Neue PwC-Prognose: E-Books stabilisieren den Buchmarkt — Gesamtumsatz bleibt bis 2022 im Plus

umsaetze-im-buchmarkt-dank-ebooks-stabilE-Books essen Print-Books auf, und mehr ist nicht? Die reine Kannibalisierungs-These scheint nun endgültig widerlegt zu sein: denn einer Prognose von PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge wird das starke Umsatzwachstum im elektronischen Bereich in den Jahren 2018 bis 2022 dafür sorgen, dass auch der Buchmarkt insgesamt leicht im Plus bleibt. Genauer gesagt: jährlich plus 0,4 Prozent Umsatzwachstum sagen die Wirtschaftsprüfer voraus, das Gesamtvolumen des Marktes steigt dabei von bisher 9,13 Mrd. Euro auf 9,34 Mrd. Euro.

Schrumpfender Print-Umsatz wird (über-)kompensiert

Mit Print alleine würde das nicht gelingen, denn der Markt für Gedrucktes schwächelt — PwC prognostiziert bis 2022 ein jährliches Schrumpftum von 1,5 Prozent. Der E-Book-Sektor dagegen wächst im Mittel um 12,8 Prozent. Deswegen erwarten die Experten, dass „die steigenden E-Book-Umsätze die voraussichtlich in allen Segmenten rückläufigen Printumsätze in Deutschland kompensieren werden.“

Die Zahlen sind im Rahmen des „German Entertainment and Media Outlook 2018 – 2022“ erhoben worden (siehe die PDF-Vollversion), und entsprechen dem allgemeinen Trend: insgesamt wuchs der Gesamtumsatz in der Medien- und Unterhaltungsbranche im Jahr 2017 um 2,1 Prozent auf 60,6 Mrd. Euro, ein Trend, der bereits seit drei Jahren anhält.

Ein Viertel der Umsätze im Unterhaltungssektor bereits digital

Das freut aber nicht alle: „Doch unter dieser scheinbar gleichmäßigen Oberfläche kommt es im Zuge der Digitalisierung zu erheblichen Verwerfungen“, schreiben die Studienmahcer — Newcomer (siehe Amazon & Co.) und klassische Vertreter der Branche würden um Marktanteile konkurrieren.

Dabei bestätigt sich aber die alte „The Sky is Rising“-Regel: „Rückgänge im analogen Bereich werden durch digitale Medien mehr als wettgemacht“. Bereits 2018, so PwC, könnten in Deutschland die Digitalerlöse ein Viertel des gesamten Umsatzes im Bereich Medien und Unterhaltung ausmachen.

(via boersenblatt.net)

Die (Back-)List der Vernunft: Wenn junge Autoren Jein zum E-Book sagen

wells-ebook-jeinManchmal ist eine Nachricht schon deswegen eine Nachricht, weil sie überhaupt (noch) zur Nachricht wird. So auch in diesem Fall: „Benedict Wells sagt Jein zum E-Book“, titelt das Börsenblatt diese Woche — da hat also ein Bestseller-Autor „teilweise“ seine Meinung zum Thema E-Book geändert, und lässt nun auch digitale Ausgaben zu. Aber nicht grundsätzlich, sondern nur bei Backlisttiteln — und das soll im Jahr 2018 berichtenswert sein? Vielleicht ja deshalb, weil es sich um einen vergleichsweise jungen Autor handelt: als Wells — Jahrgang 1984 — im Jahr 2009 seinen Roman „Becks letzter Sommer“ bei Diogenes erschien, war der Débutautor gerade mal 23 Jahre alt.

„Statement für den Stationären Buchhandel“

Dieses Buch wird nun nach fast zehn Jahren E-Reading-Boom auch elektronisch zu haben sein, ebenso der Titel „Vom Ende der Einsamkeit“ — weil er nämlich ohnehin Ende September auch als Taschenbuch erscheint. Der aktuell nur als Hardcover lieferbare Erzählband „Die Wahrheit über das Lügen“ jedoch bleibt vorerst „Print only“. Soviel zum Thema Jein: „Es ist ein Statement für den stationären, unabhängigen Buchhandel. Man kauft ein E-Book einfach so gut wie nie dort, sondern bequem im Netz“, begründet Wells seine Anti-Digital-Haltung. Er habe auf seinen Lesereisen „so viele enthusiastische und kompetent geführte Buchhandlungen kennengelernt, und doch mussten immer wieder einige von ihnen schließen“.

