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Bitcoins kontra AmazonCoins: Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Walled Garden

6 Mrz 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

Wenn BitCoins die Regionalwährung des Internets sind, dann ist der neue BitcoinStore so etwas wie der Intershop für Digital Natives. Denn hier hat man nicht nur 500.000 Elektronikartikel zur Auswahl, sondern kann auch mit virtueller Münze blechen – und eine Menge Geld sparen. Bezahlen mit BitCoins funktioniert nämlich dezentral auf Peer-to-Peer-Basis, es fallen keine Bankgebühren oder Kreditkartenkosten an. Dadurch kann der BitcoinStore seine Waren bis zu 10 Prozent niedriger anbieten als die Konkurrenz, Amazon eingeschlossen. Die Transaktionskosten bei der auf fälschungssicherer Verschlüsselung beruhenden Alternativwährung liegen bei 0,007 Euro, also unterhalb von 1 Cent.

“Wir wollen Amazon zwingen, Bitcoins zu akzeptieren”

Ziel des BitcoinStores ist es aber nicht, Amazon & Co. überflüssig zu machen, sondern den BitCoinStore selbst – und zwar, indem man den großen Playern die Krypto-Valuta schmackhaft macht: “Idealerweise soll diese Seite Amazon, Newegg oder Rakten dazu bewegen, Bitcoins zu akzeptieren. Tun sie das, ist unser Job erledigt. Wir werden mit diesen Unternehmen nicht dauerhaft konkurrieren können. Der einzige Grund, warum wir es jetzt tun, sind die Bitcoins. Sobald die anderen Bitcoins annehmen, haben sie uns um unseren Wettbewerbsvorteil gebracht, und wir werden darüber froh sein”, so BitcoinStore-Marketingchef Jon Holmquist gegenüber IEEE Spectrum.

Der Zeitpunkt dieses „friendly takeovers“ kommt nicht ganz überraschend: schließlich hat Amazon selbst vor einigen Wochen den Start einer virtuellen Währung namens AmazonCoins angekündigt, die speziell auf das Kindle-Fire-Ökosystem ausgerichtet ist. Mit den „Bezos-Talern“ kann man ab Mai 2013 in den USA zunächst Apps & Games im firmeneigenen App-Store einkaufen, auch beim In-App-Shopping soll man damit bezahlen können. Für den Kauf von E-Books oder E-Mags gelten die Coins jedoch vorerst nicht. Um die Amazon-Kunden zum Umstieg auf die neue Währung zu motivieren, werden zum Launchtermin AmazonCoins im Wert von dutzenden Millionen Dollar verschenkt.

Ein BitCoin ist zur Zeit 30 Dollar wert

Zumindest aufmerksamkeitsökonomisch haben die BitCoin-Evangelisten nun erstmal die Nase vorn – fraglich ist aber, ob sie überhaupt bis zum Start der AmazonCoins durchhalten werden. Denn um den Liefervertrag mit dem Großhändler Ingram Micro verlängern zu können, muss der BitcoinStore bis Ende März Waren im Wert von 800.000 Dollar absetzen. Immerhin soll es in den USA bereits mehr als 100.000 Internetnutzer geben, die BitCoins im digitalen Portemonnaie haben – mancherorts wird die Peer-to-Peer-Währung nämlich schon seit längerem akzeptiert, so etwa bei der Nachrichtenbörse Reddit oder beim Webhoster Namecheap.

Der große Durchbruch der 2009 gestarteten BitCoins blieb jedoch bisher aus. Nach anfänglicher Euphorie brach der Umtauschkurs ein, Mitte 2011 war ein BitCoin nur noch 5 Dollar wert. Doch seit Jahresanfang ging es wieder steil nach oben – auf der Handelsplattform MtGox notiert der BitCoin momentan bei 30 Dollar. Würde Amazon auf die Krypto-Währung umsteigen, dürfte das Vertrauen der Nutzer weiter rapide zunehmen. Strategisch marschiert Amazon allerdings seit jeher stramm in Richtung „Walled Garden“. Nach eigenen Dateiformaten (.mobi), eigenen DRM-Konzepten und eigenem App Store klingt die eigene Währung da nur konsequent. Ob der Wink mit dem BitCoin-Zaunpfahl da hilft?

