Kindle Light Dinner: Amazon Publishing feiert Einjähriges in Deutschland

kindle-light-dinnerIm Anschluss an die LoveLetter Convention lud der Verlag »Amazon Publishing« am 4. Mai zu einem »Kindle Light Dinner« in den Darkroom der Berliner BRYK-Bar. Verlegerin Sarah Tomashek (siehe Foto, links Connie Brockway) und ihr Team feierten damit auch den ersten Geburtstag des Verlages auf dem deutschen Markt. Sarah Tomashek, eine studierte Germanistin, die vorher im Amazon-Hauptquartier in Seattle tätig war, präsentierte vier Autorinnen, die sich vornehmlich der leichten Muse verschrieben haben.

Schwanenzauber & verkaufte Unschuld

Die Frankfurterin Katja Piel las aus ihrem Buch »Schwanenzauber«, einem modernen Märchen, in dem ein junges Mädchen in einen weißen Schwan verhext und erst tausend Jahre später wieder in Menschengestalt zurückverwandelt wird.

Stefanie Ross stellte ihren Krimi »Nemesis – Verkaufte Unschuld« vor. Dabei geht es um einen Kinderhändlerring, dem eine engagierte Polizistin auf der Spur ist.

Verliebte Trampeltiere & vertauschte Bräute

Ina Straubing ist im realen Leben ein männlicher Autor, der auf den Namen Alexander Pohl hört. Straubings Debutroman »Die Liebe ist ein Trampeltier« beschreibt eine chaotische Entdeckungsreise voller Gefühle, auf der sich eine junge Frau mit Onlineflirts, Nobelrestaurants und den besten Absichten ihrer Freundinnen herumschlagen muss.

Hoch oben auf der Bestseller-Liste der New York Times thront Connie Brockway. Ihr Roman »Die vertauschte Braut« war das erste Buch, mit dem »Amazon Publishing« sich dem deutschen Markt vorstellte.

Schwerpunkt des Programms: leichte Kost

Seit 2012 hat »Amazon Publishing« über 350 Titel aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht. 2014 startete das Unternehmen in Deutschland. Von München aus wurde damit begonnen, auch auf Deutsch verfasste Bücher einem größeren Publikum näherzubringen. Mittlerweile wurden bereits über 50 Titel deutschsprachiger Autoren verlegt.

Schwerpunkt des Verlagsprogramms ist leichte Kost. Romance, Thriller, Chick-Lit stehen hoch oben auf der Titelliste. Die Autorensuche erfolgt über das hervorragende Datenmaterial, über das Amazon verfügt. Kriterien sind Verkaufserfolge und herausragende Bewertungen.

Persönliche Autoren-Betreuung

Die Autoren, die unter Vertrag genommen werden, bekommen ein Korrektorat, Lektorat sowie eine professionelle Covergestaltung. Sie werden von einem Acquisitions Editor persönlich betreut. Autoren, die bei »Amazon Publishing« verlegt werden, erhalten zehn Prozent Honorar vom Netto-Ladenpreis auf Holz- und 20 Prozent auf Elektrobücher. Die Titel werden intensiv beworben und bei Eignung ins Englische übersetzt.

Bekannte Self-Publisher, die aktuell mit einem Titel bei »Amazon Publishing« ihr Glück versuchen, sind Poppy J. Anderson, Emily Bold, Marcus Hünnebeck und Elke Bergsma.

Autor & Copyright (Text/Foto): Ruprecht Frieling

Crossposting via www.ruprechtfrieling.de

[In eigener Sache] Lektorin gesucht? Dann wüßte ich jemanden…

Aus gegebenem Anlass hier ein Aufruf in eigener Sache: Meine geschätzte Kollegin Heide Reinhäckel – vielen sicherlich auch als E-Book-News- oder taz-Autorin bekannt – sucht zum 1. Februar 2014 einen neuen Job als Lektorin, bevorzugt im Berliner Raum. Liebe VerlegerInnen, ihr habt es in der Hand: integriert dieses junge Talent in die Gutenberg-Galaxis, oder es gibt bald noch eine weitere Self-Publisherin oder eine Startup-Gründerin mehr… ☺ Aber mal im Ernst: Wer Lektoratserfahrungen wie Präzision, Stilsicherheit, Textsicherheit und nicht zuletzt Kommunikationstalent und kreative Überschüsse zu schätzen weiß – die Kontaktadresse lautet: heide_reinhaeckel[klammeraffe]e-book-news.de

Zur Person: Heide studierte Literaturwissenschaft und Kommunikationswissenschaften in Greifswald und Berlin, und promovierte unter dem Titel »Traumatische Texturen« über die deutsche Gegenwartsliteratur & den 11. September.

