BoD startet „PublIQation“: akademisches Self-Publishing de Luxe, ab 499 Euro

publiqationAkademisches Publizieren war schon immer eine Goldgrube für Verlage: ähnlich wie bei so mancher „Vanity Press“ brachten Autoren nicht nur ein fertiges Manuskript mit, sondern zahlten auch noch eine kräftige Anschubfinanzierung, um die Druckkosten abzudecken („verlorener Druckkostenzuschuss“), und verzichteten sogar auf Honorare? Insofern kein Zufall, wenn nun mit BoD Deutschlands führender Print-On-Demand-Anbieter mit dem Premium-Label „PublIQation“ akademisches Indie-Publishing de Luxe anbietet. Denn auch in Academia wird immer öfter alternativ publiziert. Viele Masterarbeiten, Dissertationen, Monographien und Artikel landen als PDF direkt auf dem Server der Uni-Bibliothek, und/oder werden quick and dirty parallel via Print-On-Demand in Kleinstauflagen gedruckt.

Eine Bastion der Scientific Community ist aber eben noch nicht ganz geschleift: die Publikation in einem renommierten oder renommiert scheinenden Verlag gilt in vielen Disziplinen immer noch als Ausweis wissenschaftlicher Seriosität.

Das „Reputation Building“ kann man ab jetzt auch vergleichsweise kostengünstig via PublIQation betreiben — für 490, bzw. 1.290 und 2.990 Euro pro Veröffentlichung stehen die Publishing-Pakete „IQ advanced“, „IQ superior“ und „IQ genius“ zur Verfügung. Gedruckt wird grundsätzlich archiv-taugliches Hardcover, dazu kommt eine elektronische Version mindestens im PDF-Format, die gegen Aufpreis auch via Open Access zur Verfügung gestellt wird.

Bei den teureren Varianten ist auch ein Plagiatscheck mit iThenticate inklusive, und es gibt zusätzliche Freiexemplare. Da der publizierende Wissenschaftler bzw. die publizierende Institution selbst über den Endkundenpreis des Buches entscheidet, fließen beim Verkauf ggf. auch Tantiemen. Gerade für individuelle Wissenschaftsautoren, die so viele „Academic Services“ im Bereich Qualitätssicherung, Distribution und Archivierung gar nicht brauchen, gibt es natürlich auch einen weitaus kostengünstigeren Weg, via BoD eine Publikation deutschlandweit gedruckt in Buchhandel und Bibliotheken zu bringen: das normale Self-Publishing-Paket inklusive ISBN ist schon ab 20 Euro zu haben.

„Zeitgemäßer Schutz der Bestände“: Deutsche Nationalbibliothek zwingt Benutzer zur E-Book-Lektüre

dnb-sperrt-die-buecher-ein„Der Bibliothekar muss den Leser als einen Feind betrachten“, ätzte einst Umberto Eco in seinem Essay „Die ideale Bibliothek“. Am besten sollte man den Benutzer deswegen erst gar nicht ins Gebäude lassen, wenn aber doch, dann möglichst von den Büchern fernhalten. Was Gedrucktes betrifft, hält es nun ausgerechnet die Deutsche Nationalbibliothek genauso. Wie der Hessische Rundfunk berichtet, teilt neuerdings an den Standorten Frankfurt/Main und Leipzig ein Aushang am Eingang mit: „die digitale Ausgabe erhält ab sofort den Vorzug bei der Bereitstellung“. Das heißt konkret: liegt ein Werk sowohl gedruckt wie auch elektronisch vor, darf der Nutzer es nur am Bildschirm lesen. In Frankfurt gibt es knapp 300 entsprechend ausgestattete Arbeitsplätze.

Vergessliches Gedächtnis der Nation

Außerhaus-Ausleihe gab es in der DNB ohnehin nicht. Doch selbst im Lesesaal bekommt man zukünftig das physische Exemplar nur noch in Ausnahmefällen in die Hände — wenn man nämlich einen „plausiblen Grund“ vorweisen kann. Ergonomische Gründe gehören nicht dazu, etwa, dass die Lektüre am aufrecht stehenden LED-Bildschirm (anders als etwa mit einem mobilen Lesegerät) für Augen und Nacken sehr anstrengend sein kann. Auch das nicht nur gedruckte Bücher ein Kulturgut darstellen, sondern auch die Lektüre von gedruckten Büchern, scheint dort, wo das „Gedächtnis der Nation“ (O-Ton DNB) verwaltet wird, in Vergessenheit geraten zu sein.

