Amazons Top 20 der „belesensten“ Städte: Mainz als E-Book-Hauptstadt Deutschlands?

Glaubt man den Marktforschern, so lesen knapp ein Viertel der Deutschen bereits E-Books. Doch wo lesen sie denn eigentlich? Das soll jetzt Amazons Top 20 der „belesensten Städte“ zeigen, zumindest, was den Konsum von Kindle-Books im Februar 2012 angeht. And the winner is: drei, zwei, eins… Mainz. Ausgerechnet Gutenbergs Wirkungsstätte ist auf dem Kindle-Reader die lesefreudigste Stadt Deutschlands – und hat trotz ihrer nur 200.000 Einwohner glatt Großstädte wie Berlin, Hamburg und München auf die Plätze verwiesen.

Berlin und Hamburg sind E-Book-Provinz

Überhaupt liegt die Provinz bei der elektronischen Lektüre via Kindle auffällig weit vorn, denn auf dem Siegertreppchen stehen ansonsten noch Bonn und Freiburg. Um überhaupt Aufnahme in die Top 20 zu finden, musste eine Stadt mindestens 150.000 Einwohner haben. So schaffte es selbst das beschauliche niedersächsische Oldenburg (160.000 Einwohner) auf die Liste, und liegt erstaunlicherweise sogar noch vier Positionenen vor Berlin – die deutsche Hauptstadt (3,5 Millionen Einwohner) taucht nämlich erst an Platz 14 auf. Doch wieviel E-Books werden dort eigentlich gelesen? Gute Frage. Mehr als die bloße Hitparade bekommt man in Amazons Pressemitteilung nicht zu sehen – denn wie üblich hält sich das Unternehmen bei konkreten Absatzzahlen bedeckt.

Sind die Zahlen wirklich repräsentativ?

Mitgeliefert wird aber eine mögliche Erklärung des merkwürdig metropolenfernen Rankings: „Die 20 belesensten Städte Deutschlands sind gleichzeitig Sitz einer Universität mit mehr als 20.000 Studenten“. Was wohl unterstellen soll, dass es dort ein junges, technikaffines und vor allem lesefreudiges Publikum gibt. Das erklärt aber natürlich nicht, warum Berlin und Hamburg so weit hinten liegen – schließlich gehören sie zu den wichtigsten Hochschulstandorten der Republik und haben mehr Studenten als Mainz Einwohner. Des Rätsels Lösung dürfte wohl die bisher noch vergleichsweise geringe Verbreitung des Kindle-Readers in Deutschland sein. Überhaupt besitzen einer aktuellen Studie der Uni Hamburg zufolge bisher nur knapp 35 aller E-Book-Käufer einen E-Reader. Mit anderen Worten: mangels Masse ist Amazons Top 20 nicht wirklich repräsentativ. Ein vergleichbares Phänomen kann man im Kindle-Store beobachten – auch dort gleicht sich die Bestseller-Liste erst langsam den normalen Buchmarkt-Bestsellern an. Bei eher gestarteten Portalen wie Thalia oder Libri ist dies längst passiert.

Abb.: Amazon.de

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".