Ältere Leser wünschen E-Book-Ausgaben

Zugleich hätten aber immer wieder Leser bei solchen Terminen berichtet, dass “ ihre Eltern oder Großeltern das Buch nicht lesen könnten, da die Schrift zu klein sei oder dass sie es gern mit in den Urlaub nehmen würden, es aber in der gedruckten Form zu schwer wäre“. Was also wiederum für eine parallele E-Book-Veröffentlichung der Paperback-Ausgaben spreche. Zudem — und das ist mal eine interessante Begründung — seien E-Books ja gar keine echte Konkurrenz für Print, da ihr Marktanteil immer noch auf niedrigem Niveau stagnieren würde (Aha! Siehe da! möchte man da rufen, sterben die Buchhandlungen vielleicht auch, weil zu viele Leute ihre Hardcover per Fingertipp bei Amazon ordern?).

E-Books als Paperback zweiter Ordnung?

Letzlich werden E-Books hier also lediglich als eine Art digitales Taschenbuch-Format für Backlist-Titel (miss-)verstanden, deren einziger Unterschied zum gedruckten Taschenbuch darin besteht, dass sie nicht im klassischen Buchhandel verkauft werden, sondern online. Eine das Potential von elektronischen Büchern weit unterschätzende Position, an die eher so vor zehn Jahren im Buchhandel geglaubt wurde, also just zu jenem Zeitpunkt, als Wells sich entschloss, E-Books vorerst komplett zu ignorieren. Aber gut, der Autor hat ja nach eigenen Angaben am Manuskript von „Vom Ende der Einsamkeit“ auch sieben Jahre lang herumgeschrieben.

(via boersenblatt.net)

Das E-Book ist tot, es lebe das E-Book: Wie gewinnt man neue Leser in der Generation Netflix?

ebook-konferenzDie Generation Netflix macht der Buchbranche zu schaffen — angesichts all der Multimedia-Angebote, die drahtlos auf die Mobilgeräte strömen, kommt das Elektronische Lesen unter die Räder. Millionen Leser sind verloren gegangen. Die Buchproduktion ist längst erfolgreich digitalisiert, als neuer Flaschenhals kristallisiert sich jedoch der Weg der Lektüre zum Kunden heraus.

Jüngere Zielgruppe im Fokus

Wie lässt sich das Buch für digitale Leser wieder interessant machen? Wie erreicht man die jüngeren Zielgruppen, wie verschafft man dem Medium Buch mehr Sichtbarkeit? Welche Rolle spielen Leih- und Flatratemodelle? Wie lassen sich datengetriebene Marketing- und Vertriebsmaßnahmen einsetzen? Um all das geht es auf der E-Book-Konferenz der Akademie der deutschen Medien, die am 6. Dezember 2018 im Literaturhaus München stattfindet.

Tickets ab jetzt bestellen

Zu den Speakern gehören u.a. Werner-Christian Guggemos (QuoLibris), Sebastian Buggert (Medienforschung/Rheingold Institut), Steve Potash (RakutenOverDrive) und Ralf Biesemeier (Readbox). Die Mini-Konferenz am 6. Dezember dauert von 10 bis 17 Uhr, Tickets bestellen kann man über die Event-Homepage e-book-konferenz.de, dort ist auch das vollständige Programm zu finden.

Kinder lieben Print: zwischen vier & 13 Jahren spielt E-Reading keine Rolle, so Kindermedienstudie 2018

kindermedienstudie-2018Ob mit oder ohne Phone, die Kinder in Deutschland sind smart, so die Macher der „Kinder-Medien-Studie 2018“. Denn sie praktizieren in Sachen Medien ein flexibles „sowohl als auch“. Mit besonderer Betonung auf dem „Sowohl“ — denn 75 Prozent der Kids zwischen vier und 13 Jahren lesen mehrmals pro Woche gedruckte Bücher oder Zeitschriften, „beim Lesevergnügen spielen elektronische Endgeräte und Lesemedien in der Zielgruppe der Vier- bis 13-Jährigen keine Rolle“. Die Zahl der lesenden Kinder hat im Vergleich zur vorherigen Studie sogar noch leicht zugenommen.

