Bestseller-Vorhersage: Netflix nutzt File-Sharing-Hitparade – Vorbild für Buchbranche?

Das beste Mittel gegen Datenpiraten ist die Flatrate – das haben Streaming-Dienste wie Spotify (Musik) oder Netflix (Video) bereits bewiesen. Der endgültige Beweis im Buchsektor steht noch aus, dafür gibt’s schon mal eine weitere schöne Idee zum Nachmachen: um zu erfahren, welche Serien beim Netzpublikum besonders angesagt sind, schaut der Streaming-Dienst Netflix ganz einfach auf die Download-Statistiken von BitTorrent-Netzwerken. „Wenn wir Serien einkaufen, achten wir darauf, was auf den Piraten-Plattformen gut läuft“, so Kelly Merryman, bei Netflix zuständig für die Content-Akquise. Dass Netflix etwa in den Niederlanden in diesen Tagen mit einer Serie wie „Prison Break“ an den Start geht, hat insofern einen besonderen Grund: „Prison Break ist auf den File-Sharing-Plattformen außergewöhnlich populär“, so Merryman.

Auch aus anderen Gründen scheint das Netflix-Management nicht ganz unglücklich mit dem eigenwilligen Download-Verhalten der Crowd zu sein: „Sicherlich gibt es immer Torrent-Downloads, und zwar überall auf der Welt, doch das erzeugt teilweise überhaupt erst die Nachfrage“, so Netflix-CEO Reed Hastings. Der Streaming-Dienst setzt darauf, dass Serien-Junkies irgendwann zum professionellen Anbieter wechseln, um komfortabler konsumieren zu können: „Netflix ist viel einfacher als das Herunterladen von BitTorrents. Man muss sich nicht mit Dateien herumärgern, man klickt nur kuckt“, so Hastings. Die Strategie scheint aufzugehen: in Kanada etwa sank der BitTorrent-Traffic um 50 Prozent, seitdem Netflix dort vor drei Jahren den Betrieb aufnahm. Ähnlich wirkt offenbar Spotify – für Länder wie die Niederlande , in denen der Musikstreaming-Dienst bereits seit 2010 präsent ist, liegen vergleichbare Daten vor.

Prinzipiell dürften solche Mechanismen auch im bestseller-gesteuerten Buchmarkt wirken – dort werden wichtige Teile des Umsatzes mit literarischen Blockbustern von „Harry Potter“ bis „50 Shades of Grey“ generiert, deren elektronische Versionen auch längst in der File-Sharing-Szene zirkulieren. Allerdings fehlen bisher noch mit Netflix oder Spotify vergleichbare legale Flatrate-Angebote. Neu angetretene Flatrate-Apps wie Oyster und eReatah locken in den USA zwar mit niedrigen Monatsraten, konnten bisher jedoch nur eine Minderheit der großen Verlage ins Boot zu holen. Noch magerer sieht’s in Deutschland aus – zumal die einzige überhaupt ernstzunehmende Plattform Skoobe nun auch noch die kostenlose Testphase abgeschafft hat. Man hat den Eindruck: viele Verlage wollen ihre Bestseller nicht via Flatrate „verramschen“. Doch damit erreichen sie am Ende nur das Gegenteil. Die am meisten piratisierte TV-Serie ist nicht zufällig „Game of Thrones“ – der produzierende Sender HBO weigert sich, die Streaming-Rechte an Netflix zu verkaufen.

(via torrentfreak.com)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".