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Bestseller-Listen bald genauer? Media Control erhält Daten von Amazon

29 Nov 2016 0 Kommentare

alles-kaese„Media Control: Wie die Medien uns manipulieren“ – ein schönes Motto! Wäre Noam Chomskys gleichnamiges Sachbuch (erschienen 2013) ein Megaseller auf Amazon.de geworden, hätte die GfK den Schmöker möglicherweise zum allgemeinen Bestseller nominiert, Media Control (& damit u.a. die SPIEGEL-Bestsellerliste) wohl nicht. Denn im Krieg um die Daten galt lange Zeit: die GfK darf Amazon-Verkaufsdaten nutzen, Media Control dagegen nicht.

Im Krieg um die Daten verlieren alle

Dafür wiederum hielten sich lange Zeit große Buchhandels-Player wie Thalia und KNV gegenüber der GfK bedeckt. So nach dem Motto: nur wer von uns mit Marktforschung beauftragt wird, erhält auch unsere Daten. Und auch eBuch, Deutschland größte Buchhandelsgenossenschaft, lieferte Daten exklusiv an Media Control. Das Ergebnis war allerdings: es gab überhaupt keine Bestseller-Liste mit allgemeingültigem Anspruch. Alle waren Verlierer, mal abgesehen von Media Control und GfK.

„Jetzt inklusive Amazon“

Irgendwann aber hatte die Branche ein Einsehen, und man schloss das eine oder andere Gentlemen’s Agreement. Letzte Etappe: Media Control erhält repräsentative Verkaufsdaten vom Marktführer des Online-Buchhandels. „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass das Media Control-Handelspanel jetzt inklusive Amazon ist“, habe das Buch-Team von Media Control seinen Kunden diese Woche mitgeteilt, berichtet Buchreport. Bisher wurde nämlich schlicht „der E-Commerce aus den Daten kleinerer Online-Shops hochgerechnet“.

Bis auf weiteres alles Käse?

Man darf also gespannt sein, inwieweit sich unterschiedliche Bestseller-Listen, etwa die GfK-gepowerte des Börsenvereins (Platz eins bei Hardcover Belletristik derzeit: „Gregs Tagebuch 11 — Alles Käse“) oder die Meddiacontrolte des SPIEGELs (Platz eins derzeit: „Harry Potter und das verwunschene Kind“) in den kommenden Monaten angleichen. Vielleicht tun sie es, vielleicht auch nicht. Selbst wenn, wird wohl die alte Branchenweisheit in Sachen Medienkontrolle weiter gelten: Bestsellerlisten bilden nicht den realen Buchmarkt ab, sie werden gemacht.

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