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Das dunkle Herz der Globalisierung: André Milewski, Elfenbeinkrieg [Leseprobe]

27 Sep 2016 0 Kommentare

elfenbeinkrieg-introGrausam zugerichtete Leichen im Hamburger Hafen. Ein leerer Container, der offenbar geschmuggeltes Elfenbein aus Afrika enthielt. Dazu noch die Machenschafter dubioser Waffenhändler. Ein neuer Fall für BKA-Ermittler Lukas Horn — die Spur des Verbrechens führt den Ex-Elitesoldaten nach Khartum in den Sudan, und bringt schnell auch ihn selbst in tödliche Gefahr. Denn die Drahtzieher der internationalen Schattenwirtschaft lassen sich nicht gerne in die Karten schauen. André Milewskis neuer Thriller „Elfenbeinkrieg“ ist eine schonungslose Reise in das dunkle Herz des afrikanischen Kontinents, und basiert auf Fakten, denn der Elfenbeinkrieg ist blutige Realität, selbst in den Reservaten und Nationalparks. In den letzten zehn Jahren wurden in Afrika mehr als 100.000 Elefanten das Opfer von Wilderern, der Gesamtbestand schrumpfte um 20 Prozent. Unsere Leseprobe führt direkt in den Prolog…


André Milewski, Elfenbeinkrieg

Prolog
Garamba-Nationalpark – Demokratische Republik Kongo,
an der Grenze zum Süd-Sudan, März 2016

