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Auftragskiller aus der Anderwelt: Anna Kleve, Das Geheimnis seiner Aura [Leseprobe]

2 Aug 2017 0 Kommentare

geheimnis-seiner-aura-introArawn ist ein Peryton, ein Mischwesen mit übernatürlichen Kräften — und zugleich ein gefürchteter Auftragskiller. Seine neueste Mission führt ihn in die Welt der Menschen: er soll den Studenten Erik um die Ecke bringen, ein auf den ersten Blick erstaunlich gewöhnliches Wesen ganz ohne magische Kräfte. Merkwürdig scheint nur Eriks starke Aura — was hat es damit auf sich? Arawn wird neugierig, und beginnt sogar, Erik zu beschützen, um hinter sein Geheimnis zu kommen. Das Schicksal geht manchmal seltsame Wege — ausgerechnet Arawn und Erik führt es schließlich auf eine Reise zur legendären Trollhexe, und in den Kampf gegen gemeinsame Feinde aus der Anderwelt. Doch kann ein Peryton einem Menschen am Ende etwas anderers bringen als den Tod? Eins ist schon mal klar: Anne Kleves neuer Fantasy-Roman „Das Geheimnis seiner Aura“ bleibt spannend bis zum Schluss… Wer mehr über Arawn und seinen Auftrag erfahren will, kann gleich hier loslesen.


Anna Kleve: Das Geheimnis seiner Aura

1. Arawn – Killer


Ich habe nie daran gedacht, dass ich einmal zum Beschützer werden würde. Bei allem was ich in über 2000 Jahren getan habe, war eine Laufbahn als Bodyguard niemals in meinen Gedanken aufgekreuzt. Nur das Schicksal geht manchmal andere Wege und nimmt einem jegliche Wahl. Ich zumindest hatte ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Wahl mehr gelassen bekommen …

