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Ausverkauf an die Crowd: Mit Massenspenden zum werbefreien Web-Comic?

12 Jul 2012

„Penny Arcade steht vor dem Ausverkauf“. Bei dieser Überschrift mussten treue Leser wohl erstmal schlucken. Doch zum Glück handelt es sich um ein Sell-Out der besonderen Art – denn die wohl älteste Web-Comic-Serie der Welt appelliert nicht an normale Investoren, sondern an die Internet-Crowd. 250.000 Dollar wollen die Penny-Arcade-Erfinder Jerry Holkins und Mike Krahulik über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter einsammeln – und mit den Massenspenden dann die Abhängigkeit ihrer Bildergeschichten von störenden Werbebannern verringern. Schafft es die um Video Game Culture kreisende Web-Comic-Serie, wäre das nichts weniger als eine kleine Revolution: Während viele Content-Anbieter die Spenden aus der Crowd als zusätzlichen Einnahmestrom nutzen, hat bisher noch keine größere Plattform den Sprung in die reklamefreie Zone geschafft.

Die Fans können mehr tun als nur T-Shirts kaufen

Grundsätzlich wäre das für Holkins und Krahulik aber gar nichts neues. Als ihre gezeichneten Alter Egos namens Gabe und Tycho Brahe im Jahr 1998 erstmals online gingen, konnte sich „Penny Arcade“ tatsächlich noch mit milden Gaben der Fan-Community über Wasser halten. Mit dem Ausbau der Plattform kam dann jedoch als weitere Säule Werbung hinzu: „Wir haben uns damals wohl gedacht, anders lässt sich so eine Seite nicht mehr finanzieren, aber dann fiel uns irgendwann auf, dass wir es nie wirklich ausprobiert hatten. Die Leute wollen immer wieder von uns wissen, wie sie uns unterstützen können, ohne T-Shirts zu kaufen oder auf Anzeigen zu klicken – jetzt gibt es diesen Weg“, heißt es in der Projektbeschreibung auf Kickstarter. Ein Sprung ins kalte Wasser ist die Kickstarter-Aktion schon, ein Sprung ins leere Becken aber nicht, immerhin hat „Penny Arcade“ mitterweile mehr als 4 Millionen regelmäßige Leser.

„We have quite a year planned, if you’re game.“

Wird die Mindestsumme von 250.000 Dollar erreicht, verschwindet das Werbebanner im Seitenkopf, kommen mehr als 500.000 Dollar zusammen, wird „Penny Arcade“ für mindestens ein Jahr komplett werbefrei. Wenn alles klappt wie geplant, könnte der Umstieg von Anzeigen-Dollars auf Crowdfunding-Dollars eine kreative Kettenreaktion in Gang setzen: „Ohne die allmächtigen Pageviews im Hinterkopf ist vieles denkbar, warum zum Beispiel nicht etwa ein RSS-Feed mit allen Comic-Strips und Artikeln? Warum nicht auch Comic-Apps, egal ob von uns selbst oder anderen, mit denen die Leute ganz einfach so lesen können, wie sie es verdammt noch mal wollen?“
Selbst die Veröffentlichung des Web-Comics unter Creative Commons-Lizenz können sich Hulkins und Krahulik vorstellen. Die Chancen stehen gut – schon nach 24 Stunden war ein Drittel der Mindestsumme erreicht, mehr als einen Monat vor dem Ende der Aktion sind bereits 200.000 Dollar zusammengekommen.

(Via GigaOM)

Abb.: Screenshots Penny Arcade/Kickstarter