„Institutionelle Arroganz“

Im FAZ-Feuilleton (Original liegt E-Book-News gedruckt vor) geißelt Jochen Hieber die Nicht-Bereitstellung der Papierversionen als „freiheitsbeschränkenden Ukas“, „Zwangsdigitalisierung“ und „unverhohlene Institutionenarroganz“. Nicht ganz zu unrecht — die Maßnahme hat doch am Ende von allem etwas. Die offizielle Begründung der Bibliotheksleitung bestätigt diesen Vorwurf:
man verbinde „komfortablen Ad-hoc-Zugriff“ mit „zeitgemäßem Schutz der Bibliotheksbestände“, heißt es im DNB-Newsletter.

Inhalt wichtiger als das Medium?

Folge man aber einer solchen sonderbaren Logik, so der FAZ-Kolumnist, „hätte es öffentliche Bibliotheken im vordigitalen Zeitalter erst gar nicht geben dürfen, dienten sie doch zuallererst der Zerstörung ihrer Bestände.“ Ziemlich weltfremd klingt dann auch ein Argument, das DNB-Direktorin Ute Schwens gegenüber dem Hessischen Rundfunk vorbringt: die meisten Menschen würden sich „für den Inhalt und weniger für das Medium“ interessieren. Aber bedeutet Lesen nicht doch etwas mehr als mit den Augen den Text abscannen und Informationen aus dem Text ziehen?

Die DNB betont übrigens, dass die bevorzugte Bereitstellung von elektronischen Versionen keine Sparmaßnahme darstellt: man habe „keinen direkten finanziellen Vorteil“, wenn die Bücher im Magazin verborgen bleiben. Da kann man wirklich nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und rufen: „Dann lasst es doch bleiben!“. E-Books als Ergänzung sind wunderbar, als alternativloses Medium (zumal auf Desktop-Bildschirmen) dagegen der reinste Horror.

(Abb.: Iris386/Flickr (by-sa-2.0))

Verleihnix-Praxis am Ende? EuGH-Urteil stützt E-Book-Verleih durch Bibliotheken

eugh-stuetzt-verleihreicht-fuer-ebooksKommen endlich mehr E-Books in unsere Bibliotheken – inklusive von Belletristik-Bestsellern? Eine aktuelle Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) könnte dazu führen — es stellt nämlich E-Books und Print-Bücher rechtlich auf die gleiche Stufe. Gedruckte Titel können öffentliche Bibliotheken ganz normal einkaufen und für die Ausleihe zur Verfügung stellen. Bei E-Books mussten bisher dagegen bisher spezielle Verleih-Lizenzen erwerben — soweit die Verlage überhaupt dazu bereit waren.

„One-copy-one-user“-Modell ist rechtens

Nun befanden die Richter am Luxemburger EuGH jedoch: solange es sich um das „One-copy-one-user“-Modell handelt — d.h. per Digital-Rights-Management geregelte Leihfristen — sei die E-Book-Ausleihe mit der Print-Buch-Ausleihe vergleichbar, und befinde sich somit in Übereinstimmung mit einer EU-Richtlinie 2006/115/EG zum Vermiet- und Verleihrecht.

Im Wortlaut wird festgestellt, es handele sich um „Verleihen“ im Sinne der Richtlinie, „wenn dieses Verleihen so erfolgt, dass die in Rede stehende Kopie auf dem Server einer öffentlichen Bibliothek abgelegt ist und es dem betreffenden Nutzer ermöglicht wird, diese durch Herunterladen auf seinem eigenen Computer zu reproduzieren, wobei nur eine einzige Kopie während der Leihfrist heruntergeladen werden kann und der Nutzer nach Ablauf dieser Frist die von ihm heruntergeladene Kopie nicht mehr nutzen kann.