Musik und Bewegtbild dagegen haben aber einen breiten Fuß in der Tür: schon zwei Drittel der Vierjährigen hören Musik, Hörspiele oder Hörbücher mehrmals pro Woche auf CD, ein Drittel der 13-Jährigen greift mindestens mehrmals pro Woche auf YouTube, Vimeo oder andere kostenlose Videodienste zurück, um Filme, Serien oder Fernsehsendungen anzuschauen. Noch häufiger wird allerdings das klassische, „lineare“ Fernsehen genutzt.

Und ganz oben auf der Wunschliste stehen bei fast jedem zweiten Kind Handy oder Smartphone, mobiles Gaming und Tablets. Interessanterweise wird aber sehr flexibel kommunziert, neben Telefonieren und Textnachrichten werden auch häufig noch Postkarten oder Briefe geschrieben. Bei der Freizeitgestaltung insgesamt scheinen sich offline und online gleichfalls die Waage zu halten, Aktivitäten wie „mit Freunden zusammen sein“ oder „im Freien spielen“ haben im Durchschnitt über alle Altersklassen hinweg bei mehr als 80 Prozent der Befragten eine große Bedeutung.

Hinter der Kinder-Medien-Studie, für die 3.300 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 13 Jahren befragt wurden, stehen sechs große Verlagshäuser, darunter Egmont Ehapa, Gruner & Jahr, SPIEGEL- und ZEIT-Verlag.

(Via Buchreport)

Neues aus dem Bücherkosmos: Die Umsatzsonne leidet unter Massenverlust, E-Books bleiben weiße Zwerge

buecherkosmos-buchmarkt-2017Gibt es am Ende eine Supernova-Explosion? Oder implodiert sie in ein schwarzes Loch? Die Sonne schrumpft, soviel steht fest, jedes Jahr ein bisschen. Auch die Umsatzsonne auf der aktuellen Buchmarktgrafik des Börsenvereins leidet unter kontinuierlichem Massenverlust: das Zentralgestirn des „Bücherkosmos“ hat im Jahr 2017 mal wieder 1,6 Prozent verloren. Leichtes Wachstum gab es nur in einem Bereich: dem Internetbuchhandel. Die Materienebel des E-Book-Marktes dagegen kreisen und kreisen, aber zur Zündung der Kernfusion fehlt offenbar die kritische Masse — der Umsatzanteil am Gesamtmarkt stagniert bei 4,6 Prozent, die Zahl der Käufer nimmt sogar leicht ab. Nur die Zahl der verkauften E-Books nahm 2017 leicht zu.

Wachstum nur bei Film und Games

Und wo findet überhaupt noch Wachstum statt? Ganz einfach: außerhalb der Gutenberg-Galaxis. Die Filmwirtschaft verzeichnete 2017 ein Umsatzwachstum von 3 Prozent, die Computer- und Videospielbranche sogar ein zweistelliges Plus von 12 Prozent. Die Musikindustrie dagegen stagniert interessanterweise ähnlich wie die Buchbranche — ebenfalls ein Digitalisierungs-Phänomen? Erstmals haben ja kürzlich Streaming und Downloads in Deutschland den CD-Verkauf überholt. Eins muss man aber auch beachten: die Buchbranche blieb auch 2017 mit einem Volumen von 9,13 Mrd. Euro das mächtige Mutterschiff im kulturindustriellen Kosmos — dagegen sind Musik, Film und Games nur kleine Tochterschiffe, selbst zusammengerechnet sind sie noch 2 Mrd. Euro kleiner als der Buchmarkt.

(via Börsenblatt)

Konkurrenz für Tolino Select: Mit WeBook startet Weltbild ein eigenes kuratiertes E-Lese-Abo

webook-abo-weltbildLange nichts mehr gehört von Weltbild? Jetzt gibt’s mal wieder Neuigkeiten — mit dem „WeBook-Abo“ startet die Buchhandelskette ihr eigenes E-Book-Abo. Eine „Flatrate“ bietet das Programm mit Romanen aus den Genres Romance, Krimi und Unterhaltungsliteratur aber nicht, sondern — ähnlich wie „Tolino Select“, das auch via Weltbild beworben wird — eine handverlesene Auswahlliste von zehn Titeln pro Monat, aus denen der Subskribent zwei E-Books auwählen darf. Kostenpunkt: 6,90 ab dem zweiten Monat.

