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Auf dem Weg zum Wunderblock: Wie E-Ink die Kunst revolutionieren könnte

21 Okt 2010 0 Kommentare

schuiten-comic-e-ink-kunst-ausstellung-berlin-galarno Kann das elektronische Papier den digitalen Graben zwischen Kunst und neuen Medien überwinden? Mittlerweile sind gerade Comic-Legenden wie etwa der Franko-Belgier François Schuiten zu den Vorreitern des elektrischen Zeichnens geworden. Kein Wunder: In der Popukultur sind Techno-Sphäre und künstlerisches Handwerk kaum zu trennen. In Berlin werden ab 5. November E-Ink-Zeichnungen des Brüsseler Bande-Dessinée-Künstlers ausgestellt. Zugleich wird auf einer Fachkonferenz „Electronic ink“ als neue Dimension für das künstlerische Schaffen diskutiert.

E-Ink in der Kunst: Auf dem Weg zum Wunderblock

E-Ink in der Kunst – eigentlich eine recht naheliegende Sache. Elektronisch gezeichnet wird schließlich bereits seit der Erfindung von CAD-Systemen, Light-Pens und Sketch-Boards. Mit der Utopie vom elektronischen Papier hatte das jedoch wenig zu tun – die meiste Zeit saßen deswegen wohl eher Ingenieure als Künstler am Bildschirm. Schaut man sich die neuesten Gadgets wie Stifttabletts von Bamboo oder etwa das „Boogie Board“ an, sind wir der High-Tech-Version des „Wunderblocks“ aber schon recht nahe. Eine Kombination aus Fachkonferenz, Workshop und Ausstellung zum Thema E-Ink nun soll vom 5. bis 7. November in Berlin die neuen Dimensionen für das künstlerische Schaffen genauer ausloten. „In absehbarer Zeit wird das auf electronic ink basierende Blatt, egal welchen Formats, Einzug in die Wissenschaft und Kunstwelt halten, da seine Handhabung aufgrund der besonderen Oberfläche und Sensoren vollkommen unproblematisch ist“, so die Vision der Organisatoren um Christine Géhin/GALARNO. Die Fachkonferenz bietet Vorträge von Bruno Rive und Haruko Tsujita, beide Mitarbeiter der französischen Technologie-Beratungsagentur Tebaldo, zu deren Spezialgebiet schon seit längerem das elektronische Papier gehört. Zu Wort kommt aber auch der deutsche Kunstsammler und iPhone-Entwickler Ivo Wessel.

Utopische Comics und reales Steam-Punk-Design

In die E-Ink-Praxis führt dann neben verschiedenen Workshops eine Ausstellung von Werken des franko-belgischen Comic-Künstlers François Schuiten. Neben konventionellen Siebdrucken bekommt man nämlich im Berliner Direktorenhaus ab 5. November Zeichnungen zu sehen, die auf E-Ink-Basis realisiert wurden. Darunter befinden sich u.a. farbige Illustrationen im A3-Format. Mit dem 1954 in Brüssel geborenen Comic-Künstler hat man einen medialen Grenzgänger der Extra-Klasse für die Ausstellung gewinnen können. Zusammen mit Benoit Peeters realisierte Schuiten seit den Neunziger Jahren so unterschiedliche Dinge wie Hörbücher, Multimedia-Events und visuelle Konzepte für Fantasy-Filme. Am bekanntesten ist der Comic-Künstler allerdings immer noch durch seine Graphic-Novel-Serie „Les Cités obscures“ (dtsch. „Die geheimnisvollen Städte“). Schuiten zeichnete auch verantwortlich für die Illustrationen zu Jules Vernes „verschollenen“ Roman „Paris im 20. Jahrhundert“, einer Vision der französischen Hauptstadt im Jahr 1960, erstmals publiziert 1994. Zumindest punktuell ist das Paris der Gegenwart übrigens tatsächlich von Schuiten geprägt worden – von ihm stammt das Steam-Punk-Design der Metrostation „Arts et Métiers“.

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