What’s next, Thalia? Buchhändler geben Lese-Empfehlungen via WhatsApp

thalia-whatsnext-beratung-per-appNicht nur Verlage, auch Buchhändler suchen verstärkt den direkten Draht zum Kunden der Generation Smartphone bzw. Whats App — zum Beispiel Thalia. Das WhatsApp-Team der Buchhandelskette hatte unter dem Motto „What’s Next“ schon seit dem Sommer immer mal wieder für einige Tage lang Leser auf der Suche nach Lektüre per Messenging-App beraten — nun geht die Aktion im Umfeld der Buchmesse in eine neue Runde.

Chat-Bereitschaft von morgens bis abends

Die professionellen Buchempfehler sind diesmal einen ganzen Monat lang, nämlich vom 4. Oktober bis 4. November per Whats App auf 015237285381 erreichbar, und zwar täglich von 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Die Fragesteller erhalten dann postwendend eine persönliche Buchempfehlung inklusive Kauflink.

Discoverability trifft Kuratierung

What’s Next ist zugleich natürlich auch Promotion für Thalias bereits 2015 gestartete Buchempfehlungs-Plattform „Thalia Next“, die basierend auf dem Lektürewissen der Thalia-Buchhändler Buchtitel nach Ähnlichkeit miteinander verknüpft. Mehr als 1.000 Buchhändler sind dort mit Bewertungen bzw. Rezensionen und eben Verlinkungen von Büchern aktiv.

Live-Chat für alle auf #fbm16

Besondere Sichtbarkeit wird der Beratungs-Marathon „What’s Next“ auf der Frankfurter Buchmesse erhalten — am Thalia-Messestand in Halle 3 soll dann ein 7,5 Meter hohes Display den aktuellen Whats App-Chat zwischen Besuchern und Buchhändlern für alle sichtbar machen.

(via boersenblatt.net & buchreport.de)

3. deutscher eBook Award geht in die heiße Phase: Das sind die Nominierten

ebookaward-dritter-2016Fiction, Non-Fiction, Kinder und Jugend lauten die drei Bereiche beim 3. Deutschen eBook Award — nun stehen die Nominierten fest. Der Gesamteindruck: Wieder mal alles ganz schön „Indie“. Besondere Hingucker für mich: eine E-Book-Anthologie der Neuköllner Lesebühne Kabeljau & Dorsch, ein Crauss-Gedichtband der Edition Binaer, ein interaktiver Stadtführer für Dortmund, und nicht zuletzt ein sehenswertes Videobuch zu Friedrich Dürrenmatt.

Für Verlage & Self-Publisher

Anders als bei anderen Buchpreisen geht’s beim eBook Award nicht ums Literarische, sondern die „technische Umsetzung von Literatur im digitalen Raum“, betont Organisator Vedat Demirdöven. Ob die Beispiele für innovative Produktentwicklung und kreative Gestaltung dabei von klassischen Verlagen oder Self-Publishern stammen, ist dabei unerheblich. Die Preisverleihung des 3. Deutschen E-Book Awards findet am 20. 10. auf der Frankfurter Buchmesse statt (16 – 17 Uhr, Halle 4.1/Stand N91) statt.

Hier die Gesamtliste der Nominierten:

FICTION

  • Christian Kracht, Die Toten (Kiepeheuer & Witsch)
  • E-Book-Anthologie (Kabeljau und Dorsch)

  • Dieser Junge. Digitale Toes. (Edition Binaer, Verlagshaus Berlin)

NON-FICTION

  • Dortmund – nix wie hin! (Loop Redaktionsgruppe Ruhrgebiet Ost)
  • Friedrich Dürrenmatt (Videobooks Interactive AG)

  • Erich Fromm Gesamtausgabe (Open Publishing GmbH)

  • Neuseeland Live (Combobooks, Bergwild Verlag)

  • The Travel Episodes (Piper Verlag/Malik National Geographic)

  • KINDER UND JUGEND

    • Die Brille (Luftlinie Produktion uG)

    • Galactic Hot Dogs. Würstchen im Weltall (Verlag Friedrich Oetinger)

    • Paul Maar, Kakadu und Kukuda (Verlag Friedrich Oetinger)

    „Sichtbar machen, was funktioniert“: Virenschleuder-Preis startet in die fünfte Runde

    virenschleuderpreis-2015Der Name selbst ist schon Programm: Virenschleuder, das klingt hochansteckend, und einmal gehört, wird man den Namen so schlecht wieder los wie eine Ebola-Infektion. Der Virenschleuder-Preis prämiert auch in diesem Jahr wieder die „ansteckendste“ Kampagne in der Medien- und Kreativwirtschaft, dazu auch die „Strategie“, „Idee“, „Persönlichkeit“ sowie das „Marketingteam des Jahres“.

