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Argons Spendenaktion gescheitert: Little Brother-Hörbuch wird vorerst nicht unter CC-Lizenz veröffentlicht

19 Mai 2010 Ansgar Warner 2 Kommentare

Little Brother Argon Creative Commons Hoerbuch.gifEine kostenlose Hörbuchversion von Cory Doctorows Roman “Little Brother” wird es vorerst wohl nicht geben. Neuntausend Euro wollte der Argon-Verlag eigentlich für die professionelle Produktion im Rahmen einer Creative Commons-Lizenz sammeln. Doch nur ein kleiner Teil der Summe kam während der dreiwöchigen Internet-Spendenaktion zusammen, die am 17. Mai endete. So gibt es bis auf weiteres nur die kommerzielle Hörbuchfassung zu kaufen – sie kostet 19,95 Euro.

Befreiung fehlgeschlagen: “Little Brother” bleibt im kommerziellen Sektor

“Kaufe deine Lieblingsmusik frei” lautet das Motto von SellYourRights. Mit dem Spenden-Widget dieses Webdienstes soll allerdings nicht nur die Produktion von kostenlos downloadbaren Musiktiteln vorfinanziert werden. Es geht auch um Software, Filme, Bilder – und eben Literatur, ob in Wort oder Ton. Um Cory Doctorows Hacker-Roman “Little Brother” in ein professionell gemachtes Hörbuch zu verwandeln, hat auch der Argon-Verlag auf diese kulturelle “Befreiungstechnik” gesetzt. Doch am Wochenende musste man der Webgemeinde mitteilen: “Die notwendige Summe von 9.000 € ist nicht zusammengekommen. Somit werden wir das ungekürzte Hörbuch nicht unter freier Lizenz zum Download freigeben.” Als Gründe für das Scheitern nennt Kilian Kissling von Argon vor allem drei Punkte: die kurze Befristung, die Skepsis der Community gegenüber Paypal & Kreditkartenautorisierungen, aber auch fehlende mediale Unterstützung: “Leider ist es uns nicht gelungen, gerade die ganz großen Multiplikatoren zu erreichen: Spiegel online, der Heise-Ticker und netzpolitik.org konnten wir nicht dafür begeistern, über unser Projekt zu berichten”.

Immerhin ist ein Fünftel der benötigten Summe zusammengekommen

Ein grundsätzliches Problem war aber offenbar auch der mangelnde Bekanntheitsgrad der Creative Commons-Lizenz: “Sie ist zwar bei Netzbürgen etabliert, doch dem breiten Normalpublikum ebenso wie vielen Medien nicht vertraut”. Gleiches gelte für das Prinzip des “Street Performer Protocols” (SPP), also der spendenbasierten Finanzierung eines Werks. Ganz so schlecht sei das Ergebnis der Aktion letztlich aber auch nicht, so Kissling: “Es ist uns gelungen, innerhalb von drei Wochen etwa ein Fünftel der benötigten Summe einzusammeln. Das ist eine der höchsten Summen, die bisher in Deutschland für ein SPP-Projekt gesammelt wurde.” Die Produktion selbst hätte lediglich 4.500 Euro gekostet, die andere Hälfte wäre an den Lizenzgeber abgeführt worden. Für die potentiellen Spender (darunter auch E-Book-News) hat das vorläufige Scheitern des Projekt keine negativen Auswirkungen. “Das System arbeitet mit Paypal-Autorisierungen, die nur dann in Anspruch genommen werden, wenn das Projekt gelingt”, so Kilian Kissling.

Die Community ist weiter kreativ – es gibt “Little Brother” auch schon als Facebook-App

Leer gehen aber auch die Hörer nicht aus. Eine gekürzte, aber immerhin noch 420-minütige Fassung von “Little Brother” – gelesen von Oliver Rohrbeck – gibt’s schließlich auf CD zu kaufen. Daneben kann man aber auch das Ergebnis eines Fanhörbuchprojekts downloaden, realisiert von Fabian Neidhardt und Christian Wöhrl. Von Wöhrl stammt auch die kostenlose deutsche E-Book-Version, die in friedlicher Koexistenz lebt mit der kommerziellen Rowohlt-Übersetzung. Eigentlicher Auslöser all dieser Projekte ist letztlich natürlich Cory Doctorow selbst. Der kanadische Sci-Fi-Autor und BoingBoing-Blogger veröffentlicht seine Romane unter einer weitgehenden Creative Commons-Lizenz, die nicht nur die Weitergabe, sondern auch Erweiterungen, Veränderungen und mediale Umformungen erlaubt. Die Community ist weiterhin fleißig dabei – mittlerweile gibt’s “Little Brother” sogar als einbettbare Facebook-App.

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