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CAT Helix, oder: der DNA des Lese-Tablets auf der Spur

20 Okt 2014

Die Frage: „Was ist ein E-Reader?“ lässt sich recht einfach beantworten – wenn man darunter nur Geräte versteht, die ein E-Ink-Display haben. Schwieriger wird’s beim Thema: „Was ist ein Lese-Tablet?“ Diese Frage ist schon fast eine philosophische Reise von Pontius zu Pilatus. Nicht nur, weil bereits die ersten Android-Tablets mit E-Ink-Display auf den Markt drängen (vgl. das Onyx Boox T68 oder das Icarus Illumina). Auch normale, hintergrundbeleuchtete LCD-Displays sind dank höherer Auflösung deutlich lesefreundlicher geworden, dazu kommt die wachsende Akkuleistung.

Im Club der Lese-Tablet-Hersteller

Bei Marktübersichten zum Thema E-Lese-Tablets nehme ich deswegen gerne noch ein weiteres Kriterium hinzu: das Tablet muss von einem Hersteller stammen, der im weitesten Sinne buchhändlerisch tätig ist, also auch einen eigenen E-Book-Store betreibt. Da schnurrt das Feld dann schnell auf eine Handvoll Anbieter zusammen – Amazon, Apple, Google, Kobo und Pocketbook, was die internationale Ebene betrifft, und speziell in Deutschland die Tolino-Allianz, TrekStor und … CAT Sound.

Einsteiger-Modell mit 8-Zoll Display

Zumindest cum grano salis – das Berliner Unternehmen hat nämlich in den Prä-Tolino-Zeiten die „Weltbild-Tablets“ produziert, das E-Lesen war also schon sehr früh Teil der konzeptuellen DNA. Die neueren Geräte werden allerdings direkt im Zeichen der (Wild-)Katze vermarktet, aktuell z.B. das Einsteigermodell CAT Helix, ein schlankes 8-Zoll Tablet mit Android 4.4, das dank gummierter Rückseite (in verschiedenen Farben erhältlich) und geringem Gewicht gut in der Hand liegt. Das Display hat eine Auflösung von 1280 mal 800 Pixeln (215 ppi), was etwa in der Mitte zwischen dem iPad mini der ersten und zweiten Generation liegt. Der Akku soll wackere 11 Stunden durchhalten – erleben dürften das aber wohl wirklich nur E-Leser im Offline-Flugzeug-Modus.

E-Lektüre via Readfy-App

Da mein Testgerät (Rückseite übrigens: „electric blau“) pünktlich zur Buchmesse auf dem Schreibtisch lag, habe ich als erstes die neue Readfy-App heruntergeladen, mich durch die flüssig dargestellten Menüs gescrollt und ein, zwei Bücher angelesen, Krimis von kleinen Verlagen, die bisher ja neben Indie-Titeln das Gros des Angebots ausmachen. Und musste mal wieder feststellen: reguliert man die Helligkeit der leuchstarken LCD-Displays weit genug herunter, fühlt sich die Lektüre auf einem Android-Tablet gar nicht so viel anders an als auf einem Glowlight-Reader (in diesem Fall mein Kindle Paperwhite).

Viel Performance für wenig Geld

Allerdings erhält man für ein paar Euros mehr mit einem Tablet wie dem CAT Helix ein Multifunktionsgerät, das etwa in diesem Fall dank schnellem Quadcore-Chip vom Websurfen über Gaming bis hin zu Video-Telefonie eine ganze Menge mehr kann, und das bei guter Performance. Nicht nur im Heimnetz: Wer möchte, legt einfach die SIM-Karte des Smartphones ein und geht unterwegs über 3G online. Für gerade mal 150 Euro Endkundenpreis (z.B. direkt via CAT Sound-Shop) eine ganze Menge Mehrwert. Viele Marktbeobachter hatten ja in der Vergangenheit erwartet, aus solchen Gründen würden die deutlich vielseitigeren, aber kaum teuereren Tablets den „dedizierten Lesegeräten“ (vulgo: E-Ink-Readern) das Wasser abgraben. Stimmt aber nur zum Teil. Zum einen hat sich der Absatz von E-Readern (laut Bitkom) stabilisiert, zum anderen hat sich der zuvor rasante Tablet-Absatz (laut Gartner) deutlich verlangsamt. Beide Segmente pendeln sich gerade bei Wachstumszahlen um zehn Prozent ein.

Moore’s Law trifft Riepl’s Law

Der Grund dafür ist letztlich ähnlich banal wie bei der zu beobachtenden Stabilisierung auf dem Buchmarkt, wo E-Books sich neben Hardcover und Taschenbuch etablieren, ohne die anderen Medien komplett zu verdrängen: die Menschen möchten Bücher eben in verschiedenen Formen lesen, und sie benutzen auch je nach Situation unterschiedliche Geräte, zum längeren Lesen von Büchern z.B. einen E-Reader, für viele andere digitale Dinge vom Konsum bis zur Kreativität auch Smartphones oder Tablets. Alle drei Gerätegattungen zusammen sind schon jetzt für 350 bis 400 Euro zu haben (z.B. in der Kombination CAT Helix, Kindle Reader, Firefox-Phone), und die Preise werden weiter purzeln. Moore’s Law trifft Riepl’s Law: Statt „Entweder-Oder“ heißt es in Zukunft wohl erst recht „Sowohl-als-auch“.

CAT Helix


Display

8 Zoll Farb-LCD, kapazitives Touchscreen,
1280 x 800 Pixel (215 ppi)

Gewicht

320 Gramm

Schnittstellen

USB, SD-Slot, WLAN/3G, Kopfhörerbuchse

Speicher intern

16 GB

Akkuleistung

max. 11 Stunden, bei voller Leistung 6 Stunden

Zus. Features

Ext. Lautsprecher, Front- und Rückkamera, GPS

Preis

150 Euro