Bibliotheksverband froh, Börsenverein sauer

Anlass der Entscheidung war ein Rechtsstreit zwischen dem niederländischen Bibliotheksverband „Vereniging Openbare Bibliotheken“ (VOB) und der Verwertungsgesellschaft „Stichting Leenrecht“, den das Bezirksgericht Den Haag wegen der europarechtlichen Dimension dem EuGH vorgelegt hatte.

Während der Deutsche Bibliotheksverband das Urteil ausdrücklich begrüsst, hagelte es Kritik vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels: Der Verleih eines E-Books unterscheide sich grundsätzlich von dem eines gedruckten Buchs, argumentiert auch weiterhin die Lobby der Buchhändler und Verlage.

(via irights.info & Buchreport)

Trotz E-Book-Boom: Große Mehrheit in USA will öffentliche Bibliotheken erhalten

us-amerikaner-wollen-bibliotheken-erhaltenDie Buchhandlungen: abgeschafft zugunsten von Amazon, die Bücher: abgeschafft zugunsten von E-Books auf Smartphones. War da noch was? Ach ja, Bibliotheken. Nur: Die schöne neue Welt des elektronischen Lesens scheint zugleich eine schlechte Ausgangslage für das Fortbestehen der klassischen Bücherspeicher mit Ausleihtheke zu sein. Doch man sollte wohl zwei Dinge nicht unterschätzen. Zum einen die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit der öffentlichen Bibliotheken (bzw. der dort arbeitenden BibliothekarInnen). Zum anderen das „Benutzerkollektiv“ vor Ort — wie eine aktuelle Pew-Studie zeigt, ist die lesende Bevölkerung selbst in den digital-affinen USA noch eher pro-Library eingestellt.

Makerspaces etc: Mehr Platz gewünscht

Etwa jeder zweite US-Amerikaner nutzt die Biblos, und auf die E-Book-Gretchenfrage: „Gedruckte Bücher rauswerfen zugunsten anderer Raumnutzung?“ antworten nur ein Viertel der Befragten: „Auf jeden Fall“. Ein Drittel sagen dagegen „Auf keinen Fall“, und 40 Prozent sind unentschlossen. Mehr als die Hälfte wünschen sich allerdings mehr Platz für das Lesen, Arbeiten und Relaxen, und beeindruckende 80 Prozent möchten, das die Biblos die „Tech-Literacy“ etwa von Kindern und Senioren aktiv fördern (ein Trend, den auch die US-Buchhandelskette Barnes&Noble entdeckt hat). Jeder zweite kann sich in den Lesehallen auch die Einrichtung von „Makerspaces“ mit 3D-Druckern u.ä. Geräten vorstellen.

Bibliotheken wichtig für sozialen Zusammenhalt

Bisher nutzen zwei Drittel der Bibliotheksbesucher ihre Einrichtung übrigens ganz traditionell — sie leihen ein Printbuch aus. Wichtiger wurde in letzter Zeit aber auch die Möglichkeit, in der Biblo via WLAN im Web zu surfen und die vorhandenen PCs zu gebrauchen. Bibliotheksschließungen lehnen zwei Drittel der Amerikaner vehement ab. Sie befürchten in diesem Fall massive negative Auswirkungen auf das soziale Leben vor Ort. Wohl auch, weil die Biblos sich in Krisenzeiten als verlässlicher Partner beweisen, und — siehe den neuen Berufszweig des „Outreach Librarians“ — zunehmend Bevölkerungsschichten erreichen, die von sich aus nicht selbst vorbeikommen.

(via Teleread.org)

Trotz E-Books & Internet: öffentliche Bibliotheken bleiben für die Mehrheit der Deutschen wichtig

bibliothek-im-wandelWozu noch Bibliotheken, wo es doch E-Books gibt (und Amazon)? Ganz so einfach ist die Rechnung dann doch nicht – es gibt viele gute Gründe, das Netz öffentlicher Bibliotheken zu erhalten. Eine aktuelle Allensbach-Umfrage zeigt: Das sehen tatsächlich auch die meisten Deutschen so,– ob sie nun zu den regelmäßigen Nutzern gehören, oder nur sporadisch mal ein Buch auschecken. Anlaß für die Studie zur „Zukunft der Bibliotheken in Deutschland“ bot die internationale Konferenz „Chancen 2016″ – Bibliotheken meistern den Wandel“, die am Wochenende im Münchner Goethe-Institut stattfand.

