Apples neues Tablet im Nachhaltigkeits-Test: Wie fair & wie bio ist das iPad?

ipad-wie-fair-und-wie-bio-i.gifVom iPad-Hype zum iPad-Bashing ist es nicht weit. Das zeigt Apples PR-Desaster angesichts der Arbeitsbedingungen beim chinesischen Zulieferer Foxconn. Neben der Sozialbilanz hat auch Apples Anspruch auf ökologische Nachhaltigkeit Kratzer bekommen. Beim Greenpeace-Ranking kommen iPhone & Co. lediglich auf Platz fünf – wegen mangelnder Transparenz. Doch wie fair und wie bio ist elektronisches Lesen auf dem iPad wirklich? E-Book News hat etwas genauer hingeschaut, was Apples neues Tablet in punkto ökologischer & sozialer Nachhaltigkeit verspricht. Heute gibt’s Teil 1: Das iPad & die Umwelt.

Von der Wiege bis zur Bahre: Am Ende seines Lebens kehrt das iPad zurück zu seinem Schöpfer – zumindest im Idealfall

Bei der Premiere des iPads im Januar ließ es sich Steve Jobs nicht nehmen, auf die besondere Umweltfreundlichkeit des neuen Gadgets hinzuweisen. So hat man bei der Herstellung auf giftige Substanzen wie Arsen, Brom, Quecksilber und PVC verzichtet. Das Gehäuse ist aus Aluminium und Glas und damit recycelbar. Die leichte Zerlegbarkeit ermöglicht am Ende des Gerätelebens, wiederverwendbare Teile und Sondermüll sauber zu trennen. Wichtig ist natürlich auch, wo ein schrottreifes iPad später einmal landet – Apple bietet seinen Kunden ein spezielles Rücknahmeprogramm an. Überhaupt gibt sich das Unternehmen schon seit längerem sehr umwelbewusst: auf der Webseite apple.com/environment kann man etwa sehen, wie sich der ökologische Fußabdruck von Macs, iPhones und iPods über die gesamte Wertschöpfungskette verteilt: Herstellung und Vertrieb machen 43 Prozent der negativen Umwelteinflüsse aus, die Nutzung der Produkte durch den Endanwender kommt dagegen auf 53 Prozent.

Greenpeace war Apples Transparenz im Detail nur Platz Fünf im globalen Ranking wert

Doch was wirklich drin ist im ökologischen Fußabdruck, macht Apple bisher leider nicht vollständig transparent. Im aktuellen Greenpeace-Ranking („Guide to Greener Electronics“, Mai 2010) kommt das Unternehmen deswegen nur auf Platz fünf, hinter den Branchengrößen Nokia, Sony, Philipps und Motorola. Natürlich gibt es aber Eckdaten zur Ökolbilanz von IT-Geräten. Laut Bundesumweltamt beispielsweise verbraucht die Produktion eines PCs mit Monitor rund 2.790 Kilowattstunden Energie und setzt 850 Kilogramm Treibhausgase frei. Außerdem werden 1.500 Liter Wasser und 23 Kilogramm verschiedener Chemikalien benötigt. Bei kompakteren Geräten wie Laptops oder Tablet PCs fallen diese Werte etwas geringer aus – genauso wie der Stromverbrauch bei laufendem Betrieb. Für den besonders niedrigen Stromverbrauch des iPads sorgen vor allem ein energiesparender ARM A4-Prozessor und der Einsatz von Flash-Speicher statt Festplatten.

