[e-comic-review] Beam me up, Steve: Star Trek als E-Comic auf iPhone und iPod

Der neue Star Trek-Film (Kinostart: 7. Mai) spielt in ferner Zukunft, genauer gesagt im Jahr 2258. Und zugleich in der Vergangenheit, denn es geht in dem „Prequel“ um die Jugendjahre von Kirk, Spock & Co. Für iPhone-Besitzer nichts neues: denn sie kennen viele Details dieses Handlungstrangs schon aus dem E-ComicStar Trek: Countdown„. Die Sci-Fi-Bildergeschichte stammt wie das Filmdrehbuch aus der Feder von Robert Orci, Alex Kurtzman und J.J. Abrams. Im Zentrum steht die Biographie des romulanischen Leinwand-Bösewichts Nero. Die vierteilige Comic-Reihe soll die Vermarktung des Kino-Films unterstützen. Dabei geht man auch medial neue Wege: Der amerikanische Verlag IDW bietet den von David Messina gezeichneten Pre-Prequel nicht nur als Print-Version an, sondern eben auch im iTunes-Store für iPhone und iPod Touch. Heißt die Fortsetzung von „Video killed the radio star“ also bald „iPhone tötet die Heftchen-Helden?“

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Zehn Millionen iPhone- und iPod-Besitzer sind zehn Millionen potentielle E-Comic-Leser

Doch Nostalgie für Papierhelden ist die eine Sache, die Liebe zum Papiergeld eine ganz andere. Knapp 10 Millionen iPhone- und iPod-Besitzer weltweit sind schließlich 10 Millionen potentielle Kunden, die nur einen Touch-Screen-Klick entfernt wohnen. Beim IDW-Vertriebspartner iVerse, spezialisiert auf E-Comic-Anwendungen für iPhone wie auch Google Android, spricht man deswegen lieber etwas blumig davon, Papier- und E-Comic befänden sich mittlerweile auf Augenhöhe, wobei jedes Medium für sich einzigartig sei. Ausserdem wäre es doch denkbar, dass sich E-Books positiv auf den Absatz der Hefte auswirken: „Wir hoffen, die Comicleser auf dem iPhone sind so begeistert, dass zumindest einige von ihnen nicht nur digitale Versionen kaufen, sondern auch mal zu ihrem Comic-Händler vor Ort gehen“. Tja, wer möchte auch schon am Ende des Comic-Heftes schuld sein?

Werden die E-Comics für das iPhone von Leuten heruntergeladen, die nie ein Comic-Geschäft betreten haben?

IDW-Chef Ted Adams zufolge sind die Märkte aber ohnehin eher getrennt voneinander zu sehen: „Das ist ein ganz neues Publikum, E-Comics werden von Leuten heruntergeladen, die noch nie ein Comic-Geschäft betreten haben.“ Gerade deshalb würden sich beide Medien perfekt ergänzen: „Wir werden genauso viele iTunes apps verkaufen wie Print Versionen, also eine ganze Menge“. Die aktuellen Zahlen scheinen das zu bestätigen: Publishers Weekly zufolge ist das E-Book unter den Top 100 aller Apps auf iTunes, und auch von der Printversion wurden dem Business-Portal ICv2.com zufolge bereits 15.000 Hefte verkauft.

Mit Horror, Sex and Crime hat Apple allerdings ein Problem: iTunes-Apps sollen jugendfrei bleiben

Auch Apple selbst zeigt offenbar zunehmendes Interesse an Comic-Inhalten für das iPhone. So wurde auf iTunes eine Extra-Seite nur für „Star Trek: Countdown“ eingerichtet, auf der man die iPhone-App (inklusive eingebautem E-Comic-Reader) für knapp einen Dollar (in Europa: 79 Eurocents) herunterladen kann. Publishers Weekly zufolge stößt die Vermarktung von Comics jedoch zugleich an die selbst gesteckten inhaltlichen Grenzen des Apple iTunes-Programms: denn vieles, was mit Sex und/oder Gewalt zu tun hat („adult or controversial content“) wird von Apple kategorisch abgelehnt. Ebenso populäre wie „harte“ Stoffe wie etwa IDWs Horror-Bestseller „30 Days of Night“ (Autoren: Steve Niles und Ben Templesmith) bleiben deswegen fürs erste auf andere Vertriebskanäle — wie eben die Printversion — beschränkt.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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