Bezahl, was du willst: das „Humble Audiobook Bundle“ startet – bald auch in Deutschland?

Bei Humble Bundle wurden schon viele Pakete geschnürt, nicht nur Indie-Games, sondern auch DRM-freie Indie-E-Books, immer nach dem Pay-What-You-Want-Prinzip, kombiniert mit einer cleveren Crowdfunding-Logik: wer mehr gibt als der Durchschnitt, erhält zusätzliche Bonus-Titel. Nun wird das äußerst erfolgreiche Konzept zum ersten Mal auch mit DRM-freien Hörbüchern ausprobiert – das „Humble Audiobook Bundle“ ist da. Noch 11 Tage lang kann man für eine Handvoll Dollars (wenn man besonders geizig ist, auch für eine Handvoll Cents) fünf MP3-Hörbücher herunterladen – darunter Einspielungen von Salman Rushdies „Satanischen Versen“, William S. Bourroughs Fünfziger-Jahre-Drogenroman „Junky“ oder des Mystery-Thrillers „Found“ von Margaret Peterson Haddix.

Pay-What-You-Want trifft Crowdfunding

Wer die Spendierhosen anhat, und mehr als den derzeitigen Durchschnitt von 5,95 Dollar zahlt, erhält dazu drei weitere Audiobooks, besonderer Leckerbissen: Piers Anthonys Sci-Fi-Fantasy-Story „On a Pale Horse“. Bereits in wenigen Tagen wurde das „Humble Audio Bundle“ mehr 23.000 mal verkauft, und wie üblich geben einzelne Unterstützer erstaunlich hohe Summen in den Hut: die Top 10 reichen von 55 Dollar bis zu 100 Dollar. Was nicht nur an der Ersparnis liegt, die das Bundle verspricht – zum normalen Ladenpreis ist es nämlich mehr als 600 Dollar wert. Man kann nämlich auch einen Teil der Summe für den guten Zweck spenden – diesmal an die Non-Profits „Electronic Frontier Foundation“ und „Worldreader“. Besonders vorbildlich: die Käufer können über virtuelle Schieberegler selbst entscheiden, wieviel Prozent ihres Beitrags an die Autoren bzw. Hörbuchproduzenten geht, wieviel an die Non-Profits, und auch welchen Provision sie den Humble-Bundle-Veranstaltern zubilligen.

Hörbuch-Bundle auch in Deutschland möglich

Bei den beiden bisherigen Humble E-Book-Aktionen kamen insgesamt mehr als 1,8 Millionen Dollar zusammen, und mehr als 140.000 Bündel wurden über den digitalen Tresen gereicht. Wahrlich ein Best-Practice-Beispiel für die Kraft des Crowdpublishings – denn das Projekt wurde völlig an der klassischen Buchbranche vorbei realisiert. In Deutschland ist die Gutenberg-Galaxis vor ähnlichen E-Book-Bundles durch die aktive Abmahnlobby des Börsenvereins relativ sicher – bei Audiobooks dagegen, die nicht der Preisbindung unterliegen, wäre eine solche Aktion jederzeit möglich. Da die deutsche Indie-Szene sich ohnehin gerade stärker organisiert (siehe etwa Plattformen wie Qindie), könnte es sogar schon bald den ersten Versuch geben…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".