(via spectrum.ieee.org)

2 Kommentare »

  • Gerd Taddicken schrieb:

    Moin!

    Bitcoin-David gegen Paypal-Goliath, so sieht es zur Zeit aus, und wird es evtl. auch bleiben. Es ist der ewige Kampf der Reichen gegen die, die weniger haben und umgekehrt…

    Nun hat uns das Internet meiner Meinung nach aber auch ein bisschen mehr ,Demokratie’ gebracht. Vieles ist transparenter geworden – Nutzer können (weltweit) Kontakte knüpfen und sich austauschen.

    Vielleicht steigt der Bitcoin-Kurs aber auch aus dem Grunde, dass eben auch die Aktien steigen. Viele wollen bei der Spekulation ein Stück vom Kuchen abhaben.

    Bitcoin hat natürlich den Vorteil der geringeren Kosten, da auf dem kurzem Wege bezahlt wird. Andere noch bestehende Schwierigkeiten – eingebildete oder vorgeschobene – werden in den kommenden Jahren per Softwareoptimierung ausgeräumt werden.

    Gerd regiert die Welt – lehnen wir uns gemütlich zurück, wie sich alles entwickelt. Das meiste können wir sowieso nicht voraussehen. Wichtig ist aber auch – dass auch die ,Kleinen’ ihr Geiz-ist-geil-Mentalität stärker ablegen.

    Viele Grüße und eine schöne Woche

    Gerd Taddicken – Nordenham – 2013-03-10, So., ca. 21.58 h

    Link: http://www.e-book-news.de/bitcoinstore-kontra-amazon-wink-mit-dem-zaunpfahl-in-richtung-walled-garden

  • Zafolo schrieb:

    > “Der große Durchbruch der 2009 gestarteten BitCoins blieb jedoch bisher aus. ”

    Das klingt ein bißchen so wie “Die endgültige Entwicklung des 2011 geborenen Leonardo zu einem intelligentem Wesen bleibt bisher zum Entsetzen der Eltern aus: Er scheißt immer noch in seine Windeln, spricht undeutlich in drolligen Sätzen und kann weder Fahrrad fahren noch Schreiben oder Rechnen.”

    Was ist das Problem? Die Nützlichkeit einer Währung hängt von ihren Netzwerkeffekten ab und von ihrer Verbreitung. Bei Bitcoin kommt hinzu, dass es anfänglich sehr schwer war, sie zu erwerben.

    Richtig ist, dass es im Mai / Juni 2011 einen Medienhype gab, der nicht dauerhaft war. Was Medienhypes aber nie sind.

    Wenn man sich aber Umtauschkurs, Zahl der Wechselbörsen und gehandelten Währungen, Zahl der Downloads der Software, Zahl der Nutzer von Unternehmen die Bitcoin akzeptieren, Zahl der Sprachen in denen über Bitcoin publiziert wird, dann sind das alles Größen die exponentiell wachsen.

    Dazu kommt, dass erst noch eine Infrastruktur geschaffen werden muss, die es genauso einfach macht, Bitcoins neu zu erwerben, wie sie jemandem übers Internet zu schicken. Modelle wie Instawallet oder BitIntant kommen dem schon recht nahe: Online-Überweisung ausfüllen mit Bitcoin-Adresse im Verwendungszweck bzw. ein Formular im Web ausfüllen, ausdrucken und beim nächsten WalMart eine Einzahlung machen.

    Diese Unfrastruktur entsteht also, aber das braucht Zeit.

    So what? E-Mail hat sich auch nicht in einem Jahr durchgesetzt. Viele Leute konnten sich anfangs nie vorstellen, dass so etwas nützlich ist. Mit Bitcoins wird es nicht anders sein.