Cloud Computing: Die versteckte Stromrechnung aus der Rechnerwolke

Man darf jedoch nicht vergessen: Bei vernetzten Geräten kommt noch eine ganze Menge versteckter Umweltfolgen hinzu. Laut Greenpeace können „auf Cloud-Computing basierende Geräte wie Apples iPad, die dem Nutzer über die Rechnerwolke Zugang zu Online-Services wie Soziale Netzwerke oder Video Streaming ermöglichen, einen weitaus größeren C02-Fußabdruck verursachen, als man bisher angenommen hatte.“ Apples eigener Serverpark in North Carolina etwa bezieht seinen Strom laut greenbiz.com zu 50 Prozent aus Kohle, zu 30 Prozent aus Atom. Bei den größten Serverparks von Microsoft und Google sieht es ähnlich fossil aus. Immerhin haben viele Unternehmen begonnen, für ihre Rechnerwolken verstärkt Strom aus Wind- und Wasserkraft einzusetzen. Ein bisschen können Endanwender übrigens auch selbst tun: Alternative Suchmaschinen wie etwa „Forestle“ helfen, die Ökobilanz des drahtlosen Surfens etwas zu verbessern.

Rettet die Bäume: Wie nachhaltig ist eigentlich elektronisches Lesen?

Allerdings verringert das elektronische Lesen auch eine Menge C02-Emissionen, da im Idealfall weniger Bücher aus Papier gedruckt werden müssen. Im Jahr 2009 prognostizierte das Unternehmen Cleantech Group, dass die zwischen den Jahren 2009 und 2012 in den USA verkauften E-Reader insgesamt in diesem Zeitraum etwa 9,9 Mrd. Kilogramm C02 einsparen könnten. Bei der elektronischen Lektüre mit einem Amazon Kindle, so rechnet Cleantech vor, hätte man die bei der Produktion des Readers entstandenen C02-Emissionen nach einem Jahr neutralisiert – vorausgesetzt, man liest drei Bücher pro Monat. Hält man dieses Lesetempo vier Jahre durch, was ungefähr der Lebensdauer des Kindles entspricht, werden der New York Times zufolge ingesamt 168 kg C02 in die Atmosphäre geblasen, gegenüber mehr als 1000 kg, die der Kauf von 144 gedruckten Büchern versacht hätte. Wobei zu beachten ist: die Ökobilanz eines gedruckten Buches hängt stark von den Transportwegen ab. Bestellt man online ein Buch aus Übersee, sieht die Umweltbilanz anders aus als beim Gang in den nächstgelegenen Buchladen. Damit E-Books gegenüber der Gutenberg-Galaxis überhaupt punkten können, müssen sie natürlich mittelfristig die gedruckten Bücher ersetzen, und nicht nur als zusätzliche Medien dazukommen. Wahrscheinlicher ist die rasche Substitution deswegen wohl eher im Bereich von Zeitungen und Zeitschriften. Auf dem iPad müssten ohnehin noch ein paar E-Books oder E-Mags dazukommen, denn der Stromverbrauch des hintergrundbeleuchteten Bildschirms ist deutlich höher als der eines E-Ink-Displays – und damit verschlechtert sich die C02-Bilanz.

„Wenn Sie schon ein iPad kaufen, dann lesen Sie möglichst viel, und möglichst lange…“

Letzlich darf man das iPad genauso wenig isoliert betrachten wie das Kindle oder andere mobile Lesegeräte. Entscheidend für die persönliche Umweltbilanz ist der Umfang des Geräteparks, den man um sich herum versammelt. Potentielle iPad-Nutzer besitzen in der Regel bereits einen Apple-Rechner bzw. einen PC, und zusätzlich ein iPhone oder ein anderes Mobiltelefon. E-Reader und/oder Tablet-PC erweitern diesen Gerätepark noch ein Stück weiter, ohne die beiden anderen Geräteklassen vollständig zu ersetzen. Auf absehbare Zeit werden viele Haushalte also für die Bereiche Produktivität, Konsum und Kommunikation mindestens drei Geräte parallel betreiben, die jeweils nur einem Lebenszyklus von wenigen Jahren haben. Für den ökologischen Fußabdruck verheißt das nichts gutes. Unter rein ökologischen Aspekten müsste man also eigentlich raten: verzichten Sie bitte auf den Kauf von zusätzlicher Elektronik, nutzen Sie lieber die nächste Leihbibliothek. Oder aber: wenn Sie schon ein iPad kaufen, lesen Sie möglichst viel, und lesen Sie möglichst lange. Zum Glück kann man in meiner Bibliothek auch E-Books ausleihen…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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