Je älter & gebildeter, desto pro Biblo

Gut zu wissen ist schon mal vorweg : Knapp jeder dritte Bundesbürger zwischen 16 und 75 (je nach Altersgruppe zwischen 26 und 36 Prozent) hat in den letzten 12 Monaten mehrmals eine Bibliothek besucht, der digitale Wandel hat also am grundsätzlichen Bedarf bisher nichts oder nicht viel verändert. 58 Prozent der Bundesbürger halten Bibliotheken für sehr wichtig bzw. wichtig, und diese Zustimmung verteilt sich relativ stabil über alle Altersgruppen, allerdings gilt auch weiterhin: je älter, desto pro Biblo, und auch je gebildeter, desto pro Biblo.

Angebot soll umfassend & multimedial sein

Lange Öffnungszeiten und Zugang zur Lektüre via Internet (siehe Onleihe) sind jedem zweitem Befragten wichtig, besonders stark ist der Bedarf bei den unter 30jährigen. Zwei Drittel wollen, dass die öffentlichen Büchereien nicht nur ein umfangreiches Angebot haben, sondern auch die aktuellsten Titel und Medien in ihrem Bestand bereit stellen, inklusive E-Books, Musik und Filmen. Und wenn man schon mal vor Ort ist, soll es auch gute fachliche Beratung und geschultes Personal geben, meinen ebenfalls zwei Drittel der Befragten.

3D-Drucker & Games kein Essential

Kaum jemand (16 Prozent) sieht die Bibliotheken als Ort medialer Exprimente, in denen besondere technische Geräte zur Verfügung stehen, etwa 3D-Drucker oder digitale Tonstudios. Auch Computerspiele und Spielekonsolen (ebenfalls 16%) vermissen die meisten in ihrer Bibliothek ebensowenig. Weitaus mehr (42 Prozent) finden dagegen, das in den Lesehalllen Beratung und Hilfe für elektronische Lesegeräte angeboten werden sollte, ewa E-Reader, Tablet oder Smartphone. Auch das man vor Ort genügend Arbeitsplätze und Schreibtische findet, um lernen oder lesen zu können, findet große Unterstützung.

Fragt man übrigens speziell die Gruppe der Bibliotheksnutzer nach ihren Erwartungen, sind wohl nicht ganz zufällig die Zustimmungsraten zu Ausstattung, Atmosphäre und Beratungsangebot nochmal deutlich höher (mal abgesehen von 3D-Druckern und Computerspielen…).

Abb.: wsilver/Flickr (cc-by-2.0)

Cambridge Elements: E-Book-Singles für die Scientific Community

cambridge-elements-science-singles-elektronischWissenschaftliche Publikationen, so möchte man meinen, sind oft nicht nur lang und langweilig, sondern brauchen auch eine ganze Weile, bis sie überhaupt gedruckt und ins Regal gestellt werden können. Cambridge University Press räumt jetzt mit diesem Vorurteil komplett auf: die gerade angekündigte Reihe „Cambridge Elements“ setzt nämlich auf elektronisches Speed-Publishing und am E-Book-Single geschulte Kurzformate.

Mit Peer-Review, ohne langes Warten

Mit nur 20.000 bis 30.000 Worten pro Text (entsprechend 50 bis 75 Druckseiten) werden die Elements zwar deutlich länger sein als Zeitschriftenartikel, aber doch auch deutlich prägnanter ausfallen als in Buchform veröffentlichte Studien. Nur drei Monate soll es nach der Manuskripteinreichung dauern, bis ein elektronisches Science-Single online verfügbar ist. Wobei die Texte nicht nur von den Koryphäen eines jeweiligen Faches stammen sollen, sondern auch von einer Fachredaktion betreut und peer-reviewed werden.

E-Book plus Print-On-Demand

Auf diese Weise sollen Studierenden und Fachleuten nicht nur solide Grundlagen einzelner Disziplinen in leicht zugänglicher Form vermittelt werden, sondern auch aktuelle Forschungsergebnisse zur Verfügung stehen, die zudem dank digitaler Form auch immer wieder upgedatet werden können. Die Elements wird man nicht nur online im Browser sowie mit E-Reader bzw. E-Reading-Apps lesen können — zusätzliche Reichweite erhalten sie via Print-On-Demand im Taschenbuch-Format.

