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„Bezoston Post“ als exklusive App für das Kindle Fire – neue Chance für alte Zeitung?

27 Nov 2014

“Wir werden erfinderisch sein müssen und experimentieren“, verkündete Jeff Bezos im August 2013 den Beschäftigten der Washington Post. Das war kurz nachdem der Multimilliardär aus dem „anderen Washington“ (=Seattle) das traditionsreiche Blatt mit 250 Millionen Dollar aus der Privatschatulle mal eben so gekauft hatte. Schon damals schien klar: die „WaPo“ würde eines Tages im Kindle-Universum auftauchen – und nun ist es tatsächlich so weit. Ein drahtloses Update bringt die WaPo-App in diesen Tagen auf Millionen Kindle Fire-Tablets zwischen der amerikanischen Ost- und Westküste, zu den bei Amazon üblichen großzügigen Eröffnungs-Konditionen. Ein halbes Jahr lang können die Fire-Nutzer alle Inhalte der App kostenlos nutzen, danach wird sie für ein weiteres halbes Jahr zum Preis von einem Dollar pro Monat zu haben sein. Für den Rest der Android-Welt und die Apple-Fraktion wird es die „WaPo“-App erst 2015 geben. Die grafisch aufwändig gestaltete App wird zweimal pro Tag komplett aktualisiert, jeweils um fünf Uhr morgens und fünf Uhr nachmittags Washingtoner Zeit.

Bezos als „aktivster Beta-Tester“

Entwickelt wurde die App in enger Kooperation mit Bezos selbst: „Wir waren ununterbrochen im Gespräch“, berichtete Shailesh Prakash, Technologie-Chef der WaPo, gegenüber The Drum, und bezeichnete Bezos als „unseren aktivsten Beta-Tester“. Ähnlich euphorisch äußerten sich in der NYT auch andere Mitglieder des Managements und betonten, die App sei sichtbares Zeichen dafür, dass hier zwei Firmenkulturen miteinander verschmelzen würden. Zwei Firmenkulturen, die wohl kaum unterschiedlicher sein können – denn bisher war die WaPo mit einem stark lokalen Fokus und ansonsten eher planlos in das Internetzeitalter geschlittert. Die Mutation zur Bezoston Post birgt nun eine Menge neuer Möglichkeiten, u.a. vor allem die, auf nationaler und internationaler Ebene durch die relaunchte digitale Ausgabe wieder stärker wahrgenommen zu werden.

Nützlicher Synergieeffekt oder „Zwangsbeglückung“?

Die veränderte Einstellungspolitik zugunsten nationaler Berichterstattung scheint ebenfalls in diese Richtung zu weisen. Zudem sind 16 Redakteure ausschließlich damit beschäftigt, die journalistischen Inhalte speziell für die App aufzubereiten, also Texte und Überschriften knackiger für die breite Masse der Online-Leser zu machen. Angesichts der großen Reichweite des Kindle-Universums dürfte die App auf jeden Fall eine einmalige Chance darstellen, in kurzer Zeit hunderttausende neue Leser zu gewinnen – selbst wenn es sich bei diesen Synergieeffekten am Ende um eine Form der Zwangsbeglückung handelt. Um diesen Eindruck zumindest aus Kundensicht zu vermeiden, beeilte sich Amazon mitzuteilen, das automatische App-Update könne man auch ganz einfach wieder löschen.

(via The Drum & The Next Web)

Abb.: Screenshot Amazon.com