Blio als iBooks für alle? Ray Kurzweils multimediale E-Reading-App startet am 28. September

blio-e-reader-app-ray-kurzweil-e-bookBlio kommt – Ray Kurzweils neue E-Reading-App wird ab 28. September zum Download bereitstehen. Die plattformunabhängige Anwendung soll als eine Art iBooks für alle das elektronische Lesen auf den Displays von Laptops, Tablets und Smartphones revolutionieren. Für digitalen Lesestoff sorgt der renommierte Distributor Baker&Taylor. Zunächst wird es Blio allerdings nur für Windows-Nutzer geben, Versionen für Android und iPhone OS sollen jedoch in Kürze folgen.

„Die Leute wollen zum Lesen keine Extra-Hardware“

Die E-Ink-Fraktion spricht gerne vom „dezidierten Lesegeräten“. Doch werden E-Reader neben Smartphone, Laptop oder Tablet wirklich einen festen Platz in unserem Geräte-Fuhrpark erobern? Vielleicht sollten die Hersteller von Lesegeräten ab und zu mal auf Ray Kurzweil hören. Der KI-Forscher war seiner Zeit schon immer etwas voraus. In den späten achtziger Jahren lief er mit Head-Mounted-Displays herum und tanzte im virtuellen Raum Tango mit dem Avatar eines Hummers. Für das Jahr 2045 hat Kurzweil vor kurzem die Ablösung des Menschen durch denkende Maschinen vorhergesagt. Eine sehr dezidierte Vision hat der Techno-Prophet auch von der nahen Zukunft des elektronischen Lesens. “Die Leute wollen zum Lesen keine Extra-Hardware”, orakelte er Anfang 2010 gegenüber dem WIRED-Magazin, “sie wollen alles mit einem Gerät machen, und sie wollen farbige Displays.”

Blio glänzt mit Text-to-Speech & animiertem Umblättern

Kurzweil scheint allerdings auch ein Anhänger von Self-Fulfilling-Prophecies zu sein. Denn sein aktuelles Projekt namens Blio ist schließlich eine plattformunabhängige E-Reading-Umgebung. Blio soll E-Books möglichst komfortabel auf die Displays von Tablets und Laptops bringen. Eine erste Vorstellung von Kurzweils Konzept konnten Anfang Januar die Besucher der CES in Las Vegas erleben. “Wir bieten hochauflösende Grafik und Animationstechnik. Alle anderen E-Reader sind dagegen eher primitiv”, klopfte sich Kurzweil auf die Schulter. Da ist natürlich was dran. Amazon etwa bietet zwar bereits medial angereicherte E-Books an – die laufen jedoch nur den Displays auf PCs, Macs oder Smartphones, wenn dort die Kindle-App installiert ist. Apples iBooks bietet zwar viel Farbe, aber kein Multimedia. Was Blio in der Praxis leistet, demonstriert Toshibas Libretto W105 – als erstes Gerät überhaupt wurde das futuristisch anmutende Dual-Screen-Laptop -Gerät serienmäßig mit Kurzweils E-Reading-Software ausgerüstet. Blio glänzt auf dem W105 nicht nur mit animiertem Umblättern und einem virtuellen Bücherregal, sondern auch mit Text-to-Speech und einer automatischen Übersetzungsfunktion.

Blio bietet offene Standards: XPS und epub

Unabhängig von weiterem Multimedia-Bling-Bling könnte Blio auf jedem Fall zu einer Art iBooks für alle werden. Die Blio-App wird zwar ab 28. September zunächst nur auf Windows-Oberflächen laufen. Angekündigt sind jedoch für die nahe Zukunft Versionen für Android-Geräte wie auch iPhone bzw. iPad. ibooks bekommt also Konkurrenz auf dem eigenen Display – zumindest etappenweise. Der Content im Blio-Store wird zunächst hauptsächlich aus Public Domain-Titeln bestehen. Über den renommierten Distributor Baker & Taylor werden bald aber auch kommerzielle Titel dazukommen – angeblich sollen bereits mehr als hundert Verlage mit im Boot sein. Förderlich für die Zukunft von Blio dürfte die große Freiheit bei den Formaten sein. Das am offenen Dokumentenstandard XML angelehnte XPS-Format wird ebenso unterstützt wie „klassisches“ epub. Anmerkungen in E-Books sollen ebenso möglich sein wie das bei klassischen E-Readern bereits mögliche Anstreichen („Highlighting“) von Textpassagen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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