BITKOM: Jeder Fünfte bevorzugt E-Books – zumindest theoretisch

Woraus besteht ein gutes Buch? Drei Viertel der Deutschen sind sich da immer noch ziemlich einig: aus Papier! Doch ein wachsende Minderheit von 18 Prozent (was immerhin 12,6 Mio Menschen entspricht) hält dagegen: E-Books bevorzugt, lautet ihre Devise. Das berichtet der Hightech-Verband BITKOM auf Grundlage einer repräsentativen Umfrage, die im Umfeld der Leipziger Buchmesse veröffentlicht wurde. „E-Books kommen aus der Nische und werden zu einem Massenphänomen für die breite Bevölkerung“, so BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Neben der zunehmenden Zahl von verfügbaren Titeln trage dazu auch die wachsende Gerätebasis bei: nach BITKOM-Prognosen sollen alleine im Jahr 2013 bis zu 1,4 Millionen klassische E-Reader sowie mehr als 5 Millionen Tablets verkauft werden.

Zahl der E-Book-Käufer noch gering

Das klingt nach großem Potential – das aber vom Buchhandel auch erstmal ausgeschöpft werden muss. Der Marktanteil von E-Books lag im Jahr 2012 laut aktuellen GfK-Zahlen erst bei knapp über drei Prozent. Auch die Zahl der tatsächlichen E-Book-Käufer ist noch sehr niedrig: laut Bowker lag sie in der ersten Jahreshälfte 2012 in Deutschland bei unter 10 Prozent der Bevölkerung, in den USA dagegen schon bei fast 60 Prozent. Besondere Hoffnungen darf die Branche auf die technikaffine Generation der unter 50-jährigen setzen: zwischen Pubertät und Midlife-Crisis liegt die Rate der E-Book-Präferenz bei etwa einem Viertel der Bevölkerung. Was für den deutschen Markt im Vergleich zu anderen Ländern aber sehr auffällt: die 14- bis 29jährigen sind den 30- bis 49jährigen nur um ein Prozent voraus (25 Prozent vs. 24 Prozent). Wäre das anders, würde man auch Action-Adventures wie Grand Theft Auto als E-Books werten?

Silversurfer lieben Papier

Doch immerhin: die über 65jährigen wohnen dagegen noch zu 95 Prozent in den gedruckten Letternwüsten der Gutenberg-Galaxis, in der Kontaktzone zwischen Spätadoleszenz und Silversurfern (50 bis 64 Jahre) bevorzugen 84 Prozent Papier. Als Grund für die kulturkonservative Haltung der Älteren nennt BITKOM die vergleichweise geringe Zahl der Internetnutzer in Generation Ü 65 – knapp zwei Drittel der Pensionäre sind offiziell offline. Allerdings bleibt fraglich, wie verlässlich solche Angaben in Zeiten des Smartphones eigentlich noch sind. Sicher scheint auf jeden Fall: von den Vorteilen des elektronischen Lesens könnten gerade die Silversurfer besonders profitieren: erst vor kurzem hatte eine empirische Lesestudie der Universität Mainz gezeigt, dass Senioren auf den hellen und kontraststarken Displays von Tablets deutlich besser lesen können als auf Papier.

Abb.: flickr/thekellyscope (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".