Ich war ein Killer. Seit annähernd 2300 Jahren, um es genau zu nehmen. Mitgefühl, Freundlichkeit, Gnade – alles Worte, die für mich schon seit der Gründung der Stadt Aksum keine Bedeutung mehr hatten. Das brachte ein ganz bestimmtes Thema mit sich, über das ich nicht nachdenken wollte: Einsamkeit. Größer als die Antarktis, die größte Wüste der Welt – wenn auch eine Eiswüste. Nicht, dass ich mir je erlaubte darüber nachzudenken. Es war nicht wichtig, denn es gab nichts was ich weniger wollte, als … Gemeinsamkeit. Ich war nicht immer … alleine, aber ich hatte auch zu niemandem eine tiefe Verbindung.
Wenn jemand mich gefragt hätte, wie ich zu einer Karriere als Mörder gekommen war, würde ich antworten, dass mir der Tod im Blut liegt. Das wäre nicht einmal gelogen gewesen. Angefangen hatte es allerdings mit einer jungen Frau. Fast noch ein Mädchen. Atemberaubend schön und herzzerreißend unschuldig, nicht dass es mich interessiert hätte. Die nebelverhangene Abendröte schwand an jenem Abend gerade und die samtene Schwärze der Nacht streckte unaufhaltsam die Fühler aus, genau wie die Kräfte des Todes mein Blut erfüllten und sich unaufhörlich nach dem Leben dieses magischen Kindes – einer jungen Fairy – ausdehnten. Ich sah sie unter den Bäumen stehen, deren Blätter sich bereits herbstlich verfärbt hatten. Ein kurzer Windhauch ließ etwas von dem gefallenen Laub aufwirbeln und ich konnte den schweren Duft des Herbstes riechen: feucht und erdig. Der Geruch von etwas das ging und erst Monate später wiederkommen würde. So wie ich bereits wusste, dass ihr Leben gehen würde, nur mit dem Unterschied, dass dieses Leben niemals zurückkehren würde. Ich trat aus dem Schatten der Bäume und ließ das Laub unter meinen nackten Füßen rascheln. So wie ich dieses Geräusch bewusst hervorrief, konnte ich mich auch absolut lautlos bewegen. Je nach Bedarf. Die Frau – nein, eher doch ein Mädchen – drehte sich zu mir herum. Ihre leuchtend blauen Augen – rein und klar, wie ein Gebirgsquell – sahen mich geweitet an. Ich wusste was sie sah. Ein Mann, mit pechschwarzem Haar, zwar nicht allzu groß, aber muskulös, attraktiv – ohne dass ich angeben wollte. Es war klar, dass sie die schönsten Männer der Welt kannte – immerhin war sie eine Fairy und kannte die anderen wunderschönen Fairy: Männer wie Frauen – und doch sah sie mich mit dieser Mischung aus Erstaunen, Bewunderung und Faszination an. Ich hatte erst später begriffen, was es tatsächlich war. Nicht nur das Aussehen, es war noch etwas anderes. Die Aura von Gefahr und Dunkelheit, die besonders die … Guten … anzog. Geschöpfe, wie sie. Das Mädchen kam näher auf mich zu. Ein Lächeln erschien auf ihren vollkommenen Zügen. Von ihrem Körper strahlte eine angenehme Wärme aus, während mein Körper nach und nach zu Eis gefror. Ihr Atem streifte meine Wange, wie ein sanfter Blütenhauch. Zu sanft, für meinen Geschmack. Das Eis des Todes wanderte bis in meine Fingerspitzen. Sie kam noch etwas näher. Ich konnte ihren Duft von Rosenblüten wahrnehmen. Es hätte mich kaum weniger locken können. Meine plötzlich so eisigen Finger schlossen sich um den Dolch an meinem Gürtel. Die Kristalle am Griff kratzten an meiner Haut. Ich spürte wie die Finger des Mädchens meinen Handrücken berührten, warm und weich. Erst da zuckte sie vor mir zurück, als sie die Kälte spürte. Ein flüchtiges Lächeln huschte über meine Lippen. Ihr Leben war vorbei, bevor ich den Dolch überhaupt gezogen hatte, denn ich konnte ihre Lebensenergie bereits versiegen spüren. Einen stetigen Strom, der immer langsamer und schwächer floss. Das zu bemerken dauerte nur einen Sekundenbruchteil. Ich zog den Dolch hervor und griff nach ihrer Hand. Die so schönen und reinen Augen des Mädchens waren weit aufgerissen, als sie die Kälte des schleichenden Todes nun deutlicher fühlen konnte. In den blauen Tiefen konnte ich erkennen, dass sich nun Angst in ihr ausbreitete. Bevor die Angst sie auch nur zu einer winzigen Reaktion veranlassen konnte, hatte der Dolch in meiner Hand sich durch ihren Oberkörper gebohrt, zwischen zwei Rippenbögen hindurch und direkt ins Herz. Der Dolch und die Kristalle – eine Konstruktion meines Vaters – begannen vor Lebenskraft zu pulsieren. Ich lächelte zufrieden, als ich die Kraft darin spürte. Der Funke des Lebens verschwand schnell aus den blauen Augen, die nicht länger strahlten und funkelten. Die Lebensenergie strömte wie ein gewaltiger Strom in mich hinein. Ihr Körper wurde kalt und leblos. Die Schönheit im Tod eingefroren. Ich begann zu zittern. Immer mehr Kraft flutete mich und ihr Körper entglitt meinen Händen. Es war rein, kraftvoll, beinahe übermächtig. Mein Dolch fiel zu Boden. Ich wich zurück. Angst breitete sich unendlich weit in meinem Körper aus. Zu spät! Es wurde mir zu spät bewusst. Ich liebte es. Diese Kraft, diese Energie. Es war nicht zu vergleichen mit den Tieren, die ich getötet hatte, um zu leben. Ich würde es nie vergessen. Nein! Ich wollte es immer wieder spüren. Es konnte süchtig machen. Dieses Aroma hatte mich bereits süchtig gemacht. Ich würde mich nicht mehr nur mit Tieren begnügen können. Das war mir sofort klar gewesen. Nicht, dass es mein Gewissen je besonders belasten würde.
Ich kehrte unbemerkt nachhause zurück. Es war nicht verwunderlich, dass mein Auftraggeber bereits alles was ich gefordert hatte dort hinterlassen hatte. Natürlich! Niemand würde jemals daran zweifeln, dass ich ein Opfer töten würde. Ich war der Geist des Todes: Arawn, der Peryton, der das Leben seiner Opfer verschlang, ohne dabei Skrupel zu verspüren. Das kleine, fast zerbrechlich wirkende Instrument blieb auf der Bank liegen, während ich das glänzende Schwert aufhob. Mein Dolch lag immer noch hunderte Meter entfernt neben einer Leiche. Er war die Vergangenheit. Beinahe. Eines musste ich noch erledigen. Das Schwert in meiner Hand dagegen die Zukunft. Ein seltenes Stück. Über 2000 Jahre später vollkommen einzigartig. Und mit diesem Schwert war ich am trainieren, als ich den Auftrag erhielt, der mein Leben für immer auf den Kopf stellen sollte.

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Autorin & Copyright: Anna Kleve

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Anna Kleve,
Das Geheimnis seiner Aura
E-Book (Kindle Shop) 2,99 Euro

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