    „Mut machen zum Ausprobieren“

    „Wir wollen erfolgreiches Marketing sichtbar machen, den Erfahrungsaustausch befördern und Inspiration vermitteln“, sagt Leander Wattig, Erfinder des Virenschleuderpreises. „Kein Marketingtreibender weiß vorab genau, was funktionieren wird. Der #vsp15 macht Mut zum Ausprobieren“, so Wattig weiter. Alle Nominierungen werden auf www.virenschleuderpreis.de veröffentlicht und diskutiert, die Shortlist wird vom Online-Publikum zusammengevotet.

    Preisverleihung auf Buchmesse

    Der von Leander Wattig in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse veranstaltete Virenschleuder-Preis (#vsp15) gilt inzwischen als einer der bekanntesten Marketingpreise im Bereich Kultur und Medien. Zur Expertenjury gehören in diesem Jahr Branchengesichter wie Karla Paul (Edel eBooks), Indie-Autorin Poppy J. Anderson, „Kulturtussi“ Anke von Heyl sowie Sascha Lobo. Nominierungen können bis zum 5. Oktober eingereicht werden, die Preisverleihung findet am 16. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse statt.

    Electric Book Fair 2015: Deutschlands einzige E-Book-Messe erobert Berlin-Neukölln

    electric-book-fairElectric Book Fair, once again: in der zweiten Junihälfte wird Berlin wieder zum Schauplatz der einzigen E-Book-Messe Deutschlands. Geändert hat sich allerdings die Adresse: vom Wedding ist die Electric Book Fair nach Neukölln umgezogen – dort logiert sie im Kreativloft „Colonia Nova“ zwischen Landwehrkanal und Sonnenallee. Das Format richtet sich nicht nur an „E-Book-People“ in Verlagen oder an der Self-Publishing-Front, sondern auch an Blogger, Journalisten, Dienstleister und Marketing-Experten.

    „Label einer strategischen Bewegung“

    Letzes Jahr versammelten die E-Messe-Gründerinnen Nikola Richter und Andrea Nienhaus knapp 300 Gäste – auch in diesem Jahr wird die Electric Book Fair von der Größe her nichts mit Leipzig oder Frankfurt zu tun haben. Ohnehin versteht sich das Event nicht als klassische Messe, sondern eher als Label einer „strategischen Bewegung“ für aktuelle Entwicklungen im digitalen Publizieren. Das kann dann ganz konkret etwa ein Barcamp sein, eine Lesung oder auch mal ein Bookathon.

    Electric Afternoon & Elektrische Lesenacht

    Das Treffen in Neukölln am 20. Juni unter dem Titel „Electric Afternoon“ ist als offenes Barcamp-Format angelegt, die TeilnehmerInnen können selber Workshops anbieten oder Themenvorschläge machen. Für Fortgeschrittene, versteht sich. „Es wird ein intensiver Austausch möglich sein, ohne, dass wir darüber reden werden, was denn eigentlich ein ePub ist“, so Nikola Richter. Bereits angekündigt sind Veranstaltungen mit Sophie Schmidt („Data Driven Publishing“), Christian Damke („Der junge digitale Verlag zwischen Innovation und Tradition“), Sigrid Fahrer („Der Leser von morgen“) sowie Karla Paul („Literaturvermittlung im Netz“).

    Am Abend vorher, also am 19. Juni, findet die „Elektrische Lesenacht“ im Literatischen Colloqium (LCB) am Wannsee statt. Mit dabei sind AutorInnen von Mikrotext, Culturbooks, Frohmann und Shelff – u.a. Imran Ayata, Sebastian Christ, Pippa Goldschmidt und Aboud Saeed. Tickets für den „Electric Afternoon“ wie auch die „Elektrische Lesenacht“ gibt’s via Eventbrite.

    Programm der Electric Book Fair 2015

    Elektrische Lesenacht

    Freitag, 19. Juni 2015
    ab 19 Uhr
    Literarisches Colloquium Berlin-Wannsee

    Electric Afternoon

    Samstag, 20. Juni 2015
    11 – 17 Uhr
    Colonia Nova, Berlin-Neukölln

    Der Self-Publisher als Objekt der Begierde: ein Buchmesse-Bericht

    Selfpublisher werden immer begehrter. Ich war mit den „Lieblingsautoren“ auf der Leipziger Buchmesse unterwegs und konnte den neuen Trend hautnah erleben. Unter dem Logo „Lieblingsautoren“ haben sich herausragende Selfpublisher zu einem Messeauftritt zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie schon sechs Millionen Bücher und E-Books verkauft – und nicht wenige der Leser waren gekommen, um ihre Lieblingsautoren zu treffen. Zeitweise war eine der größten Herausforderungen, überhaupt bis zum Stand vorzudringen, wenn man dort etwas zu tun hatte. Wenn dann noch Poppy J. Anderson mit ihrem „Team Poppy“ (teilweise verkleidet als Football-Spieler und Cheerleader) ihre Standzeiten hatte, gab es in der ganzen Umgebung kein Durchkommen mehr.

