E-Books zum Thema Roulette-Systeme: Kann man an Fortunas Rädchen drehen?

roulette-systemeDas Rad der Fortuna dreht sich, die Kugel klackert. Rot oder Schwarz? Gerade oder ungerade? Hoch oder niedrig? Faites vos jeux…. Rien ne va plus! Roulette ist Glücksspiel par excellence, und das schon seit dem 18. Jahrhundert. Nach den Anfängen in den Spielhallen von Paris hat sich das Konzept überall verbreitet, auch deutsche Spielbanken in Baden-Baden, Bad Homburg oder Wiesbaden führten bald Kessel, Kugel und grünem Tisch ein. Über Wiesbaden gelangte Roulette in die Weltliteratur: hier lernte es 1837 Fjodor Dostojewski kennen, der das Erlebnis in seinem Roman „Der Spieler“ verewigte. Man findet heute auf der ganzen Welt kaum ein Casino, in dem Roulette nicht an mindestens einem Tisch präsentiert wird. Obwohl es für eine Spielbank immer noch relativ großen Aufwand bedeutet, Roulettetische zu betreiben – vier Croupiers, traditionell sogar sechs plus zwei „Chef de table“, gehören dazu. Doch wird dieser Aufwand gerne in Kauf genommen, das Spiel zieht schließlich viele Besucher an. Immer wieder versuchen Spieler zudem, spezielle Roulette-Systeme zu testen, um gegen alle Wahrscheinlichkeit zu gewinnen.

Roulette & die angeblichen „Gewinn-Systeme“

Doch sind solche Systeme, mit denen sich Gewinne garantieren lassen, prinzipiell überhaupt denkbar? Wenn das der Fall wäre, würde Roulette in Casinos wohl nicht mehr angeboten, schließlich wäre es für die Betreiber ein Verlustgeschäft. Kurz gesagt handelt es sich bei Roulette eben um ein reines Glücksspiel. Anders als bei anderen klassischen Tisch-Spielen im Casino, zum Beispiel Blackjack, Baccara oder Poker, kann man mit den eigenen Fähigkeiten die Chancen auf einen Gewinn kaum beeinflussen. Stattdessen gelten bestimmte mathematische Regeln, die sich bei den verschiedenen Varianten zwar ein wenig unterscheiden, die aber allgemein immer dafür sorgen, dass das Casino gegenüber den Spielern einen genau berechneten Vorteil genießt — und niemand am Tisch wissen kann, wer am Ende mit mehr oder weniger Geld das Casino verlässt.

Jenseits vom Millionengewinn: Zusatzeinkommen durch Roulette?

Wer sich für das Spiel interessiert und mehr über die neuen Systeme lesen möchte, die einige Spieler in den vergangenen Jahren angeblich entwickelt haben, findet im Kinde Shop trotzdem eine ganze Reihe von E-Books zu diesem Thema. Sofortige Millionengewinne werden dort zwar nicht versprochen, immerhin aber wirbt etwa Thomas Pfennig, Autor von „Erfolgreiche Roulettesysteme“ mit dem Claim: „Sollten Sie sich mit einigen Hundertern am Tag, statt mit Millionenversprechungen zufrieden geben, dann ist dieses Ebook genau das richtige für Sie.“ Rücken „Zusatzeinkommen“ eher „in den Bereich des Möglichen“, wenn man online Casino spielt? Johannes Flörsch hat für sein Buch „Online-Casinos. Nebenjob „Glücksspieler“ mit erfolgreichen Roulette-Profis ebenso gesprochen wie mit Spielsüchtigen – und formuliert dann selbst „Strategien fürs Spielen und Strategien fürs Spielverhalten“. Anders als Pfennig und Flörsch konzentriert sich Horst E. Schmidt in seinem knappen Ratgeber „Roulette spielen“ auf Methoden und Strategien, die vor allem auf das tradiionelle Offline-Spiel im echten Casino zielen, und distanziert sich zugleich von jeglichen Gewinnversprechungen. Stattdessen gibt der pensionierte Bundesbeamte mit Faible für Spielbank-Atmosphäre lediglich „Empfehlungen“, die man „befolgen und überprüfen könne“. Schmidt bringt auch ein Argument vor, dem man sich kaum verschließen kann: es gibt nur eine ganz sichere Methode, um mit scheinbar unschlagbaren Roulettesystemen Geld zu verdienen — wenn man selbst ein Buch darüber schreibt und es anschließend gut verkauft.

Was E-Books zum Thema Roulette bieten können

Fazit: Als potentieller Spieler sollte besser nicht auf das Marketing von Autoren hereinfallen, die reale Gewinne in maßgeblicher Höhe versprechen. Wundern darüber, dass so viele Bücher über Roulettesysteme erscheinen, sollte man sich aber ebensowenig. In den vergangenen Jahren ist es immer leichter geworden, als Self-Publisher solche E-Book-Ratgeber über große Marktplätze wie Amazon zu vertreiben. Wenn sich manche dieser Roulette-Titel am Ende doch lohnen, dann vor allem, weil man dort interessante Hintergründe und Stories über das Spiel mit dem rollenden Rädchen erfahren kann. Statt dort nach Tipps für sichere Gewinne zu suchen, sollte man das Geld aber lieber gleich in Jetons wechseln…

Abb.: Ralf Roletschek (cc-by-sa-3.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".