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Buchbranche steht auf dem Kopf: weniger als 1/3 klassische Verlagstitel in Kindle Top 100

24 Feb 2014 Ansgar Warner 3 Kommentare

Für die Self-Publishing-Revolution in der deutschen Buchbranche gibt’s wohl keinen besseren Gradmesser als Amazons Bestseller-Ranking: derzeit stellen klassische Verlagstitel dort nicht einmal mehr ein Drittel der Top 100-Titel. Das berichtet Matthias Matting auf seinem Blog Selfpublisherbibel.de, wo er seit einiger Zeit aus den verfügbaren Daten aus dem Kindle-Shop wöchentliche “Self-Publisher-Charts” generiert. Nach seiner Zählung haben die Self-Publisher insgesamt 57 Plätze ergattert, dazu kommen 12 Titel von Amazons eigenen Labeln. Bleiben also für die Verlage noch magere 31 Titel. Schon im Januar konnten die Indie-Autoren im Kindle-Store einen historischen Rekord feiern: alle Top 10-Titel kamen aus der Feder der Unabhängigen.

Interessant finde ich aber auch folgende Tatsache: unter den Top 20 im Kindle-Store sind 7 Titel von Self-Publishing-AutorInnen, die mein Kollege Klaus Seibel in den vergangenen Monaten für die “Indie-Lounge” auf E-Book-News portraitiert hat, unter den Top 100 kommen die bisherigen Interview-Gäste auf 15 Titel. Besonders erfolgreich ist derzeit Poppy J. Anderson, sie hat alleine 5 Titel in den Top 100, u.a. auch auf Platz Eins. Herzlichen Glückwunsch, Poppy! Und Hut ab vor dem Gastgeber der Indie-Lounge – Klaus hat mit seinem Konzept, “erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher” einzuladen (bisher waren es zehn AutorInnen), voll ins Schwarze getroffen!

Das Geheimnis des Erfolgs ist natürlich unschwer zu erraten: die Indie-AutorInnen haben nicht nur den magischen Preispunkt gefunden – die meisten Titel liegen zwischen 99 Cent und 2,99 Euro -, sie bedienen offenbar mit populären Genres wie Thriller, Fantasy oder Herzschmerz auch perfekt den Publikumsgeschmack. Zugleich kommen sie durch den Verzicht auf Kopierschutz dem Wunsch der Leser nach maximalem Lesekomfort entgegen. Die Umgehung klassischer Vertriebswege schadet natürlich nicht nur den Verlagen: Die Krise großer Buchhandels-Plattformen wie Weltbild oder Thalia hat sehr viel damit zu tun, dass gegen alle unternehmerische Vernunft das Thema Self Publishing komplett verschlafen wurde.

Offizielle Bestsellerlisten suggerieren eine trügerische Stabilität, denn Amazons boomendes KDP-Imperium wird dort gar nicht abgebildet. Die Verdrängung der Verlage aus den Amazon-Charts ist ein deutlicher Hinweis auf die unterirdischen Gewalten, die durch den Selbstverlag 2.0 entfesselt wurden: ähnlich wie in den USA verkaufen Indie-AutorInnen offenbar auch hierzulande schon deutlich mehr Bücher als die großen Verlage. Wie aktuelle Auswertungen öffentlich zugänglicher Buchmarktdaten nahelegen, die via authorearnings.com veröffentlicht wurden, geht zwischen Seattle und New York bereits ein Viertel der Gesamtumsätze an unabhängige AutorInnen. Und da die Indies natürlich weitaus mehr Tantiemen erhalten (im Regelfall via KDP 70 Prozent), verdienen sie insgesamt schon genauso viel wie die klassischen Verlagsautoren.

Abb.: flickr/Lil_Zebra (cc)

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