„Schnell und unkompliziert das Richtige finden“

Zum Vergleich: Tolino Select bietet monatlich vier E-Books aus einer Liste von 40 Titeln für 9,90 Euro. Das begrenztere, aber auch günstigere WeBook-Abo richtet sich laut Weltbild-Chef Christian Sailer an „alle, die schnell und unkompliziert das Richtige finden möchen“. Denn man wisse, was die eigenen Kunden lieben, und habe auf dieser Basis „Vorschlagslisten für ihre Bedürfnisse“ zusammengestellt. Das neue Abo sei auch als Instrument für die Kundenbindung zu verstehen.

Lektüre via Tolino-Reader oder Smartphone-App

Für den August hat das Weltbild-Team Lesestoff ausgewählt, der von den Weltbild Kunden besonders geschätzt wird, etwa „Clarissa – Im Herzen der Wildnis“ von Christopher Ross oder „Tödliche Puzzles“ von Graeme Hague. Lesen kann man die E-Books nicht nur via (Tolino-)Reader, sondern auch auf Smartphone oder Tablet via Tolino-App. Auf die ausgewählten Bücher kann man während der gesamten Abolaufzeit zugreifen, sie werden in der Reader- bzw. App-Bibliothek gesammelt. Nach zehn Monaten hat man also 20 Titel aus dem Programm in der Sammlung.

Kündigt man das WeBook-Abo — was binnen Monatsfrist möglich ist — geht der Zugang dann allerdings verloren. Abgerechnet wird nach Kalendermonaten, egal wann man einsteigt beginnt also die zahlungspflichtige Periode mit dem ersten Tag des folgenden Monats.

WeBookAbo Titelliste im August

Graeme Hague, Tödliches Puzzle
Anne McCullagh Rennie, Weites Land der Träume –
Christopher Ross , Clarissa – Im Herzen der Wildnis-
Jack du Brul, Brennende Wellen-
Sina Beerwald, Hypnose-
Maaja Pauska, Die schlafende Königin-
Evelyn Rheingold, Der Leitwolf-
Lynn Kurland, Mein zauberhafter Ritter-
Vera V., Colours of Sex – Entfesselt-
Jurenka Jurk, Verliebt bis in die Haarspitzen

Online-Händler jetzt US-weit umsatzsteuer-pflichtig: Stationäre Buchhändler erfolgreich mit Supreme-Court-Klage

supreme-court-pro-umsatzsteuer„No taxation without representation“. In puncto Umsatzsteuer mutierte diese Parole aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu einem Internet-Konzern-Kalauer: viele Anbieter mussten nämlich jahrelang nur in dem Bundesstaat Umsatzsteuern entrichten, in dem sich ihre physische Firmen-Repräsentanz befand. Durch die Öffnunge vieler Plattformen für Dritt-Händler wurde das Problem noch weiter verschärft. Denn die USA hat bekanntlich 50 Bundesstaaten, ein Webstore aber ist überall erreichbar. So durften viele Online-Käufer steuerfrei shoppen, zum Verdruß des stationären Handels, der in Sachen Value Added Tax (VAT) natürlich überall von den Steuerbehörden zur Kasse gebeten wird. Man stelle sich nur mal vor, Amazon Deutschland hätte seinen Firmensitz z.B. im Bundesland Bremen, und würde nur von dortigen Käufern 19 % Umsatzsteuer berechnen…

Nicht zufällig waren es die Fronde der Buchhändler, genauer gesagt die American Bookseller Association ABA, die diesem unfairen Treiben nun Einhalt gebieten konnte: die Obersten Richter des Supreme Courts hoben Ende Juni ein älteres Urteil von 1992 auf. Die hatte kurz vor dem Beginn des E-Commerce-Booms eine Sonderregelung geschaffen, welche mehr als zwei Jahrzehnte die Kassen der Online-Händler kräftig klingeln ließ. Zwischenzeitlich hatten einzelne Bundesstaaten auch schon versucht, das weit klaffende Steuerschlupfloch zu schließen, allerdings erfolglos.

