Walmart eBooks by Rakuten Kobo — die Anti-Amazon-Allianz im US-Einzelhandel wird konkret

walmart-goes-kobo„Walmart eBooks by Rakuten Kobo“: Anfang des Jahres angekündigt, wird die Kooperation des US-Einzelhandelsriesen mit Kobo in dieser Woche konkret — auf Walmart.com kann man nun auch E-Books und Hörbücher shoppen, zugleich startet die co-gebrandete Walmart-Kobo-App für Smartphone, PC und Kobo-Reader. Auch eine Audiobook-Flatrate für 10 Dollar pro Monat ist angekündigt. Zugleich zeigt Kobo Präsenz in den Filialen selbst — dort wird man die Kobo-Reader kaufen können.

Buchhandels-Inseln im Supermarkt

Nicht vergessen darf man natürlich auch, dass Walmart in seinen Filalien im großem Stil gedruckte Bücher anbietet, jetzt gibt es also ein Vollangebot: „Walmart eBooks will complement our vast physical book assortment and offer customers a comprehensive digital book solution, introducing an entirely new category that hasn’t been previously available at Walmart“ schreibt Mario Pacini, General manager of entertainment auf dem Walmart-Blog.

Kooperation über Ländergrenzen

Nach dem fast alle großen und auch viele kleinen Buchhandelsketten in den USA gegenüber Amazon das Handtuch geworfen haben, bleibt Print und Digital im stationären Einzelhandel ein wichtiges Refugium erhalten. Interessant ist die Kooperation zwischen Kobo und Walmart natürlich auch deshalb, weil Kobo inzwischen zum japanischen Einzelhandelsriesen Rakuten gehört. Im Angesicht der massiven Online-Konkurrenz werden also neue Allianzen in der Branche befördert, die über Ländergrenzen reichen.

Krümel vom Tisch des Herrn…

Ob der Marktanteil von Kobo durch diese Maßnahme in den USA signifikant steigt, ist allerdings fraglich — derzeit liegt er dort dem Author Earnings-Report zufolge bei deutlich unter einem Prozent, während Amazon bereits satte 83 Prozent des Marktvolumens eingeheimst hat. Ein paar Krümel vom Tisch des Herrn freilich könnten ja abfallen — und auch die grundsätzliche Sogwirkung Online-Marktriesen auf Walmart-Stammkunden kann so vielleicht etwas ausgebremst werden.

(via Businessinsider)

Online-Handel boomt – 2018 Umsatzplus von 10 Prozent erwartet

amazon-logoDer Online-Handel bleibt wichtiger Wachstumstreiber in Deutschland – bis zu zehn Prozent Umsatzplus erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) für 2018, und damit einen Anstieg auf ein Volumen von 53,6 Milliarden Euro. Ohne Amazon würde das wohl so nicht passieren: die größten Zuwächse werden nämlich auf dem Amazon Marketplace generiert, satte 2,1 Milliarden plus erwartet der „HDE Online-Monitor“.

Das freut auch die „Brick- and Mortar“-Fraktion vor Ort: „Online-Marktplätze sind Top-Vertriebswege für den stationären Einzelhandel. Gerade für den Mittelstand bietet das große Chancen“, so der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Besonders gut laufen derzeit u.a. die Bereiche Fashion & Accessoires sowie Consumer Electronics/Elektro, auch jenseits von Amazon.

Am Everything-Store von Jeff Bezos vorbei zum Online-Kunden zu gelangen, wird allerdings immer schwieriger: Auf Amazon insgesamt entfielen 2017 bereits 46 Prozent der Online-Umsätze. Angesichts solcher Zahlen sei eine „möglichst faire Partnerschaft zwischen den Online-Plattformen und dem mittelständischen Handel“ umso wichtiger, fordert der HDE deswegen.

