AOL auf Expansionskurs: HuffPo kommt nach Deutschland

Die Huffington Post bekommt einen weiteren europäischen Ableger: ab 2012 geht eine deutsche Ausgabe der Online-Gazette an den Start, wie Meedia.de berichtet. In Großbritannien gibt es bereits eine lokalisierte Version, in Frankreich ist sie bis Ende des Jahres geplant. Deutsche Leser können sich somit auf eine weiteres Online-Portal freuen, das ohne Bezahlschranke auskommt. Die HuffPo finanziert sich vor allem über Online-Werbung und schreibt in den USA bereits schwarze Zahlen – die Zahl der monatlichen Besucher ist mit 25 Millionen größer als etwa bei der Website der Washington Post. Neben dem Einsatz von hunderten hauptamtlichen Redakteuren gehört zum Erfolgsrezept der HuffPo vor allem die Einbindung der Blogosphere. In Deutschland soll es allerdings nur eine kleine Stammredaktion geben, ergänzt durch Content von anderen Medienhäusern. In Frankreich macht die HuffPo es genauso und kooperiert mit der Le Monde-Gruppe. Genug Geld für die Expansion dürfte wohl auf jeden Fall vorhanden sein – Anfang 2011 wurde die HuffPo von AOL gekauft.

HuffPo setzt auf die Community

Chefin der Huffington Post Mediengruppe ist und bleibt die HuffPo-Gründerin Arianna Huffington, die das Online-Modell im Jahr 2005 konzipiert hat – ursprünglich als Gegengewicht zum rechtskonservativen Portal Drudge Report. Kommentare aus der Community waren dabei von Anfang an sehr wichtig, mittlerweile werden auf den HuffPo-Seiten monatlich mehr als eine Million Leserkommentare hinterlassen. Ebenso bedeutsam sind jedoch Gastbeiträge aus prominenter Feder. Zu den ersten „Bloggern“ auf den HuffPo-Seiten gehörten Arthur Schlesinger, Norman Mailer und Saskia Sassen. Mittlerweile ist aus der Polit-Postille ein vollwertiges „Internet Newspaper“ mit zahlreichen Rubriken geworden, das neben Text und Bildberichterstattung auch auf Videos setzt. Lokalausgaben bringen den Lesern auch Nachrichten aus Chicago, New York, Denver und Los Angeles.

Kommt auch ein deutsches TechCrunch?

Mit zur HuffPo-Mediengruppe gehören seit dem AOL-Deal auch prominente Blogs wie Engadget oder TechCrunch – deswegen erwägt man offenbar derzeit, nach der deutschen Engadget-Version auch dem Technologie-Blog TechCrunch eine .de-Domain zu verpassen. Erklärtes Ziel von AOL ist es schließlich, zum führenden Content-Anbieter im World Wide Web aufzusteigen. Schon jetzt kommen die Webangebote weltweit auf mehr als 270 Millionen regelmäßige Nutzer. Das Online-Only-Inhalte ohne Paywall bei Nachrichtenportalen finanziell funktionieren können, gilt übrigens nicht nur in den USA. In Frankreich haben das Portale wie Mediapart oder rue89 auch schon geschafft. Für die deutsche Paid-Content-Debatte könnte die HuffPo somit eine völlig neue Perspektive bringen, ebenso aber für das verlegerische und journalistische Selbstverständnis. Vergleichbare Versuche, die Profi-Journalismus und „ehrenamtliche“ Community-Beiträge auf redaktionelle Augenhöhe bringen, gab es hierzulande bisher schließlich noch nicht.

Abb.: New York City News Service der Huffington Post (flickr/drewgeraets)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".