Nach einem Praktikum beim Berliner Culturcon Verlag folgte dann ein Volontariat beim Producer & Packager Palmedia, wo sie momentan im Lektorat tätig ist. Dort betreute sie zuletzt als Lektoratsassistentin verschiedene Sachbuch-Projekte und war zudem auch mit der Bildredaktion befasst. Darunter etwa die Brockhaus Horizont Bände »Essen ist Leben« und »Irrtümer und Fälschungen«. Für die Brockhaus Jahrbände 2012 und 2013, die Ergänzungsbände des bekannten Lexikons, verfasste sie mehrere Lemmata. Sie war u. a. mitverantwortlich für die Redaktion von Buchprojekten wie »Kunst und Archäologie der griechischen Welt«, »Pastors Kinder. Wie Pfarrhäuser die Gesellschaft prägen« oder einem Buch zur Himmelsscheibe von Nebra.

Als Journalistin schrieb Heide u. a. für die taz, verfasste Buchbesprechungen für das Rezensionsorgan Cult_online sowie für E-Book-News. Wenn sie viel Zeit hätte, würde sie gern ein Buch über die Tristesse der 1990er-Jahre im Osten der Republik schreiben.

„Es gibt eine Sehnsucht nach solchen Orten“: Renaissance der Indie-Buchhandlung?

Jenseits der Gigantenkämpfe zwischen Online-Portalen und Lese-Supermärkten hat ein ganz neues Kapitel begonnen -- die Renaissance der inhabergeführten, unabhängigen Buchhandlungen. Das beste Beispiel ist Berlins hippe Mitte: Lesen gilt wieder als schick, spätestens, seitdem es auch schicke Buchhandlungen im modernen Design gibt. Diese Locations für Literatur heißen Ocelot, Moby Dick oder Uslar & Rai. Das allerneueste Kapitel findet man seit März 2013 in der Kopenhagener Strasse, unweit von der Schönhauser Allee, -- und es nennt sich auch so: „Neues Kapitel“, steht auf dem Schaufenster geschrieben, und darunter „Buchhandlung Karin Müller-Fleischer“.

„Buchhandlungen sind wichtige & schöne Orte“

Für die Gründerin Karin Müller-Fleischer hatte der Sprung in die Selbständigkeit viel mit dem Ort selbst zu tun: „Ich bin ausgebildete Buchhändlerin, habe acht Jahre in einer Buchhandlung in Friedenau gearbeitet, und nebenbei noch als Stadtführerin. Ich hatte schon länger das Gefühl: ich möchte was neues machen, das wurde dann letztes Jahr konkreter, als ich den Raum gesehen habe, und klar war, das ich den bekommen kann“. Bücher plus Prenzlauer Berg, das erschien von Anfang an als stimmige Kombination: „Ich liebe einfach Buchhandlungen, das sind schöne und wichtige Orte, und ich fand dass das in diesem Kiez ganz gut passt, ich mag die Kopenhagener Strasse, und hatte den Eindruck, dass das hier eine schöne Ergänzung zum restlichen Einzelhandel ist“.

Buchhandelsketten allerdings mag die studierte Romanistin nicht so sehr, weder als Ort zum Einkaufen noch als potentiellen Brötchengeber :“Da würde ich auch nicht arbeiten wollen, insofern war das nie eine Option für mich, mich etwa bei Thalia oder Hugendubel zu bewerben.“ Das „Neue Kapitel“ geht dabei nicht nur beim Ambiente, sondern auch beim Angebot eigene Wege -- hier verbinden sich klassisches allgemeines Sortiment und individuelle Note: „Das ist der Unterschied in kleinen, inhabergeführten Läden, dass man nach dem persönlichen Geschmack auswählt, ich habe eine gute Übersicht, und wähle eine Mischung aus Sachen die mir gefallen, und Themen, die ich für relevant halte. Es gibt Belletristik, Roman, Krimis, Lyrik, Biographien, Politik und Zeitgeschichte, eine Berlinabteilung, Kinderbücher, Kochbücher und so weiter“.

