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Astrophysiker warnen: Wer E-Mails oder E-Books von Außerirdischen öffnet, tut das auf eigenes Risiko

22 Feb 2018

seti-at-home„Watch the Skies!“ — In der Thüringer Sternwarte Sonneberg macht man das schon seit 1925, doch zugleich bleibt auch Zeit für theoretische Überlegungen. So verdanken wir dem dort tätigen Astrophysiker Michael Hippke und dessen US-Kollegen John G. Learned eine aktuelle Warnung davor, E-Mails von Außerirdischen einfach so zu öffnen, erst recht, wenn sie ein Attachment enthalten. Oder überhaupt Nachrichten aus dem All unüberlegt zu dechiffrieren. Die Grundannahme in ihrem Paper zum Thema Interstellare Kommunikation: „Es ist für ETI (d.h. Extraterrestrische Intelligenzen) einfacher, eine böswillige Nachricht zu verschicken, um damit die Menschheit zu vernichten, als Kampfraumschiffe in Marsch zu setzen.“ Weitere Voraussetzung ist natürlich, dass es überhaupt jemanden gibt da draußen – und er anderen gegenüber feindlich gesonnen ist. Was man natürlich nicht ausschließen kann.

„Wir sind Freunde. Bitte führt beiliegenden Code aus!“

Bücher sind nur längere Briefe an Freunde, heißt es ja so schön, doch wenn uns grüne Männchen scheinbar eine Version der galaktischen Enzyklopädie übermitteln, könne das ja auch ein Köder sein, so Hippke und Co. Vor allem, wenn die Nachricht auch komplexen, nur mit Computern ausführbaren Code enthält. Ihr Beispiel: “Wir sind Freunde. Anbei die Galaktische Enzyklopädie. Sie besteht aus einer Form künstlicher Intelligenz, die eure Sprache lernt und alle eure Fragen beantwortet. Ihr könnt den Code mit folgender Anleitung ausführen.“

Kosmische KI als tödliche Bedrohung

Was wohl nicht zufällig ein bisschen nach den üblichen, virusverseuchten E-Mails klingt, die wir regelmäßig in unserem Posteingangskorb finden. Die kosmische Mail wäre allerdings weitaus gefährlicher — denn wäre die künstliche Intelligenz, die uns da geschickt wird, nicht nur böswillig, sondern tatsächlich auch deutlich cleverer als wir, könnte man sie letztlich nicht kontrollieren, selbst wenn sie etwa nur auf dem Mond in einer mit Sprengladungen gesicherten Forschungseinrichtung ausgeführt würde. Die Annahme der Forscher: entweder überlistet die KI am Ende ihre Aufseher, oder machtgierige Dritte helfen ihr zur Flucht.

Dekontaminierung ist unmöglich, was tun?

Und dann Helm ab zum Gebet: „Mit einer Ausbruchswahrscheinlichkeit größer als Null wird die KI an irgendeinem Zeitpunkt frei sein. Das schlimmste, was dann passieren könnte, wäre die Vernichtung der menschlichen Zivilisation oder irgendeine andere nicht wieder rückgängig zu machende globale Katastrophe.“ Was also tun mit der verdächtigen Post von ET? Es gibt letztlich nur zwei konträre Möglichkeiten — da weder die „Dekontaminierung“ noch das „Containment“ solcher Nachrichten möglich sei, müsse man sie sofort zerstören, oder das zwar geringe, aber nicht auszuschließende Risiko in Kauf nehmen, das Leben auf der Erde auszulöschen.

Um intergalaktische Missverständnisse zu vermeiden, geben Hippke und Learned der „active SETI“-Gemeinde übrigens auch noch einen Pro-Tipp mit auf den Weg: wer Nachrichten ins All schickt, sollte das lieber „Text-Only“ machen. Gut, dass wir darüber geredet haben.

Abb.: Bildschirmschoner des SETI@home-Clients, Gnu Public License