    Gedränge am Stand

    Tolino, Kobo & Co. umwerben die Indies

    Das blieb nicht unbemerkt und zog weiteren Besuch an. Die Frankfurter Buchmesse ließ durch einen Vertreter anfragen, ob wir nicht auch zu ihnen kommen wollen, in die begehrte Halle 3.0. Tolino-Media kam ebenfalls und warb um Autoren. Der Grund für ihre neue Plattform wurde dann auch ausdrücklich benannt: ein stetig steigender Strom von Lesern, die sich beklagten, warum sie auf ihrem Reader nicht die Bücher aller Selfpublisher lesen können. Jetzt hat Tolino reagiert und man darf gespannt sein, was ihnen einfällt, um die Autoren zu ihnen zu locken. Die anderen schlafen nämlich auch nicht, die Europamanagerin von Kobo machte persönliche Termine und ganz besonders engagiert zeigte sich Amazon.

    Reichhaltige Buchauswahl

    „Lieblingsautoren“ zu Gast in Amazons heiligen Hallen

    Amazon hatte bereits das Buchexperiment „24 Stunden – 24 Autoren“ großzügig unterstützt und lud am Samstagabend zur Lesung ein. Dazu ging es mit Bussen hinaus aus dem Messetrubel und der Unruhe, die dort oft bei den Lesungen herrscht, hinein in die „heiligen Hallen“ des Fullfilment-Centers am Rand von Leipzig. Dort werden neben dem Versandgeschäft auch die Bücher gedruckt, die man von Selfpublishern bei Amazon bestellen kann. Ein Service, den interessanterweise auch Verlage zunehmend nutzen. (Eine Kuriosität am Rande: Während bei der Besichtigungstour der Autoren hauptsächlich Verlagsbücher gedruckt wurden, durften die Verlagsvertreter einige Tage zuvor erleben, wie unentwegt Bücher von Selfpublishern aus den Maschinen kamen.)

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    Self-Publisher erobern Feuilleton der „WELT“

    Zur Lesung war in einer Halle ein großer Bereich abgetrennt und eine Bühne aufgebaut, die im Stil eines Hotelzimmers gestaltet war, passend zu dem Buch, dessen Geschichte in einem Berliner Grandhotel spielt. Die Atmosphäre war freundschaftlich locker, und ein üppiges Buffet für alle Besucher zeigte eindrücklich, wie sich auch Amazon um Autoren und Leser bemüht. Dass es Selfpublisher nach diesem Abend sogar bis ins Feuilleton der „WELT“ brachten, ist ein weiteres Zeichen, dass sich die Zeiten geändert haben.

    [Indie-Lounge extra] „24 Autoren – 24 Stunden“ startet – Interview mit Michael Meisheit

    24stunden-24autoren-leipziger-buchmesseHeute wurde auf der Leipziger Buchmesse das Ergebnis eines literarischen Experiments vorgestellt: „24 Stunden – 24 Autoren“. Der Titel dieses Buchs ist Programm: Vierundzwanzig der erfolgreichsten unabhängigen Autorinnen und Autoren haben sich zusammengefunden und in Eigenregie ihre Figuren, ihr Können und ihre Ideen zu einem Feuerwerk an spannenden, witzigen oder gefühlvollen Geschichten verbunden. Maßgeblichen Anteil an der Realisierung hatte Michael Meisheit, bekannt als Drehbuchautor der Lindenstraße und als erfolgreicher Buchautor unter dem Pseudonym Vanessa Mansini.

    Klaus Seibel: Michael, wie ist die ausgefallene Idee zu einem gemeinsamen Buch entstanden?

    Michael Meisheit: Sie lag in der Luft. Durch die letztjährigen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt haben sich eine ganze Reihe von Autoren persönlich kennengelernt und auch angefreundet. Über Facebook stehen wir im regelmäßigen Austausch und dass man „mal etwas zusammen machen müsste“, geisterte immer wieder durch die Runden. Im Sommer letzten Jahres hatte ich bereits die Idee von den 24 Stunden eingebracht, die direkt gut ankam. Nach der Buchmesse in Frankfurt haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht.