„Es ist spannend, was die Leute für Interessen haben“

Mehr noch als mit Büchern, so findet die Unternehmerin in Sachen Literaturversorgung, hat ihr Job eigentlich vor allem mit Menschen zu tun, die Bücher mögen: „Ich finde es schön, dass sich an so einem Ort Leute aus verschiedenen sozialen Schichten, aus verschiedenen Altersstufen treffen. Es ist spannend zu sehen, was die Leute für Interessen haben, und dass alle Abteilungen auch angenommen werden.“ Auch was die Umgebung betrifft, scheint die Mischung zu stimmen: es gibt einen Weinladen, Cafés, aber auch Ateliers und einen klassischen Fahrradschrauber. Mit vielen Nachbarn ist man im Kiez automatisch per Du: „Man besucht sich gegenseitig, alle sind mal vorbeigekommen, haben mal ‚Hallo‘ gesagt, das fand ich reizvoll an der Gegend, dass es, obwohl es einen Bewohnerwechsel gab seit der Wende, dass es trotzdem noch so etwas wie eine Kiezstruktur gibt, die auch stabil zu sein scheint.“

Mit der klassischen Bücherstube, dunkel, eng, überfrachtet, kommt man im Kiez des 21. Jahrhunderts allerdings nicht mehr weit. Wie die anderen literarischen Newcomer im Bezirk auch setzt „Neues Kapitel“ auf viel gute Ausleuchtung, viel Freiraum und vor allem auf moderne Innenarchitektur: „Glücklicherweise habe ich zwei Freunde, die sind Bühnenbildner und Kulissenbauer, die haben auch schon Läden ausgestattet“, freut sich Karin Müller-Fleischer. „Das ist schon ein Traum mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten, die kennen die richtigen Materialien, die haben die richtigen Ideen. Ich habe denen einen Bildband mitgebracht, die schönsten Buchhandlungen Europas, den haben wir dann durchgeblättert, und haben uns Elemente herausgesucht.“

Manche der neuen Buchhandlungen setzten auf eine Doppelstrategie, und stecken viel Arbeit in einen E-Store, wo neben Buchversand auch elektronische Titel heruntergeladen werden können. Zumindest mit dem Kapitel E-Books will Karin Müller-Fleischer noch warten: „Mit E-Books habe ich mich noch nicht so intensiv beschäftigt, ich habe selbst ein iPad, habe mir auch angeschaut, wie das so funktioniert, aber muss aber sagen, ich bin nicht der Typ dafür, ich nutze das nicht, kann mir aber vorstellen, dass das sehr praktisch ist, wenn man zum Beispiel beruflich viel unterwegs ist und viel lesen muss.“ Gedruckte Bücher bestellen kann man auf der gerade gestarteten Website Neues Kapitel aber schon jetzt: „Wir machen einen Online-Versand, ich habe mich aber gegen eine Shop-Lösung entschieden, das läuft einfach so, dass man mir eine E-Mail schreiben kann, und sagt welches Buch man haben will, oder sich auch beraten lassen kann und sagen kann -- ‚Ich suche ein Buch für meine Oma, die im Krankenhaus liegt‘, und ich schicke dann drei Tipps, und verschicke am Ende auch das gewünschte Buch.“

„Amazon ist weder schneller noch billiger als wir“

Trotz E-Books, E-Readern und Lese-Apps machen die Online-Portale den meisten Umsatz immer noch mit dem Versand gedruckter Bücher. Das hat nach Ansicht von Karin Müller-Fleischer aber vor allem etwas mit geschicktem Marketing zu tun: „Ich habe es auch schon öfters erlebt, dass viele Menschen denken, Amazon ist billiger und schneller, das stimmt aber tatsächlich nicht, wir haben ja auch riesige Logistikzentren hinter uns, KNV oder Libri, man kann alle lieferbaren Bücher von einem Tag auf den anderen bestellen, wenn wir die zuschicken, dauert das genau so lang, und kostet nicht mehr, die Bücher sind ja preisgebunden.“

Der strategische Vorteil der neuen Literatur-Locations nicht nur im Prenzlauer Berg liegt dagegen nicht in der Logistik, sondern ganz einfach darin, vor Ort zu sein, und anders zu sein als die Großen: „Was wir besser natürlich können, ist die Beratung, wir wählen Sachen aus, die wir kennen, wo wir die Autoren kennen, und wir können auch einen Raum schaffen, einen sozialen Treffpunkt, wo man sich austauschen kann, wo man einfach mal die Sachen in die Hand nehmen kann und einen Überblick bekommt, was es alles gibt“.