(Via Amazon Watchblog)

Slavoj Žižek, Jeff Bezos & die galoppierende Enteignung der Gemeingüter

zizek-bezosEs wird ja immer schwieriger, dem Thema Amazon und/oder Jeff Bezos zu entgehen, selbst wenn man sich mal fest vornimmt, nur einmal pro Woche darüber zu schreiben. Und das liegt nicht einfach nur daran, dass Amazon die meisten Medienereignisse und/oder Pressemitteilungen produziert. Nein, die Gründe liegen tiefer, es ist ein Strukturproblem, die GAFAM sind im Rahmen der Digitalisierung einfach zu tief in unser Leben eingedrungen. Und so findet man Jeff Bezos sogar an prominenter Stelle erwähnt, wenn man einen aktuellen Kommentar zum Kommunistischen Manifest liest, genauer gesagt den des slowenischen Polit-Philosophen Slavoj Žižek.

„Global, verführerisch, gefährlich“

Slavoj Žižek identifiziert viele Entwicklungen, die so neu sind, dass Marx und Engels sie sich noch gar nicht vorstellen konnten, und deswegen auch nicht als Problem erkennen konnten. Darunter auch die sich philantropisch gerierenden Silicon-Valley-Unternehmer, die aber im Endeffekt mit ihren Produkten dazu beitragen, noch mehr Lebensbereiche ökonomisch verwertbar zu machen. Žiže schreibt: „… wir müssen uns nicht groß umschauen, öffentliche Figuren, die ein perfektes Beispiel für die Privatisierung unserer Gemeingüter darstellen, sollten uns eine Warnung sein: Elon Musk, Bill Gates, Jett Bezos, Mark Zuckerberg, allesamt ‚gesellschaftlich bewusste‘ Milliardäre. Sie stehen für das globale Kapitel in seiner verführerischsten und ‚progessivsten‘, kurz seiner gefährlichsten Variante.“

Und darunter versteht Žižek eben die Privatisierung der „Commons“, der Gemeingüter, und des „General Intellect“, also der kollektiven Intelligenz einer Gesellschaft, inklusive des Privat- und Soziallebens, siehe Facebook. Und weil die Internet-Konzerne die Kontrolle über alle Lebensäußerungen erhalten, bekommen auch die Staaten immer mehr Kontrolle darüber, also von wegen: der Staat stirbt ab.

General Intellect wird privatisiert

Auch der Kapitalismus wird durch die Internet-Ökonomie nicht überwunden, sondern nur transformiert, argwöhnt Žižek. Und wir arbeiten alle fleißig dabei mit, sogar in unserer Freizeit, als datengenerierende freie Mitarbeiter von Facebook, Google, Amazon etc.: „Wenn, wegen der zentralen Rolle des „general intellect“ (Wissen und soziale Kooperation) bei der Schaffung von Reichtum, die Formen des Reichtums zunehmend in ‚keinem Verhältnis stehen[en] zur unmittelbaren Arbeitszeit, die ihre Produktion kosten‘, ist das Ergebnis nicht, wie Marx anscheinend erwartet hat, die Selbstauflösung des Kapitalismus, sondern die schrittweise und relative Transformation des Profits, der durch die Ausbeutung von Arbeit gewonnen wird, in Rente, die durch die Privatisierung des ‚general intellect‘ angeeignet wird.“

One-Way-Ticket ins Gulag für Zuck?

Besonders „sauer“ ist Slavoj Žižek aber nicht auf Jeff Bezos, sondern auf Mark Zuckerberg, dem würde er, wie man gestern in einem ausführlichen Deutschlandradio-Interview hören konnte, am liebsten ein „One-Way-Ticket ins Gulag“ verpassen. Das wiederum liegt aber wohl auch an einer grundsätzlichen Abneigung gegen Social-Media-Geplänkel: Zuckerberg, so liest man im Vorwort zum ‚Manifest‘, habe eines der weltweit größten Instrumente zur zweckfreien Zeitvernichtung geschaffen, schwafle aber selbst davon, sein Job kreise darum, das Leben sinnvoller und zweckhafter zu machen.

