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Bitcoins – Zukunft des Geldes, Zukunft des Crowdpublishings? (Dominic Frisby im Interview)

29 Okt 2014 3 Kommentare

„Die Dinge stehen so schlecht, dass in unserer Zeit nur ein Komödiant wirklich Sinn schöpfen kann aus einer Ökonomie, die auf dem Druck von Banknoten basiert“, schrieb vor einiger Zeit ein britischer Blogger. Diesen Comedian gibt es tatsächlich – nämlich Dominic Frisby. Zugleich ist Frisby – kein Scherz – aber auch Wirtschaftsjournalist. Perfekte Voraussetzung, um eins der ersten Sachbücher über Bitcoins überhaupt zu schreiben, und die Frage zu stellen: Sieht so die Zukunft des Geldes aus? „Bitcoins – the Future of Money?“ ist gerade frisch erschienen, und auch aus einem anderen Grund ein echter Hingucker: publiziert wurde es nämlich vom Crowdpublishing-Verlag Unbound, der für die Pre-Order-Kampagne erstmals weltweit auch Bitcoin-Zahlungen zuließ. E-Book-News sprach mit dem Autor über Krypto-Währungen und die Zukunft des Crowdfundings.

E-Book-News: Dass Autoren einen Vorschuss erhalten, ist ja nicht ungewöhnlich – bei „Bitcoin – The Future of Money“ kam der Vorschuss aber von den Lesern, und die Unterstützer können über ihr Unbound-Profil dem Autor sogar beim Schreiben über die Schulter schauen. Wie stark hat das Crowdfunding die Art und Weise Ihrer Arbeit verändert?

Dominic Frisby: Vollkommen. Ich habe noch nie ein Buch bei einem konventionellen Verlag herausgebracht. Ich wusste aber, dass es eine Menge Leute gibt, die meine Arbeit schätzen. Schon mein erstes Buch – „Life after The State“ – konnte mit Hilfe der Crowd schnell finanziert werden, und schon ging’s los. Ich musste nie herumsitzen und auf die Entscheidung eines Verlegers warten. Das ist sehr befreiend. Ich hatte schon in den 1990ern, also vor der Self-Publishing-Revolution, zwei Bücher geschrieben, bekam aber keines von beiden veröffentlicht. Diese Erinnerung wirkt noch fort…

Ein sehr bemerkenswerter Aspekt der Crowdfunding-Kampagne für „Bitcoin – The Future of Money“ war die Möglichkeit, mit Bitcoins zu bezahlen. Inwieweit könnte Crowdfunding in Zukunft durch den Boom der Krypto-Währungen beeinflusst werden?

Ich denke Krypto-Währungen sind der Take-Off-Faktor für Crowdfunding. Eine Menge Projekte sind dadurch ins Rollen gekommen. Krypto-Crowdfunding hat die Bobfahrer aus Jamaika bei den letzten olympischen Winterspielen in die Spur gebracht, ähnlich war es bei den indischen Rennrodlern. Im Bereich Charity wurden auf diese Weise Sanitärtechnik in Afrika finanziert oder Obdachlosen-Arbeit in Nordamerika. Aber auch reguläre Geschäftsideen, Kunst-Projekte, und vieles anderes. Ich habe die Crowdfunding-Kampagne für den Bitcoin-Comic via Swarm unterstützt, das war eins der einfachsten Dinge der Welt. Krypto und Crowdfunding, das geht zusammen wie Milch und Kaffee.

Das Bitcoin-Konzept ist ja ziemlich abstrakt. Aber dann ist da natürlich der legendenumwobene Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto – über den in den Medien sehr viel gerätselt und diskutiert wird. Wie wichtig ist Nakamoto für den Erfolg von Bitcoins?

Sehr wichtig. Er hat eine Sache zum Laufen gebracht, an der viele Leute zwanzig Jahre lang herumprobiert hatten und die beinahe aufgegeben wurde. Satoshi Nakamoto war unglaublich vorausschauend, anscheinend auf alle Eventualitäten vorbereitet. Zu wissen wer er wirklich ist, scheint mir momentan keine so große Bedeutung mehr zu haben (allerdings meine ich das Puzzle in meinem Buch gelöst zu haben). Viel wichtiger ist, dass er eine wichtige Weichenstellung ausgelöst hat, von den Möglichkeiten her, die er den Menschen eröffnet hat, rangiert Satoshi Nakamoto auf Augenhöhe mit Tim Berners Lee [Erfinder des World Wide Web, A.W.].