Die ersten Wochen im „Neuen Kapitel“ stimmen Müller-Fleischer schon mal zuversichtlich -- der Mut, in die Angebotslücke mitten im Kiez zu stossen, könnte sich am Ende tatsächlich auszahlen: „Klar habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, lohnt sich das, trägt sich das wirklich? Aber die Branchenumsätze sind relativ stabil geblieben, das Problem sind die Vertriebswege. Ich hatte einfach den Eindruck, dass da eine gewisse Sehnsucht nach solchen Orten ist, ich erlebe das auch hier, dass die Leute herkommen und sagen: ’schön, dass ihr da seid‘, und sich offenbar genauso darüber freuen wie ich.“

Gutenbergs neue Galaxis – Vom Glück des digitalen Lesens

Hilmar Schmundt liebt Bücher, immer schon. Gerne hätte er bereits früher seine ganze Bibliothek mit sich herumgetragen – doch das Gewicht! Vor einer Radtour quer durch Kuba machte er deswegen schon mal mit Manns “Zauberberg” kurzen Prozess: mit dem Teppichmesser wurde das Buch zerteilt, die bereits gelesenen Kapitel blieben zuhause. Dank E-Books und Mobilgeräten muss der Wissenschaftsjournalist aber schon längst nicht mehr die Machete schwingen, längst erkundet der technikaffine Vielleser den digitalen Spiralarm der Gutenberg-Galaxis, insbesondere als SPIEGEL-Autor. Ein gelungener Remix vieler Artikel rund um das elektronische Lesen & Schreiben ist nun unter dem Titel “Gutenbergs neue Galaxis. Vom Glück des digitalen Lesens” erschienen, als Band drei der neuen SPIEGEL E-Book-Reihe. Schmundts Sampler ist ein eloquentes Plädoyer, endlich einmal die Chancen der E-Lesewelt auszuloten: “Wie wäre es, wenn Gutenbergs Heimatland, statt erbitterte Debatten um das Urheberrecht zu führen, ein Zukunftslabor betreiben würde: Autoren, Verleger, Medienforscher, die Expeditionen in die neuen Spiralarme der Gutenberg-Galaxis unternehmen?” (Kindle E-Book 0,99 Euro)

Skulptur on Demand: Kostengünstiger 3D-Druck auf Papierbasis erobert Europa

Das Personen-Faxgerät dauert noch eine Weile, doch wer ein dreidimensionales Modell von sich selbst braucht (oder von einem entfernten Verwandten), wird ab 2013 gut bedient: die Bürobedarfs-Kette Staples startet mit „Staples Easy 3D“ in ihren belgischen und niederländischen Filialen Print-On-Demand auf der X, Y und Z-Achse. Mit den experimentellen 3D-Duckern der Do-It-Yourself-Bewegung hat Staples Service nichts zu tun – denn das Unternehmen kooperiert mit Mcor, einem Hersteller professioneller 3D-Printer, dessen Maschinen hohe Auflösung und brilliante Farben garantieren. Das in den Filialen genutzte Modell Mcor Iris kann mehr als 1 Million Farbtöne drucken, die einzelnen Schichten eines Gegenstandes sind nur 0,1 Millimeter dünn. Wie das Verfahren funktioniert, zeigt ein Werbevideo: eine per Smartphone abfotografierte Schachfigur wird auf den Staples-Server hochgeladen und in eine dreidimensionale Design-Datei transformiert, dann folgt der Druckauftrag. Das Ergebnis kann dann vor Ort abgeholt werden oder kommt per Paketbote ins Haus.

Gedruckt wird mit Büropapier im DIN A 4-Format

„Wir sind Marktführer im Bereich der kommerziellen Drucke, warum sollten wir uns nur auf zwei Dimensionen beschränken?“, so Wouter Van Dijk, Präsident des Geschäftsbereichs Staples Printing Systems in Europa. „Die Kunden wollen nach ihren Angaben angefertigte Teile, Prototypen, Kunstgegenstände, architektonische oder medizinische Modelle und 3D-Kartenmaterial kostengünstig und reibungslos beziehen können.“ Die Grundfläche der Modelle ist dabei nicht zufällig identisch mit DIN A 4 – denn MCor nutzt als Druckmaterial einen Block aus herkömmlichem Büropapier, dessen Struktur mit wasserlöslichem Klebstoff verdichtet und eingefärbt wird. Das Ergebnis soll ähnlich stabil wie ein Plastikmodell sein, lässt sich aber ähnlich leicht entsorgen wie Papier. Kostengünstig ist der 3D-Druck auf Zellstoffbasis obendrein – die Druckkosten liegen nur bei wenigen Cent pro Kubikzentimeter.

