescreen werden die bereits installierten Apps angezeigt, im Lieferzustand ist dort natürlich noch nicht viel los. Über das Symbol „InkBOOK-Apps“ kann man jedoch einen Mini-App-Store ansteuern, über den sich diverse E-Reading-Apps installieren lassen, darunter die Kindle App, Tolino App, Skoobe App und der Später-Lese-Service Pocket.

Die Installation dieser E-Lese-Apps via WLAN funktionierte mit meinem Testgerät auch tatsächlich problemlos (nur bei der Wikipedia-App kamen Fehlermeldungen). Allerdings ist die Lektüre nicht ganz so komfortabel wie z.B. auf Kindle-Reader oder Tolino-Reader — denn zum einen kann man die Umblättertasten nicht benutzen, zum anderen gibt es beim „animierten“ Umblättern in den Apps oft störende Flimmer-Effekte.

Prinzip offenes Android macht Sinn

Der Gesamteindruck ist jedoch durchaus positiv: das Prinzip offener Android-Reader macht Sinn, wie auf Tablet oder Smartphone hat man via App alle E-Books, wo auch immer man sie gekauft hat, auf einem Gerät zur Verfügung. Per „Side-Loading“ lassen sich zudem weitere Apps installieren — die jeweilige .apk-Datei schiebt man dazu vom PC via USB auf den Reader, und startet den Installationsprozess auf dem InkBOOK Prime via File-Viewer (siehe das App-Verzeichnis).

Ausprobiert habe ich die Sideloading-Variante u.a. mit der offiziellen Twitter-App, der Magazin-App Flipboard und der Schach-Software „Chess Free“ von AI Factory. Je mehr in einer Anwendung geblättert, gescrollt und eingeblendet wird, desto weniger taugt sie natürlich für E-Ink-Displays, aber grundsätzlich benutzen ließen sich die Apps auf jeden Fall.

Sogar als kleiner Schreibcomputer lässt sich das inkBOOK Prime einsetzen, getestet habe ich das mit der sehr schlanken „Monospace“-App. So richtig Spaß macht das Tippen auf dem virtuellen E-Ink-Keyboard allerdings nicht. Theoretisch müsste man via Bluetooth-Schnittstelle aber auch eine externe Tastatur anschließen können.

Online-Apps belasten den Akku

Eins ist natürlich klar: Je mehr aufwändige Apps man auf dem inkBOOK Prime nutzt, und vor allem, je mehr Apps, die eine aktive WLAN-Verbindung fordern, desto schneller macht der Akku schlapp. Manche E-Lese-Apps wie Skoobe funktionieren ohnehin nur online. Im Testbetrieb inklusive Twitter, Flipboard & Co. hielt mein Exemplar aber immerhin eine ganze Woche durch. Liest man nur offline, kommen wahrscheinlich ähnlich mehrwöchige Werte heraus wie bei Kindle & Co.

Fazit: Gelungenes Alternativ-Konzept

Das einzige, was mich am inkBOOK Prime wirklich gestört hat, war die Steuerung des Glimmerlichts. Die Glowlight-LEDs leuchten nämlich auch in der geringsten Glimmerstufe immer noch so hell, dass es bei der Lektüre in einem komplett abgedunkelten Raum die Augen blendet. Mein Kindle Paperwhite lässt sich deutlich weiter herabregulieren und blieb deswegen auf dem Nachttisch konkurrenzlos. Davon mal abgesehen finde ich aber: das alternative Reader-Konzept von ArtaTech ist durchaus seine 139 Euro wert, wenn man E-Lese-Flexibilität und zahlreiche potentielle Zusatzfunktionen auf dem E-Ink-Display zu schätzen weiß.

Wer mit der klassischen Arbeitsteilung zwischen Smartphone, Tablet und E-Reader zufrieden ist, bleibt jedoch mit einem günstigeren Einsteiger-Gerät à la Kindle oder Tolino wohl besser bedient. Eine Low-Cost-Variante hat übrigens auch Arta Tech im Angebot: das inkBOOK Classic 2 (ohne Glowlight, 800×600 Pixel Auflösung) bekommt man für 79 Euro.

Arta Tech inkBook Prime Specs:

Display:
6-inch E Ink Carta, kapaz. Touchscreen, Glowlight,
Auflösung: 1024 x 768 px (212 dpi)
Akku: 2000mAh Li-ION Polymer
Gewicht: 168 g
Processor: Quad-Core Cortex A9 max. 1.6 GHz
RAM: 512 MB
Interner Speicher: 8 GB
Externer Speicher: max. 32 GB (MikroSD)
Schnittstellen: Wi-Fi (802.11b/g/n), Bluetooth, Mikro-USB
OS: Android 4.2.2
Preis: 139 Euro (via Amazon.de)