Open Access als Option für Bibliotheken

Universitätsbibliotheken werden via Open Access Zugang zur kompletten elektronischen Kollektion bieten können. Die Vermarktung individueller Titel findet global über die Web-Plattform von CUP statt, ausgewählte Titel sollen auch via Social Media vom hauseigenen PR-Team promotet werden. Für die optische Wiedererkennbarkeit der neuen Marke sorgt im übrigen ein extra entworfenes Logo, drei waagerechte Balken, die das „E“ aus Elements repräsentieren.

Streit um Open Access: Elsevier laufen die Redakteure davon

elsevier-streit-um-open-accessDer Streit um Open Access hat einen neuen Höhepunkt erreicht: dem weltgrößten Wissenschaftsverlag Elsevier ist auf einen Schlag die komplette Zeitschriften-Redaktion von „Lingua“ abhanden gekommen – insgesamt drei Dutzend Sprachwissenschaftler werden nun unter dem Titel „Glossa“ ein unabhängiges Open-Access-Journal gründen.

Der redaktionelle Exodus ist offenbar die Reaktion auf die Weigerung von Elsevier, in Zukunft sämtliche Online-Inhalte der Zeitschrift im Rahmen von Open Access kostenlos anzubieten. Die normalen Abo-Gebühren für wissenschaftliche Zeitschriften seien inzwischen so hoch, dass viele Universitäten sich die Kosten nicht mehr leisten könnten, kritisiert der bisherige Lingua-Herausgeber Johan Rooryck.

Das Problem dabei: Die Ergebnisse von mit öffentlichen Mitteln geförderter Forschung bleiben somit immer öfter für die wissenschaftliche Öffentlichkeit unsichtbar, und wo sie doch zugänglich sind, bescheren sie den großen Verlagen satte Renditen zu Lasten ohnehin knapper Bibliotheksbudgets. Elsevier etwa erreichte 2014 eine Gewinnspanne von 37 Prozent.

Der Verlag verteidigt sich trotzdem mit dem Argument, eine 100-prozentige Open Access-Strategie sei ökonomisch „nicht nachhaltig“, die Scientific Community hält kräftig dagegen: „What is ’sustainable‘ for Elsevier is unsustainable for universities“, so Martin Paul Eve (Open Library of Humanities).

Open Access Light: Fachzeitschrift „Nature“ bietet Nicht-Abonnenten Read-only-Zugang

„Nature“ ist nicht nur die weltweit am meisten zitierte naturwissenschaftliche Zeitschrift, das wöchentlich erscheinende Journal wird online innerhalb der Scientific Community auch besonders häufig geteilt. Bisher allerdings nur sehr inoffiziell: viele Subskribenten schickten Kollegen ganz einfach PDF-Downloads interessanter Artikel, ohne sich um die rigiden Lizenzbestimmungen zu kümmern. Gerade auch die Autoren selbst brachten ihre Artikel so in Umlauf, denn das sogennante „Self Archiving“, also das online stellen des Artikel-Manuskripts, ist erst sechs Monate nach Veröffentlichtung in Nature erlaubt.

Publisher kann Nutzung besser auswerten

Zukünftig wird Nature nun aber einen Open Access-ähnlichen Ansatz verfolgen, man darf per E-Mail, Facebook oder Twitter auf eine Read-Only-Version von Artikeln verlinken, die sich im Webbrowser vermittelt durch das Content Management System „ReadCube“ darstellen lässt, aber keinen Download der Inhalte erlaubt. Vorteil für Macmillan Publishing, den Verlag hinter Nature: die Nutzung der Artikel lässt sich nun leichter statistisch auswerten. Auch wer verlinkt hat, ist feststellbar, denn die mit der Community geteilten Links enthalten automatisch generierte Verweise auf den jeweiligen Abonnenten.

