3D-Drucken, Fräsen, Häkeln: „Mini Maker Faires“ in Buchhandlungen boomen

mini-maker-faires-boomenBuchhandlungen und Bibliotheken, die sich um die „Digital Literacy“ bzw. „Tech Literacy“ ihrer Kunden bemühen — das gibt’s nicht nur in den USA (siehe Barnes & Noble), sondern mittlerweile auch in Deutschland. Ganz vorne dran waren schon im letzten Jahr die Mayersche Buchhandlung wie auch die Kölner Stadtbibliothek mit ihren „Mini Maker Faires“. Im Fokus: Digitales und Analoges Do-it-yourself, also diverse Produktionstechniken verstehen lernen und eigene Projekte starten. Sechs solcher Events wurden 2016 in Kooperation mit dem Fachinformations-Dienstleister Harenberg in NRW veranstaltet, das Spektrum reichte von 3D-Druckern bis zu Selbstgenähtem, von musikalischen Projekten bis selbstgebauten Robotern.

Do-it-yourself im Buchhandel

In diesem Jahr wird nun das Mini Maker-Faire-Konzept erstmals auf ganz Deutschland ausgedehnt. „Die Maker-Bewegung, die Szene der kreativen Querdenker und Selbermacher, findet weltweit immer mehr Anhänger“, so Jan Kerbusk, Geschäftführer von Harenberg Kommunikation. Nach den erfolgreichen Pilot-Events wolle man das Engagement nun ausweiten, „um die die spannende Welt der modernen Do-it-yourself-Bewegung im Buchhandel stärker zu verankern“.

Neue Kooperationspartner

Als weiterer Kooperationspartner steht bereits die Buchhandlung Wittwer im baden-württembergischen Stuttgart fest (1. April 2017). Vier Filialen der Mayerschen (Düsseldorf, Dortmund, Köln & Aachen) sind auch wieder mit dabei. Weitere Veranstaltungsorte werden noch bekannt gegeben. Die größeren Maker Faires gehen ebenfalls bundesweit an den Start: so sind u.a. Events in Berlin (9. – 11. Juni), Hannover (25. – 27. August), Chemnitz (22. -23. April) und Friedrichshafen (15. -16. Juli) geplant.

Tipp 1: Eine Übersicht zu den Terminen der großen und kleinen Maker Faires inklusive des jeweiligen „Call for Makers“ gibt’s unter maker-faire.de/call-for-makers/

Tipp 2: Lesenswert zum Thema: „Makers“, das Sachbuch von Chris Anderson rund um die „nächste industrielle Revolution“ des universellen Do-it-Yourself.

(via Buchreport.de)

Egal ob Buch oder Motorrad: Das große 3D-Scannen kann beginnen – mobil & freihändig

Was machen wir bloß, wenn auch die letzte Buchseite in der letzten Bibliothek eingescannt ist? Ganz einfach: dann scannen wir die Regale ein, und am Ende auch den Bibliothekar. Freihändig, mit einem portablen 3D-Scanner wie etwa dem neuen „Sense“ von 3D Systems, der seine Umgebung visuell und geometrisch (via Infrarot) erfasst. Das für 329 Euro erhältliche Gadget soll die Welt der x, y und z-Achse endgültig zum Massenmarkt machen: „Sense ist die erste 3D-Content-Kamera für jedermann, sie macht es möglich, Menschen, Objekte und Orte en passant aufzunehmen“, so Rajeev Kulkarni von 3D Systems. „Da sich Sense intuitiv bedienen lässt, sehr mobil ist und ein mächtiges User-Interface besitzt, könnte damit eine ganz neue soziale Bewegung rund um das dreidimensionale Weitergeben und Drucken von physischen Objekten entstehen“.

„Full-body selfie“ – das 3D-Selbstportrait

Das Motto lautet „Scan small, scan large, scan it all“, was bei einer maximalen Scan-Größe von drei Meter mal drei Meter wohl nicht zu viel verspricht: vom Buch bis zum Motorrad ist alles möglich, inklusive „full-body selfie“, also dem 3D-Selbstportrait. Sind die Daten drahtlos zum nächsten PC geschickt, wird entweder direkt vor Ort ausgedruckt oder über einen Cloud-Service wie cubify.com – letzteres ist wohl eindeutig die günstigere Lösung. Denn 3D-Drucker sind immer noch ziemlich teuer, selbst das von Cubify angebotene Basismodell kostet zur Zeit noch 1199 Euro. Das in South Carolina angesiedelte Unternehmen 3D Systems scheint aber auch erkannt zu haben: größtes Hindernis für den endgültigen Durchbruch der neuen Technik ist momentan der Mangel an interessanten Druckvorlagen – das beste Archiv der Dinge ist immer noch die Welt da draußen.

