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Augenstress bei E-Lektüre: Neue Studie sieht LCD und E-Ink gleichauf

4 Okt 2012

Zu den zentralen Verkaufsargumenten für elektronisches Papier gehört neben dem geringen Stromverbrauch vor allem der Komfort-Faktor: die Augen sollen bei der Lektüre nicht so schnell ermüden wie bei hintergrundbeleuchteten LCD-Displays. Doch der traditionelle „Eye-Strain“ scheint bei modernen Displays kaum noch ins Gewicht zu fallen: als US-Wissenschaftler kürzlich eine Gruppe von zehn Versuchsteilnehmern längere Zeit mit einem iPad sowie einem Sony-Reader schmökern ließen, konnten sie dabei keine maßgeblichen Unterschiede messen. Einem in der Zeitschrift „Ophthalmic and Physiological Optics“ veröffentlichten Artikel zufolge gehörten zu den Beobachtungskategorien neben subjektivem Ermüdungsgefühl auch die Erkennung einzelner Buchstaben, Lesegeschwindigkeit, Augenbewegungen sowie der Pupillenreflex.

Dass E-Ink und LCD in punkto Augenstress gleichauf liegen, lässt die Wissenschaftler folgenden Schluss ziehen: „Es ist nicht die Technologie an sich, auf die es beim Lesen ankommt, sondern viel eher die Bildqualität. Im Vergleich zu Bildschirmen aus vorhergehenden Jahrzehnten scheinen aktuelle elektronische Displays gute und angenehme Lektüre auch für ausgedehnte Zeiträume zu erlauben.“ Mit anderen Worten, die Auflösung bzw. Pixeldichte scheint eine ganz besondere Rolle zu spielen. Gerade ein im Vergleich zu Papier unscharfes bzw. verwaschenes Bild zwingt die Augenmuskeln zu unzähligen Anpassungsleistungen, um einzelne Buchstaben zu fokussieren. Ein Grund, warum die neueste Generation von E-Ink-Displays mit höherer Auflösung (768x1024Pixel statt 600×800 Pixel) noch augenfreundlicher sein dürfte als die Vorgängerversionen. Gleiches gilt natürlich für das hochauflösende Retina-Display aktueller iPads oder iPhones.

Einen wichtigen Vorteil gegenüber LCD-Displays dürften E-Ink-Reader allerdings behalten: sie reflektieren passiv bei Tageslicht bzw. normaler künstlicher Beleuchtung in Innenräumen genau wie Papier deutlich weniger Licht als hintergrundbeleuchte Bildschirme aktiv ausstrahlen. Um Augenstress bei Smartphones oder Tablets zu vermeiden, sollte man also die Helligkeit beim Lesen so weit wie möglich herunterregulieren. Außerdem gilt natürlich: je aktueller das Lesegerät, desto besser die Lesequalität. Die Geräteauswahl der amerikanischen Wissenschaftler stimmt da dann doch nachdenklich: zur Verfügung standen den Probanden iPads der ersten Generation (Baujahr 2010) sowie der Sony PRS-600, also ein technisch veralteter E-Ink-Reader von 2009. Ein aktuelleres Reader-Modell mit konstraststärkerem Pearl-E-Ink hätte da vielleicht zu etwas anderen Ergebnissen geführt.

(Via The Digital Reader)

Abb.: foshydog/Flickr