    Bücher, in die mehrere Autoren eine kurze Geschichte einbringen, also Anthologien, gibt es häufig. „24 Stunden – 24 Autoren“ ist anders, ein echtes literarisches Experiment. Was ist der besondere Kick?

    Zweierlei ist sehr ungewöhnlich und in meinen Augen so noch nicht da gewesen: Erstens hat jeder Autor seine bekannten Hauptfiguren aus anderen Werken mitgebracht, also existierende fiktionale Charaktere, die den Lesern vertraut sind und teilweise schon über viele Romane hinweg eine komplexe Persönlichkeit entwickelt haben. Dadurch lag es nahe, als Setting ein Hotel zu wählen, in dem all diese Figuren aus den unterschiedlichsten Gründen auftauchen konnten. Und der zweite Clou war: Jeder sollte in „seinem“ Genre schreiben, in dem Stil, den er und auch seine Leser gewohnt sind. So mixen wir in unserem Roman also Krimi mit Liebesroman, Fantasy mit Thriller, Science Fiction mit Humor. Wir wechseln auch munter bei der Erzählperspektive oder sogar in der Zeitform. Dadurch wird jedes Kapitel – auch wenn es sich in ein großes Ganzes einfügt – tatsächlich ein wiedererkennbares Werk des entsprechenden Autors.

    Die Auswahl der Autoren war kein Zufall. Welche Kriterien gab es?

    Abgesehen davon, dass wir eine gewisse Vielfalt an Genres und Autorenpersönlichkeiten haben wollten, gab es vor allem ein Kriterium: Es sollten erfahrene Selfpublisher sein, die mit ihren bisherigen Büchern bereits viele Leser gefunden hatten. Es ist kein Autor dabei, der nicht schon mit einem Buch in den Top 100 der Kindle-Charts gewesen ist. Viele sind sehr erfolgreiche Bestsellerautoren. Wir haben einmal zusammengerechnet, was jeder so bisher in seiner Karriere verkauft hat, und sind auf über sechs Millionen Bücher gekommen.

    Vierundzwanzig erfolgreiche Selfpublisher, die bewusst unabhängig und oft auch Individualisten sind; sie kennen sich teilweise nur über Internet; sie schreiben normalerweise Bücher, die genauso verschieden sind wie die Autoren; und dann haben sie bloß zwei Monate Zeit. Aus diesen Zutaten ein gemeinsames Buch zu machen, klingt utopisch. Du hast die Sache in die Hand genommen. Was waren deine größten Herausforderungen?

    Man wird es kaum glauben, aber die eher technischen Fragen waren weit schwieriger zu lösen als die inhaltliche Arbeit. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass wir jedem Autor größtmögliche Freiheit in seinem Kapitel gegeben haben. Jeder hatte eine Vorgabe in Bezug auf den roten Faden, aber was er daraus gemacht hat, wurde akzeptiert, wie es war. Es gab ein externes Lektorat und natürlich auch hier und da Vorschläge, etwas anders zu machen, aber niemand wurde gedrängt, dies auch umzusetzen – so lange die große Geschichte nicht fehlerhaft wurde. Und gerade, was die Abstimmung zwischen den Kapiteln anging, waren alle sehr eifrig und hatten erkennbar Spaß daran, noch einmal Figuren der anderen bei sich auftauchen zu lassen oder ähnliches. Schwieriger war es dann schon, sich auf ein Cover zu einigen, oder in welcher Gesellschaftsform wir das Projekt angehen. Gott sei Dank gibt es in Facebookgruppen aber die Möglichkeit, Abstimmungen abzuhalten – im Zweifel hat dann stets die Mehrheit entschieden.

    Was waren die wichtigsten Kriterien für den Erfolg des Projekts?

    Ob es ein Erfolg (beim Leser) wird, werden wir ja erst noch sehen. Fürs Gelingen war auf jeden Fall entscheidend, dass wir 24 sehr professionelle Persönlichkeiten zusammengebracht haben, die Deadlines einhalten können, es gewohnt sind, schnell zu reagieren, selbst Aufgaben zu übernehmen und einfach sehr offen sind für Neues. Das ist ja eigentlich die Definition eines erfolgreichen Selfpublishers. Und als jemand, der aus der Arbeit bei Fernsehserien gewohnt ist, mit einem Team von Kreativen zu arbeiten, muss ich sagen, dass es erstaunlich reibungslos geklappt hat, vermeintliche Einzelkämpfer zu einer effektiven Autorengruppen zusammenzuschmieden.

    Ein Verlag würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil man das Buch in kein Genre einordnen kann und der Mix abenteuerlich ist. Worauf muss sich der Leser einstellen?

