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Bloggen de Luxe: Huffington Post-Autor gewinnt Pulitzer-Preis

19 Apr 2012

Wieder einmal sorgt die Huffington Post für Aufsehen in der Branche: die Web-Postille ergatterte erstmals den begehrten Pulitzer-Preis. Prämiert wurde mit dem journalistischen Oscar in der Kategorie „National Reporting“ Huff-Po-Autor David Wood für eine mehrteilige Reportage über us-amerikanische Kriegsveteranen. So ganz exklusiv Gutenberg-galaktisch ist der Pulitzer-Preis freilich schon seit 2010 nicht mehr. Gleich in drei Kategorien ging die begehrte Medaille damals an webbasierte Projekte wie Pro Publica bzw. Online-Autoren. Trotzdem ist die Verleihung der mit 10.000 Dollar dotierten Medaille an David Wood natürlich auch kein schlechtes Ergebnis für ein reines Online-Blatt wie die HuffPo.

Zum Erfolgsrezept der von Arianna Huffington im Jahr 2005 gegründeten News-Website gehörte ursprünglich die zumeist unbezahlte Zuarbeit tausender Bloggerinnen und Blogger. Längere Reportagen werden aber bereits seit einiger Zeit durch eine eigene Stiftung finanziert, den „Huffington Post Investigative Fund“. Spätestens seitdem die Huffington Post im letzten Jahr für 315 Mio. Dollar von AOL aufgekauft wurde, wirbt man zudem verstärkt journalistische Edelfedern bei der gedruckten Konkurrenz ab. Viele große Zeitungen können sich aufwändige Recherchen seit der Zeitungskrise ohnehin kaum noch leisten, während die schlanke HuffPo frei von Druck- und Vertriebskosten inzwischen profitabel arbeitet.

Insofern ist der Pulitzer-Preis ein guter Gradmesser für die Veränderungen in der journalistischen Landschaft. In den nächsten Jahren dürften renommierte Blätter wie die New York Times, die Washington Post oder der Boston Globe wohl auch noch weiterhin mehrheitlich die einzelnen Kategorien des Pulitzer-Preises im Bereich Journalismus ausfüllen. Alleine schon deshalb, weil deren Herausgeber und Chefredakteure die Jury besetzen. Doch dazwischen wird man immer häufiger auf alternative Modelle wie die HuffPo stoßen, ebenso aber auf vollständig stiftungsfinanzierte Ansätze à la Pro Publica, die sich auf Crowdfunding stützen. Wie man an Projekten wie mediafunders.net sehen kann, ist diese Idee sogar schon im deutschen Sprachraum angekommen.