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Benioff auf Bezos Spuren: Salesforce.com-Gründer kauft das Time Magazine

19 Sep 2018

time-magazine-gerettetUnd wieder ein neues Kapitel aus der Serie: Tech-Milliardär kauft sich eine finanziell klamme Print-Zeitung, bzw. ein Print-Magazin… Das renommierte Time Magazine geht an … das Milliardärs-Ehepaar Marc & Lynne Benioff, Kaufpreis: 190 Millionen Dollar. Im Unterschied zu prominenten Investoren wie Jeff Bezos (Washington Post) oder Laurene Powell-Jobs (The Atlantic) mögen die Gründer des Cloudcomputing-Dienstleisters Salesforce.com zwar nicht ganz so im Rampenlicht stehen. Die vorgeblichen Gründe für den Zukauf ähneln sich aber — es geht darum, eine Institution der Presselandschaft zu erhalten:

„We are honored to be the caretakers of one of the world’s most important media companies and iconic brands“, so die offizielle Pressemitteilung. „TIME has always been a trusted reflection of the state of the world.“

Große Tradition für vergleichweise kleines Geld

Die Kaufsumme bewegt sich dabei eher am unteren Rand der inzwischen üblichen Summen. Bezos bezahlte vor einigen Jahren aus seiner Privatschatulle 250 Millionen Dollar für die Washington Post, der Biotech-Milliardär Patrick Soon-Shiong erwarb erst in diesem Sommer die LA Times, den San Diego Union Tribune und diverse Regionalblätter für 500 Millionen Dollar.

Von Berlusconisierung mag niemand sprechen

Von Berlusconisierung wollen in diesem Zusammenhang aber nicht mal Publizistik-Experten sprechen — meist wird das Engagement der Superreichen als eine weitere Sparte der Philanthropie per Scheckbuch subsummiert. Angesichts der weiter schwelenden Zeitungs- und Zeitschriftenkrise sind die meisten Beobachter wohl ganz einfach froh, dass wichtige Titel auf diese Weise genug Geld in der Kasse haben, um einigermaßen unbeschadet den Übergang vom Print- zum Digitalmedium zu schaffen. Stiftugnsfinanzierter Journalismus alleine scheint jedenfalls nicht auszureichen, um die „Vierte Gewalt“ dauerhaft zu stabilisieren.