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E-Books wälzen US-Buchbranche um – Barnes&Noble vor der Übernahme

6 Aug 2010 1 Kommentar

barnes-noble-e-book-nookDer Umbruch in der amerikanischen Buchbranche beschleunigt sich: Nun erwägt Barnes&Noble eine Übernahme durch potentielle Investoren. Die größte US-Buchhandelskette mit über 770 Filialen kämpft mit steigenden Kosten und sinkendem Börsenwert. Investitionen in einen E-Book-Store und die Vermarktung des E-Readers Nook konnten daran nichts ändern – auch auf diesem Sektor hat Konkurrent Amazon die Nase vorn. Deswegen zogen die wichtigsten Aktionäre nun die Notbremse.

Die Zeit für „Brick&Mortar“-Shops scheint abzulaufen

Ob aufwärts oder abwärts: die Entwicklung der Buchbranche in den USA verläuft in beiden Richtungen äußerst rasant. Zu den größten Absteigern der Branche gehören mit Barnes&Noble sowie Borders ausgerechnet die beiden größten „Brick&Mortar“-Buchhändler. Der B&N-Flagship-Store an der Fifth Avenue, gegründet im Jahr 1932, mag noch so viel Glamour verbreiten. Insgesamt sind die Filialen aus Stein und Mörtel zum Klotz am Bein geworden. Die Leser shoppen immer öfter ganz woanders – vor allem bei Amazon. Der unaufhaltsame Aufstieg des in Seattle beheimateten Online-Riesen wird durch Brick&Mortar-Ballast nicht gebremst. Das erst 1994 gegründete Unternehmen hat heute einen Börsenwert von 57 Mrd. Dollar. Barnes&Noble ist dagegen nur noch schlappe 900 Millionen Dollar wert. Auch Borders musste kräftig Federn lassen, im letzten Jahr verbuchte der mit 170 Filialen zweitgrößte US-Buchhändler Verluste im dreistelligen Millionenbereich. Noch vor wenigen Jahren wurde spekuliert, Borders könnte von Barnes&Noble geschluckt werden. Nun gelten beide als Übernahmekandidaten – und 60.000 Angestellte bangen um ihre Arbeitsplätze.

Mit dem Nook-Reader wollte B&N dem Kindle Paroli bieten – nur wenige Monate vor dem iPad-Hype

Doch nicht nur der Kostendruck beim Vor-Ort-Verkauf macht Barnes&Noble Probleme – auch die kräftigen Investitionen ins E-Book-Business belasten die Bilanzen. Mit der Übernahme des Online-Portals Fictionwise stieg B&N Anfang 2009 ins E-Book-Business ein, im Sommer des Jahres folgte dann ein eigener B&N-Store für elektronische Bücher. Abgerundet wurde der Verstoß in das E-Book-Geschäft durch den Launch eines E-Readers namens Nook. Der Dual-Screen-Reader setzt einerseits auf E-Ink für hohen Lesekomfort, andererseits auf ein LED-Farb-Touchscreen für bequemes Online-Shoppen per W-LAN oder UMTS. Mit zusätzlichen Funktionen wie etwa der Möglichkeit, E-Books auszuleihen, aber auch der Unterstützung des epub-Standards bietet der Nook tatsächlich einen gewissen Mehrwert gegenüber Amazons Kindle. Doch Amazons Vorsprung auf dem E-Book-Sektor ist schwer aufzuholen. Momentan deckt das Imperium von Jeff Bezos 70-80 Prozent des elektronischen Buchmarktes in den USA ab. Der Start des Nook im November 2009 kam außerdem etwas spät, denn kurz darauf brach bekanntlich schon der mediale Hype um das iPad los, mit dem Apple konsequent auf LED-Technik setzte. Doch B&N will die Nook-Karte weiter ausspielen – in den Filialen sollen ab September spezielle In-Door-Shops nur für den Dual-Screen-E-Reader eröffnen.

Ein Kommentar »

  • newstube.de schrieb:

    E-Books wälzen US-Buchbranche um – Barnes&Noble vor der Übernahme…