Auch News-Portale & Blogs dürfen verlinken

Für ausgewählte Nachrichten-Portale und Wissenschafts-Blogs wird der Verweis auf Nature-Veröffentlichungen ebenfalls deutlich erleichtert: wenn Nicht-Abonnenten auf einen Artikel-Link klicken, stranden sie ab jetzt nicht mehr an einer Paywall, sondern werden ebenfalls auf eine Read-Only-Version weitergeleitet. Registrierte Nutzer von ReadCube können sich eine E-Bibliothek interessanter Artikel anlegen und zudem Anmerkungen machen. Die gemäßigte Open-Access-Strategie von Nature wird zunächst einmal für ein Jahr getestet. Bei Erfolg könnte sie dafür sorgen, dass auch andere große Zeitschriften – etwa Science – ihre Veröffentlichtungs-Politik reformieren.

(via Sciencemag.org)

Abb.: Screenshot nature.com

„Bibliotheken sind ein wichtiger Ort, um Bücher & Autoren zu entdecken“: OverDrive-CEO Steve Potash im Interview

Ob Video- und Audio-Streaming, E-Book-Lektüre im Browser und via Kindle-Reader oder direkte Kauf-Option („Buy it now“): in vielen Punkten machen Bibliotheken in den USA und anderen englischsprachigen Ländern ihren Lesern deutlich mehr digitale Angebote als bei uns, wovon auch die Verlage profitieren. Dahinter steckt vor allem ein Unternehmen mit Hauptquartier in Cleveland/Ohio: OverDrive. Dass die Ausleihzahlen bei E-Books überm großen Teich mittlerweile erstaunlich hoch sind, liegt dabei auch am vielfältigen Angebot. Mehr als 2 Mio. elektronische Titel hat der Bibliotheksdienstleister im Programm, darunter auch solche von großen Publishern wie Penguin Random House oder Harper Collins. Anlässlich der kommenden Frankfurter Buchmesse – auf der das Unternehmen präsent sein wird – sprach E-Book-News mit CEO Steve Potash über die europäischen Perspektiven von OverDrive.

E-Book-News: E-Books sind in Bibliotheken auch in Deutschland längst alltäglich, die „Onleihe“ ist Stadtgespräch. Was „Overdrive“ ist, werden hierzulande aber wohl die wenigsten wissen. Was ist Ihre Perspektive auf dem (kontinentalen) europäischen Markt – wie wichtig ist Europa zur Zeit, wie wichtig wird es in der Zukunft sein?

Steve Potash: Lifestyle und Leser-Präferenzen ändern sich in der digitalen Ära, und wie überall sonst in der Welt erwarten die Leser in Europa von ihren Bibliotheken vermehrt elektronische Angebote, vor allem eine breitere Auswahl an Titeln. OverDrive hat seit mehr als zehn Jahren Erfahrung als Dienstleister für Bibliotheken, und stellt eine enorme Menge an Titeln in englischer Sprache zur Verfügung, darüber hinaus auch in 50 anderen Sprachen. Außerdem bietet OverDrive europäischen Verlagen verschiedene Lizensierungs-Optionen, um ihre Inhalte den Nutzern zugänglich zu machen. Europa ist für uns sehr wichtig, denn es ist ein Ort für Bücher, es gibt eine hohe Zahl von Lesern, eine große Zahl an Neuerscheinungen, und eine Lesekultur, in der Literatur hoch geschätzt wird.

Viele Verlage waren bisher sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, ihre Inhalte für die Nutzung in öffentlichen Bibliotheken zu lizensieren. Das scheint sich nun rapide zu ändern. Da fragt man sich natürlich: warum? Wo liegen die Vorteile, die sie vorher offenbar übersehen hatten?

Es gab eine Fucht vor E-Book-Piraterie und vor negativen Auswirkungen auf die Buchverkäufe, doch inzwischen haben die Verlage gemerkt, dass es für Piraterie keine Belege gibt, und der Einfluss auf den Umsatz sogar sehr positiv ist. Bibliotheken sind für die Leser eben ein wichtiger Ort, um Bücher und Autoren zu entdecken! Unternehmen wie OverDrive haben passende Wege zur Belieferung und Konzepte für die Lizensierung entwickelt, sie bieten flexible Modelle an, mit denen sich auch konservative Verleger gewinnen lassen. Das ist gar nicht so plötzlich passiert, sondern das Ergebnis vieler Jahre, es mussten Beziehungen geknüpft und Techniken entwickelt werden, es fanden Weiterbildungen statt, Metadaten mussten aufbereitet werden. So etwas funktioniert nicht über Nacht, das war ein langer Prozess.
 