Integration in den Alltag als große Chance

Das Promotion-Video zeigt schon mal ein Beispiel, wie sich das 3D-Scannen nahtlos in den Alltag integrieren lässt – spätestens wenn es zum Brauch wird, das sich Braut und Bräutigam nicht nur zweidimensional ablichten lassen, sondern sich auch gegenseitig scannen, um als naturgetreue Miniaturfigur auf der Hochzeitstorte zu enden, muss man sich wohl um den zukünftigen Börsenkurs des Unternehmens keine Sorge machen. In diesem Fall dürfte zudem auch die Diskussion um das potentielle Copyright an dreidimensionalen Objekten entfallen…

Abb.: Screenshot

„Zeus“ sendet Zeugs: Erste 3D-Faxmaschine kann ab September vorbestellt werden

Beim Zeus! Reicht es nicht, dass wir prometheus-mäßig Ersatztteile, Blumenvasen und Aktionsfiguren Schicht für Schicht am Schreibtisch drucken können? Offenbar nein – denn kaum ist 3D-Druck einigermaßen etabliert, kündigen sich jetzt auch schon Multifunktionsgeräte an, die nicht nur auf der x, y, und z-Achse printen, sondern auch scannen, kopieren und – jawohl! – faxen können. Tatsächlich ist „Zeus“, das allerneueste Gadget aus dem Hause AIO Robotics wohl das weltweit erste Vier-in-Eins-Modell für die dritte Dimension. Auf den vier Tasten steht: „Scan“, „Print“, „Copy“ & „Fax“. Wer in Zukunft also etwa ein bestimmtes Plastikobjekt braucht, egal ob Legostein, Lampenfuss oder Lockenwickler, kann sich einfach das Design von jemandem rüberfaxen lassen. Voraussetzung ist natürlich, dass an beiden Enden der Vier-in-Eins-Göttervater seinen Dienst verrichtet.

Durch „Vier-in-Eins“ wird das Gerät günstiger

Hinter dem Projekt stehen Jens Windau und Kai Chang, zwei Robotik-Experten der „University of Southern California“, die zwecks Vermarktung ihres Know-Hows das Startup AIO Robotics gegründet haben. Ein bisschen Anschubkapital ist offenbar schon vorhanden, den eigentlichen Kick suchen die beiden USC-Doktoranden ab 4. September auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Dort konnten schon zahlreiche Produkte aus dem 3D-Sektor äußerst erfolgreich finanziert werden, zuletzt etwa der 3D-Zeichenstift „3D-Doodler“. Der war mit knapp 60 Euro pro Stück allerdings auch besonders günstig, für „Zeus“ wird man deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Immerhin soll die 3D-Faxmaschine aber wohl nicht so viel kosten wie ein Makerbot Replicator Printer und ein 3D-Scanner zusammen. Womit man irgendwo zwischen 2500 und 3500 Dollar landen würde.

Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion

Ob gerade die Teleporter-ähnliche „Faksimile“-Funktion zum Killer-Feature wird, möchte ich aber mal bezweifeln. Denn 3D-Designdaten lassen sich ja schon jetzt bequem über das Netz versenden – auch ganz profan als E-Mail-Attachment. Viel wichtiger scheint mir die benutzerfreundliche Kombination von Scanner und Printer in einem Gerät zu sein: in Zukunft wird sich die Copy/Paste- und Mashup-Kultur auf diese Weise wohl noch weitaus stärker auf die Welt der Gegenstände ausdehnen als bisher, mit vorhersehbaren disruptiven Folgen für bisherige Wertschöpfungsketten, die sich auf zentralisierte Serienfertigung stützen. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion – er hat bisher noch gar nicht richtig begonnen. Sobald sich „Self-Publishing“ tatsächlich auf Legosteine, Lampenfüsse und Lockenwickler ausdehnt, wird die Warenwelt, wie wir sie kennen, völlig auf den Kopf gestellt.

(via GigaOM & CNN.com, RepRapForum)