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Bezahl‘ doch, was du willst: „Humble Ebook Bundle“ toppt 1 Mio. Dollar

23 Okt 2012

Von wegen „bescheidenes E-Book Bündel“: in nur 14 Tagen verkaufte eine Gruppe von Independent-Autoren über die Plattform humblebundle.com mehr als 84.000 E-Book-Bündel, und nahm bis dato satte 1,2 Mio. Dollar ein. Mit von der Partie sind Sci-Fi-Schreiber wie Cory Doctorow („Pirate Cinema“) oder John Scalzi („Old man’s War“), aber auch Comic-Zeichner wie Zack Weiner. Das Geheimnis des Erfolgs liegt nicht nur im Bündeln allein – noch viel mehr Aufmerksamkeit schafft das crowdfunding-ähnliche Bezahl-Prinzip „Pay-what-you-want“. Denn schon ab 1 Cent bekommt man das Standard-Bündel mit sechs Titeln. Spendet man jedoch mehr als den Durchschnittswert (aktuell liegt der bei knapp 14 Dollar), wächst das Bündel auf insgesamt 13 E-Books und E-Comics. Auch das ist immer noch ein tolles Schnäppchen – denn im normalen Verkauf müsste man etwa 157 Dollar für die geballte E-Lektüre berappen. Wie es sich bei Independent-Autoren gehört, sind die E-Books DRM-frei und in zahlreichen Formaten erhältlich.

Autoren-Tantieme kann man selbst festlegen

Abgesehen vom Preis kann der Käufer zudem festlegen, wie die Kaufsumme aufgeteilt wird. Neben der Tantieme für die Autoren und einem Trinkgeld für die Plattform kann man Geld an drei Organisationen spenden: an die Digital-Rights-Aktivisten der Electronic Frontier Foundation, an Child’s Play Charity sowie an den Verband der Science Fiction- und Fantasy-Schriftsteller. Die Default-Einstellung schlägt einen Verteilungsschlüssel von 16,25 Dollar (Autoren), 5 Dollar (Charity) sowie 3,25 (Humble Bundle Plattform) vor. Über virtuelle Schieberegler kann man den Proporz frei nach Gusto gestalten, zwei Buttons ermöglichen es auch, die komplette Summe entweder zu wohltätigen Zwecken oder an die Autoren zu geben. Wie die Spenden-Top-Ten zeigt, haben viele Humble-Bundle-Fans sogar dreistellige Summen in die digitale Sammelbüchse geworfen. Im Durchschnitt geben Linux-Nutzer übrigens am meisten, Windows-Nutzer sind am geizigsten, die Mac-Gemeinde liegt dazwischen.

Download über P2P-Plattformen möglich

An den Start gegangen ist die Plattform mit dem Bezahl-was-du-willst-Prinzip schon 2010 unter dem Namen „Humble Indie Bundle“, und sollte unabhängigen Spieleentwicklern die Vermarktung ihrer Produkte zu ermöglichen. Bereits das erste Bundle (inzwischen gab’s mehr als ein Dutzend) erzielte mehr als 100.000 Downloads und spielte knapp 1 Mio. Dollar ein, der Rekord lag bisher bei knapp 5 Mio. Dollar. Nach Games begann die Plattform im Sommer 2012 erfolgreich mit gebündelter Indie-Musik zu experimentieren. Mit dem „Humble E-Book Bundle“ ist nun auch die Machbarkeit alternativer Marketing-Strategien in der Buchbranche bewiesen. Würden die Humble Bundle-Downloads als normale Buch-Käufe zählen, wären die teilnehmenden Autoren wohl bereits auf der Bestseller-Liste der New York Times gelandet. Was Vertreter der Gutenberg-Galaxis am meisten überraschen dürfte: der Download erfolgt nicht nur über Direkt-Links, sondern auch über P2P/BitTorrent, wird also an die Crowd ausgelagert. Die meisten Humble Bundles tauchen somit irgendwann auf Torrent-Plattformen wie etwa PirateBay auf.

Abb.: Screenshot