Tablets und Smartphones sind mittlerweile offenbar zur wichtigsten Leseplattform avanciert, auch bei der Lektüre von ausgeliehenen E-Books. Was wird denn nun aus dem klassischen E-Reader, der ja beim OverDrive-Konzept eine wichtige Rolle spielt?
 

E-Reader werden derzeit durch Smartphones und Tablets ersetzt, aber rund um die Welt nutzen unsere Leser auch immer noch eine Menge E-Reader, etwa Geräte von Nook, Kobo und Kindle (letztere nur in den USA). Und bei aller Beliebtheit von Multifunktionsgeräten wie Smartphones oder Tablets: wir beobachten, dass viele Nutzer auch auf Laptops oder Chromebooks lesen.

Abb.: Raymond Bryson/Flickr (cc-by-2.0)

„The Right to E-Read“: Bibliotheken fordern Lizenz zum E-Lesen

„Welttage“ sind so etwas wie die Leitwährung der Aufmerksamkeits-Ökonomie. Siehe den gestrigen 23. April, wo fleißig für Content in fester („Welttag des Buches“) wie flüssiger Form („Welttag des Bieres“) geworben wurde. Einen tiefen Schluck aus der PR-Pulle gönnte sich auch der „Deutsche Bibliotheksverband“ – und forderte medienwirksam die „rechtliche Gleichstellung von E-Books und gedruckten Büchern“. Oder kürzer: „the right to e-read“. So der Claim der zeitgleich angelaufenen europaweiten Bibliothekskampagne. Denn neben fehlender steuerlicher Gleichberechtigung (Mehrwertsteuer!) hakt es oft schon beim Zugang zu elektronischer Lektüre.

Während Bibliotheken bei Büchern, DVDs oder CDs mit dem Kauf auch automatisch das Recht auf Ausleihe erwerben, ist eine ähnliche Regelung für E-Books im Urheberrecht bisher nicht vorgesehen – was u.a. daran liegt, dass elektronische Bücher nicht zurückgegeben werden können. Deswegen sind Bibliotheken darauf angewiesen, dass ihnen Verlage ausdrücklich digitale Ausleihlizenzen gewähren – was diese aber in vielen Fällen verweigern. Nicht nur aus Angst vor Raubkopien hat die „Onleihe“ noch viele Gegner: auch die automatische Vergütung der Rechteinhaber über die sogenannte „Bibliothekstantieme“ funktioniert derzeit nur bei Büchern aus Papier.

Das gefährdet nach Ansicht des Bibliotheksverbandes den Kernauftrag von Bibliotheken – der darin bestehe, allen BürgerInnen Bildung und Information „zu fairen, einfachen und kostengünstigen Bedingungen“ zu ermöglichen. Deswegen lautet die Forderung an die Bundespolitik: „Die Regelungen für den Verleih von Büchern müssen auch für nicht-körperliche Werke gelten“. Das Onleihe-Potential ist riesig: schließlich wurden alleine 2013 in öffentlichen Bibliotheken fast 500.000 Medieneinheiten ausgeliehen, zum größten Teil noch in physischer Form.

Der traditionsbewusste „Verband deutscher Schriftststeller“ hält die Ausweitung der Onleihe dagegen für eine Schnapsidee – und forderte zum „Welttag“ den „uneingeschränkten Schutz des Urheberrechts“ in bisheriger Form. Egal ob Buch oder E-Book, „die geistige, schöpferische Leistung“ sei stets dieselbe. Einen Interessengegensatz zwischen aktuellem Urheberrecht und Informationsfreiheit vermochten die organisierten Kreativen nicht auszumachen. Wichtig sei vor allem eins: „Der Zauber des Worts, die Magie der Sprachgewalt müssen auch weiterhin eine breite Leserschaft erreichen“. Wieso das ohne E-Books leichter zu erreichen ist, verrieten die Sprachgewaltigen aber nicht.

Abb.: flickr/pfv (cc)