Hochleistungs-3D-Druck bald auch in Deutschland

Nicht nur aufgrund des Druckmaterials scheint es sich bei der Staples-Initiative um eine Fortsetzung der Gutenberg-Galaxis mit anderen Mitteln zu handeln. Ohnehin spielte beim Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion Print-On-Demand auch bisher schon eine große Rolle – macht es doch Leser und Autoren unabhängig von Verlagen. In Kooperation mit der Espresso Bookmachine soll Kodaks „Picture Kiosk“ in den USA nun sogar den Schnelldruck von Bestsellern, Backlist-Titeln oder Indie-Literatur an jeder Straßenecke ermöglichen. Nun sieht es ganz so aus, als könnte sich fast genauso schnell eine Infrastruktur für 3D-On-Demand etablieren. Die High-End-Drucker von Mcor Technologies dürften bald auch in Deutschland auftauchen – denn zeitgleich mit dem Staples-Service in Benelux kündigte Mcor eine Vertriebspartnerschaft mit RGF („Ring Grafischer Fachhändler GmbH“) an. Das Jahr 2013 wird also extrem spannend werden: „Die Grenzen liegen in der Phantasie“, so RGF-Repräsentant Thomas Meurers. Man kann z.B. auch täuschend echte Buchattrappen drucken…

Abb.: 3D-Modell, Mcor Technologies

epubs erstellen über die Automator-App von Mac OS X Lion

epub erstellen mit mac os x lion automator
Apples neues Betriebssystem Mac OS X Lion macht das Erstellen von E-Books im epub-Format besonders leicht: über die Automator-App lassen sich nämlich Textdokumente mit wenigen Mausklicks in ein elektronisches Buch verwandeln. Die entsprechende Funktion heißt „text to epub-file“. In das epub-Dokument können sogar Bilder und Videos integriert werden. Über ein spezielles Add-On lässt sich die epub-Funktion auch in das normale Dienste-Menü integrieren, so dass man ausgewählte Dateien direkt konvertieren kann.

epubs inklusive Audio- und Videofiles

Die besten Ergebnisse erzielt man mit RTF-Dateien – die Formatierungen werden mehr oder weniger reibungslos in das epub-Format übernommen. Als ersten Schritt zieht man das Ausgangsdokument in das Automator-Fenster. Die Konvertierungsfunktion „text in epub-Datei“ findet man im Suchdialog am schnellsten über die Eingabe des Begriffs epub. Im Menü des Konvertierungstools gibt man dann nur noch den gewünschten Titel, optional den Namen des Autors sowie den Dateinamen sowie Speicherort an. Außerdem kann man ein Coverbild hinzufügen, und im Menüfeld „Medien platzieren“ Bilder sowie Audio- und Videofiles einfügen.

Noch automatischer im Dienste-Menü

Mit den text-to-epub-Services der Website macosxautomation.com wird die epub-Konvertierung unter „Lion“ noch einfacher – sie ist dann nämlich in das Dienste-Menü integriert. Ausgewählte Dateien, markierte Textbereich oder der Inhalt der Zwischenablage können so direkt „verbucht“ werden. Schiebt man die epubs dann in den iTunes-Ordner, kann man die Dokumente dann auch mobil ganz bequem via iBooks auf iPhone oder iPad lesen. Die epub-Services gibt es kostenlos zum Download, sie lassen sich dann mit wenigen Mausklicks entpacken und installieren.

Ohne Lion geht’s auch: epubs via LibreOffice erstellen

Einen Nachteil hat die Methode allerdings – man braucht dafür schließlich Apples neues Mac OS X 10.7, das zum Download-Preis von knapp 30 Euro angeboten wird. Wer sich das Geld sparen will, kann epubs auch ganz einfach innerhalb der Open-Source-Textverarbeitung LibreOffice erstellen, die es für Windows, Mac OS X und Linux gibt. Dazu muss man LibreOffice lediglich mit der writer2epub-Extension ausstatten, die ebenfalls kostenlos zum Download bereitsteht. Einmal aktiviert, findet man dann in der Menüleiste ein Smarticon mit dem epub-Logo. Abgesehen von der fehlenden Multimedia-Option erhält man so dieselbe Konvertierungs-Funktion wie über die Lion-Automator-App.