So, genug davon, ich wünsche allen einen guten Rutsch in den Mai und einen schönen Tag der Arbeit, und hoffe, ihr setzt euren „general intellect“ am 1. Mai für den richtigen Zweck ein…

Neue Zahlen zum System Amazon: 100 Mio. Prime Mitglieder, jede 2. Lieferung von Dritthändlern

amazon-logoWer wirklich belastbare Zahlen über das System Amazon finden möchte, ist entweder auf grobe Schätzungen von „Brancheninsidern“ angewiesen, oder auf gelegentliche Transparenz-Momente in offiziellen Verlautbarungen, die sich nicht an die Presse richten, sondern an die Börsenaufsicht oder die Aktionäre. Gerade war wieder so ein Moment — in seinem „Shareholder Letter“ nennt Unternehmenschef Jeff Bezos nicht nur bekannte Hausnummer, etwa die Zahl von jetzt 560.000 Amazon-Mitarbeitern weltweit, sondern auch bisher unbekanntes: 13 Jahre nach dem Start von Amazon Prime hat das Premium-Programm rund um den Globus jetzt mehr als 100 Millionen Mitglieder. 2017 wurden mehr als 5 Milliarden Artikel an Prime-Kunden verschickt, und der jährliche Mitgliederzuwachs war der größte jemals gemessene.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch: erstmals erfolgte mehr als die Hälfte der globalen Amazon-Lieferungen insgesamt über Dritthändler („Third Party Sellers“), oft direkt über Amazons eigene Logistik-Zentren („Fulfilment by Amazon“). Insgesamt gibt es mehr als 2 Millionen solcher selbständigen „Seller“.

Blickt man parallel auch noch in das aktuelle „Proxy Statement“, also eine obligatorische Meldung an die Börsenaufsicht SEC, gibt’s mindestens noch eine weitere interessante Zahl — denn dort liest man: „The 2017 annual total compensation of our median compensated employee other than Mr. Bezos was $28,446; Mr. Bezos’ 2017 annual total compensation was $1,681,840, the ratio of those amounts is 1-to-59.“ Mit anderen Worten: stellt man alle Amazon-Mitarbeiter (ausgenommen Jeff Bezos) in eine Reihe sortiert nach Einkommen, verdient derjenige genau in der Mitte der Reihe 28.446 Dollar. Und somit 59-mal weniger als der Chef.

Eigenmarken als Allzweckwaffe: Wie Amazon die Umgehungsstrategie perfektioniert

amazon-eigenmarkenDisintermediation kann viele Formen annehmen, das Ende ist immer gleich: Unternehmen A drängt Unternehmen B, C, D etc. aus dem Markt, in dem es sich zwischen traditionelle Anbieter und den Kunden drängt. Eine ganz besondere Waffe sind in Massen produzierte, günstig angebotene Eigenmarken — Amazon hat diese Strategie inzwischen perfektioniert. Was 2009 mit „Amazon Basics“ anfing, ist mittlerweile zu einem kaum noch überschaubaren Feld unterschiedlichster Segmente geworden.

Amazon weiß genau, was sich lohnt

Mehr als 70 In-House-Labels kamen bei einer aktuellen Zählung durch die Kollegen von Recode zusammen, darunter Haushaltsbedarfs-Linien wie Mama Bear, Presto oder Stone & Beam, aber auch diverse Modelabels wie Lark & Ro oder Scout & Ro. Das funktioniert natürlich auch deswegen so gut, weil Amazon genau weiß, welche Waren in welchen Preissegmenten gut laufen — schließlich nutzen diverse Dritthändler den Online-Händler als Verkaufsplattform, zumindest so lange, bis sie Amazon mit eigenen Angeboten aus dem Business drängt.

Vom Kunden aus zurück denken

“Wir starten beim Kunden und arbeiten uns von dort aus zurück, um ihm die Produkte zu bringen, die er unserer Meinung nach mögen könnte“, beschreibt das eine Amazon-Sprecherin gegeünber Recode. Man werde auch weiterhin ein offenes Ohr haben und sich von den Kunden zeigen lassen, in welchen Bereichen das Angebot noch erweitert werden kann. So mancher Drittanbieter wird dagegen das Gefühl haben, dass Amazon sich nicht „zurück“ arbeitet, sondern ihm in den Rücken fällt.

Als Content-Strategie längst erprobt

Wundern darüber dürfte sich aber eigentlich niemand, denn das Prinzip hat der Online-Händler ja längst schon im Content-Bereich praktiziert, erst mit Hilfe der Self-Publishing-Plattform KDP, deren Indie-Titel die Verlagsware im Kindle Shop beim Pricing locker an die Wand spielen, später dann mit hauseigenen Imprints — und was anderes sind Imprints anderes als die „Eigenmarken“ des Verlagswesens. Erst recht, wenn man selbst eigentlich nicht als Verlag angetreten ist.

