BoD-Selfpublishing-Studie 2014: Immer mehr Indies investieren in Profi-Gestaltung & Vermarktung

Bei vielen Indie-Titeln kann man es bereits an professioneller Covergestaltung und Layout erkennen: Self-Publishing ist erwachsen geworden, viele Autoren sind zu Ein-Mann-Verlagen mutiert, die unternehmerische Entscheidungen treffen und bewusst Geld in Produktion, aber auch die Vermarktung ihrer Titel stecken. Der aktuellen Selfpublisher-Studie 2014 von Books on Demand (BoD) zufolge investiert bereits jeder zehnte Autor in Europa mehr als 1.000 Euro in die äußere Gestaltung seines Buches. Neben Geld wird aber auch eine Menge Zeit verausgabt: Ein Drittel der deutschen Indies sitzt mindestens 10 Stunden pro Woche an der Tastatur, zehn Prozent der Autoren nutzt zudem mindestens 5 Stunden pro Woche für das Buchmarketing.

Vom Hobbyisten zum Profi

Im Vergleich zur Vorjahres-Studie will BoD sogar einen deutlichen Trend weg vom Hobbyautor hin zum Profi-Autor erkennen: immer mehr Autoren würden das Schreiben zum Beruf machen, immer mehr Experten parallel zu anderen Medien auch E-Books und Print-On-Demand nutzen, um ihr Wissen zu vermarkten. Allerdings war 2013 die Teilnehmerzahl der Studie deutlich kleiner. Letztlich stellen auch 2014 die vor allem Belletristik für Friends & Family produzierenden Amateure mit knapp 40 Prozent immer noch die größte Gruppe, Berufsautoren (36 Prozent) und besonders die Experten (20 Prozent) haben aber aufgeholt.

Viele Indies nutzen Crowdsourcing

Die Gretchenfrage bei der Trennung zwischen Hobby- und Profiautor lautet immer noch: wie hältst du’s mit externen Dienstleistungen und/oder der Crowd? Fast vierzig Prozent der deutschen Self-Publisher, so die BoD-Studie, arbeiten bei der Buch-Produktion mit Dritten zusammen: sie bezahlen für Korrektorat/Lektorat und Covergestaltung und suchen sich Testleser. Überhaupt nutzt schon jeder dritte Indie-Autor Crowdsourcing, und bittet die Community um Feedback bei der Entwicklung des Inhalts, aber auch bei Cover- und Titelauswahl.

Kommt ein Self-Publisher in die Buchhandlung…

Bei der Vermarktung haben die deutschen Self-Publisher dagegen noch Nachholbedarf – nur knapp jeder sechste Autor investiert in professionelle Pressearbeit, lässt eine Website erstellen oder bucht Online-Werbung (Tipp: auf E-Book-News gibt’s Self-Publisher-Rabatt). Zu den beliebtesten Do-it-Yourself-Methoden beim Marketing zählen immer noch Facebook & Twitter sowie das Verbreiten von Gratis-E-Books. Viele entdecken auch den stationären Buchhandel als reichweitenstarke Plattform: jeder zweite deutsche Self-Publisher kontaktiert Buchhändler persönlich, um seine Titel ins Regal stellen zu können, was in zwei Drittel der Fälle (!) offenbar auch klappt.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

3 Gedanken zu „BoD-Selfpublishing-Studie 2014: Immer mehr Indies investieren in Profi-Gestaltung & Vermarktung“

  1. Wie auch immer, die 1.000€ für Cover/Lektorat ff sind nicht.
    Dass es zu wenige Zahlen gibt kann sein, was es in Menge gibt sind falsche Zahlen.

    Es ist sicher romantisch seinen Dorfbuchladen aufzusuchen und ein Buch dort unterzubringen.
    So jedoch funktioniert Print nicht.

    Die GfK befragt regelmäßig 25.000 Teilnehmer.
    Auch diese Zahlen machen das Geschehen nicht wirklich transparenter.

  2. Hallo Mark_S, um möglichst repräsentative Daten zu erhalten, haben wir die Studie breit gestreut, so dass im Ergebnis 2.741 Autoren aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Dänemark, Schweden und Finnland an der Befragung teilnahmen. Die Auswertung und wissenschaftliche Begleitung der Studie erfolgte dabei nicht durch BoD, sondern durch Prof. Dr. Joerg Pfuhl und Prof. Dr. Vanessa Haselhoff von der Hochschule für angewandtes Management in Erding.
    Ziel der Studie ist es dann auch, für mehr Transparenz im Self-Publishing-Markt sorgen, da nur sehr wenige Zahlen bisher verfügbar sind.
    Viele Grüße, Thorsten Simon von BoD

  3. Ich bezweifle, dass schon jeder zehnte Autor „mehr als 1.000 Euro für die äußere Gestaltung seines Buches“ investiert. Soviel Geld will ja erstmal eingenommen sein, von Gewinn haben wir dann noch gar nicht gesprochen! Ich würde die Studie mit Vorsicht betrachten, weil sie von einem Unternehmen stammt, das mit genau den Dienstleistungen, die es hier zum Standard erklärt, sein Geld verdient.

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