(via teleread & iphone-ticker)

Adieu, Minitel: Frankreich beerdigt das BTX-Zeitalter

Minitel ist einer der ältesten Online-Dienste der Welt – immer noch nutzen etwa 800.000 Franzosen ihre simplen Retro-Terminals, und 900.000 greifen über PC & Internet auf das Bildschirmtext-Universum zu. Vom grafischen Standard her gleicht Minitel dem Videotext, es gibt nur 40×25 Zeichen und Balkengrafik. Doch nicht nur als elektronisches Telefonbuch, sondern vor allem für sicheres Online-Banking blieb Minitel lange nach dem Siegeszug des World Wide Web für viele Nutzer attraktiv. Nun aber läuten für den 1982 offiziell gestarteten Service die Sterbeglocken. „Auch wenn Minitel immer noch Gewinn abwirft, gehen Nutzung undTraffic deutlich zurück. Minitel geht seinem natürlichen Tod entgegen“, so ein Sprecher des Betreibers France Télécom Orange. Die immer wieder mal verschobene Abschaltung wurde jetzt für den Juni 2012 festgesetzt.

Minitel hat BTX um Jahre überlebt

Wirtschaftlich macht das wohl tatsächlich Sinn – zuletzt wurden nur noch magere 30 Millionen Euro umgesetzt, wovon 85 Prozent an die jeweiligen Seitenbetreiber gingen. Das war mal völlig anders: noch 1996 überstiegen die Einnahmen mit Mintel die gesamte Internet-Wirtschaft in den USA. Anders als im Web war bei kommerziellen Minitel-Diensten bereits der Seitenaufruf selbst gebührenpflichtig. Im Unterschied zur teuren BTX-Hardware wurde in Frankreich das Terminal kostenlos abgegeben, als elektronischer Ersatz für das Telefonbuch. Dank staatlicher Quersubventionierung waren so 1985 bereits eine Million Geräte im Umlauf, während die Bundespost bis dahin gerade mal 60.000 Terminals verkaufen konnte. Erst 2002 erreichte Minitel mit knapp neun Millionen Teilnehmern den historischen Höchststand. Ein Jahr zuvor war in Deutschland der Bildschirmtext (BTX) abgeschaltet worden.

Selbst Al Gore wurde neugierig

Beliebtester Minitel-Service war von Anfang an die „3611“, das elektronische Telefonbuch. Firmen konnten dort sogar schon Werbung platzieren und so etwas wie eine rudimentäre Homepage anbieten. Hoher Zugriffszahlen erfreuten sich aber auch die über „3615“ und „3616“ und andere Nummern erreichbaren Informationsdienste (der „Tele-Kiosk“). Dazu kam die Möglichkeit, Fahrkarten zu kaufen, Bankgeschäfte zu erledigen oder über ein Mailbox-System private Nachrichten zu verschicken. Über Gateways wie „3614 Teaser“ kam man sogar an originäre Internet-Dienste wie E-Mail oder Usenet heran. Minitel hatte Ende der 80er Jahre mehr Nutzer als CompuServe, und die Amerikaner schauten neugierig auf die flimmernden Bildschirme der Grande Nation. Ironischerweise war selbst Al Gores legendäre Rede zum „Information Superhighway“ im Jahr 1994 noch vom Vorbild Minitel inspiriert.

Kultstatus? Warum Minitel nicht gleich Atari ist

Die Entwicklung des World Wide Web wurde in Frankreich dagegen durch Minitel ausgebremst, wer das Terminal besaß, brauchte schließlich keinen PC, um Online-Dienste zu nutzen. Außerdem bat die 1990 an die Börse gebrachte France Télékom den Endnutzer für die Nutzung des echten Internets anfangs noch teuer zur Kasse. Mittlerweile hat Frankreich diesen Rückstand längst aufgeholt, bei der Entwicklung des Breitband-Zugangs ins Netz der Netze liegt das Land der Minitels sogar vor den USA. Bleibt am Ende nur noch die Frage: Werden die Minitel-Konsolen in Zukunft ähnlichen Kult-Status genießen wie die klassischen Atari-Konsolen? Wahrscheinlich nicht, denn anders als die Videospielkonsolen werden die CPU-losen Terminals leider zu Elektronik-Schrott, sobald die Telefonverbindung abbricht.