(via Amazon Watchblog & Recode)

Bibliotheks-Downloads als Blind Spot: Ist Rakuten OverDrive die mächtigste Nummer Zwei auf dem E-Book-Markt?

rakuten-overdrive-amazon-dicht-auf-den-fersenDie Nummer eins der E-Book-Branche, das ist Amazon, klar. Aber wer ist eigentlich Nummer zwei? Apple? Barnes & Noble? Nein, weit gefehlt, meint Adam Rowe auf Forbes.com, wahrscheinlich Rakuten, und zwar mit deutlichem Abstand vor allen anderen. Denn zu Rakuten gehört nicht nur Kobo, sondern auch der Bibliotheksdienstleister OverDrive. Und der habe alleine für das Jahr 2017 eine Zahl von 155 Millionen E-Book- und 68 Millionen Audiobooks durch Bibliotheksnutzer gemeldet.

Downloads via KU zählen, Overdrive-Checkouts nicht!?

In den Branchenstatistiken von Nielsen wie auch Bookstat (früher: Author Earnings Report) würden die Download-Zahlen solcher Contentlieferanten für Bibliotheken allerdings nicht mitgerechnet, im Rahmen von Flatrate-Abos heruntergeladene E-Books — insbesondere via Kindle Unlimited — aber schon. Das sorge für eine verzerrte Sicht auf den Markt: denn rechne man die Bibliotheks-Downloads mit ein, sei Rakuten dem Branchenprimus Amazon weitaus dichter auf den Fersen als andere Konkurrenten.

Verzerrter Blick auf Markt & Nutzerverhalten

Zum Vergleich verweist Rowe auf Zahlen des Author Earning Reports aus 2016 — dort sei Amazon mit 440 Millionen verkauften E-Books an Platz eins, gefolgt von iBooks mit 44 Millionen und B&N mit 19,4 Millionen. Das Problem mit den ignorierten Zahlen der Bibliotheksdienstleister sei letztlich sogar ein doppeltes, betont Rowe mit Verweis auf Branchenbeobachter Mark Williams: „we are given not only a distorted picture of the units and value of the digital market, but more importantly a very distorted view of the wider level of engagement with digital books.“

Holy Scroller vs. Sharks: Amazon spendiert freien Textlauf für die iOS-Kindle App

holy-scrolling-mit-kindle-appSchon seitdem Texte über Bildschirme laufen, ist die Nutzer-Gemeinde geteilt — hier die Holy Scroller, die per Cursor-Taste oder später Maus den Bildschirmlauf aktivieren, dort die Sharks, die das „Umblättern“ mit der „Bild ab“- oder „Page down“-Taste bevorzugen. Im E-Book-Zeitalter gab es dann plötzlich keine Wahl mehr — im Bemühen, Texte so buchähnlich wie möglich zu präsentieren, wurde auf „Umblättern“ gesetzt.

E-Book-Seiten gibt’s eigentlich gar nicht

Obwohl das streng genommen natürlich Quatsch ist, denn ein E-Buchkapitel ist nunmal nichts anderes als eine (X)HTML-Seite, die man natürlich problemlos herunterscrollen könnte, solange der Bildschirm das auch mitmacht. Im Smartphone- und Tablet-Zeitalter ist das, anders als bei langsamem E-Ink, tatsächlich kein Problem. So forderten viele Holy Scroller schon lange: lasst uns endlich herunterscrollen!

Holy Scrolling auf dem iPhone-Display

Nun hat zumindest Amazon sie erhört — die neueste Version der Kindle App für iOS bietet als Option das „continuous scrolling“ an. Auf dem iPhone dürfte das auf jeden Fall eine sinnvolle Möglichkeit sein, auf dem iPad vielleicht weniger, dort bietet sich ja eher der Zweispalten-Satz an.