“Auf Bundes- und Landesebene hat uns dieses Alptraum-Szenario für viele Jahre in Atem gehalten“, so Carl Davis vom Think Tank „Institute on Taxation and Economic Policy“ gegenüber der New York Times. “Die aktuelle Entscheidung erlaubt nun dem Staaten wieder, ihre Steuerhoheit durchzusetzen und die Schieflage im stationären Handel zu beseitigen.“ Auch für die öffentliche Hand handelte es nun wirklich nicht um Peanuts — Jahr für Jahr entgingen dem Fiskus US-weit geschätzte 33 Milliarden Dollar.

(via NYT & Börsenblatt)

Abb.: Siegel des US-Supreme Courts (gemeinfrei, cc-0)

Abschiedspost vom Post-Amazon-Konzept: Lobos Sobooks-Plattform ist abgeschaltet

sobooks-pivotZunächst die tldr;-Version: Der Versuch, mit der Social-Reading-Plattform Sobooks das E-Book neu zu erfinden, ist gescheitert — es gab nicht genügend Leser. Nun die Langversion: Als im Frühjahr 2013 die Tolino-Allianz verkündet wurde, wunderten sich so manche über einen illustren Gast: ausgerechnet Sascha Lobo zeigte auf der Start-Pressekonferenz Präsenz, und stellte den versammelten Buchhändlern und Telekom-Männern die kritische Frage: „Meinen Sie nicht, Amazon kann das besser?“

Hinter der Frage stand offenbar eine forsche These: „Ich kann das auch besser“. Denn ein paar Monate zuvor hatte Lobo angekündigt, einen „Verlag neuen Typs“ zu gründen, oder besser gesagt eine „Social Reading Plattform“, Codename: Sobooks. E-Books kaufen, E-Books lesen, E-Books kommentieren, all das sollte zukünftig im Browser stattfinden. Von der Buchbranche insgesamt hatten Lobo und sein Geschäftspartner Christoph Kappes zwar wenig Ahnung, vom (E-)Buchmachen und vermarkten immerhin schon. Und lautet nicht die Startup-Weisheit: Wer eine Branche hacken will, darf nicht zuviel Vorwissen haben?

„Zwei Größenwahnsinnige versprechen die Neuerfindung des Lesens“, verkündete damals folgerichtig das Startup-Magazin „Gründerszene“. Letztlich war es aber nur das konsequente Weiterdenken des E-Book-Konzeptes: wenn elektronische Lektüre ohnehin schon aus HTML-Seiten besteht, warum sollte man sie nicht gleich via Firefox oder Chrome lesen, ohne auf ein anderes Gerät oder in eine E-Reading-App wechseln zu müssen? Warum sollte man nicht all das bei der Lektüre machen können, das man auch aus der Blogosphäre bzw. der Social Media-Sphäre gewohnt ist?

Das E-Book, so wollten Lobo, Kappes et alii uns beweisen, kann mehr, als Amazon erlaubt, und ganz folgerichtig verstanden sie Sobooks denn auch als ein „Post-Amazon-Konzept“. Auch viele große und kleine Verlage waren dieser Meinung, und sprangen auf dieses Boot auf. Nur die Leser machten nicht mit — der E-Book-Markt in Deutschland wurde und wird von Amazon und Tolino beherrscht, trotz aller vielversprechender Experimente. Das Experiment Sobooks wurde nun abgebrochen — „Sobooks hat sich in der ursprünglich geplanten Form trotz solider Umsätze nicht als dauerhaft tragfähig erwiesen“, heißt es in der Abmoderation. Neben „technologie- und branchenbedingten Schwierigkeiten“ werden zudem „unternehmerische Fehlentscheidungen“ angeführt.

