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Apple gibt Druck von kritischen Investoren nach: iOS 12 enthält vorbeugende Features gegen Smartphone-Sucht

7 Jun 2018

io12-screentimeDer Smartphone-Industrie geht es ein bisschen so wie den Kollegen von der Tabak- und Spirituosenbranche: einerseis sind Produktdesign und Marketing genau darauf abgestimmt, die Leute möglichst früh zum Konsum zu verführen und so schnell wie möglich abhängig zu machen. Die negativen Folgen dieser Abhängigkeit — in diesem Fall: der Smartphone-Sucht — machen dann aber dem Markenimage zu schaffen. Also muss zusätzlich noch kräftig ins Greenwashing investiert werden, mit Kampagnen, die zum „bewussten“ oder „verantwortlichen“ Gebrauch der jeweiligen Droge motivieren sollen.

Genau an diesem Punkt ist nun offenbar Apple angekommen — auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2018 rief Software-Chef Craig Federighi dazu auf, sich mit den „übergroßen Auswirkungen“ von Smartphones auf unseren Alltag zu beschäftigen. „Für manche von uns ist das zu einer solchen Gewohnheit geworden, dass wir womöglich nicht mehr merken, wie stark wir abgelenkt werden“, so Federighi.

Und da die Ablenkung offenbar so etwas ist wie der Lungenkrebs oder die Leberzirrhose der Aufmerksamkeits-Ökonomie, hat man sich in Cupertino einen Filter respektive eine Trinkpause ausgedacht: die neueste mobile Betriebssystem-Version iOS 12 soll das Abschalten bzw. Stumm-Schalten von iPhone oder iPad erleichtertn, so dass in Ruhephasen — während der Mahlzeiten, im Theater oder im Bett — kein Klingeln, Vibrieren oder Blinki-Blinki zu noch mehr Screen-Time lockt.

Außerdem sollen die Geräte nun transparenter machen, wie viel Zeit man bereits mit einzelnen Apps verschwendet hat oder wie oft der Ruhezustand unterbrochen wurde, um Statusmeldungen zu checken. Zeitliche Limits lassen sich ebenfalls definieren, aber auch leicht wieder lockern. Anders bei den elterlichen Kotroll-Funktionen: im Rahmen der „Familienfreigabe“ können die Erziehungsberechtigten verbindliche Sperrzeiten festlegen, zum Beispiel abens und nachts. Ausnahmen für pädagogisch wertvolle Apps sind aber möglich.

Eins darf man natürlich von Apple nicht erwarten, und erst recht nicht von den noch stärker von den App-Interaktionen abhängigen Unternehmen wie Google oder Facebook: Hilfe zum konsequenten Ausstieg aus der Sucht, sprich dem Ausstieg aus der Smartphone-Nutzung zu Gunsten gesünderer Offline-Aktivitäten. Selbst der Wechsel zum Feature-Phone würde ja schon eine Menge Zeitreserven freisetzen, erst recht natürlich der Umstieg auf einen E-Reader — sozusagen der E-Zigarette unter den Mobilgeräten. Aber selbst besonder kritische Investoren würden wohl soweit nicht gehen…

Abb.: Apple.com

(via Meedia.de)