Auf Doctorows Spuren: „Eine neue Version ist verfügbar“ erscheint unter cc-Lizenz bei Metrolit

Darf man als Autor, der vom Schreiben leben muss, die digitale Kopie loben? Dirk von Gehlen tut nicht nur das – er passt auch seine praktische Arbeit an die Gesetze der digitalen Ökonomie an. Besonders sichtbar wurde das beim Buch-Projekt „Eine neue Version ist verfügbar“, Untertitel: „Wie die Digitalisierung Kunst und Kultur verändert“ – es wurde nicht nur via Crowdfunding finanziert, es enstand zudem im ständigen Feedback mit der Lesercommunity, die ab der ersten Rohfassung mitlesen und kommentieren konnte. Getreu der bereits in Gehlens Vorläufer-Titel „Mashup: Lob der Kopie“ verfochtenen These, dass Kultur zu Software geworden ist, die man hacken kann.

Nicht-kommerzielle CC-Lizenz

Im Mai 2013 kam zunächst eine limitierte Auflage von 350 Stück für die Unterstützer der ersten Stunde heraus – im September kommt nun ein „Update“ heraus. Anders als die Startauflage erscheint diese Version bei einem regulären Verlag, sowohl gedruckt wie auch elektronisch. Interessanterweise jedoch nicht unter normalem Copyright, sondern unter Creative Commons-Lizenz cc-by-nc-sa – d.h. man darf den Text „vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen, sofern dabei der Name des Verfassers und des Verlags genannt werden“ und „sofern die Nutzung nich kommerziell ist“. Auch Bearbeitungen (wie z.B. die Übersetzung) sind möglich.

„Verlagen fehlt der Mut zum Experiment“

Ganz so einfach war das aber offenbar nicht: „Auch zehn Jahre nach den ersten CC-Lizenzen sind diese für klassische Verlage immer noch eine fremde Welt“, schreibt Gehlen auf dem irights.info-Blog. Hartnäckig halte sich sogar das Vorurteil, man verzichte mit einer solchen Rechte-Lösung sogar auf Vergütung. „Es gibt kaum Erfahrungen mit alternativen Lizenzen und wenig Mut, diese auszuprobieren, weil – und hier dreht sich die Spirale der Bewegungslosigkeit – es kaum Erfahrungen damit gibt“, fasst Gehlen seine Erfahrungen auf der Suche nach einem Kooperationspartner zusammen.

CC kann sogar verkaufsfördernd sein

Mit dem Berliner Startup Metrolit fand der Autor dann allerdings einen frisch gegründeten Verlag, der Mut zum Experiment bewies – und offenbar auch wusste, dass mit einem unter cc-lizensierten Werk nicht nur Gewinne erzielen kann, sondern sogar zusätzliche, verkaufssteigernde Popularität schaffen kann. Am Beispiel von Cory Doctorow kann man ja tatsächlich sehen, welch große Wirkung auch non-kommerzielle CC-Lizenzen haben können, etwa, indem die Community für die Formatierung in alle denkbaren Formate sorgt. Und obwohl Doctorows Titel als E-Book kostenlos verfügbar sind, verkaufen sich nicht nur die Printauflagen gut – es gibt auch eine Menge Leser, die etwa bei Amazon für die Kindle-Versionen bezahlen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „Auf Doctorows Spuren: „Eine neue Version ist verfügbar“ erscheint unter cc-Lizenz bei Metrolit“

  1. Und wie lange dauert es – und auf welchem Weg passiert das -, bis man, wie Doctorow, seinen Namen hat und sich das leisten kann?

    Wieder mal wird denen, die eh schon von ihrem Herzblut leben („Eigenblutdoping“) und die Kreisläufe bereichern, auch die Diät- bzw. Durststrecken bis es funktioniert abverlangt.

    Und dieser Dauerbeschuss mit dem genug themen-bezüglichen Ausnahmebeispiel „Eine neue Version ist verfügbar“, deckt eben einen gigantischen Rest anderer Bücher / anderer Textproduktionen nicht ab.

    (Abgesehen davon, dass es mich eher nervt, wenn es mitten in der Arbeit zu blinken anfängt und eine vergleichsweise micky-maushafte Software sich mal wieder in meine Aufmerksamkeit drängt. Die alte Version tut es meist auch noch. Klar ist „Fortschritt“ blind – aber er scheint mir ganz nebenbei auch unverhältnismäßig destruktiv.)

    Will sagen: Ich nutze e-book-news oft und gern, um mich zu informieren – würde aber manchmal auch gerne die Kehrseiten berücksichtigt sehen.

Kommentare sind geschlossen.