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AOL kauft die Huffington Post: Sputnik-Moment des Online-Journalismus?

8 Feb 2011

aol-kauft-huffington-postAm Anfang des Internets stand für viele Amerikaner America Online, abgekürzt AOL. Am Anfang des reinen Online-Journalismus stand die Huffington Post. In Zukunft gehen beide Hand in Hand. Für die erstaunliche Summe von 315 Millionen Dollar hat AOL die „HuffPo“ gekauft. Chefredakteurin und Gründerin Arianna Huffington leitet zukünftig die „Huffington Post Media Group“, in der auch die Content-Abteilungen von AOL zusammengefasst werden, etwa die auf Lokaljournalismus spezialiserte Seite patch.com sowie zahlreiche weitere Webangebote wie etwa Engadget oder TechCrunch. Insgesamt zählt die neue Mediengruppe bis zu 117 Millionen regelmäßige US-Nutzer, weltweit 270 Millionen. Erklärtes Ziel von AOL ist es damit, zum führenden Content-Anbieter im Web aufzusteigen.

HuffPo wird auch weiterhin auf Paid Content verzichten

Arianna Huffington sprach sogar vom gemeinsamen „Sputnik-Moment“. Für die HuffPo selbst würde sich grundsätzlich aber nichts ändern, abgesehen von weitaus besseren Entwicklungsmöglichkeiten: „Far from changing our editorial approach, our culture, or our mission, this moment will be for HuffPost like stepping off a fast-moving train and onto a supersonic jet“, schreibt die Grande Dame des Online-Journalismus in einem Editorial. Da ähnlich wie die HuffPo auch AOL sämtlichen Web-Content schon bisher komplett über Werbeeinnahmen finanziert hat, dürfte eins zumindest auszuschließen sein – der Übergang zu einem Paid Content-Modell.

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Mediengerecht inszenierte Fusion

Angesichts des kreativen Potentials dieser Fusion kommen auch der Konkurrenz die Tränen in die Augen – was aber vielleicht auch an der medialen Inszenierung liegt. Huffington und AOL-Chef Tim Armstrong unterzeichneten nämlich den Merger-Vertrag „at the superbowl in the company of a group of wounded veterans“, wusste ausgerechnet Rupert Murdochs neue iPad-Postille „The Daily“ zu berichten. Bei den Veteranen handelte es sich natürlich um verwundete GIs, nicht um Leidtragende der Zeitungskrise – oder etwa um Mitarbeiter des angeschlagenen Online-Riesens AOL. Während die HuffPo nämlich seit 2010 Gewinne erwirtschaftet, musste AOL zuletzt starke Gewinneinbrüche verkraften. Auch das dürfte die Motivation zur Fusion verstärkt haben.

Vom kollaborativen Modell zur Big Corporation

Eine ganz andere Frage ist natürlich, was die Leser und Mitarbeiter denken. Schließlich geht es hier um den Wechsel vom kollaborativen Medium zur Big Corporation. Die HuffPo lebt neben knapp hundert bezahlten Redakteuren von den Zulieferungen ihrer 6000 unbezahlten Blogger und mehr als einer Million monatlicher Kommentare aus der Community. Tatsächlich löste auch Arianna Huffingtons Editiorial zur Fusion mit AOL in wenigen Stunden tausende Reaktionen aus – viele Leser sorgen sich nun um die politische Unabhängigkeit ihrer Zeitung, die sich bisher als oppositionell und basisorientiert verstand.