    Der Leser kann sich freuen. Wir wussten ja selbst nicht, wie das fertige Buch werden würde, aber haben nun alle einen spannenden Effekt beim Lesen festgestellt, den auch erste Testleser betätigt haben: Der häufige Wechsel der Perspektive und auch der Genres hat einen besonderen Unterhaltungswert, eben weil man denselben Tag immer wieder aus der Sicht anderer Figuren erleben kann, die alle auch noch ihren eigenen Hintergrund mitbringen. Es ist ein sehr kurzweiliges Buch, das für Krimileser auf jeden Fall funktioniert, aber mit Leichtigkeit und Humor auch in andere Welten entführt. Ich selbst habe dabei echt einige Entdeckungen bei Kollegen gemacht und mir gleich ihre anderen Bücher zugelegt …

    Parallel zu dem Buch haben die Autoren ein hundertseitiges Messemagazin erstellt und einen großen Stand mit vielfältigem Programm organisiert. Solch eine Leistung war man bisher nur von Verlagen gewohnt. Müssen Verlage jetzt zittern, weil man sich ganz offensichtlich auch ohne sie professionell aufstellen kann?

    Zittern vielleicht nicht, aber es findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt. Der Autor kann sehr viel mehr selbst machen. Er hat durch „kurze Wege“ und fehlende Bürokratie sogar deutliche Vorteile gegenüber eher schwerfälligen Verlagen. Und erstmals auch die Möglichkeit, jenseits von Vorschüssen und Spiegelbestsellerliste vom Schreiben zu leben – die Autoren des Gemeinschaftsprojektes und des Standes sind allesamt Beispiele dafür. Trotzdem eint auch uns: Wir wollen vor allem schreiben und nicht so sehr mit Messeveranstaltern über die richtigen Parkausweise diskutieren oder einen Crashkurs in Messebau absolvieren. Verlage, die klug genug sind, Autoren auf Augenhöhe mit guten Angeboten (und viel Freiraum) zu begegnen, könnten eigentlich von der derzeitigen Situation eher profitieren. Aber es kommt natürlich immer darauf an, wie offen man für neue Wege ist …

    Das gemeinsame Buch wird von Amazon beworben, es gibt sogar eine besondere Veranstaltung. Warum gerade mit Amazon?

    Alle am Projekt teilnehmenden Autoren haben hauptsächlich durch Amazon Erfolge feiern können. Es ist also sozusagen der natürliche Lebensraum für dieses Buch. Amazon hat auch heute noch die größte Reichweite bei den für uns so wichtigen eBook-Lesern und vor allem das beste Angebot an Selfpublisher. Die Plattform bietet in Sachen Sichtbarkeit Möglichkeiten, die es sonst nirgendwo gibt. Und Amazon Deutschland pflegt mit uns Autoren eine Zusammenarbeit auf besagter Augenhöhe – es kommen Angebote, die einem wirklich weiterhelfen.

    „24 Stunden – 24 Autoren“ ist exklusiv über Amazon zu bekommen, genauso wie viele andere Bücher der beteiligten Autoren. Schade für die Leser, denen Bestseller quasi vorenthalten werden, weil sie einen anderen Reader haben. Ist hier Änderung in Sicht? Was steht einer Änderung im Weg?

    Änderung daran ist vor allem dann möglich, wenn andere Anbieter vergleichbar gute Angebote an Selfpublisher machen würden. Aber viele Shops haben nicht einmal Ansprechpartner für unabhängige Autoren geschweige denn, dass man über sie Werbemaßnahmen für die eigenen Bücher bekommen kann. Derzeit ist etwas Bewegung in die Sache gekommen, besonders Apple entwickelt sich interessant und das wird von uns Autoren auch wohlwollend beobachtet oder gar getestet. Denn auch für uns wäre es natürlich toll, wenn es Alternativen zu Amazon gäbe – Konkurrenz belebt das Geschäft.

    Eine Gruppe der besten unabhängigen Autoren hat mit ihrem gemeinsamen Buch und dem Stand ein beeindruckendes Zeichen gesetzt. Wie wird es jetzt weitergehen? Was wünschst du dir für die Zukunft?

    Erst einmal wünsche ich mir, dass möglichst viele Leserinnen und Leser uns an unserem Stand auf der Leipziger Buchmesse („Lieblingsautoren“, Halle 5, B206) besuchen und mit uns ins Gespräch kommen. Man wird dort auch „24 Stunden – 24 Autoren“ als Taschenbuch erstehen können und mal sehen, wer es schafft, es von allen Autoren signiert zu bekommen. Für die Zukunft hoffe ich, dass es weiterhin eine so schöne und für alle fruchtbare Vernetzung der unabhängigen Autoren gibt – dann sind noch viele, viele spannende Projekte vorstellbar, mit der wir die Buchwelt ein wenig auf den Kopf stellen können …

    Michael, einen herzlichen Dank für deine Antworten. Und mögen deine Wünsche in Erfüllung gehen.