Wieder einmal waren sie zu spät gekommen. Die Männer hatten sich im Halbkreis aufgestellt und blickten auf die grauen Riesen, die vor ihnen im niedergetrampelten Savannengras lagen. Sadiq blickte seinen Leuten in die Gesichter, bei den älteren unter ihnen waren die Mienen vor Wut verzerrt, bei den jüngeren wiederum glaubte er, Tränen zu sehen. Mit versteinertem Blick sah er wieder zu den fünf Elefantenkadavern, von denen sich zwei unter der sengenden Sonne enorm aufgebläht hatten. Die anderen drei hingegen waren so grauenvoll zugerichtet, wie selbst Sadiq es selten zuvor gesehen hatte. Einem der Tiere hatten die Wilderer glatt den kompletten Unterkiefer herausgerissen. So sah es aus, aber Sadiq wusste es besser. Sie hatten ihre Macheten benutzt, wie sie es gerne im Blutrausch taten. Dem Verwesungsgeruch nach zu urteilen lagen die Kadaver noch keine zwei Tage hier. Riesige Schwärme von Fliegen umgaben die toten Tiere. Sadiq nahm sein Barett ab und wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn.
»Was machen wir jetzt?«, fragte einer der jüngeren Ranger. Sadiq blickte den jungen Mann an und setzte sein Barett wieder auf.
»Melden Sie es ans Hauptquartier weiter und verzeichnen Sie die Stelle auf der Karte. Danach machen wir, dass wir hier schnell wegkommen. Die Sonne geht bald unter und ich möchte nicht in der Dunkelheit noch im Park sein.«
Der Junge sah ihn mit einer Mischung aus Enttäuschung und Wut an, gab aber keine Widerworte und ging zu ihrem Geländewagen hinüber.
»Was glaubst du, wer hierfür verantwortlich ist, Sadiq?« Kumboyo Adoum, einer seiner erfahrensten Park-Ranger hatte sich zu ihm gesellt und blickte mit Abscheu auf den Elefanten mit dem fehlenden Unterkiefer.
»Konys Verbrecherbande, wer sonst? Sieht so aus, als hätten sie ihren Rhythmus geändert. Das sind nun schon insgesamt fünfundzwanzig in diesem Monat.«
Kumboyo nickte. »Verdammte Schweine, wenn wir nur einmal rechtzeitig hier wären, dann …«
»Dann was?« Sadiq blickte seinen alten Kampfgefährten spöttisch an. »Glaubst du, wir zwei und diese Jungspunde da hinten könnten sie daran hindern?« Er legte Kumboyo die rechte Hand auf die Schulter. »Nein, mein Freund. Das können wir nicht schaffen.«
»Du redest so, als hättest du aufgegeben, das gefällt mir nicht.«
»Ich bin nur realistisch. Das ist bereits das dritte Massaker innerhalb der letzten zwei Wochen. Und es wird immer schlimmer.«
»Wir haben auch viele Wilderer festgenommen oder erschossen in den letzten Monaten.«
»Das waren doch nur kleine Fische«, entgegnete Sadiq gereizt. »Aber was Kony hier betreibt, ist ein systematisches Abschlachten. Er schickt ein ganzes Regiment seiner Killer hierher und lässt sie wüten. Denen können wir nicht beikommen. Nicht mit unserer Ausrüstung.«
»Fremont verhandelt immer noch über eine bessere Bewaffnung für die Ranger.«
»Ja, aber wie lange macht er das schon? Zwei Jahre und er hat nichts erreicht. Glaub mir, die da oben wollen gar nicht, dass wir besser bewaffnet werden. Die kriegen alle ihr Stück vom Kuchen ab. Kony zahlt gut. Oder, besser gesagt, seine Abnehmer«, sagte Sadiq bitter.
Ein Rascheln im hohen Gras hinter ihnen ließ Kumboyo und ihn herumfahren. Sein Freund hielt bereits die Waffe im Anschlag. Er bedeutete ihm mit der Hand, ruhig zu bleiben. Es raschelte erneut, etwas kam durch das meterhohe Savannengras auf die kleine Lichtung zu. Auch Sadiqs Hand glitt nun zu seinem Pistolenholster.
Ein kleiner Babyelefant kam stürmisch herausgestoben. Er stockte kurz, als er die beiden Männer erblickte, aber lief dann weiter, ohne auf Sadiq oder Kumboyo zu achten, zu einem der aufgeblähten toten Elefanten hin und tastete verzweifelt mit seinem Rüssel den Kadaver ab. Dabei stieß er ein leises, verzweifelt klingendes Tröten aus. Die anderen Männer hatten den kleinen Elefanten ebenfalls bemerkt. Sadiq signalisierte ihnen durch Handzeichen, einen Kreis um das Kalb zu bilden. Sie zogen den Kreis schnell immer enger zu, aber der aufgewühlte Babyelefant nahm sie gar nicht wahr. Er lehnte sich mit seinem Körper gegen den toten Elefanten und gab kollernde, brummende Laute aus seiner Kehle ab. Wehmütig beobachtete Sadiq die herzzerreißende Szene noch einen Augenblick, dann gab er seinen Leuten das Zeichen. Mit vereinten Kräften gelang es ihnen, das Elefantenjunge von seiner toten Mutter wegzuzerren.
»Legt ihm ein Halsband an«, befahl Sadiq. Sofort legte einer der Männer dem laut protestierenden Babyelefanten einen extra für diesen Zweck angefertigten Gurt um den Hals. Daran befestigt war ein starkes Seil. »Nun bringt ihn zum Transporter, wir bringen ihn weg von hier. Er muss schnell versorgt werden, sonst kommt er nicht durch.«
Das kleine Elefantenkalb wehrte sich nach allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften, aber gegen die sechs ausgewachsenen Männer, die es in Richtung des alten Transporters zogen, konnte es sich nicht durchsetzen.
»Wo willst du ihn hinbringen?«, fragte Kumboyo. »In unserer Station können wir ihn nicht unterbringen. Er würde innerhalb weniger Tage eingehen.«
»Ich weiß. Ich werde ihn zu Enyama bringen, er hat Erfahrung mit Babyelefanten und außerdem noch genügend Platz in seinem neuen Waisenhaus.«
»Bist du verrückt? Sein Lager ist im Radom-Nationalpark, achthundert Kilometer von hier entfernt. Da fährst du die ganze Nacht, wenn nicht noch länger. Und der Weg dorthin ist …«
»Ich weiß, Kumby.« Sadiq lächelte. »Deswegen wirst du mich begleiten. Wir beide bringen das Junge zu Enyama, er ist die einzige Möglichkeit für den Elefanten, um zu überleben.«
»Na toll«, brummte Kumboyo. »Und was ist mit unserem Überleben?«
Sadiq lachte. »Nun komm schon. Je eher wir losfahren, desto größer ist die Chance, dass der Kleine überlebt. Wir haben schon Schlimmeres überstanden als so eine kurze Fahrt.«
Kumboyo seufzte kurz, dann ging er zu seinem Geländewagen und holte eine
Kalaschnikow hinter dem Fahrersitz hervor. Er hängte sich das Gewehr über die Schulter und griff sich noch eine Munitionstasche aus dem Jeep. Damit kam er wieder zu Sadiq zurück und blickte ihn entschlossen an. »Dann los.«

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Autor & Copyright: André Milewski

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André Milewski,
Elfenbeinkrieg
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