Author Earnings Report: Jedes 3. E-Book wird ohne ISBN verkauft – & fehlt in Buchmarkt-Statistik

unit-sales-shadow-20150121ISDN sei die Abkürzung für „Ist sowas denn nötig?“, wurde in den Neunziger Jahren gewitzelt. Im E-Book-Zeitalter könnte man ähnlich mit ISBNs kalauern. Für viele Indie-Verlage und Self-Publishing-Autoren spielen die „Internationalen Standardbuchnummern“ überhaupt keine Rolle mehr. Für die USA hat Hugh Howeys aktueller „Author Earnings Report“ (AER) jetzt vielsagende Zahlen vorgelegt – demnach würden dort bereits 30 Prozent aller E-Book-Verkäufe Titel ohne ISBN-Nummer betreffen. Bei den Einnahmen ergibt sich ein ähnliches Bild: 28 Prozent aller Autorenerlöse im Kindle-Store würden mit ISBN-losen E-Books erzielt. Der AER basiert auf einer automatisierten Auswertung von 120.000 Titeln aus dem Amazon-Katalog.

ISBN-Schlupf schafft „Schatten-Industrie“

Da Amazon knapp zwei Drittel des E-Book-Marktes in den USA kontrolliert, bedeutet der große ISBN-Schlupf aber auch: die offiziellen Statistiken zum Marktanteil von selbst publizierten E-Books verzerren die Realität – sie zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Tatsächlich, so die Macher des AER, hätten die Indies bereits einen Marktanteil von 30 Prozent. Die von AAP, BISG, Nielsen oder Bowker gelieferten niedrigeren Buchmarkt-Zahlen beziehen sich dagegen nur auf Titel mit ISBN, der Rest wird ziemlich willkürlich geschätzt. Das Fazit für den Autor Earnings Report angesichts der „Schatten-Industrie“ im Indie-Sektor: „When It Comes To Tracking Digital Books, The ISBN Is Officially Dead — It Just Hasn’t Been Buried Yet.“

In Deutschland bleiben ISBNs bei E-Books wichtig

Zombie-Status haben in den USA die ISBNs für E-Books aber auch rein praktisch: Amazon verwendet eigene Bestellnummern (ASIN genannt), bestehende ISBNs werden in ASINs umgerechnet. Die großen US-Plattformen wie Barnes & Noble, iBooks oder Kobo sind für Self-Publisher ebenfalls ohne Vergabe einer ISBN-Nummer zugänglich. Anders das Bild in Deutschland, hier gibt es ein ISBN-Kartell: Um E-Books im epub-Format auf Buchhandelsplattformen wie Thalia, Weltbild, Libri & Co. anzubieten, ist die ISBN obligatorisch, viele Distributoren vergeben sie kostenlos. Etwa ein Drittel der deutschen Self-Publisher veröffentlicht aber nur via Amazon – so dass auch hierzulande viele E-Books ohne ISBN verkauft werden.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".