    Farina de Waard auf Platz #1: neobooks gibt Gewinner des Indie-Autor-Preises 2015 bekannt

    indie-autor-preis-2015Zum dritten Mal wurde anlässlich der Leipziger Buchmesse der Indie-Autor-Preis vergeben – die Preisträger in diesem Jahr sind: Farina de Waard (Zähmung), Philip Meinhold (O Jugend, O Westberlin) sowie Mikki H. (Pilluralli). Aus der Shortlist kürten über 10.000 Leser zudem die Siegerin des „Community-Preises“: Mona Kasten und ihren Roman „Schattentraum: Hinter der Finsternis“.

    Besonders beeindruckt war die Jury von Farina de Waards Fantasy-Roman „Zähmung – Das Vermächtnis der Wölfe“: „Inhalt, Gestaltung und nachhaltiges Marketing – bei „Zähmung“ von Farina de Waard lesen und erleben wir ein stimmiges und spannendes Gesamtkonzept.“

    Punkten konnte aber auch Philip Meinhold mit seinem Erinnerungsbuch „O Jugend, O West-Berlin“: „Gemäß einer Sentenz von Alexander Kluge, nach der nicht nur Menschen sondern auch Gegenstände und Landschaften Lebensläufe haben, spiegeln sich in seinen Texten vier Jahrzehnte persönliche Geschichte und Westberliner Lebensgefühl“, so die Jury.

    Mikki H.s Text „Pillurallie“ überzeugte als ein „eindrucks- und stimmungsvoller Roman, mit dem der Autor eine klar definierten Zielgruppe mit kreativen Marketingmaßnahmen anspricht.“

    Veranstaltet wird der Indie-Autor-Preis von neobooks und der Leipziger Buchmesse. Die Titelvorschläge können von den Autoren selbst, aber auch von Lesern eingereicht werden. Ein Literaturpreis im herkömmlichen Sinne ist der Indie-Autor-Preis nicht, denn Self-Publisher müssen sich schließlich um weitaus mehr kümmern als nur um den Text selbst: zu den Kriterien zählen neben der inhaltliche Qualität der eingereichten Werke deswegen auch das erfolgreiche Gesamtpaket aus Produkt, Marketing- und Vertriebsmaßnahmen.

    Die Preisverleihung des Indie-Autor-Preises 2015 findet statt am Samstag, 14. März 2015 um12:00 Uhr (Forum autoren@leipzig, Halle 5)

    [Indie-Lounge Extra] Triff deinen Autor – auf der Leipziger Buchmesse

    lieblingsautoren-auf-der-leipziger-buchmesseIn den letzten Jahren hat die Indie-Lounge viele TOP-Autoren vorgestellt. Jetzt gibt es eine besondere Gelegenheit: Triff deinen Autor – persönlich! Auf der Leipziger Buchmesse (12. – 15. März 2015) ist es möglich. Dort haben sich unter dem Logo „Lieblingsautoren“ über zwanzig Bestseller-Autoren zusammengetan und machen einen eigenen Stand. Darunter sind viele, die Sie aus der Indie-Lounge kennen: Béla Bolten, Marcus Hünnebeck, Marah Woolf, Elke Bergsma, BC Schiller, Catherine Shepherd, Poppy J. Anderson, Matthias Matting, Hanni Münzer, Michael Meisheit (alias Vanessa Mansini), Nika Lubitsch, und ich werde auch dabei sein. Darüber hinaus sind noch weitere phantastische Autoren mit von der Partie. Wer sie schon mal per Foto sehen möchte, findet sie auf www.lieblingsautoren.org.

    Und hier ist der Terminkalender:

    Zeit: 12. – 15. März — Ort: Halle 5, Stand B206

    Donnerstag
    10 – 11 Uhr Kick-off-Veranstaltung der Lieblingsautoren
    11 – 12 Uhr Buchpräsentation „24 Stunden – 24 Autoren“
    16 – 17 Uhr Matthias Matting, Selfpublisher-Beratung
     
    Freitag
    10 – 11 Uhr Johannes Zum Winkel, Präsentation XTME
    11 – 12 Uhr Matthias Matting, Selfpublisher-Beratung
    12 – 13 Uhr Poppy J. Anderson und Hannah Kaiser
    13 – 14 Uhr Marcus Hünnebeck und Nika Lubitsch
    14 – 15 Uhr Elke Bergsma und Béla Bolten
    15 – 16 Uhr Catherine Shepherd und B.C.Schiller
     
