Behind Paywall, Didn’t Read (bp;dr) – Paid Content-genervte Leser prägen neues Akronym

Wer online liest, lernt kurze Informationshäppchen zu schätzen. Selbst die Beschwerden über zu lange Texte werden abgekürzt, dafür hat sich das Akronym „tl;dr“ eingenetzbürgert, was so viel heißt wie: „too long; didn’t read“. Seit dem Microblogging-Boom wird diese leicht nerdige Formel besonders häufig genutzt – Sascha Lobo etwa fasst unter diesem Kürzel seine Mensch-Maschine-Kolumnen auf SPOL in einer twitterfähigen Form zusammen. Man kann „tl;dr“ natürlich auch als Warnung verstehen, dass sich hinter dem getwitterten Link eine Textwüste verbirgt, deren Lektüre nicht lohnt.

„Hinter der Bezahlschranke, hab‘ ich nicht gelesen“

Doch in Zeiten von Paid Content muss man eigentlich froh sein, überhaupt noch einen vollständigen Artikel präsentiert zu bekommen. Immer öfter führen jedoch Social Media-Links in die Irre – statt beim Content landet man vor einer Bezahlschranke. Ein frustrierter Twitter-Nutzer namens @NeuroPolarbear hat deswegen ein neues Akronym geprägt – aus tl;dr wurde bp;dr, was soviel heißen soll wie „behind paywall; didn’t read“. Also etwa: „Hinter einer Bezahlschranke, habe ich nicht gelesen“.

„bp;dr“ bereits im Urban Dictionary aufgenommen

Das neue Kürzel eroberte die Herzen der Twitter-Gemeinde im Sturm – mittlerweile wurde es auch schon in das legendäre „Urban Dictionary“ aufgenommen. Inklusive eines kleinen Anwendungsbeispiels für die gepflegte Chat-Kommunikation: „Dude, did you read that spectacular paper on embryonic stem cells? — „Sorry, bp;dr“. Man kann nur hoffen, dass „bp;dr“ nicht nur bei den OpenAccess-Befürwortern in der Scientific Community, sondern vor allem auch bei den Nutzern von Nachrichtenportalen zum Standard wird. Denn hinter Bezahlschranken versteckter Content führt nicht nur das Prinzip des Hyperlinks ab absurdum, er produziert auch ständig Verstöße gegen die Netiquette: innerhalb eines sozialen Netzwerks möchte man schließlich darauf vertrauen können, dass die Mehrzahl der verschickten Links auch funktioniert. Tun sie das nur bei zahlenden Abonnenten, produziert der Klick auf den Twitter- oder Facebook-Button für die Nicht-Zahler unter den Followern eine Mischung aus Spam und Kaltakquise.

(via The-Digital-Reader & BigThink)

Abb.: Flickr/Mmcdj (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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