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Aus für den High-End-Reader: Plastic Logic stoppt QUE-Projekt

11 Aug 2010

plastic-logic-que-e-readerDer QUE kommt nicht mehr: Plastic Logic hat sein ambitioniertes E-Reader-Projekt gestoppt. Nachdem im Juli bereits sämtliche Vorbestellungen annulliert worden waren, verkündete das Unternehmen jetzt das endgültige Aus für das 11-Zoll-Gerät mit Touch-Screen und WLAN/UMTS. Je nach Modell sollte der monochrome E-Ink-Reader zwischen 649 und 799 Dollar kosten. Nun müssen High-End-Nutzer auf die nächste QUE-Generation warten – immerhin will Plastic Logic im E-Reader-Business bleiben.

Reader-Branche im Umbruch: „Die Marktsituation hat sich dramatisch geändert“

Verschoben ist nicht aufgehoben, heißt es so oft. Im E-Reader-Business gilt das aber nur bedingt. Zu oft wurden bereits Lesegeräte angekündigt, die sich letztlich als Vaporware erwiesen. Bestes Beispiel ist der txtr-Reader des gleichnamigen Berliner Startups – angekündigt wurde er für Weihnachten 2009, doch bis heute existiert lediglich eine txtr-App, der Reader lässt auf sich warten. Die QUE-Kunden zumindest müssen jetzt nicht mehr warten. „Die Marktsituation hat sich dramatisch verändert, und nach den bisherigen Verzögerungen bei der Produktion macht es keinen Sinn mehr, die erste Generation unsere Lesegeräte noch an den Start zu bringen“, so Plastic Logic -Chef Richard Archuleat in einer Pressemitteilung. Ähnlich wie beim txtr-Reader hatte man für die Verzögerung Qualitätsmängel vorgeschoben – doch es dürfte sich angesichts des iPad-Schocks, unter dem die gesamte Branche sowie auch die Geldgeber stehen, wohl auch um taktisches Verhalten gehandelt haben.

E-Reader-Blues in Dresden: Was wird nun aus dem Standort „Silicon Saxony“?

Für die Entwicklung des elektronischen Lesens dürfte der Verlust aber wohl verschmerzbar sein. Denn mit dem QUE-Reader von Plastic Logic scheitert ein Projekt, das vor allem auf Business-Kunden abzielte. Mit 8,5 mal 11 inches entsprach das Display des Lesegerätes exakt dem amerikanischen Bürostandard (“Letter”-Format). Neben dem problemlosen Umgang mit Dokumenten im Word- oder PDF-Format sollte der QUE auch den direkten Draht zum E-Mail-Account, Kalender & ToDo-Liste ermöglichen. Die Qualität ließ sich Plastic Logic einiges kosten. Die Produktion siedelte das kalifornische Unternehmen in seinem Dresdner Werk an – man setzte also auf “Silicon Saxony” statt auf “Silicon Valley” bzw. “made in China”. Nach Informationen von iPadinside soll dieses Werk vorerst wohl erhalten bleiben. Das könnte jedoch auch vom Willen zukünftiger Geldgeber abhängen. Einer Meldung der Financial Times zufolge ist Plastic Logic in Gesprächen mit Rusnano, einem staatseigenem Nanotechnologie-Unternehmen mit Sitz in Moskau. Voraussetzung für eine finanzielle Beteiligung wäre allerdings die Ansiedlung der Produktion in Russland.