Statt Pleite wird dieses Fazit jedoch mit „Pivot“ überschrieben, also: Kurswechsel. Während einige der Sobooks-Macher nun ihre „persönlichen Erfahrungen mit E-Books und sozialer Interaktion“ nutzen wollen, um „ein Produkt im Bildungsbereich“ an den Start zu bringen, muss die E-Book-Avantgarde nun ihre Hoffnungen wohl auf mojoreads setzen – vor dem letzten „Pivot“ als Projekt log.os bekannt. Allerdings kämpft auch mojoreads mit demselben Problem: gibt es jenseits von Kindle Shop und Tolino-Allianz genügend Leser für ein alternatives Angebot?

US-Buchmarkt lag 2017 leicht im Plus, E-Book-Verlagsware schwächelt, Self-Publishing boomt

aap-stathot2017Ist die Talsohle auf dem US-Buchmarkt überschritten? Die aktuellen StatShot-Zahlen der Association of American Booksellers (AAP) könnten darauf hindeuten — demnach steigerten die US-Verlage im vergangenen Jahr ihre Unsätze um 1,3 Prozent auf nunmehr 7,6 Mrd. Dollar. Ein Plus im „Erwachsenensegment“ stand dabei allerdings ein Minus bei Kinder- und Jugendbüchern entgegen.

Besonders spannend sind natürlich wie immer die Zahlen zu elektronischen Publikationen, sprich Audio-Books und E-Books. Hier setzt sich ein zweischneidiger Trend fort: Digitale Hörbücher als Verlagsware boomten jenseits des Atlantiks auch im Jahr 2017, mit 29,5 Prozent Plus wurde erstmals die 300 Millonen-Dollar-Marke überschritten.

Bei E-Books wurden die Verlage dagegen erneut von Amazons Self-Publishing und Eigenverlags-Titeln abgehängt: es gab ein Minus von 4,7 Prozent, doch immerhin bleiben die E-Book-Umsätze knapp über der Schwelle von 1 Milliarde Dollar. Zum Vergleich: Mit Print-Büchern erzielten die traditionellen Verlage 5,8 Milliarden Dollar.

Der E-Book-Markt insgesamt hat aber wohl auch 2017 deutlich im Plus gelegen, denn schließlich ist jedes zweite verkaufte E-Book ein Self-Publishing-Titel, und die meisten davon werden im Kindle Store verkauft — ohne dass die offiziellen Erbsenzähler der AAP die genauen Zahlen kennen. Auch daran hat sich 2017 nichts geändert: Amazon genießt den Erfolg, analysiert die Daten, optimiert die Prozesse, und schweigt.

(via boersenblatt.net)

Bücher im E-Commerce abgehängt? BEVH meldet schwaches Wachstum im ersten Quartal

thalia-webseiteZweistellige Wachtumsraten, wo gibt’s das noch? Na klar, im Onlinehandel: um 10,9 Prozent auf knapp 58 Mrd. Euro wuchs der Internet-Umsatz im Jahr 2017, so der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH). Inzwischen erwirtschaftet der Einzelhandel jeden achten Euro online. Im Bereich Unterhaltung ist der Boom ebenfalls sehr ausgeprägt, mit einer Ausnahme: Bücher, E-Books und Hörbücher. Hier sanken die Umsätze 2017 angeblich um 3,9 Prozent.

Auch im ersten Quartal 2018 bleiben Bücher laut BEVH weit hinter den anderen Bereichen zurück, erreichen aber immerhin zwei Prozent Umsatzplus — insgesamt legte der Onlinehandel zwischen Januar und März um 10,6 Prozent zu. Allerdings sind diese Angaben wie immer mit besonderer Vorsicht zu genießen: denn zum einen werden Buch, E-Book und Hörbuch zusammengeworfen, zum anderen basieren die Werte nicht auf Verkaufszahlen, sondern auf repräsentativen Verbraucherbefragungen, die das Ausgabeverhalten im Online- sowie Versandhandel abdecken.

Allerdings wissen wir ja auch aus anderen Quellen, dass der Buchmarkt insgesamt stagniert oder nur sehr schwach wächst — das grobe Bild stimmt insofern. Komisch nur: bisher galt der gerade der Onlinebereich als Wachstumstreiber, und die großen Ketten melden regelmäßig Umsatzwachstum in diesem Bereich. Die BEVH-Zahlen bleiben also erklärungsbedürftig…

(via Buchreport & BEVH)