(via The Digital Reader)

Ich wär so gerne stationär… Bitteschön: Amazon Books ist in den USA die achtgrößte Buchhandelskette

amazon-books-in-seattleFrohes Neues Jahr! Für den Start gleich mal eine doppelt positive Nachricht: „Nein, Amazon ist noch immer nicht unter den fünf größten Buchhandelsketten“. Das gilt nicht nur für die USA, auf die diese Headline von The Digital Reader gemünzt ist, sondern auch für Deutschland. Denn hier hat Amazon Books überhaupt noch keine eigenen Läden. Und selbst wenn in 2018 in Berlin, München, Hamburg oder sonstwo welche entstehen sollten, wird zumindest in den nächsten vier, fünf Jahren wohl eine solche Klarstellung hierzulande nicht nötig sein. (Es sei denn, Droege International verkauft Weltbild zwischenzeitlich doch an Jeff Bezos…)

Im Jahr 2017 mussten mehr als 400 Filialen schließen

In den USA ist die Sache dagegen nicht ganz so einfach, dort hat das Unternehmen bereits 16 eigene Buchläden an den Start gebracht, was in der darbenden Buchbranche dann zwar nicht für die Top Fünf, aber immerhin für die Top Ten reicht. Entstanden war die anderslautende „Fake News“ interessanterweise im Sommer 2017 durch Publishers Weekly, nachdem eine ganze Reihe von Ketten schließen musste, die u.a. Bücher verkauften, neben Book World auch die Family Christian Stores sowie Hastings Entertainment, insgesamt mehr als 400 Filialen.

Platz vier für Bezos? Hier irrte die New York Times…

Am Ende schrieben dann aber auch die Top Checker von der New York Times: „Here is one way to measure the upheaval in bookselling: Replacing Book World as the fourth-largest chain, Publishers Weekly says, will be a company that had no physical presence a few years ago.“ Zum Glück gibt’s ja Nate Hoffelder, und der hat noch mal nachgezählt: Nein, es gibt neben Barnes & Noble, Books-a-Million und Halfprice Books auch noch recht ansehnliche Ketten namens Deseret Books, Lifeways, Hudson Bookseller sowie Seagull Books. Fazit: Amazon erreicht in den USA „nur“ Platz acht.

Abb.: Amazon.com, Filiale in Seattle

„Die Frage ist nicht ob, sondern wann“: 2018 erste Amazon Läden in Berlin, Hamburg oder München?

amazon-flagship-store-bald-auch-in-berlinHat Amazon.de-Chef Ralf Kleber jetzt wirklich etwas qualitativ neues gesagt? „Amazon will Läden in Deutschland eröffnen“, lautete Anfang der Woche die angebliche Breaking-News — wie man’s in Zeiten der galoppierenden Medienkonzentration eben so macht — vorab und prominent über alle Kanäle verbreitet als „sagte XY in einem Interview mit der Funke Mediengruppe“. Nicht ob, sondern wann sei die Frage, las man ebenso schon vorab. Im kompletten Wortlaut des Interviews, welches dann u.a. in der Berliner Morgenpost abgedruckt wurde, kam dann noch die schwurbelige Ergänzung hinzu: „Und die Frage [des Wann] ist immer am schwierigsten zu beantworten“. Das war’s.

Experimente auf dem Auslandsmarkt Nummer Eins

Nichts genaues weiß man nicht, könnte man also auch sagen — denn dass irgenwann nach den Experimenten mit Buchläden in den USA auch in Deutschland eine Buchhandlung mit Amazon-Logo aufmachen würde, schien ja schon seit geraumer Zeit klar zu sein (nämlich spätestens seit Ende 2015, siehe unten). Ebenfalls ist klar, dass Amazon auch den wichtigsten Auslandsmarkt für diverse Experimente nutzt: Aufbau eigener (Express-)Lieferlogistik bis vor die Haustür, innerstädtische Depots (in Berlin zum Beispiel am Ku-Damm-Karree), Packstationen — hierzulande läuft schon eine Menge, gerade in den großstädtischen Testregionen Berlin, Hamburg und München.