    Samstag
    10 – 11 Uhr Johannes Zum Winkel Präsentation XTME
    11 – 12 Uhr Karola Löwenstein, Hannah Siebern, Daphne Unruh und Marah Woolf
    13 – 14 Uhr Johannes Zum Winkel Präsentation XTME
    14 – 15 Uhr Katelyn Faith, Melanie Hinz und Karola Löwenstein
    15 – 16 Uhr Hannah Kaiser, Petra Röder und Kirsten Wendt
    16 – 17 Uhr Poppy J. Anderson, Vanessa Mansini und Babsy Tom
     
    Sonntag
    10 – 11 Uhr Poppy J. Anderson
    11 – 12 Uhr Elke Bergsma, Béla Bolten, David Gray, Marcus Hünnebeck, Nika Lubitsch, Matthias Matting, Catherine Shepherd
    12 – 13 Uhr Katelyn Faith und Petra Röder
    13 – 14 Uhr Vanessa Mansini und Klaus Seibel
    16 – 18 Uhr Buchverkauf mit großer Tombola

    Aber auch, wenn Ihr Lieblingsautor gerade nicht am Stand ist, lohnt sich ein Besuch. Irgendein Autor ist bestimmt da – und es ist garantiert ein Bestseller-Autor. Wo kann man schon so unkompliziert Autoren begegnen, die hunderttausende Bücher verkaufen? Und ein attraktives Gewinnspiel gibt es selbstverständlich auch. Besuchen Sie uns!

    „Bibliotheken sind ein wichtiger Ort, um Bücher & Autoren zu entdecken“: OverDrive-CEO Steve Potash im Interview

    Ob Video- und Audio-Streaming, E-Book-Lektüre im Browser und via Kindle-Reader oder direkte Kauf-Option („Buy it now“): in vielen Punkten machen Bibliotheken in den USA und anderen englischsprachigen Ländern ihren Lesern deutlich mehr digitale Angebote als bei uns, wovon auch die Verlage profitieren. Dahinter steckt vor allem ein Unternehmen mit Hauptquartier in Cleveland/Ohio: OverDrive. Dass die Ausleihzahlen bei E-Books überm großen Teich mittlerweile erstaunlich hoch sind, liegt dabei auch am vielfältigen Angebot. Mehr als 2 Mio. elektronische Titel hat der Bibliotheksdienstleister im Programm, darunter auch solche von großen Publishern wie Penguin Random House oder Harper Collins. Anlässlich der kommenden Frankfurter Buchmesse – auf der das Unternehmen präsent sein wird – sprach E-Book-News mit CEO Steve Potash über die europäischen Perspektiven von OverDrive.

    E-Book-News: E-Books sind in Bibliotheken auch in Deutschland längst alltäglich, die „Onleihe“ ist Stadtgespräch. Was „Overdrive“ ist, werden hierzulande aber wohl die wenigsten wissen. Was ist Ihre Perspektive auf dem (kontinentalen) europäischen Markt – wie wichtig ist Europa zur Zeit, wie wichtig wird es in der Zukunft sein?

    Steve Potash: Lifestyle und Leser-Präferenzen ändern sich in der digitalen Ära, und wie überall sonst in der Welt erwarten die Leser in Europa von ihren Bibliotheken vermehrt elektronische Angebote, vor allem eine breitere Auswahl an Titeln. OverDrive hat seit mehr als zehn Jahren Erfahrung als Dienstleister für Bibliotheken, und stellt eine enorme Menge an Titeln in englischer Sprache zur Verfügung, darüber hinaus auch in 50 anderen Sprachen. Außerdem bietet OverDrive europäischen Verlagen verschiedene Lizensierungs-Optionen, um ihre Inhalte den Nutzern zugänglich zu machen. Europa ist für uns sehr wichtig, denn es ist ein Ort für Bücher, es gibt eine hohe Zahl von Lesern, eine große Zahl an Neuerscheinungen, und eine Lesekultur, in der Literatur hoch geschätzt wird.

    Viele Verlage waren bisher sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, ihre Inhalte für die Nutzung in öffentlichen Bibliotheken zu lizensieren. Das scheint sich nun rapide zu ändern. Da fragt man sich natürlich: warum? Wo liegen die Vorteile, die sie vorher offenbar übersehen hatten?

