ebooks relevantes sortiment nur nicht im stationaeren buchhandel

Börsenverein: E-Books sind „relevantes Segment“ – abgesehen vom stationären Buchhandel

E-Books sind mächtig im Kommen – ihr Marktanteil liegt in Deutschland mittlerweile bei 2,4 Prozent, der Umsatzanteil bei fast zehn Prozent. Dabei sind Self-Publishing-Titel verlagsunabhängiger Online-Plattformen noch nicht einmal eingerechnet. Doch klassischen Buchhandlungen gelingt es nicht, von Boom elektronischer Bücher zu profitieren. Zum zweiten Mal in Folge rutschte der Marktanteil des stationären Sortiments unter die 50-Prozent-Marke, der Gesamtmarkt schrumpfte um 0,8 Prozent. So lautet die Quintessenz der aktuellen Marktdaten, die jetzt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels präsentiert wurden – in Form von Wirtschaftszahlen für das Jahr 2012 sowie einer Neuauflage der E-Book-Studie in Zusammenarbeit mit der GfK.

„Umsatzerwartungen driften auseinander“

In den Worten von Börsenvereins-Vorsteher Alexander Skipis klang das so: „Das E-Book ist auf dem deutschen Buchmarkt schon länger nichts Exotisches mehr, es ist eine von mehreren Editionsformen.“ Von einem „relevanten Segment“ sprach auch Steffen Meier vom Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP). Und legte zugleich den Finger auf die Wunde: „Die Umsatzerwartungen von Verlagen und stationärem Sortiment driften auseinander“. Mehr als jede zweite Buchhandlung gehe bis 2015 von einem Umsatzrückgang im klassischen Sortiment aus – was offenbar auch daran liegt, dass der E-Book-Boom immer noch unterschätzt wird. Erwartet wurde von den Verlagen für 2012 ein Umsatzanteil von 7,2 Prozent, bekommen haben sie trotz ambitioniertem Pricing 9,4 Prozent. Am Buchhandel vor Ort geht diese Entwicklung komplett vorbei: genau wie 2011 steuerten E-Books zum Gesamtumsatz nur 0,5 Prozent bei.

Eigentliches Waterloo lauert im Online-Versandhandel

Die aktuellen Markdaten des Börsenvereins zeigen aber auch, dass die Branche ihr eigentliches Waterloo immer noch im Kerngeschäft mit gedruckten Büchern erlebt: der Internet-Versandbuchhandel verzeichnete ein Plus von 10 Prozent, hier wurden bei einem Marktanteil von jetzt 16,5 Prozent mehr als 1,5 Milliarden Euro umgesetzt. Die E-Book-Umsätze dagegen bewegen sich im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Trotzdem muss es natürlich beunruhigend für die Branche sein, dass vom Boom im digitalen Sektor zu 99,5 Prozent die großen Online-Portale profitieren. So hat man wohl auch aus diesem Grund die „Kundenbindung“ als strategischen Dreh- und Angelpunkt wiederentdeckt. Doch ob Imagekampagnen wie „Vorsicht Buch!“ und Kulturevents ausreichen, um Kunden zurückzuholen, die längst sämtliche Medien komfortabel bei Amazon einkaufen?

„Geringe E-Book-Nachfage entscheidendes Hemmnis“!?

Je weiter man sich in die vom Börsenverein vorgelegten Zahlen vertieft, desto deutlicher treten die strukturellen Defizite der Gutenberg-Galaxis vor Augen: so hatte 2012 überhaupt erstmals mehr als die Hälfte der Verlage E-Books im Angebot (53 Prozent, gegenüber 49 Prozent 2011). Die Zahl der lieferbaren Backlist-Titel stagniert bei 29 Prozent, von den Neuerscheinungen ist nun erstmals mehr als die Hälfte als E-Book lieferbar (54 Prozent, gegenüber 42 Prozent 2011). Das sind mehr als fünf Jahre nach Beginn der Kindle-Revolution trotz aller Aufwärtstendenzen katastrophale Werte – die Branche hat schlicht den Anschluss an die Zukunft verpasst. Und versteht offenbar das eigene Geschäft nicht mehr: Denn 80 Prozent der befragten Buchhändler stimmen der Aussage zu: „Die geringe Nachfrage ist weiterhin das entscheidende Hemmnis zur Teilnahme am E-Book-Markt“.

Radikale Holzfraktion im Schwinden

Dagegen stellt die aktuelle E-Book-Studie fest: „Der Anteil derer, die zukünftig ausschließlich gedruckte Bücher lesen möchten, geht weiter zurück“. Nur noch vierzig Prozent der Befragten gehören nämlich zur harten „Print-Only“-Fraktion, die Mehrheit der Kunden ist inzwischen offen für das neue Medium. Erstmals gab 1 Prozent sogar an, in Zukunft ausschließlich E-Books kaufen zu wollen, immerhin 13 Prozent möchten überwiegend elektronische Versionen shoppen. Besonders groß ist die Vorliebe der E-Book-Käufer im Bereich Belletristik: fast die Hälfte von ihnen bevorzugt Kindle & Co. für die Lektüre von Romanen. Das sollte gerade den Buchhändlern zu denken geben – keine andere Warengruppe im Sortiment generiert mehr Umsätze als die Unterhaltungsliteratur. Wenn man es richtig macht, auch digital.

Abb.: flickr/bondiwhat (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".