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Bridget Lawless, oder: Keine Frauenleiche zum Frühstück – neuer „gewaltloser“ Thriller-Award setzt #Metoo-Debatte fort

5 Feb 2018

staunch-award-trhiller-ohne-frauenleicheWas braucht man für einen guten Thriller? Bisher sah das Rezept oft so aus: Man nehme einen männlichen (Serien-)killer mit verpfuschter Jugend, blutjunge Frauen als Opfer, und einen väterlich-freundlichen Kommissar in der Midlife-Crisis. Schluss damit, sagt nun die britische Drehbuch-Autorin Bridget Lawless — es hat genug Gewalt gegen Frauen gegeben, sowohl fiktiv wie auch real! Als Teil der Lösung hat sie den „Staunch Book Prize“ ausgerufen. Einzige Voraussetzung der Teilnahme: man muss einen englischsprachigen Thriller einreichen, in dem „keine Frau geschlagen, gestalkt, mißbraucht, vergewaltigt oder ermordet wird.“ („in which no woman is beaten, stalked, sexually exploited, raped or murdered“)

„Es gibt eine Menge großartige Stories die so etwas einfach nicht brauchen“, so Lawless gegenüber nbcnews. „Wenn Frauen ständig als hilflose Opfer dargestellt werden, als inaktiv und Staffage für Männer, die Verbrechen aufdecken und sie beschützen, dann hat das meiner Meinung nach einen unbewussten Effekt darauf, wie Frauen sich selbst sehen und von anderen betrachtet werden.“ Die Gewinnerin oder der Gewinner des Awards — dotiert mit einem Preisgeld von umgerechnet 2330 Euro — wird am 25. November 2018 bekanntgegeben, dem „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“.

Der neue Award darf als Reaktion auf die #Metoo-Debatte verstanden werden, und zugleich als Erweiterung bisheriger Interventionen: Man konzentriere sich auf den Thriller, so Lawless, weil es sich um ein großes, um ein bedeutendes Genre handele — und oft würden Thriller auch als Drehbuchvorlage für Kino- und TV-Produktionen dienen. „Lasst uns nicht nur den Lesern, sondern auch Produzenten, Regisseuren und Schauspielern zeigen, dass heutige Autoren großartige, komplexe Thriller schreiben können, mit neuen Ideen, großer Vorstellungskraft und Erzähltalent.“

Für ihren Schritt hat Lawless viel Unterstützung erfahren, zumindest allgemein gesprochen, speziell die Thriller-Autoren sind allerdings deutlich geteilter Meinung. Ein sehr interessanter (weil absurder) Einwurf lautet: dann kommen ja noch weniger Frauen in der Literatur vor als bisher. Was natürlich stillschweigend voraussetzt, dass die Täter weiter Männer bleiben – was ja auch nicht zwingend ist.

Der Staunch Award weist insofern noch einmal deutlich auf die Macken der „Geschlechterordnung“ hin: ist die Frau ein Opfer, alles ganz normal. Ist sie Täterin, heißt es plötzlich: „doppelte Delinquenz“, Verstoß gegen das Strafgesetzbuch und auch noch die angebliche „Geschlechtsnatur“. Letzlich alles Quatsch, weil es sich um konstruierte, tradierte Vorstellungen handelt. Es könnte alles ganz anders sein, und Literatur ist ein guter Ansatzprunkt. Denn die Welt der Krimi-Literatur (bzw. dem Krimi-Drehbuch) lässt sich schon mit einem Federstrich verändern — Literatur war schließlich immer schon der Modus des Möglichen. Warum darauf verzichten?

(via The Guardian & nbcnews)