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Bücher & E-Books aus zweiter Hand: Sollte Amazon die Autoren zukünftig am Gewinn beteiligen?

9 Aug 2013 4 Kommentare

Geht es euch auch so wie mir? Bevor ich bei Amazon ein E-Book kaufe, schiele ich auf der Artikelseite automatisch erstmal auf den niedrigsten Preis in der medialen Angebotspalette. Ist die Kindle-Version fast genauso teuer wie das druckfrische Taschenbuch, üben plötzlich auch Second-Hand-Ausgaben mit Eselsohren einen merkwürdigen Reiz aus. Nicht mehr ganz so brandaktuelle Romane oder Sachbücher sind gebraucht ja oft schon für zwei, drei Euro zu haben. Da werde ich trotz aller Liebe zum Kindle Paperwhite dann regelmäßig schwach und bestelle den Schmöker beim antiquarischen Dritt-Anbieter. Gut für mich, gut für den Dritt-Anbieter, gut für Amazon. Autoren und Verlage dagegen sehen bei diesem Deal keinen einzigen Cent, und das zu recht – siehe „First Sale“-Doktrin bzw. „Erschöpfungsgrundsatz“.

Spenden-Modell auf freiwilliger Basis

Der US-Jurist David P. Vandagriff hat auf seinem Blog „Passive Voice“ jetzt aber eine interessante Frage gestellt: wie wäre es denn, wenn z.B. Amazon auf freiwilliger Basis bei den Gebrauchtbuch-Käufern Spendengelder einsammeln würde, die ausschließlich den Autoren zugute käme? „As a service to authors, when someone buys a used book on Amazon, Amazon would give the purchaser the option of making a donation to the author of the used book. The contribution would be completely optional and the amount would be up to the purchaser. The author donation would be added to the credit card charge at checkout.“

Good-Will-Aktion, um Amazons Image aufzubessern?

Diese Option, so Vandagriff, würde aber nur dann aktiv sein, wenn sich der entsprechende Autor vorher bei Amazon registriert habe. Verlage sollen wohlgemerkt nicht mit von der Partie sein. Technisch sei das kein Problem, wenn man die Spenden-Option mit Amazons Affiliate-Programm („Werbekostenrückerstattung“) verbinden würde, meint Vandagriff. Denn das liefere genau die notwendige Infrastruktur, um regelmäßige elektronische Zahlungen an die Teilnehmer zu tätigen. Doch warum sollte Amazon ein Interesse an so einer Art Crowdfunding-Feature für elende Skribenten haben? Der Passive Voice-Blogger bringt da ein durchaus plausibles Argument vor: es wäre eine Good Will-Aktion, die Amazons Ansehen bei den Autoren, aber auch der allgemeinen Öffentlichkeit steigern könnte. (Abgesehen davon könnten natürlich auch andere Portale – etwa ZVAB!? – diese Idee realisieren).

Spannend wird’s bei gebrauchten E-Books

Wirklich spannend wird es, wenn man in diesem Zusammenhang an das Thema gebrauchte E-Books denkt. Formaljuristisch scheint sich ja bei digitalen Gütern nach und nach ebenfalls die „First Sale“-Doktrin durchzusetzen. Amazon hat sogar schon ein Patent für den Handel mit Second-Hand-E-Books beantragt. Doch stoßen solche Modelle immer noch auf Akzeptanzprobleme – gerade auch bei Autoren. Ein freiwilliges Beteiligungsmodell, das für gebrauchte Printbücher ebenso wie für gebrauchte E-Books gelten würde (und meinetwegen auch für Cartridges von Atari 2600-Games) könnte die Diskussion wohl um einiges entschärfen. Sicher, man muss auch loslassen können, um in der digitalen Ökonomie überhaupt handlungsfähig zu bleiben. Doch mit ein paar Social Cents in der Tasche fällt das dann doch etwas einfacher.

(via Passive Voice)

Abb.: flickr/Phil Roeder (cc)

4 Kommentare »

  • Salim schrieb:

    Interessanter Gedanke und durchaus wichtige Fragen.
    Doch du hast es ja bereits für dich festgestellt: Du schielst auf den niedrigsten Preis. Warum dann noch etwas drauf zahlen? Genauso werden wohl die meisten Käufer denken, mit der Vermutung, dass Autoren ja eh genug verdienen.
    Die Sache mit den gebrauchten E-Books ist verrückt. Bin ich gespannt drauf.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Hehehe, bin zwar ein alter Sparfuchs, aber wenn ich gegenüber dem E-Book mehr als 50 Prozent spare, kann ich mir schon vorstellen, ein paar Prozent abzugeben. Also wenn’s z.B. einen 2nd Hand-Thriller für 3,50 Euro gibt im Vergleich zum nagelneuen Exemplar für 8,90 E-Book / 9,90 Euro Paperback – warum nicht 25 oder 50 Cent für einen Autor spenden, der einem sympathisch ist? (& idealerweise nicht auf der Forbes-Liste der Milliardäre auftaucht…) Wobei es für mich auch darauf ankäme, auf welcher Plattform man spendet. Bei ZVAB würde ich lieber ein solches „Crowdkaufing“ betreiben als bei Amazon…

  • Steffen schrieb:

    Mir leuchtet nicht ein, weshalb der Autor für gebrauchte Bücher einen Teil des Verkaufspreises bekommen sollte. Darüber denkt man doch im Gebrauchtwagenmarkt auch nicht nach. Warum auch, schließlich ist der Wiederverkaufswert (zumindest was der Käufer erwartet)ein Bestandteil seiner Zahlungsbereitschaft, nach der die Verlage den Verkaufspreis des neuen Buches kalkulieren und auch den Autor vergüten. Anders ausgedrückt würde eine solche Beteiligung am Wiederverkaufspreis den Verlag und den Autor doppelt beglücken, zumindest kurzfristig. Allerdings würden auch die Wiederverkäufer wegen der geringeren Marge weniger Anreiz haben die Bücher nach dem Lesen zu verkaufen, was am Ende wieder die Zahlungsbereitschaft für Neubücher reduziert. Da beißt sich die Katze in den Schwanz und ich bin mir nicht sicher, ob irgend jemand davon etwas hat.

  • Sandra schrieb:

    Beim lesen des Artikels fiel mir auch das gebrauchte Auto ein, dann viele andere Artikel, die ich gebraucht erwerben kann.

    Für alles hat sich mal jemand sehr viel Gedanken gemacht, oft haben sehr viele Menschen daran gearbeitet und nicht alle sind von der Arbeit satt geworden!

    Auch an einem Buch ist mehr als der Autor und „der Verlag“ beteiligt. Nun aus dem 2., 3. usw. Verkauf jeweils nur den Autor zu berücksichtigen, wäre meines Erachtens denen gegenüber nicht gerecht, die sich auch krumm dafür gemacht haben.

    Wenn, warum dann bei Amazon alleine? Es gibt so viele Händler, die neben Neuware gebrauchte Bücher verkaufen, oder verkaufen lassen. Und das sind unendlich viele private Verkäufer dabei, die einfach mal den Bücherschrank plündern oder das gelesene einfach wieder los werden wollen.

    Wie viele „Mängelexemplare“ werden im stationären Handel verramscht?

    Ob es ein gerechtes Handeln gibt, ich weiß es nicht. Einseitigkeit wird es nicht sein.