Letzte Etappe auf dem Weg in Richtung Multichannel

Steigt Amazon dann tatsächlich demnächst ins stationäre Geschäft ein, wird nur noch das lang erwartete finale Mosaiksteinchen in eine längst offenbare Multichannel-Strategie eingefügt. Der klassische Handel stehe immer noch für 90 bis 95 Prozent des Handesumsatzes, so Kleber gegenüber der Morgenpost (tatsächlich liegt der Online-Anteil im Einzelhandel laut HDE bei knapp zehn Prozent), und man werde sich nicht dem verschließen, was der Kunde wolle. Mit anderen Worten: am Ende wird Amazon genau das machen, was alle anderen eben auch machen, siehe die Multichannel-Strategien der großen Buchhandelsketten.

Klasssischer Buchhandel kann genial lokal schon längst…

Nur das Amazon eben aus der Richtung Online kommt, nicht aus der Richtung Vor-Ort-Handel — und natürlich eigene Filialen als Teil der Umgehungsstrategie vorbei an klassischen Verlagen und klassischem Buchhandel nutzen wird. Parallel spielen aber inzwischen auch große Ketten wie Thalia, aber auch Verbünde wie Genialokal die Stärke von Digital plus Lokal aus, etwa durch das Reservieren bzw. Bestellen und Abholen von Büchern in Filialen.

„Berlin wäre ein Top-Kandidat für einen Amazon-Laden“

Bleibt die Frage: wo wird Amazon die erste deutsche Buch- (&Reader Tablet-, etc.)handlung eröffnen? Das verriet Kleber schon in seinem Vorweihnachts-Interview vom 7. Dezember 2015 gegenüber dem Tagesspiegel: „Berlin wäre ein Top-Kandidat für einen Amazon-Laden“, orakelte der Deutschland-Chef des Unternehmens damals. Und fügte hinzu: „In keiner anderen deutschen Stadt haben wir in so vielen Bereichen investiert, sind wir so breit vertreten und haben wir so viel vor.“

Abb.: Amazon.com, Seattle

Sperrst du Chromecast aus, blockier ich Youtube: Amazon kämpft vs. Google, doch die eigentlichen Opfer sind (mal wieder) die Nutzer

amazon-versus-googleGatekeeper machen am liebsten das, was sie am besten können: Gatekeeping eben, sie halten die Pforte geschlossen. Für die Nutzer ist das schon ärgerlich genug. Noch ärgerlicher wird es, wenn sich zwei Gatekeepter bekämpfen, wie derzeit Amazon und Google. Aktueller Zankapfel ist der Zugriff auf Youtube — auf Amazons Echo Show ist er bereits blockiert, der Zugang via Fire TV wird ab Januar 2018 ebenfalls geblockt, teilte Google jetzt mit.

So lautet die offizielle Begründung: „Wir haben versucht, eine Verständigung mit Amazon zu erreichen, so dass Konsumenten beider Unternehmen gegenseitig Zugang zu Produkten und Services haben. Aber Amazon weigert sich, Produkte wie Chromecast und Google Home zu führen, macht Prime Video nicht für Google Cast-Nutzer zugänglich, und hat auch den Verkauf bestimmter Nest-Produkte gestoppt. Aufgrund dieses Mangels an Entgegenkommen unterstützen wir Youtube nicht länger auf Echo Show und FireTV. Wir hoffen dass wir uns bald einigen können, um diese Probleme zu beheben.“

Amazon wiederum ließ verlauten: „Mit seiner Blockade-Haltung statuiert Google ein enttäuschendes Exempel, indem ausgewählte Benutzer daran gehindert werden, eine ganz normale, offene Webseite zu erreichen.“

Allerdings muss man hier auch dringend mal Anlass und Ursache unterscheiden — denn schon lange liegen beide Konzerne wegen Amazons Android- und App-Store-Politik im Clinch. Nate Hoffelder von The Digital Reader zieht zu Recht eine Parallele zum Streit um konkurrierende E-Reading-Apps in Amazons App Store: auch in diesem Fall trat Amazon bereits als unfairer Gatekeeper auf. Doch diesmal hat der Gegner deutlich mehr Kawumm: Tatsächlich gingen die Verkaufszahlen für das Echo Show erkennbar zurück, seitdem Google im September die Youtube-Blockade verhängt hat.

(via Variety & The Digital Reader)