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Namegrabbing: Amazon beansprucht .book-Domain – Buchbranche protestiert

12 Mrz 2013

Was führt Amazon im Schilde? Ganz offensichtlich Bücher. Doch reicht das aus, um dem Unternehmen die totale Kontrolle über alle Internet-Domains mit der Endung .book oder .author zu überlassen? Ein entsprechender Antrag bei der Netzbehörde ICANN hat nicht nur Autoren, sondern die gesamte Buchbranche auf den Plan gerufen. „Wir sprechen uns mit aller Schärfe gegen die Absicht der ICANN aus, die exklusiven Rechte an Top-Level-Domains mit buchhandelsspezifischen Begriffen wie .book, .author oder .read zu verkaufen“, so Scott Turrow, Vorsitzender der US Authors Guild, in einem offenen Brief an ICANN. „Gibt man solche Domains in private Hände, schwächt man den Wettbewerb, und erlaubt bereits sehr mächtigen, finanzstarken Unternehmen ihre Marktmacht weiter auszubauen. Das Missbrauchspotential ist riesig.“ Ablehnend äußerte sich auch die „Association of American Publishers“ – die exklusive Vergabe der Book-Domain richte sich „gegen das öffentliche Interesse“.

Gesponserte Top-Level-Domains als Problem

Grundsätzlich gibt es auch die Möglichkeit, bestimmte Domains der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, wie dies etwa bei .com, .net oder .org der Fall ist – sie werden deswegen „nichtgesponserte Domains“ genannt. Bei „gesponserten“ Domains dagegen können geldgebende Unternehmen oder Organisationen selbst bestimmen, was sie mit den Adressbereichen machen. Anfänglich war die ICANN bei diesem Modell sehr zurückhaltend, doch vor einiger Zeit wurde die Vergabe von gesponserten Top-Level-Domains erleichtert. Kein Wunder, das zahlreiche große Player ihre Ansprüche anmeldeten – so etwa auch Google: der Suchmaschinenriese möchte sich gleich mehr als hundert Domainnamen einverleiben. Allerdings hat Google auch schon sehr früh betont, manche von ihnen, wie etwa .search, .blog, .app oder .cloud, sollten auch von Dritten genutzt werden können.

Das größte Namegrabbing der Web-Geschichte

Amazon dagegen strebt selbst bei allgemeinen Domains wie .book nach Exklusivität: „Wenn die Dinge sich so entwickeln, wie Amazon hofft, könnte das Ergebnis dieses Machtspiels die Welt des Onlinehandels auf den Kopf stellen“, schrieb cnet schon im Sommer 2012, als die oberste Netzbehörde ICANN bekannt gab, welche generischen Top-Level-Domains aktuell von Unternehmen und Institutionen beantragt worden seien. Man könnte auch von einem historischen Namegrabbing zugunsten des Marktführers sprechen: Amazon möchte insgesamt 76 Adressendungen kontrollieren. Neben offensichtlichen Begriffen wie .kindle oder .amazon finden sich darunter auch sehr allgemeine wie .shop, .buy, store, und neben .movie oder .video eben auch die jetzt inkriminerte .book-Domain.

Barnes&Noble fürchtet Wettbewerbsverzerrung

Neben Verbänden wie der Author’s Guild oder dem amerikanischen Verlegerverband AAP sind natürlich auch direkte Konkurrenten wie Barnes&Noble alarmiert – Amazon würde die Kontrolle über solche Top-Level-Domains dazu nutzen, den „Wettbewerb in der gesamten Buchbranche zu ersticken, und damit auch die Zukunft urheberrechtlich geschützter Verwerungsmodelle“, heißt es in einem Protestbrief an die ICANN. „Amazons Inbesitznahme würde das offene, freie Internet bedrohen und sich in schädlicherWeise auf Webnutzer in aller Welt auswirken“, heißt es weiter. Die Vergabeentscheidung durch die Non-Profit-Organisation ICANN soll noch in diesem Jahr gefällt werden – wobei Überraschungen nicht ausgeschlossen sind. Denn viele Domainnamen werden von mehreren Unternehmen beansprucht.

Abb.: Tag-Cloud, erstellt mit Worldle.net