    Es gab eine Fucht vor E-Book-Piraterie und vor negativen Auswirkungen auf die Buchverkäufe, doch inzwischen haben die Verlage gemerkt, dass es für Piraterie keine Belege gibt, und der Einfluss auf den Umsatz sogar sehr positiv ist. Bibliotheken sind für die Leser eben ein wichtiger Ort, um Bücher und Autoren zu entdecken! Unternehmen wie OverDrive haben passende Wege zur Belieferung und Konzepte für die Lizensierung entwickelt, sie bieten flexible Modelle an, mit denen sich auch konservative Verleger gewinnen lassen. Das ist gar nicht so plötzlich passiert, sondern das Ergebnis vieler Jahre, es mussten Beziehungen geknüpft und Techniken entwickelt werden, es fanden Weiterbildungen statt, Metadaten mussten aufbereitet werden. So etwas funktioniert nicht über Nacht, das war ein langer Prozess.
     
    Tablets und Smartphones sind mittlerweile offenbar zur wichtigsten Leseplattform avanciert, auch bei der Lektüre von ausgeliehenen E-Books. Was wird denn nun aus dem klassischen E-Reader, der ja beim OverDrive-Konzept eine wichtige Rolle spielt?
     

    E-Reader werden derzeit durch Smartphones und Tablets ersetzt, aber rund um die Welt nutzen unsere Leser auch immer noch eine Menge E-Reader, etwa Geräte von Nook, Kobo und Kindle (letztere nur in den USA). Und bei aller Beliebtheit von Multifunktionsgeräten wie Smartphones oder Tablets: wir beobachten, dass viele Nutzer auch auf Laptops oder Chromebooks lesen.

    Abb.: Raymond Bryson/Flickr (cc-by-2.0)

    Deutschland sucht die schönste E-Lese-App: Neuer E-Book-Award gestartet

    Wie spiegeln sich Literatur und erzählte Geschichten im digitalen Raum wieder? Wie wird das Potenzial von E-Books ausgeschöpft? Und: Wie sieht der Text der Zukunft aus? Gute Fragen – auf die Suche nach möglichen Antworten möchte sich ab jetzt der „Deutsche eBook Award“ machen, der erstmals auf der Frankfurter Buchmesse 2014 verliehen wird – Einsendungen sind noch bis 19. September möglich. Doch aufgepasst, der Award ist nicht für jeden was: um mausgraue Letternwüsten auf E-Ink-Displays geht’s nämlich nicht. Ausschließlich in den Kategorien „enhanced eBook“ sowie „eBook App“ sollen die „schönsten deutschsprachigen E-Books“ gekürt werden.

    Unter Enhanced verstehen die Organisatoren dabei die „Anreicherung durch multimediale Elemente und/oder besondere gestalterische Alleinstellungsmerkmale“, unter eBook App eine mobile Anwendung mit „narrativer Erzählstruktur für Fiktion“.

    Hinter dem neuen E-Book-Award stecken der Buchhändler & Buchwissenschaftler Robert Goldschmidt, Dominik Schmitz (ehemals Hey! Publishing) sowie Olaf Behnke, Mediengestalter und Student im Bereich Buchhandel/Verlagswirtschaft. Zur insgesamt siebenköpfigen Jury gehören Branchen-Experten wie der Journalist und erfolgreiche Crowdpublisher Dirk von Gehlen („Eine neue Version ist verfügbar“), Steffen Meier (Leitung Produktinnovation und -Marketing bei @readbox, langjähriger AKEP-Sprecher) oder Fabian Kern (Digital-Publishing- und XML-Profi).

    Die technische Umsetzung von E-Book-Konzepten wurde auch schon anderswo bei elektronischen Buchpreisen berücksichtigt, die in Frankfurt bzw. Leipzig verliehen werden. Doch anders als bisher geht’s beim neuen Award überhaupt nicht um die literarische Qualität der eBooks: „Im Fokus stehen vor allem die technischen, ästhetischen und innovativen Leistungen, die aus der Adaption des gedruckten Buches ein neues, ein eigenständiges Produkt entstehen lassen“, so die Organisatoren.

    Der Deutsche eBook Award versteht sich deswegen als „erster Produktpreis für Buchkunst im digitalen Raum“. Teilnehmen können Verlage, Unternehmen und Indie-Autoren aus aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo der jeweilige thematische Schwerpunkt liegt, ist egal. Berücksichtigt werden Titel, die innerhalb der letzten 12 Monate veröffentlicht wurden, Stichtag ist dabei der 14. September.

    Die Preisverleihung findet erstmals auf der kommenden Frankfurter Buchmesse statt, genauer gesagt am Mittwoch, den 8.10.14 um 18 Uhr im Forum Verlagsherstellung (Halle 4.0 Stand A34).

    Abb.: JamJar/Flickr (cc-by-2.0)
    „Web typography and you“ (Ausschnitt)