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Bücherwürmer, Nerds & Ocelot

1 Aug 2012

Wo die Hipster, Geeks und Nerds wohnen, ist auch Ocelot nicht weit: mitten im hippen Berlin-Mitte hat unter diesem Namen eine neue Buchhandlung eröffnet. Noch eine? Nein, „not just another bookstore“, stellt bereits das Firmenschild an der Fassade klar. Print-Buch, E-Reader und E-Book sollen hier auf neue Weise zusammenkommen. Ocelot-Gründer Frithjof Klepp möchte zeigen, was alles geht in der Branche, wenn man es denn wagt. Neben cleveren Claims und frechen Sprüchen („Außer Lesen nix gewesen?“) setzt der gelernte Buchhändler dabei auf klares Design und ein Ambiente, das nicht nur Kreativarbeiter, sondern auch Bücherwürmer anspricht. Dafür sorgt nicht nur die integrierte Kaffee-Bar, sondern auch ein ganz besonderer Clou: in Kürze wird es eine direkte Verbindung zwischen Ocelot und der im Hinterhof gelegenen Bezirksbibliothek Philipp Schaeffer geben. Digitale Laufkundschaft erhofft sich Ocelot zudem vom eigenen E-Store, der in den nächsten Tagen online geht. E-Book-News hat sich in der Brunnenstrasse 181 umgeschaut und sprach mit Ocelot-Gründer Frithjof Klepp.

Buchhandlung mit Corporate Design

Nördliches Berlin-Mitte, Anfang August: quietschgelbe Straßenbahnen rumpeln die Brunnenstraße hinauf, auf den Rasenflächen des Volksparks am Weinberg wird gechillt, aber nicht gegrillt. Hinter der breiten Fensterfront von Ocelot reduziert sich die Geschäftigkeit des Viertels auf ein sonores Brummen, ab und zu unterbrochen von der hauseigenen Espresso-Maschine. Frithjof Klepp sitzt mit einer Tasse Capuccino am langgestreckten Kaffee- und Lesetisch und blickt sich um.

„Ich habe mir Mühe gegeben, die Dinge so einzurichten, dass viele Leute hier einen Überraschungseffekt erleben, wenn sie hereinkommen. Da ist die besondere Architektur, die Warenpräsentation, die enge Verknüpfung von Print und E-Book, aber auch die ganze Kommunikation, die sehr stark digital läuft.“

Von Anfang an hat Klepp auf ausgefeiltes Corporate Design gesetzt. Die langen, hellbraunen Regale in Holzoptik sind ebenso ausgesucht wie Tische und Sitzmöbel. Nicht umsonst fühlt man sich an Messe-Ästhetik erinnert – denn das Interieur wurde entworfen von der auf Showroom-Gestaltung spezialiserten Berliner Designerin Martina Zeyen. Werbemittel vom Logo über Flyer und Aufkleber („Huch, ein Buch!“) bis zur Web-Site stammen aus der Feder von Sandra Kimmel. Ocelot soll alle Leser ansprechen, unabhängig vom Medium. Die klassische Ausrede vieler Buchhändler („Bei uns hat noch nie jemand ein E-Book verlangt“) zieht bei Klepp nicht:

„Das ist schon fast ein Running-Gag. Der Kunde, der das verlangt, sagt das meistens gar nicht, der ist dann längst weg. Es geht mir darum zu zeigen: ich nehme das Thema wahr. Vogel-Strauß-Politik ist nicht angesagt. Ich finde diese fast idelogische Aufteilung zwischen Print und Digital schwierig, so als könnte ich als Buchhändler dazu gar nichts sagen.“

„Bücher auswählen kann ich besser als ein Algorithmus“

Klepp kann sogar ziemlich viel dazu sagen, denn mit technischen Fragen rund um E-Books beschäftigt er sich bereits seit Mitte der Nuller Jahre. 2006 startete er mit „Ocelot Digital“ eine erste Plattform für elektronische Publikationen, außerdem war er u.a. für die in Berlin-Prenzlauer Berg angesiedelte Internet-Buchhandlung Kohlibri tätig. Als ehemaliger Leiter einer Zweitausendeins-Filiale kennt er jedoch auch die Bedingungen des stationären Buchhandels. Ocelot soll nun zeigen, wie beides zusammengehen kann:

„Ich möchte da einen natürlichen Übergang schaffen. Es gibt natürlich noch gedruckte Bücher, es gibt besonders ausgewählte Bücher, das kann ich vielleicht auch besser als irgendein Algorithmus oder eine Suchmaschine, es gibt einen Ort wo ich mich wohlfühlen kann, es gibt ein Café, es gibt WLAN, es gibt E-Reader und Tablets, wo man ausprobieren kann, was das bedeutet, und dann gibt’s natürlich auch den Weg, einen Shop zu schaffen, bei dem der Einkauf so einfach ist, wie es heutzutage meiner Ansicht nach sein muss, mit zwei, drei Klicks.“

Synergie von Leihen und Kaufen

Ocelot.de soll in den nächsten Tagen online gehen – die Verbindung mit der digitalen Bücherwelt wäre damit perfekt. An einer weiteren Schnittstelle arbeiten zur Zeit noch analoge Handwerker: die 265 Quadratmeter große Buchhandlung erhält nämlich einen Durchgang zu der im Hinterhof gelegenen Bezirkszentralbibliothek Philipp Schaeffer. Für Frithjof Klepp eine besonders gelungene Kombination:

„Ich glaube, dass da sehr gute Synergieeffekte entstehen können. Es gibt eine hohe Besucherzahl, mehr als 1000 Leute am Tag, ich denke es sind potentiell natürlich eher Leser, die in die Bibliothek gehen. So wie die Gestaltung geworden ist, hebt sich Ocelot deutlich von der Bibliothek ab. Man sieht sehr klar, hier soll gekauft werden, dort soll ausgeliehen werden. Der Kontakt ist sehr nett und herzlich, ich kann mir vorstellen, dass man spannende Sachen zusammen machen kann.“

Spannend wird es aber auch jetzt schon regelmäßig in den Räumen von Ocelot. Als Ort für Veranstaltungen ist die Buchhandlung perfekt geeignet, Plattenteller und Mischpult weisen darauf hin, dass es dabei gerne multimedial zugehen darf. Im Juli etwa gab es eine Book-Release-Party für den neuen Comic-Band von Kult-Zeichnerin Aisha Franz („Brigitte und der Perlenhort“), Mitte August folgt dann eine Graphic Novel-Lesung, bei der auch der an der Decke installierte Beamer zum Einsatz kommen wird. Was alles so los ist, erfährt man im Ocelot-Weblog, Untertitel: „Not just another Weblog“.

Abb.: Zeichnung von Aisha Franz, Ocelot-Weblog