Kürzlich hat jemand die Diskussion über Krypto-Währungen mal so zusammengefasst: „So weit, so gut, aber würden wir unserer Großmutter ernsthaft Bitcoins empfehlen“? Was würden Sie tun!?

Ich würde ihr empfehlen, ein Bitcoin-Wallet anzulegen, Bitcoins im Wert von 20 Euro zu kaufen, und mit einer Freundin, die dasselbe tut, die Sache mal auszuprobieren und kleine Beträge hin- und herzuschicken. Dann würde ich ihr empfehlen, in ein angesagtes Café zu gehen und einen Kaffee mit Bitcoins zu bezahlen.
Würde ich ihr empfehlen, größere Geldsummen zu nehmen und damit in Form von Bitcoins zu spekulieren? Nein. Bitcoins sind zur Zeit in der Baisse, ein Bärenmarkt, und können noch sehr viel tiefer fallen (sie könnten natürlich auch wieder steigen). Aber die Großmutter ist zu alt um mit etwas zu spekulieren, dessen Wert sich nochmal um 95 Prozent reduzieren könnte. Die Leute wahren viel zu begeistert von Bitcoins – als Anleger macht mich das nervös.
Was die Bitcoin-Technik an sich – die Blockchain – und ihre Aussichten betrifft – da bin ich aber sehr zuversichtlich. Das wird glaube ich die Welt verändern. Aber die Wertentwicklung von Bitcoins? Da habe ich ein weitaus ambivalenteres Gefühl.

(Die englischsprachige Version des Interviews gibt’s auf auf ebooknews press.)


Dominic Frisby,
Bitcoins – The Future of Money?
Paperback (via Amazon) 10,50 (ab 1. Nov. 2014)
E-Book (Kindle) 5,14 Euro

Abb.: dominicfrisby.com (c)

3 Kommentare »

  • Bitcoins – Zukunft des Geldes, Zukunft des Crowdfundings? « Krautfunding.net schrieb:

    […] Anlässlich des Buch-Starts sprach ich mit dem Autor über Krypto-Währungen und die Zukunft des Crowdfundings – die englische Version des Interviews findet man auf ebooknews-press, die deutsche Übersetzung des Interviews auf E-Book-News. […]

  • Bitcoins – Zukunft des Geldes, Zukunft des Crowdpublishings? « Krautfunding.net schrieb:

    […] sprach ich mit dem Autor über Krypto-Währungen und die Zukunft des Crowdfundings. (Die deutsche Übersetzung des Interviews wie auch eine ausführlichere E-Book-Review findet man auf […]

  • Jürgen schrieb:

    Bitcoins sind der größte Schwindel der Internet-Ökonomie. Warum? Weil Sie Fake sind.

    Geldeigenschaft zeichnet sich durch einige Faktoren aus, die unverzichtbar sind:
    – Teilbarkeit (damit man sie addieren, subtrahieren kann) – Bitcoins? Check
    – anerkanntes Zahlungsmittel (egal, ob legal oder illegal) – Bitcoins? Fail
    – Fälschungssicher – Bitcoins? Vielleicht? Vielleicht nicht? Fail
    – Praktikabel – Bitcoins? Jedenfalls nicht, wenn ich beim Bäcker bezahlen will. Fail
    – Selten – Ansonsten droht Inflation – Bitcoins? Seltenheit erzwingen mit Rechenpower? Da kann ich ja nur lachen. Fail
    – Wertbeständig – Bitcoins? Hahaha

    Ich finde es interessant, dass gerade digitale Verschwörungstheoretiker so sehr auf diese Fake-Money stehen. Sie sehen überall nur Hinterhalt und Böses, vertrauen aber auf einen Schwindel, der größer ist als die Jungfräuliche Geburt. Da gehe ich lieber wieder Telekom-Aktien kaufen.