Business-Modell Literatur: Digitaler Serienroman, finanziert mit Risikokapital

Gibt es einen Weg zwischen komplett fremdfinanziertem Verlagspublishing und komplett selbst finanziertem Self-Publishing? Ja. Aber bisher dachte ich beim dritten Weg entweder an Crowdfunding oder Sponsoring (siehe Guy Kawasaki). Doch dank Michelle Millers Projekt „The Underwriting“ habe ich gerade so etwas wie den dritten Weg 3.0 kennengelernt – Literaturproduktion mit Risikokapital. Nicht umsonst ist die 29jährige Autorin von Haus aus Investmentbänkerin. Das ist offenbar auch eine besonders gute Voraussetzung, um die Dreifachrolle „Author Publisher Entrepreneur“ auszufüllen.

“I believe there’s a space in between“

Miller entschied sich eines Tages, dem Bankhaus J P Morgan den Rücken zu kehren, um einen digitalen Serienroman zu schreiben, der im Startup-Milieu spielt („an E-Series about Wall Street, Silicon Valley and urban life in the digital age“). Normales Self-Publishing via Amazon kam für die studierte Anglistin und Betriebswirtschaftlerin aber nicht in Frage. Miller wollte größer einsteigen. „The Underwriting“ wird auf einer aufwändig designten unabhängigen Plattform vermarktet – unterstützt durch ein Team von Webentwicklern, Fotografen, Sprechern (für die Audiobook-Version) und Musikern (für den Soundtrack). Das notwendige Geld stammt von Investoren aus den USA und Großbritannien.

Sponsoring-Partner bieten Einkaufsrabatte

Formal ist „The Underwriting“ eher an TV-Serien angelehnt, die erste „Season“ umfasst 12 Folgen. Die wöchentliche Folge kann man jeweils am Erscheinungstag (in diesem Fall Donnerstag) kostenlos herunterladen, nach 24 Stunden kostet sie dann 1,50 Dollar. Für 10 Dollar kann man eine komplette Staffel als Textversion abonnieren, die Audio-Version gibt’s für 15 Dollar. Dank zahlreicher Sponsoren wie etwa Hotels oder Modeketten erhalten die Leser beim Kauf der Folgen zudem spezielle Einkaufsrabatte.

Serienroman mit Klassenbewusstsein

Gestartet ist „The Underwriting“ Anfang März, mittlerweile soll der Serienroman bereit 6.000 regelmäßige LeserInnen haben. Nicht zufällig wohnen diese vor allem in Städten wie New York, London und Silicon Valley – letztlich hat man es hier ja mit dem Roman einer Klasse zu tun, die sich genau an solchen Orten tummelt. Selten waren wohl die Verbindungen zwischen Autor, Sujet und Publikum insgesamt so wirtschaftsnah wie in diesem Fall, aber gerade deshalb könnte die Rechnung wohl am Ende auch aufgehen.

(via Venturebeat)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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